{"id":23537,"date":"2021-05-10T12:31:20","date_gmt":"2021-05-10T10:31:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=23537"},"modified":"2021-05-10T15:29:21","modified_gmt":"2021-05-10T13:29:21","slug":"konjunkturklima-deutlich-verbessert-aber-schere-zwischen-den-branchen-geht-weiter-auseinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/konjunkturklima-deutlich-verbessert-aber-schere-zwischen-den-branchen-geht-weiter-auseinander\/","title":{"rendered":"Konjunkturklima deutlich verbessert &#8211; Aber: Schere zwischen den Branchen geht weiter auseinander"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIn weiten Teilen der heimischen Wirtschaft hat sich die Stimmung in den letzten Wochen deutlich aufgehellt. Der Optimismus ist in der Industrie, im Bau sowie im Gro\u00dfhandel zur\u00fcck, aber eben nicht \u00fcberall. Teile des Handels und der Dienstleistungen, vor allem aber das Gastgewerbe sind die eindeutigen Corona-Verlierer. Wir sehen eine konjunkturelle Zweiklassen-Gesellschaft. Die einen kommen immer besser durch, bei den anderen liegen die Nerven blank.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der im April durchgef\u00fchrten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 553 Unternehmen mit mehr als 42.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten. Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung &#8211; steigt um 18 Punkte auf einen Wert von 118 und somit auf den h\u00f6chsten Stand seit Januar 2019. Erstmals seit zwei Jahren liegt der Klimaindex wieder \u00fcber dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (106). 39 Prozent der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe berichten von einer guten und 20 Prozent von einer schlechten Lage. Der Lagesaldo verbessert sich um 19 Punkte. Ebenfalls deutlich verbessert haben sich die Gesch\u00e4ftsaussichten f\u00fcr die kommenden Monate (+18 Punkte). Felix G. Hensel: \u201eSeit dem konjunkturellen Tiefpunkt vor einem Jahr kletterte der Klimaindex der heimischen Wirtschaft um mehr als 50 Punkte. Das ist \u00fcber alles gesehen eine sehr erfreuliche Entwicklung, die Mut macht.\u201c<\/p>\n<p>Weiterhin problematisch und nur unwesentlich besser als zu Jahresbeginn ist in Teilen der Wirtschaft die finanzielle Situation. 12 Prozent der Unternehmen melden Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse und 22 Prozent einen Eigenkapitalr\u00fcckgang. W\u00e4hrend in der Industrie, im Baugewerbe und im Gro\u00dfhandel zwischen 70 und 80 Prozent der Unternehmen ihre finanzielle Lage als unproblematisch einsch\u00e4tzen, ist es im Gastgewerbe nur jedes F\u00fcnfte. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201e19 Prozent der Einzelh\u00e4ndler und 44 Prozent der Gastronomen melden Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse. Gro\u00dfe Teile dieser Unternehmen f\u00fchlen sich perspektivlos und von der Politik verlassen. W\u00fcrden sie durch die Politik auch nur ansatzweise so in Watte gepackt wie hochbezahlte Fu\u00dfballteams, ginge es ihnen deutlich besser.\u201c Mut mache demgegen\u00fcber, dass sich in den anderen Branchen die Besch\u00e4ftigungsabsichten und die Investitionsneigungen wieder positiv entwickeln. Erstmals seit zwei Jahren wollen wieder mehr Unternehmen Personal aufbauen (18 Prozent) als abbauen (17 Prozent). Zum Jahresbeginn lag das Verh\u00e4ltnis von positiven und negativen Einstellungsabsichten noch bei 14 zu 25 Prozent. Noch optimistischer ist die Investitionsneigung. 27 Prozent (+7 Prozentpunkte) der Unternehmen wollen in den kommenden Monaten mehr investieren, 16 Prozent (-12 Prozentpunkte) gehen von geringeren Investitionen aus.<\/p>\n<p><strong>Industrie erholt sich, k\u00e4mpft aber mit Materialverf\u00fcgbarkeit und br\u00fcchigen Lieferketten<\/strong><br \/>\nIn gro\u00dfen Teilen der Industrie \u00fcberwiegen die positiven Meldungen. 42 Prozent beurteilen ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut, 14 Prozent als schlecht. Der Lagesaldo steigt um beachtliche 24 Punkte. Die Erwartungen sind ebenfalls deutlich positiver als noch zu Jahresbeginn. 39 Prozent der Industrieunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft, 13 Prozent der Betriebe sind hingegen pessimistisch. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eWeit \u00fcberwiegend brummt es in unserer Industrie wieder. Die Auftragseing\u00e4nge haben sp\u00fcrbar angezogen, auch wegen der Bewegung auf wichtigen Absatzm\u00e4rkten in Asien und Amerika. Die Auslastung ist deutlich gewachsen, die Exporterwartungen sind so optimistisch wie seit drei Jahren nicht mehr. Vielleicht sind wir ja schneller als erwartet \u00fcber den Berg.\u201c Aber: Nicht in allen Industriezweigen ist die Lageeinsch\u00e4tzung so positiv. Bei den Metallerzeugern \u00fcberwiegen weiterhin die negativen Einsch\u00e4tzungen, wenngleich auch nicht mehr in dem Ma\u00dfe wie noch zu Jahresbeginn. \u00dcber alle Industriezweige hinweg hat sich die Ertragslage deutlich verbessert. Zur Unzeit ziehen derzeit von anderer Seite dunkle Wolken auf. Zahlreiche Unternehmen haben mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen und deutlich anziehenden Vormaterialkosten zu k\u00e4mpfen. Felix G. Hensel: \u201eDie Materialverf\u00fcgbarkeit entwickelt sich zum Flaschenhals, etliche Lieferketten sind br\u00fcchig. Drei Viertel der Industrieunternehmen klagen aktuell \u00fcber Lieferengp\u00e4sse, 93 Prozent melden steigende Vormaterialkosten. Das sind historisch hohe Werte. Der gerade auf Touren kommende Konjunkturmotor droht schon bald wieder zu stottern.\u201c Als Ursachen der Lieferengp\u00e4sse beobachten 94 Prozent der Unternehmen eine Verknappung der Materialverf\u00fcgbarkeit. F\u00fcr 61 Prozent ist die Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Lieferketten urs\u00e4chlich f\u00fcr die derzeitige Problemlage, f\u00fcr zwei F\u00fcnftel der Unternehmen sind es Lieferengp\u00e4sse durch Logistik, Zoll und Transportwege.<\/p>\n<p><strong>Positive Entwicklung im Bausektor, im Gro\u00dfhandel und in Teilen des Dienstleistungsgewerbes<\/strong><br \/>\nDie Baubranche zeigt sich weiterhin unbeeindruckt von der Corona-Krise. So gut wie alle der befragten Baubetriebe geben eine gute oder befriedigende Gesch\u00e4ftslage an. Stephan H\u00e4ger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eDie Auftragsb\u00fccher im Bausektor sind gut gef\u00fcllt und die Auslastung sehr ordentlich. Acht von zehn Unternehmen melden einen Auslastungsgrad von \u00fcber 70 Prozent. Zudem kann die steigende industrielle Investitionsbereitschaft dem zuletzt kriselnden Wirtschaftsbau R\u00fcckenwind verleihen. Aber auch in der Baubranche sind Materialknappheit und steigende Kosten ein gro\u00dfes Thema. Sie d\u00e4mpfen die Zukunftserwartungen ebenso wie fehlende Fachkr\u00e4fte.\u201c Die Lagebeurteilung der regionalen Gro\u00dfh\u00e4ndler klettert auf ein Rekordniveau. 60 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 6 Prozent als schlecht. Auch die Zukunftserwartungen hellen sich im Vergleich zum Jahresbeginn merklich auf. Stephan H\u00e4ger: \u201eInsbesondere der produktionsnahe Gro\u00dfhandel profitiert von der gut laufenden Industrie und der wieder an Fahrt aufnehmenden Weltwirtschaft. Beim konsumnahen Gro\u00dfhandel hingegen ist die Lageeinsch\u00e4tzung im Vergleich zum Jahresbeginn etwas verhaltener.\u201c Die Stimmung in der Dienstleistungsbranche ist gespalten. W\u00e4hrend unternehmensbezogene Dienstleister und die Logistikbranche vom Aufschwung und von der N\u00e4he zur Industrie profitieren, ist die Situation bei den personenbezogenen und sonstigen Dienstleistern nach wie vor sehr angespannt.<\/p>\n<p><strong>D\u00fcstere Stimmung in gro\u00dfen Teilen des Einzelhandels und dem Gastgewerbe<\/strong><br \/>\n\u00c4u\u00dferst schwierig ist immer noch die Lage in Teilen des Einzelhandels. Sechs von zehn H\u00e4ndlern bewerten ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als schlecht, ein F\u00fcnftel als gut. Stephan H\u00e4ger: \u201eLebensmittel laufen nach wie vor bestens, w\u00e4hrend beispielsweise in den Segmenten Mode und Bekleidung, aber auch im Kfz-Einzelhandel die kaum nachvollziehbaren \u00d6ffnungsvorgaben von Bund und Land f\u00fcr gro\u00dfen Unmut sorgen. Wie soll auch der Strohhalm ,Click and Meet\u2018 funktionieren, wenn die Kunden nicht wissen, ob und unter welchen Voraussetzungen zumindest ein Termin-Einkauf m\u00f6glich ist?\u201c Vor allem der Modeeinzelhandel und der Kfz-Handel blicken jedoch nach den ersten Fortschritten der Impfkampagne wieder optimistischer in die Zukunft. Die Hoffnung auf eine baldige Aufl\u00f6sung des Konsumstaus scheint zu wachsen. Im Gegensatz zum Einzelhandel ist in der gesamten Gastronomie die Stimmung \u00e4u\u00dferst d\u00fcster. Neun von zehn Gastronomen bewerten ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als schlecht. Auch die Zukunftsaussichten sind von deutlichem Pessimismus gepr\u00e4gt. Nur 16 Prozent erwarten in den kommenden Monaten bessere Gesch\u00e4fte. 64 Prozent gehen weiterhin von schlechten Ums\u00e4tzen aus. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDas sind unterirdische Werte. Der Endlos-Lockdown setzt dem Hotel- und Gastgewerbe immens zu. Zahlreiche Unternehmen k\u00e4mpfen ohne wirkliche Perspektive um das nackte \u00dcberleben. Etliche von ihnen glauben nicht mehr daran, dass bei ihnen nach der Krise die Lichter wieder angehen.\u201c<\/p>\n<p>Text und Grafik: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIn weiten Teilen der heimischen Wirtschaft hat sich die Stimmung in den letzten Wochen deutlich aufgehellt. Der Optimismus ist in der Industrie, im Bau sowie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":23539,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1,32,30,11],"tags":[],"class_list":["post-23537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-infos","category-vermischtes","category-regionale-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Konjunkturklimaindex_IHK-Siegen-Stand-10.Mai-2021_WEB.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23537"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23541,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23537\/revisions\/23541"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}