{"id":25886,"date":"2021-10-28T16:36:18","date_gmt":"2021-10-28T14:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=25886"},"modified":"2021-10-28T16:36:18","modified_gmt":"2021-10-28T14:36:18","slug":"europa-ist-eine-hoffnung-fuer-uns-alle-wenn-man-den-europaeischen-gedanken-staerkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/europa-ist-eine-hoffnung-fuer-uns-alle-wenn-man-den-europaeischen-gedanken-staerkt\/","title":{"rendered":"Europa ist eine Hoffnung f\u00fcr uns alle, wenn man den europ\u00e4ischen Gedanken st\u00e4rkt"},"content":{"rendered":"<p>G\u00fcnther H. Oettinger, ehemaliger baden-w\u00fcrttembergischer Ministerpr\u00e4sident, EU-Kommissar und Vizepr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Kommission vertrat Deutschland mehrere Jahre lang erfolgreich in Br\u00fcssel und hat sich dabei um die europ\u00e4ische Idee verdient gemacht. Erst in diesem Fr\u00fchjahr war er von Europaminister Guido Wolf als \u201eGesicht Europas\u201c gew\u00fcrdigt worden. Auf Einladung der Industrie- und Handelskammer Siegen und der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein sprach G\u00fcnther H. Oettinger vor mehr als einhundert interessierten Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft in Siegen zu dem Thema \u201eKlima, Krisen, Konjunktur \u2013 wie ist Europa den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen?\u201c Darunter waren auch Vertreterinnen und Vertreter des dritten Azubi- und Sch\u00fclerforums des Europ\u00e4ischen Jugendparlaments, das in Siegen tagte.<\/p>\n<p>Im Namen der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein begr\u00fc\u00dfte deren Vorsitzender, Dipl.-Kfm. Christian F. Kocherscheidt, neben dem Referenten die interessierten Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer. \u201eDas Thema des Abends k\u00f6nnte nicht aktueller sein, zumal Europa vor gewaltigen Herausforderungen steht\u201c, betonte er. Beispielhaft f\u00fchrte er Klimawandel, Fl\u00fcchtlingskrise, Finanzkrise und Corona-Pandemie an. Diese Herausforderungen b\u00f6ten aber auch gro\u00dfe Chancen. \u201eSchlie\u00dflich wollen wir auch in Zukunft als Wirtschafts- und Industriestandort weiter erfolgreich sein. Nur eine starke Wirtschaft und eine wettbewerbsf\u00e4hige Industrie k\u00f6nnen die Grundlage f\u00fcr Wachstum, Arbeitspl\u00e4tze, Wohlstand und leistungsf\u00e4hige Sozialsysteme sein\u201c, so Kocherscheidt. Daher sei zu hoffen, dass sich in Berlin zeitnah eine neue Regierung bilde, die die Probleme bestm\u00f6glich angehe. \u201eSchlie\u00dflich braucht Wirtschaft Planungssicherheit und Perspektiven\u201c, so der Vorsitzende.<\/p>\n<div id=\"attachment_25891\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Guenther-H.-Oettinger-Foto-IHK-Siegen-Carsten-Schmale_WEB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-25891\" class=\"size-medium wp-image-25891\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Guenther-H.-Oettinger-Foto-IHK-Siegen-Carsten-Schmale_WEB-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Guenther-H.-Oettinger-Foto-IHK-Siegen-Carsten-Schmale_WEB-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Guenther-H.-Oettinger-Foto-IHK-Siegen-Carsten-Schmale_WEB-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Guenther-H.-Oettinger-Foto-IHK-Siegen-Carsten-Schmale_WEB-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Guenther-H.-Oettinger-Foto-IHK-Siegen-Carsten-Schmale_WEB.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-25891\" class=\"wp-caption-text\">G\u00fcnther H. Oettinger sprach vor mehr als einhundert interessierten Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft in Siegen zu dem Thema \u201eKlima, Krisen, Konjunktur \u2013 wie ist Europa den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen?\u201c<\/p><\/div>\n<p>Gleich zu Beginn seiner Ausf\u00fchrungen zeigte G\u00fcnther H. Oettinger das gegenw\u00e4rtige weltpolitische Machtgef\u00fcge auf. Auf der einen Seite China, das sich auf den Weg gemacht hat, politisch, wirtschaftlich, technologisch aber auch in der Forschung und bei Innovationen weltweit f\u00fchrend zu werden. Hieran lasse die Rede von Chinas Staatspr\u00e4sident Xi Jinping zum 100. Geburtstag der regierenden kommunistischen Partei der Volksrepublik China, keinen Zweifel. Auf der anderen Seite stehe mit Joe Biden ein kluger und erfahrener US-Pr\u00e4sident, der au\u00dfenpolitisch \u201eAmerica first\u201c verfolge.<\/p>\n<p>Deutschland und Europa l\u00e4gen \u201eim Sandwich\u201c mittendrin. Um in dem Zusammenhang herauszustellen, wo wir zuk\u00fcnftig, etwa im Jahr 2050, \u00fcberhaupt stehen wollten, brauche es eine Strategie bzw. eine Vision. \u201eDer Weg zu 2050, der von China vorgezeichnet wird, ist k\u00fcrzer als im R\u00fcckspiegel der Weg zur\u00fcck zum Fall der Berliner Mauer\u201c, erl\u00e4uterte der Referent und bescheinigte eine schwierige Ausgangslage. \u201eBeispielsweise verzeichneten die USA zuletzt ein konjunkturelles Wachstum von 6,5 Prozent und China eines von 8,5 Prozent. In Deutschland liegt es bei gerade einmal 2,1 Prozent. Das zeigt: Wir bleiben weit unter unseren M\u00f6glichkeiten!\u201c Deutschland und Europa fielen seit Jahren immer weiter zur\u00fcck; gleiches gelte auch f\u00fcr Innovation, Forschung und Bildung in Europa: \u201eVon den 50 besten Universit\u00e4ten weltweit befindet sich keine einzige in der Europ\u00e4ischen Union!\u201c Deshalb sei es entscheidend, den europ\u00e4ischen Forschungsraum zu st\u00e4rken und die Forschungsprogramme auszubauen.<\/p>\n<p>G\u00fcnther H. Oettinger pl\u00e4dierte dar\u00fcber hinaus daf\u00fcr, ein gr\u00f6\u00dferes Augenmerk auf berufliche Qualifikationen und Weiterbildung zu richten. \u201eAngebote von Sozialpartnern, den Kammern der Wirtschaft, Verb\u00e4nden und beruflichen Schulen stehen dabei an erster Stelle!\u201c<\/p>\n<p>Der Klimaschutz betreffe Deutschland und Europa gleicherma\u00dfen. Aber es gelte zu sehen: Deutschland sei nur f\u00fcr zwei Prozent aller Treibhausgase in der Welt verantwortlich, die USA hingegen f\u00fcr 15 Prozent und China f\u00fcr 30 Prozent. Strom in der Menge, die ben\u00f6tigt werde, sei nicht verf\u00fcgbar. Dabei nehme der Bedarf aktuell stetig zu: Batterieelektrische Mobilit\u00e4t und W\u00e4rme im Haushalt sind nur zwei der Beispiele, die G\u00fcnther H. Oettinger anf\u00fchrte. Erschwerend hinzu komme, dass Strom nicht speicherbar ist und Wasserstoff auch in naher Zukunft noch keine Alternative sei. Daher l\u00e4gen die umweltpolitischen Ambitionen Deutschlands und Europas weit entfernt von der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein anderer wichtiger Aspekt, den G\u00fcnther H. Oettinger ansprach, betrifft vor allem den Au\u00dfenhandel. \u201eNoch immer ist die EU mit ihren Partnern f\u00fcr 22 Prozent der Weltproduktion, des Sozialprodukts \u2013 H\u00e4ndearbeit, Kopfarbeit, Verm\u00f6gensanlage \u2013 verantwortlich\u201c, sagte er. \u201eDie Grenzen innerhalb Europas sind weitestgehend verschwunden. Die Welt w\u00e4chst und Europa schrumpft\u201c, hob G\u00fcnther H. Oettinger hervor. Daher seien auch Handelsabkommen mit anderen L\u00e4ndern so wichtig. Dar\u00fcber hinaus sprach der Gastredner das Thema Inflation in Europa an. \u201eWir haben aktuell 4,5 Prozent Inflation, wor\u00fcber es zwar eine Debatte unter Wissenschaftlern gibt, aber nicht in der \u00d6ffentlichkeit.\u201c Die Inflation m\u00fcsste aber nach Oettingers Auffassung jeden B\u00fcrger genauso interessieren, wie das Klima.<\/p>\n<p>Damit Deutschland und Europa nicht weiterhin \u201eim Sandwich\u201c zwischen den USA und China verblieben, m\u00fcsse die Europ\u00e4ische Union st\u00e4rker werden. \u201eNur mit mehr gemeinsamen Entscheidungen in Br\u00fcssel, Stra\u00dfburg und Luxemburg haben wir eine Chance, uns aus dieser Situation zu befreien\u201c, hob der Referent hervor. \u201eUnser Anspruch sollte daher sein, auf Augenh\u00f6he mit anderen auf der Weltb\u00fchne unterwegs zu sein.\u201c Andernfalls drohe, dass weltweit g\u00fcltige Normen im chinesisch-pazifischen Raum gesetzt w\u00fcrden und europ\u00e4ische Werte an Attraktivit\u00e4t einb\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>\u201eDabei ist es wichtig, diese Werte f\u00fcr unsere Kinder und Enkelkinder zu erhalten! Dies gelingt dann am besten, wenn wir sie selbst \u00fcberzeugend leben\u201c, betonte G\u00fcnther H. Oettinger. \u201eWir m\u00fcssen wirtschaftlich stark bleiben, damit die Welt uns folgt und nicht umgekehrt.\u201c Weiterhin betonte Oettinger: \u201eEuropa ist eine Hoffnung f\u00fcr uns alle, wenn man den europ\u00e4ischen Gedanken st\u00e4rkt. Wenn man zum Beispiel von der Politik in D\u00fcsseldorf und Berlin erwartet, dass auch nationale Amts- und Mandatstr\u00e4ger europ\u00e4isch d\u00e4chten.\u201c Probleme sollten daher nicht europ\u00e4isiert und Erfolge nicht nationalisiert werden.<\/p>\n<p>Text: Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein &amp; IHK Siegen; Fotos: IHK Siegen, Carsten Schmale<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnther H. 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