{"id":27258,"date":"2022-02-02T12:13:42","date_gmt":"2022-02-02T11:13:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=27258"},"modified":"2022-02-02T12:13:42","modified_gmt":"2022-02-02T11:13:42","slug":"ihk-siegen-konjunkturklima-stagniert-lage-passabel-aber-instabil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ihk-siegen-konjunkturklima-stagniert-lage-passabel-aber-instabil\/","title":{"rendered":"IHK Siegen: Konjunkturklima stagniert \u2013 Lage passabel, aber instabil\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKonjunkturell erleben wir derzeit eine Seitw\u00e4rtsbewegung. Die Lage ist passabel, aber leider nicht stabil. Das hat Gr\u00fcnde: Die Preise f\u00fcr Rohstoffe, Energie und Vorprodukte kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Zudem belastet das versch\u00e4rfte Pandemiegeschehen den ohnehin schon gebeutelten Einzelhandel und das Gastgewerbe stark. Corona wirkt gerade dort wie ein m\u00e4chtiger Bremsklotz. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der im Januar durchgef\u00fchrten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 558 Unternehmen mit mehr als 41.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung \u2013 erreicht abermals einen guten Wert von 120 Punkten. Damit liegt er weiter deutlich \u00fcber dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (105). 44 % der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe berichten von einer guten und 13 % von einer schlechten Lage. Die Lagebeurteilung ist so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Felix G. Hensel: \u201eEs ist erfreulich, dass in weiten Teilen der Wirtschaft die aktuelle Gesch\u00e4ftslage dem positiven Trend weiter folgt, insbesondere im Gro\u00dfhandel und in der Industrie. Aber wo Licht ist, ist leider auch Schatten: Das Gastgewerbe verliert den Glauben an eine Trendwende, aber auch der Einzelhandel und etliche konsumnahe Dienstleister berichten von teils deutlich schlechteren Gesch\u00e4ften.\u201c<\/p>\n<p>Die Erwartungen der Unternehmen in Siegen-Wittgenstein und Olpe an die kommenden Monate haben sich etwas eingetr\u00fcbt, bleiben aber im positiven Bereich. 26 % rechnen k\u00fcnftig mit besseren Gesch\u00e4ften, 16 % hingegen mit schlechteren. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201ePrall gef\u00fcllte Auftragsb\u00fccher helfen nicht, wenn sich die dahinter liegenden Kalkulationen durch fehlendes Material, durch die Decke schie\u00dfende Preise und gest\u00f6rte Lieferketten zum Lotteriespiel entwickeln. Je l\u00e4nger die Durchlaufzeiten der Produkte, desto gr\u00f6\u00dfer sind die Risiken, b\u00f6se \u00dcberraschungen zu erleben.\u201c Die meisten Unternehmen fahren daher auf Sicht; nur 11 % von ihnen gehen von einer Verbesserung bei der Versorgung mit relevanten Rohstoffen und Waren in den n\u00e4chsten sechs Monaten aus. Jedes vierte Unternehmen rechnet erst 2023 mit einer Entspannung. Die Vollsperrung der A45 bei L\u00fcdenscheid schl\u00e4gt zus\u00e4tzlich ins Kontor der heimischen Wirtschaft. Zwei Drittel sp\u00fcren negative Auswirkungen. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eGestiegene Transportkosten, ein h\u00f6herer Planungsaufwand, l\u00e4ngere Anfahrtszeiten der Mitarbeiter, sinkende Arbeitgeberattraktivit\u00e4t, steigende Kosten, schwierigere Logistik: Wir beginnen langsam zu erahnen, wie nachhaltig die kleinen Risse im Br\u00fcckenbeton die bisherigen Standortvorteile S\u00fcdwestfalens untergraben.\u201c<\/p>\n<p><b>Besch\u00e4ftigungspl\u00e4ne auf Drei-Jahres-Hoch \u2013 Fachkr\u00e4ftemangel problematisch<\/b><\/p>\n<p>Der positive Trend bei der Besch\u00e4ftigungsprognose h\u00e4lt weiter an. 24 % planen eine Personalaufstockung und 8 % einen Abbau. Vor allem die Unternehmen aus Industrie, Gro\u00dfhandel und Baugewerbe wollen ihre Besch\u00e4ftigtenzahl erh\u00f6hen. Felix G. Hensel: \u201eAngesichts der weiterhin guten Gesch\u00e4ftslage ist der Personalbedarf ungebrochen. Ein positives Signal. Allerdings haben die Betriebe immer gr\u00f6\u00dfere Probleme, die offenen Stellen auch zu besetzen. 60 % melden derzeit Engp\u00e4sse. Acht von zehn Unternehmen gehen von einer Versch\u00e4rfung des Fachkr\u00e4ftemangels in den kommenden Jahren aus. Die Sorge ist gro\u00df, dass sich der Fachkr\u00e4ftemangel von einer gravierenden Herausforderung zu einem regelrechten Wachstumshemmnis entwickelt.\u201c<\/p>\n<p><b>Industrie mit \u00fcberwiegend positiver Lagebeurteilung und ordentlicher Auslastung<\/b><\/p>\n<p>In gro\u00dfen Teilen der Industrie \u00fcberwiegen weiterhin die positiven Meldungen. 48 % der Firmen beurteilen ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut und 12 % als schlecht. 31 % der Industrieunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft und 15 % sind pessimistisch. Nur 9 % der Betriebe melden einen niedrigen Auftragsbestand. Im Herbst war es noch ein Viertel. Der Auslastungsgrad steigt ebenfalls und die Auftragseing\u00e4nge sowohl f\u00fcr das In- als auch f\u00fcr das Ausland ziehen wieder an. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eWir d\u00fcrfen jedoch nicht den Fehler machen, uns in tr\u00fcgerischer Sicherheit zu wiegen. Drei Viertel der Industriebetriebe melden Ertragseinbu\u00dfen aufgrund der angespannten Versorgungslage. Dies schm\u00e4lert den Handlungsspielraum f\u00fcr Investitionen. Die Stimmung ist zwar zuversichtlicher als es die Virus-Lage bef\u00fcrchten lie\u00df. Zum Jubeln besteht allerdings kein Anlass.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Teilen der Automobilzulieferindustrie die Lage weiterhin angespannt bleibt, stellt sie sich im heimischen Maschinen- und Anlagenbau besonders erfreulich dar. Dort bewerten 82 % der Firmen ihre Gesch\u00e4ftslage als gut. Das ist der h\u00f6chste Wert seit mehr als 15 Jahren. Die Auftragseing\u00e4nge aus dem In- und Ausland erreichen Spitzenwerte.<\/p>\n<p><b>Stabile Lage im Bausektor, positive Entwicklung im Gro\u00dfhandel<\/b><\/p>\n<p>Die konjunkturelle Entwicklung der Bauwirtschaft bleibt \u00e4u\u00dferst stabil. Zwar tr\u00fcbt sich die Beurteilung der Gesch\u00e4ftslage im Vergleich zum Herbst etwas ein, dennoch geben etwa 96 % der befragten Baubetriebe eine gute oder befriedigende Einsch\u00e4tzung ab.<\/p>\n<p>Die Stimmung im regionalen Gro\u00dfhandel hellt sich zu Jahresbeginn deutlich auf. 52 % der Gro\u00dfh\u00e4ndler bewerten ihre Lage als gut und nur 5 % als schlecht. Stephan H\u00e4ger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eDamit ist der Gro\u00dfhandel der Sektor mit der besten Lagebeurteilung in der Region. Insbesondere die produktionsnah operierenden Unternehmen konnten in den vergangenen Monaten ihre Ums\u00e4tze erh\u00f6hen. Im konsumnahen Gro\u00dfhandel ist die Situation hingegen verhaltener.\u201c<\/p>\n<p><b>Dienstleistungsbranche weiterhin zufrieden, blickt aber pessimistischer in die Zukunft<\/b><\/p>\n<p>Die Stimmungslage in der regionalen Dienstleistungsbranche ist ged\u00e4mpft. Zwar steigt die Lageeinsch\u00e4tzung um sieben Punkte im Vergleich zum Herbst, allerdings ist der Blick auf die kommenden Monate deutlich pessimistischer. Vor allem das Verkehrsgewerbe senkt aufgrund hoher Kraftstoffpreise und chronischen Fahrermangels die Erwartungen.<\/p>\n<p><b>Teile des Einzelhandels und das Gastgewerbe leiden erheblich unter Corona-Ma\u00dfnahmen<\/b><\/p>\n<p>Die Omikron-Variante und die strengen Corona-Ma\u00dfnahmen trafen seit Dezember den Einzelhandel und das Gastgewerbe erneut in der umsatzst\u00e4rksten Phase des Jahres massiv. Die Lageeinsch\u00e4tzung st\u00fcrzt im Einzelhandel um 32 Punkte und im Gastgewerbe um 78 Punkte ab. Stephan H\u00e4ger: \u201eDie 2G-Regelung f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Einzelh\u00e4ndler und die 2G-Plus-Regelung f\u00fcr die Gastronomie wirkt, gepaart mit der Verunsicherung der Verbraucher, faktisch wie ein Lockdown. Mit ,besorgniserregend\u2018 ist die derzeitige Situation noch zur\u00fcckhaltend umschrieben. Die Finanzlage hat sich im Vergleich zum Herbst nochmals merklich verschlechtert. F\u00fcr zahlreiche Betriebe geht es ums nackte \u00dcberleben.\u201c Im Einzelhandel beurteilt nur noch etwa die H\u00e4lfte der Unternehmen ihre Finanzlage als unproblematisch. Im Gastgewerbe ist es sogar nur ein Drittel.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Stimmung im Gastgewerbe einheitlich d\u00fcster ist, ist sie im Einzelhandel weiterhin gespalten. Immerhin 25 % der Einzelh\u00e4ndler bewerten ihre derzeitige Lage als gut. Insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel und der Einzelhandel mit M\u00f6beln und K\u00fcchen sowie mit Bau- und Heimwerkerbedarf melden gute Gesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Grafik und Info: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKonjunkturell erleben wir derzeit eine Seitw\u00e4rtsbewegung. Die Lage ist passabel, aber leider nicht stabil. 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