{"id":25770,"date":"2021-10-15T14:48:11","date_gmt":"2021-10-15T12:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=25770"},"modified":"2021-10-15T14:49:47","modified_gmt":"2021-10-15T12:49:47","slug":"konjunkturklima-stabilisiert-lage-passabel-aussichten-jedoch-ungewiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/konjunkturklima-stabilisiert-lage-passabel-aussichten-jedoch-ungewiss\/","title":{"rendered":"Konjunkturklima stabilisiert, Lage passabel, Aussichten jedoch ungewiss"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBei den zuletzt arg gebeutelten Unternehmen in Einzelhandel und Gastgewerbe ist der Optimismus zur\u00fcckgekehrt. Der Bauwirtschaft geht es nach wie vor gut. Deutlich zur\u00fcckhaltender \u00e4u\u00dfern sich die Industrieunternehmen und der heimische Gro\u00dfhandel. Insgesamt treten wir konjunkturell auf der Stelle \u2013 das jedoch auf erfreulich hohem Niveau.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der Ende September durchgef\u00fchrten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 516 Unternehmen mit mehr als 38.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Der IHK-Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung &#8211; steigt um 2 Punkte auf einen Wert von 120. Innerhalb eines Jahres verbesserte sich das Konjunkturklima um 28 Punkte. Der Mittelwert der letzten 20 Jahre (105) wird abermals deutlich \u00fcbertroffen. 44 % der Unternehmen berichten von einer guten, nur 16 % von einer schlechten Lage. Felix G. Hensel: \u201eDass sich die Lagebeurteilung bereits in diesem Herbst derart ins Positive drehen w\u00fcrde, haben selbst die k\u00fchnsten Optimisten nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Allerdings geht die Schere zwischen der Lagebeurteilung und den Zukunftserwartungen momentan wieder auseinander. Die Zuversicht schwindet etwas. Das bereitet uns Sorgen.\u201c Dennoch rechnen 30 % in den kommenden Monaten mit besseren Gesch\u00e4ften (Fr\u00fchjahr: 35 %), 18 % hingegen mit schlechteren (Fr\u00fchjahr: 17 %). Urs\u00e4chlich f\u00fcr den pessimistischeren Blick in die Zukunft sind nicht allein der teilweise dramatische Mangel an Vorprodukten, br\u00fcchige Lieferketten und ein gr\u00f6\u00dfer werdender Fachkr\u00e4ftemangel.<\/p>\n<p>IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDie Strom-, Gas- und Rohstoffpreise gehen mittlerweile regelrecht durch die Decke. Diese Entwicklung betrachtet beinahe die gesamte heimische Wirtschaft mit Argusaugen. Innerhalb eines Jahres stieg die Risikobewertung von 20 auf 72 %. Es ist schon paradox: Politisch setzen wir als Land auf die Verstromung industrieller Prozesse. Daf\u00fcr ben\u00f6tigen wir Unmengen an sicherem und preisg\u00fcnstigem Strom, verknappen jedoch zugleich unsere Erzeugungskapazit\u00e4ten. Diese Logik erschlie\u00dft sich auch bei l\u00e4ngerem Nachdenken nicht wirklich.\u201c<\/p>\n<p><strong>Positive Investitions- und Besch\u00e4ftigungspl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>30 % der Unternehmen wollen in den kommenden Monaten ihre Investitionen steigern (Herbst 2020: 13 %). In der Industrie ist die Investitionsbereitschaft so positiv wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Besch\u00e4ftigungsprognose verbessert sich ebenfalls deutlich. 22 % der Firmen planen eine Personalaufstockung, nur 10 % einen Abbau. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDas sind gute Nachrichten. Wer investiert, glaubt an die eigene Zukunft und setzt zugleich auf den heimischen Standort. Wer Leute sucht, signalisiert dasselbe. Hoffentlich verstetigt sich dieser positive Trend in den kommenden Monaten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Materialverf\u00fcgbarkeit und br\u00fcchige Lieferketten nach wie vor problematisch<\/strong><\/p>\n<p>In gro\u00dfen Teilen der Industrie \u00fcberwiegen zwar weiterhin die positiven Meldungen. 46 % der Firmen beurteilen ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut (Fr\u00fchjahr: 42 %), 19 % als schlecht (Fr\u00fchjahr: 14 %). Die Zukunftserwartungen tr\u00fcben sich hingegen ein. 35 % der Industrieunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft (Fr\u00fchjahr: 39 %) und 18 % der Betriebe sind pessimistisch (Fr\u00fchjahr: 13 %). Felix G. Hensel: \u201eNahezu jeder zweite Industriebetrieb meldet derzeit einen hohen Auftragsbestand und einen Auslastungsgrad von \u00fcber 85 %. Allerdings macht sich eine sp\u00fcrbar nachlassende Dynamik bemerkbar. Insbesondere den Unternehmen, die nah am Auto verortet sind, machen die Chipkrise und die damit verbundenen, zumeist sehr kurzfristigen Stornierungen von Auftr\u00e4gen der Autokonzerne erheblich zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Die angespannte Lage in weiten Teilen der Automobilzulieferindustrie schl\u00e4gt sich auch bei der Betrachtung der beiden Kreise nieder. W\u00e4hrend sich die konjunkturelle Stimmung der Industrieunternehmen aus Siegen-Wittgenstein weiter aufhellt, tr\u00fcbt sie sich im Kreis Olpe ein. Die Materialknappheit und die damit verbundenen Preisspr\u00fcnge treffen die Industrie indessen auf breiter Front. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eMan glaubt es kaum: Die Unternehmen w\u00fcrden gerne mehr produzieren, k\u00f6nnen es aber nicht, weil Holz, Chips, Schrauben, Steckverbindungen, D\u00e4mmstoffe oder was auch immer nicht zu bekommen sind. 91 % der Industriebetriebe klagen derzeit \u00fcber Lieferengp\u00e4sse und nahezu jedes Unternehmen meldet steigende Vormaterialkosten. In der heimischen Wirtschaft ist dies eine v\u00f6llig neue Erfahrung, die man bisher fast ausnahmslos aus sozialistisch verfassten Wirtschaftssystemen kannte.\u201c<\/p>\n<p><strong>Verbesserte Gesch\u00e4ftslage im Bausektor <\/strong><\/p>\n<p>Trotz Materialmangels und teurer Baumaterialien bleibt die konjunkturelle Entwicklung der Bauwirtschaft \u00e4u\u00dferst stabil. Die Beurteilung der Gesch\u00e4ftslage verbessert sich im Vergleich zum Fr\u00fchjahr sogar. 67 % der Firmen bewerten ihre derzeitige Situation als gut (Fr\u00fchjahr: 45 %). Die Auftragsb\u00fccher im Bausektor sind \u00e4u\u00dferst gut gef\u00fcllt und die Auslastung rekordverd\u00e4chtig. Neun von zehn Unternehmen melden einen Auslastungsgrad von \u00fcber 85 %.<\/p>\n<p><strong>Gegenteilige Stimmungstrends im Handel <\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die Lagebeurteilung des regionalen Gro\u00dfhandels im Fr\u00fchjahr auf Rekordniveau lag, f\u00e4llt sie aktuell ab. 46 % der Gro\u00dfh\u00e4ndler bewerten ihre Lage als gut und 9 % als schlecht. Die Zukunftserwartungen sind aufgrund der Lieferengp\u00e4sse deutlich pessimistischer. Nur noch 13 % gehen von zuk\u00fcnftig besseren Gesch\u00e4ften aus und 28 % von schlechteren. Der Saldowert der Gesch\u00e4ftserwartung f\u00e4llt damit um beachtliche 33 Punkte.<\/p>\n<p>Hingegen f\u00e4llt die Beurteilung der Gesch\u00e4ftslage im Einzelhandel deutlich besser aus als im Fr\u00fchjahr. Ein Drittel der H\u00e4ndler bewertet seine derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut, nur 6 % als schlecht. Stephan H\u00e4ger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eLebensmittel laufen nach wie vor bestens, aber auch der Textil- und der Kfz-Handel bewerten ihre derzeitige Lage deutlich besser als noch im Fr\u00fchjahr zu Zeiten von ,Click and Meet\u2018, allerdings nicht fl\u00e4chendeckend. Erst wenn alle Beschr\u00e4nkungen wegfallen, bessert sich die Konsumlaune grundlegend.\u201c 8 % der Einzelh\u00e4ndler erwarten in den kommenden Monaten bessere Gesch\u00e4fte und 25 % gehen von schlechteren Gesch\u00e4ften aus. Die Bef\u00fcrchtungen sind gro\u00df, dass sich in den Herbst- und Wintermonaten das Infektionsgeschehen verschlechtert und erneute Einschr\u00e4nkungen erlassen werden.<\/p>\n<p><strong>Dienstleistungsbranche in einer stabilen Seitw\u00e4rtsbewegung, Gastgewerbe im Aufw\u00e4rtstrend<\/strong><\/p>\n<p>Die Stimmungslage in der regionalen Dienstleistungsbranche bleibt in etwa auf dem guten Niveau des Fr\u00fchjahres. Stephan H\u00e4ger: \u201eVor allem im Verkehrsgewerbe und bei den unternehmensnahen Dienstleistern \u00fcberwiegen die positiven Meldungen. Aber auch bei den personalen und sonstigen Dienstleistern ist inzwischen der Optimismus zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/p>\n<p>Im Vergleich zum Fr\u00fchjahr ist im Gastgewerbe die Stimmung wieder deutlich optimistischer. Vier von zehn Gastronomen bewerten ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut und zwei von zehn als schlecht. Im Fr\u00fchjahr waren es noch fast 90 %, die eine schlechte wirtschaftliche Situation meldeten. Auch die Zukunftsaussichten haben sich merklich aufgehellt. 30 % erwarten in den kommenden Monaten bessere Gesch\u00e4fte. Stephan H\u00e4ger: \u201eNach der \u00e4u\u00dferst d\u00fcsteren Stimmung zu Jahresbeginn kehrte zuletzt eine gewisse Zuversicht zur\u00fcck. Aber: Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen. Vor allem der Fachkr\u00e4ftemangel hat sich stark versch\u00e4rft. Vielen Betrieben fehlt es an Personal, sodass sie ihre Angebote oder \u00d6ffnungszeiten reduzieren m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Bild und Info: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBei den zuletzt arg gebeutelten Unternehmen in Einzelhandel und Gastgewerbe ist der Optimismus zur\u00fcckgekehrt. Der Bauwirtschaft geht es nach wie vor gut. 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