{"id":2424,"date":"2015-04-30T11:04:08","date_gmt":"2015-04-30T09:04:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=2424"},"modified":"2015-04-30T11:04:58","modified_gmt":"2015-04-30T09:04:58","slug":"stimme-der-marktwirtschaft-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/stimme-der-marktwirtschaft-staerken\/","title":{"rendered":"Stimme der Marktwirtschaft st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/MG_9977.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2425\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/MG_9977-300x200.jpg\" alt=\"_MG_9977\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/MG_9977-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/MG_9977-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/MG_9977.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u201eNach der Agenda 2010: Notwendige Reformen f\u00fcr den Standort Deutschland\u201c, lautete das Thema einer Vortragsveranstaltung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, die am 29. April 2015 im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft in Siegen stattfand. Gastredner war Florian Gerster, ehemaliger Minister f\u00fcr Arbeit, Soziales, Familien und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz sowie ehemaliger Vorsitzender des Vorstands der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit.<\/p>\n<p>Als engagierter Sozialdemokrat hat er ma\u00dfgeblich an der Umsetzung der Agenda 2010 in den Jahren ab 2003 mitgewirkt. \u201eDamals war es n\u00f6tig, durch einen R\u00fcckschnitt die Ausw\u00fcchse unserer Sozialsysteme wieder auf ein funktionales Ma\u00df zur\u00fcckzuf\u00fchren. Anstelle eines umfassenden Versorgungssystems haben wir das Prinzip F\u00f6rdern und Fordern eingef\u00fchrt.\u201c Gerster zeigte sich \u00fcberzeugt davon, dass diese Reformen wesentlich dazu beigetragen haben, dass Deutschland heute wirtschaftlich so gut dasteht. \u201eDie Agenda 2010 erforderte viel Mut von der damaligen Regierung Schr\u00f6der. Angela Merkel erntet heute die Erfolge, ohne mutig gewesen zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Deutliche Kritik \u00fcbte Gerster an den Vertretern einer europaweiten Verelendungstheorie. \u201eIn der Europ\u00e4ischen Union leben heute sieben Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Diese sieben Prozent produzieren 25 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und verbrauchen 50 Prozent der weltweiten Sozialleistungen. Da kann von Verelendung wirklich keine Rede sein, selbst nicht in Griechenland.\u201c Allerdings verwies er auch auf die Gefahren, die mit derart hohen Sozialleistungen verbunden sind. Zusammen mit der enormen Wirtschaftskraft w\u00fcrden sie daf\u00fcr sorgen, dass die Bereitschaft f\u00fcr notwendige Reformen in der Politik nur noch schwach ausgepr\u00e4gt sei. \u201eSo lange es uns gut geht, hat die Stimme der Marktwirtschaft keine Resonanz.\u201c Deshalb m\u00fcssten wir alle dazu beitragen, dieser Stimme wieder verst\u00e4rkt Geh\u00f6r zu verschaffen.<\/p>\n<p>Deutschland habe nun wirklich keinen Grund zum Klagen. \u201eWir haben eine hohe Wirtschaftsleistung, eine stabile mittelst\u00e4ndische Industrie und eine geringe Arbeitslosigkeit. Unser berufliches Bildungssystem ist vorbildlich. Und entgegen allen Pessimisten in Sachen demografischer Wandel erleben wir eine Nettozuwanderung von gut qualifizierten Menschen, die dazu beitragen, unsere sozialen Sicherungssysteme stabil zu halten. Auch die Verteilungsungerechtigkeit ist bei uns im internationalen Vergleich relativ niedrig.\u201c<\/p>\n<p>Als eine der gr\u00f6\u00dften sozialen Ungerechtigkeiten in Deutschland bezeichnete Gerster die kalte Progression. Sie geh\u00f6re abgeschafft. \u201eIch kann nicht verstehen, warum die Politik hier nicht aktiv wird, obwohl die Steuerquellen kr\u00e4ftig sprudeln.\u201c Auch die Rente mit 63 ist f\u00fcr Florian Gerster ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, ebenso wie das Betreuungsgeld. Hier w\u00fcrden Leistungstr\u00e4ger der Wirtschaft vorzeitig aus dem Erwerbsleben verabschiedet oder erst gar nicht einbezogen. \u201eIn einer Gesellschaft, die immer \u00e4lter wird und in der immer weniger Kinder geboren werden, k\u00f6nnen wir einen immer l\u00e4ngeren Ruhestand auf Dauer nicht finanzieren. Wie soll das gehen? Und was machen diese Pension\u00e4re dann eigentlich?\u201c Dazu brachte Gerster ein Beispiel von Volkswagen. Dort habe man vor Jahren im Rahmen einer Arbeitszeitverk\u00fcrzung feststellen m\u00fcssen, dass die regionalen Handwerksbetriebe pl\u00f6tzlich viel weniger Auftr\u00e4ge bekamen. Gleichzeitig schossen die Umsatzzahlen der Baum\u00e4rkte in die H\u00f6he. \u201eViele Menschen wollen weiter aktiv sein und tun das dann auch als Rentner mit 63. Deshalb ist aus meiner Sicht eine Flexirente viel sinnvoller als dieses staatliche Fr\u00fchverrentungsmodell.\u201c<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ermutigte Florian Gerster die zahlreich erschienenen Zuh\u00f6rer dazu, st\u00e4rker Einfluss auf ihre politischen Vertreter zu nehmen, um notwendige Reformen auf den Weg zu bringen und die Prinzipien der Marktwirtschaft wieder st\u00e4rker in das Bewusstsein der Menschen zu r\u00fccken. \u201eDie Politik handelt in der Regel pathologisch. Krisen m\u00fcssen erst gro\u00df genug sein, dass sie von allen erkannt werden, bevor die Politiker aktiv werden. Lassen Sie es nicht so weit kommen.\u201c<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Zustimmung zu seinen Ausf\u00fchrungen fand Florian Gerster auch bei Dipl.-Ing. J\u00f6rg Dienenthal. Der Vorsitzende der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein und des VdSM Verband der Siegerl\u00e4nder Metallindustriellen e.V. hatte schon in seiner Begr\u00fc\u00dfungsansprache den Finger in einige Reformwunden gelegt. Dabei kritisierte er auch den zunehmenden Verlust an \u00f6konomischer Vernunft bei der IG Metall. \u201eDer letzte Tarifabschluss f\u00fcr die Metall- und Elektroindustrie hat gezeigt, dass sich die IG Metall vom Grundprinzip des Fl\u00e4chentarifs als Mindeststandard immer weiter entfernt. Das ist aus unserer Sicht eine ernste Gefahr f\u00fcr die Tarifpartnerschaft in Deutschland.\u201c Auch die Bundesregierung habe kr\u00e4ftig daran mitgewirkt, die Tarifautonomie zu schw\u00e4chen. \u201eDie Einf\u00fchrung eines fl\u00e4chendeckenden Mindestlohnes, \u00fcber den zuk\u00fcnftig Parlamentarier entscheiden und nicht mehr die Tarifpartner, ist ein deutlicher Tabubruch.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNach der Agenda 2010: Notwendige Reformen f\u00fcr den Standort Deutschland\u201c, lautete das Thema einer Vortragsveranstaltung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, die am 29. 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