{"id":2762,"date":"2015-09-18T09:25:10","date_gmt":"2015-09-18T07:25:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=2762"},"modified":"2015-09-18T09:25:10","modified_gmt":"2015-09-18T07:25:10","slug":"nun-kommt-die-verantwortung-wieder-auf-uns-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/nun-kommt-die-verantwortung-wieder-auf-uns-zu\/","title":{"rendered":"\u201eNun kommt die Verantwortung wieder auf uns zu\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>SPIEGEL-Redakteur Dieter Bednarz zu Gast bei den Wirtschaftsjunioren S\u00fcdwestfalen e.V.<\/strong> &#8211;<\/p>\n<p>Zur\u00fccklehnen und die Ereignisse aussitzen, das geht nicht mehr! So l\u00e4sst sich vielleicht am besten ein Gespr\u00e4ch zusammenfassen, welches gestern Abend in der Mercedes Bald Arena an der Siegener Leimbachstra\u00dfe stattfand. Und dieses Res\u00fcmee kann man nicht nur auf das \u201eSturmgesch\u00fctz der Demokratie\u201c beziehen, wie Gr\u00fcnder Rudolf Augstein\u00a0 einst den Auftrag des \u201eSPIEGEL\u201c definierte, sondern allgemein auch auf die Politik. Eingeladen hatten die Wirtschaftsjunioren S\u00fcdwestfalen e.V. den langj\u00e4hrigen politischen Redakteur des Nachrichtenmagazins \u201eDER SPIEGEL\u201c, Dieter Bednarz,\u00a0 um per Interview mit Mitglied Markus Weber zu erfahren, wie Europas gr\u00f6\u00dftes Nachrichtenmagazin arbeitet und ob das Internet der Tod des klassischen Journalismus bedeutet.<\/p>\n<p>Es ging aber nicht nur um den SPIEGEL sondern auch um verschiedene Fronten, vor allem im Nahen Osten, wo sich Dieter Bednarz beruflich besonders gut auskennt. Den Gespr\u00e4chsauftakt begann er aber mit seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen von der \u201eWickelfront\u201c. Mit 49 Jahren wurde er Vater von Zwillingen, kurz danach kam Tochter Rosa auf die Welt. Ein Freund habe ihn mit den Worten \u201eWer soll das schaffen, wenn Euch das nicht gelingt!\u201c dazu ermuntert, sich mit seiner Frau diesen Aufgaben zu stellen. Parallel dazu sei auch Deutschland heute in einer Lage, Stichwort Fl\u00fcchtlinge, dass man denkt, wie schaffen wir das?\u00a0 \u201eNun m\u00fcssen wir alle im Lande Herz und Verstand zusammenf\u00fchren, um das zu ruppen\u201c, betonte Bednarz und lobte die F\u00fchrungsrolle von Bundeskanzlerin Merkel bei dieser Herkulesaufgabe.<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich ging der Redakteur auch auf die Geschichte und Konstruktion des \u201eSPIEGEL\u201c ein, wo die rund 900 Mitarbeiter als Gesellschafter\u00a0 das Sagen haben. Der jahrelange Konflikt beim SPIEGEL, in dessen Verlauf mehrere Chefredakteure an den selbst- und machtbewussten Redakteuren scheiterten, entstand im Grunde genommen mit dem Aufkommen des Internet und entz\u00fcndete sich an der Frage der Zusammenf\u00fchrung der Print-Ausgabe mit dem rechtlich eigenst\u00e4ndigen Internetmagazin \u201eSPIEGEL ONLINE\u201c. Inzwischen \u201e\u2026 \u00fcben sich SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL in Kooperation, so Bednarz. Allein 15 Arbeitsgruppen besch\u00e4ftigten sich heute beim \u201eSPIEGEL\u201c mit der Zusammenf\u00fchrung. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcsse nat\u00fcrlich nach Auflagen- und Anzeigen\u00ad-Verlusten gespart werden. Dennoch w\u00fcrde auch beim SPIEGEL an neuen Produkten gearbeitet.<\/p>\n<p>Die Schnelligkeit des Internet bei der Verbreitung von Nachrichten hat l\u00e4ngst den klassischen Journalismus ver\u00e4ndert. Die Enth\u00fcllungsplattform WikiLeaks mache beispielsweise geheime Dokumente von Regierungen und Institutionen f\u00fcr jeden \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich, \u00fcberfordere aber viele Menschen allein durch die schiere Masse an Informationen. Hier kommt nach Auffassung von Dieter Bednarz der (neue) Qualit\u00e4tsjournalismus ins Spiel, der seine vielf\u00e4ltigen Kontakte in die Netzkultur nutzt, um Nachrichten zu analysieren, einzuordnen (\u201ekuratieren\u201c in der SPIEGEL-Sprache) und zu kommentieren. Folgt man dem, geht es im Grunde also um eine Arbeitsteilung von Qualit\u00e4tsjournalismus \u00e0 la SPIEGEL und Online-Nachrichten.<\/p>\n<p>Und auch das Thema Ethik im Journalismus kam am Abend nicht zu kurz. Journalisten h\u00e4tten immer wieder individuelle und verantwortliche Entscheidungen zu f\u00e4llen, beispielsweise ob ein bestimmtes Foto ver\u00f6ffentlicht werden sollte. Das k\u00fcrzlich gezeigte Foto des kleinen ertrunkenen syrischen Jungen werde eine Ikone, prophezeite Bednarz. \u201eEs dr\u00fcckt alles aus, was man sonst in Artikeln nicht ausdr\u00fccken kann\u201c.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Gespr\u00e4chs mit dem Gast kreiste um den Nahen Osten. Der Journalist,\u00a0 der 1956 in Bochum geboren wurde, lebte u.a. drei Jahre in Kairo und gilt als intimer Kenner vieler L\u00e4nder in dieser Region. \u201eWenige haben den dortigen beispiellosen Umbruch, den \u201eArabischen Fr\u00fchling\u201c so genau\u00a0 und so nah verfolgt wie unser heutiger Gast\u201c, hatte ihn Timm Bendinger, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren S\u00fcdwestfalen e.V., bei der Begr\u00fc\u00dfung charakterisiert. Aufsehen erregten seine SPIEGEL-Interviews mit dem iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmadineschad, dem iranischen Ajatollah und Multi-Million\u00e4r Rafsandsch\u0101ni, dem syrischen Diktator Assad und dem \u00e4gyptischen Staatschef Sisi. Solche Gespr\u00e4che m\u00fcssten, so Bednarz vor den rund 100 Besuchern in der Mercedes Bald Arena, geduldig und lange vorbereitet werden, h\u00e4ufig unter Einschalten von Kontakten und Mittelsm\u00e4nnern. Mit Assad habe er zweimal gesprochen (2009 und 2013) und ihn dabei immer als souver\u00e4nen, freundlichen und selbstbewussten Herrscher ohne Selbstzweifel erlebt. Das Weltbild dieses Massenm\u00f6rders beinhalte nur \u201eSieg oder Tod\u201c. Als SPIEGEL-Redakteur lasse er sich aber bei solchen Gespr\u00e4chen nicht verbiegen. Am letzten\u00a0 Assad-Text wurde laut Aussage von Dieter Bednarz bei der nachtr\u00e4glichen \u201eAbnahme\u201c nichts ge\u00e4ndert, obwohl viel Sch\u00e4rfe im Gespr\u00e4ch war.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter in Syrien? Soll man auf den Sturz Assads hinarbeiten oder mit ihm zusammenarbeiten? \u201eIm Moment schwimmt hier jeder!\u201c, lautete die Antwort des Redakteurs.\u00a0 Viele Akteure und Gruppierungen mischten in Syrien mit und die neue aktivere Rolle von Putin k\u00f6nne noch nicht eingesch\u00e4tzt werden. Der Westen mitsamt der EU habe sich vor vier Jahren, als der Konflikt begann, heraushalten wollen. \u201eWir hatten Angst vor einer schlimmen Situation, die jetzt eingetreten ist. Nun kommt die Verantwortung wieder auf uns zu und wir d\u00fcrfen uns nicht davor dr\u00fccken, denn die Syrienkrise erfasst uns im wahrsten Sinne des Wortes\u201c, betonte Dieter Bednarz. Kanzlerin Merkel zeige jedenfalls in der Fl\u00fcchtlingskrise eine erstaunliche Klarheit, Offenheit und Herzlichkeit gegen\u00fcber den Migranten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPIEGEL-Redakteur Dieter Bednarz zu Gast bei den Wirtschaftsjunioren S\u00fcdwestfalen e.V. &#8211; Zur\u00fccklehnen und die Ereignisse aussitzen, das geht nicht mehr! 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