{"id":23647,"date":"2021-05-18T13:47:42","date_gmt":"2021-05-18T11:47:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=23647"},"modified":"2021-05-18T13:47:42","modified_gmt":"2021-05-18T11:47:42","slug":"deutschland-steht-vor-einem-modernisierungsjahrzehnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/deutschland-steht-vor-einem-modernisierungsjahrzehnt\/","title":{"rendered":"&#8222;Deutschland steht vor einem Modernisierungsjahrzehnt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Bereits seit 2018 sieht sich die Industrie einem konjunkturellen Abschwung ausgesetzt, die langanhaltende Wachstumsphase war erst einmal unterbrochen. Die Corona-Krise machte die Aufschwunghoffnungen zunichte und brachte einen nicht gekannten Absturz \u2013 und eine schnelle, aber nicht vollst\u00e4ndige Erholung. Und mit der Digitalisierung und den immer strenger werdenden politischen Vorgaben zum Abbau von Treibhausgasemissionen stehen zwei Herausforderungen auf der Tagesordnung, die schon f\u00fcr sich genommen alle Aufmerksamkeit verlangen, schreibt Dr. Hubertus Bardt, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Leiter Wissenschaft beim Institut der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln, im neuesten <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Droht der Industrie in Deutschland also eine \u00dcberforderung? Die Corona-Krise ist zwar noch nicht vergessen gemacht, die meisten Probleme scheinen aber eher tempor\u00e4r zu sein. Wie gut Digitalisierung und Dekarbonisierung gemeistert werden k\u00f6nnen, wird zu zeigen sein. Bei der Digitalisierung geht es um den Wettbewerb etablierter Unternehmen mit neuen, digitalen Anbietern; bei der Dekarbonisierung um den Wettbewerb mit immer sch\u00e4rferen Reduktionszielen f\u00fcr die Produktion in Deutschland und der EU.<\/p>\n<p>Deutschland steht vor einem Modernisierungsjahrzehnt. Nur so k\u00f6nnen eine strukturelle Anpassungskrise vermieden und die Grundlage f\u00fcr zuk\u00fcnftigen industriellen Wohlstand gelegt werden. Modernisierung ist dabei umfassend zu verstehen: Neue Technologien, neue Produktionsprozesse, neue Produkte, neue Qualifikationen, neue Partnerschaften, neue Infrastrukturen, neue Gesch\u00e4ftsmodelle, neue \u00f6ffentlich-private Kooperation, neue politische Rahmenbedingungen. Sowohl die Industrie als auch der Staat m\u00fcssen sich grundlegend modernisieren. Entscheidend sind Innovationskraft, Investitionsf\u00e4higkeit und Investitionsbereitschaft auf allen Ebenen. Klassische Standortpolitik mit wettbewerbsf\u00e4higen Steuers\u00e4tzen, Energiepreisen und innovationsfreundlichen Regulierungen muss wieder auf die politische Agenda.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft hat mit der Modernisierung begonnen. Allein die Autoindustrie in Elektromobilit\u00e4t und Digitalisierung stemmt Investitionen in Multimilliarden-H\u00f6he und hat ihre Innovationsanstrengungen in diesen dynamischen Bereichen weiter verst\u00e4rkt. Mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur, Schwerpunktsetzungen der industrienahen Forschung und F\u00f6rderprogrammen f\u00fcr den Kauf der Fahrzeuge setzt der Staat einen entsprechenden Rahmen. Deutsche Hersteller sind f\u00fchrend auf dem europ\u00e4ischen Markt f\u00fcr Elektrofahrzeuge. Dennoch ist zu bef\u00fcrchten, dass der Verzicht auf Verbrennungsmotoren mit Verlusten an Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung einhergeht.<\/p>\n<p>Bei den energieintensiven Branchen m\u00fcssen wichtige Investitionsentscheidungen getroffen werden. Der Umstieg auf erneuerbaren Strom und Wasserstoff zu bezahlbaren Preisen erfordert Multimilliarden-Investitionen, neue Infrastrukturen und einen Ausgleich f\u00fcr l\u00e4ngerfristig h\u00f6here Produktionskosten. Ohne ein klares und umfassendes staatliches Commitment, k\u00f6nnen die Unternehmen in den n\u00e4chsten Jahren nicht in v\u00f6llig neue Technologien investieren, die zwar klimafreundlich, aber auf Jahrzehnte am Weltmarkt nicht wettbewerbsf\u00e4hig sind. Es reicht nicht, Ziele zu setze, die ohne einen erheblichen staatlichen Anteil kaum mit einer starken Grundstoffindustrie vereinbar sind.<\/p>\n<p>Unternehmen nutzen Krisen, um sich neu aufzustellen, bestehende Strukturen zu \u00fcberpr\u00fcfen und \u00fcberfl\u00fcssige Kosten zu reduzieren. Auch der Staat muss sich neu aufstellen. Die Corona-Krise hat deutlich gezeigt, wie schwerwiegend die M\u00e4ngel der Digitalisierung und der schnellen Reaktionsf\u00e4higkeit in unsicheren Situationen ist. Gerade dies wird aber in Zukunft st\u00e4rker gefordert sein: Risikobehaftete Entscheidungen unter Unsicherheit sind notwendig, um schelle Ver\u00e4nderungen bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen \u2013 in Staat und Unternehmen.<\/p>\n<p>Info: unternehmer nrw<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits seit 2018 sieht sich die Industrie einem konjunkturellen Abschwung ausgesetzt, die langanhaltende Wachstumsphase war erst einmal unterbrochen. 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