{"id":27839,"date":"2022-03-10T15:56:54","date_gmt":"2022-03-10T14:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=27839"},"modified":"2022-03-10T15:56:54","modified_gmt":"2022-03-10T14:56:54","slug":"ihk-siegen-unternehmen-ueberdenken-kritisch-ihre-geschaeftsbeziehungen-zu-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ihk-siegen-unternehmen-ueberdenken-kritisch-ihre-geschaeftsbeziehungen-zu-russland\/","title":{"rendered":"IHK Siegen: Unternehmen \u00fcberdenken kritisch ihre Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Russland"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Krieg in der Ukraine belastet die heimische Wirtschaft erheblich. Die H\u00e4lfte der Industrie- und Gro\u00dfhandelsbetriebe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe bekommt bereits negative Auswirkungen zu sp\u00fcren. Besonders hart trifft dies Unternehmen mit Gesch\u00e4ftsbeziehungen in die Krisenregion. Aber die Folgen treffen auch viele andere Firmen.\u201c Rainer Dango, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Dango &amp; Dienenthal Maschinenbau GmbH in Siegen und Vorsitzender des Au\u00dfenwirtschaftsausschusses der IHK Siegen, sieht in den Ergebnissen einer aktuellen Blitzumfrage der Kammer unter 266 Industrie- und Gro\u00dfhandelsbetrieben zum Russland-Ukraine-Konflikt alarmierende Anzeichen f\u00fcr eine nachhaltige Beeintr\u00e4chtigung der wirtschaftlichen Entwicklung: \u201eDie R\u00fcckmeldungen zeigen: 58 % der Industrie- und Gro\u00dfhandelsbetriebe in der Region sind davon \u00fcberzeugt, dass die kriegerische Auseinandersetzung dauerhaft negative Folgen f\u00fcr den eigenen Betrieb haben wird. Bei den Unternehmen mit Russlandgesch\u00e4ft sind es mit 69 % noch deutlich mehr.\u201c<\/p>\n<p>Rund ein Viertel der 266 an der Umfrage mitwirkenden Betriebe unterh\u00e4lt Gesch\u00e4ftsbeziehungen in die Krisenregion, also zur Ukraine und\/oder zu Russland. 75 % dieser Unternehmen haben mit den Folgen des Konflikts zu k\u00e4mpfen, ein Gro\u00dfteil davon mit unmittelbaren Auswirkungen. Etliche Kommentare in den Antworten zeigen deren unterschiedliche Auspr\u00e4gungen. So berichtet ein Unternehmen: \u201eStahl liegt im Hafen von Antwerpen und wir k\u00f6nnen ihn nicht abholen, da es sich um einen russischen H\u00e4ndler handelt und das Schiff nicht gel\u00f6scht wird!\u201c Ein weiterer Betrieb erkl\u00e4rt, dass Ware f\u00fcr die Ukraine versandfertig im Lager stehe, der Vertrag aber nun hinf\u00e4llig sei. Zudem l\u00e4gen Gro\u00dfauftr\u00e4ge f\u00fcr den russischen Markt \u201eauf Eis\u201c \u2013 mit erheblichen Umsatzeinbu\u00dfen als Folge. Ein anderes Beispiel verdeutlicht, dass sich auch bei den Rohstofflieferungen eine kritische Entwicklung abzeichnet: \u201eDie meisten in der Ukraine besch\u00e4ftigten M\u00e4nner sind im Krieg, zugleich werden Lieferungen nach Russland nicht mehr bezahlt.\u201c Die Umfrage zeigt zudem, dass auch zahlreiche indirekte Auswirkungen sp\u00fcrbar werden. Hierzu geh\u00f6ren zum Beispiel steigende Kosten f\u00fcr Energie, Frachten und Rohmaterial sowie Lieferschwierigkeiten. Teilweise brechen Auftr\u00e4ge weg, weil an anderer Stelle Zahlungen aus Russland f\u00fcr Lieferungen ausbleiben.<\/p>\n<p><strong>Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Russland werden in Frage gestellt<\/strong><\/p>\n<p>Bei aller Betroffenheit: Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Unternehmen (85 %) bef\u00fcrwortet wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Bei den Betrieben mit Gesch\u00e4ftsbeziehungen zur Ukraine und zu Russland ist dieser Anteil mit 89 % sogar noch etwas h\u00f6her. Die Unternehmen \u00fcberdenken kritisch ihre Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Russland. Hierbei besteht offenkundig insgesamt eine hohe Unsicherheit. Die Heinrich Georg GmbH Maschinenfabrik in Kreuztal geh\u00f6rt zur Mehrheit von 60 % der Betriebe, die beabsichtigen, ihre Gesch\u00e4ftsbeziehungen in Russland aufgrund des Konflikts zu beenden: \u201eWir unterst\u00fctzen die Wirtschaftssanktionen und zeigen dies aktiv mit unserer Entscheidung, das Russlandgesch\u00e4ft auszusetzen. Nat\u00fcrlich wissen wir um die wirtschaftlichen Konsequenzen, aber das ist ja nun mal der Charakter von Sanktionen. Diese richten sich keinesfalls gegen unsere russischen Partner, die wir auch in Zukunft als solche sehen m\u00f6chten. Vielmehr bringen wir unsere Haltung gegen den brutalen Angriffskrieg des russischen Pr\u00e4sidenten zum Ausdruck\u201c, fasst Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Mark Georg die Haltung seines Unternehmens zusammen.<\/p>\n<p>IHK-Vizepr\u00e4sident Axel E. Barten (Achenbach Buschh\u00fctten GmbH &amp; Co. KG) will in Bewertung der gegenw\u00e4rtigen Lage eine langfristige Perspektive angelegt wissen: \u201eEs wird eine Zeit nach Putin geben, um dessen Krieg es hier geht. Gesch\u00e4ftsbeziehungen sind zum Teil \u00fcber viele Jahrzehnte gewachsen und k\u00f6nnen nach Beilegung des Konfliktes einen wirksamen Beitrag zur Normalisierung der Beziehungen Russlands zur Ukraine, aber auch zum Westen leisten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie verantwortliches Handeln in dieser Krise auszusehen hat, daf\u00fcr gibt es keinen K\u00f6nigsweg. Am Ende muss jedes Unternehmen f\u00fcr sich die Handlungsoptionen sauber ausloten\u201c, betont IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener. \u201eZweifellos handelt es sich um einen schmalen Grat, auf dem man sich bewegt. Je st\u00e4rker und traditionsreicher die Beziehungen zu Russland sind, desto verst\u00e4ndlicher ist es, wenn die \u201aDaumenschrauben\u2018 nur sukzessive angezogen werden.\u201c<\/p>\n<p>Das Hauptrisiko des Konfliktes f\u00fcr das eigene Unternehmen sehen Industrie und Gro\u00dfhandel in weiter steigenden Energiepreisen (93 %). Sorgen bereiten zudem Engp\u00e4sse bei Rohstoffen (70 %), instabile Lieferketten (53 %), sinkende Auftragseing\u00e4nge (51 %) und Engp\u00e4sse bei Vorprodukten (43 %). Mit dem Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen rechnen 9 % der befragten Betriebe. Vor dem Hintergrund des Konflikts haben die Unternehmen klare energiepolitische Erwartungen an die Politik: Fast zwei Drittel der Unternehmen (64 %) fordern, dass Steuern und Abgaben auf den Strompreis reduziert werden. Rund die H\u00e4lfte dr\u00e4ngt auf eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren (56 %), einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien (52%) und einen Neueinstieg in die Atomenergie (49 %). Rainer Dango: \u201eKlimawandel und Krieg haben das Thema Grundlastsicherung und Krisenfestigkeit der Energieversorgung auf der Liste der Forderungen an die Politik weit nach oben r\u00fccken lassen. Hier besteht, weit \u00fcber die Diskussion \u00fcber Spritpreise hinaus, dringender Handlungsbedarf!\u201c<\/p>\n<p>Info: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Krieg in der Ukraine belastet die heimische Wirtschaft erheblich. 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