{"id":23381,"date":"2021-04-30T11:15:19","date_gmt":"2021-04-30T09:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=23381"},"modified":"2021-04-30T14:13:12","modified_gmt":"2021-04-30T12:13:12","slug":"ausbildung-statt-bildungsaus-bei-ejot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ausbildung-statt-bildungsaus-bei-ejot\/","title":{"rendered":"Ausbildung statt Bildungsaus bei EJOT"},"content":{"rendered":"<p>Die Berufsschule wird geschlossen. Die \u00fcberbetrieblichen Lehrwerkst\u00e4tten und Universit\u00e4ten ebenfalls. Im Unternehmen ist \u00fcber mehrere Monate Kurzarbeit, viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Homeoffice. Die Produktionshallen und B\u00fcros sind zeitweise menschenleer. Was passiert jetzt mit \u00fcber 100 Auszubildenden und Dualen Studierenden, die zu Hause sitzen?<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie hat vieles ver\u00e4ndert oder auch stillgesetzt. Was sich jedoch nicht ver\u00e4ndert hat, ist die Gesamtzeit der Ausbildung: \u201eWir haben trotzdem nur dreieinhalb Jahre Zeit, um die Ausbildungsinhalte zu vermitteln\u201c, sagt Andreas Kurth, Leiter Ausbildung und Studium bei EJOT. Und was sich ebenfalls nicht ver\u00e4ndert hat, ist das Wissen, das sich die jungen Menschen in ihrer Ausbildung oder im Studium aneignen m\u00fcssen, wenn sie am Ende ihre Abschlusspr\u00fcfung oder das Examen bestehen wollen. \u201eDas ist ein ganz entscheidender Punkt, den wir jetzt seit einigen Monaten vor uns hertreiben,\u201c beschreibt Kurth die schwierige Situation. Durch Corona wurden alle bew\u00e4hrten Verfahren, Prozesse und Ideen hinf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Um diese Herausforderung zu bew\u00e4ltigen, ist nicht nur Flexibilit\u00e4t gefragt, sondern auch pers\u00f6nliches Engagement, das \u00fcber das Normalma\u00df des Arbeitsalltags weit hinausgeht. Es muss weitergehen. \u201eWir k\u00f6nnen uns jetzt nicht Wochen und Monate mit Stillstand besch\u00e4ftigen,\u201c macht Kurth deutlich.<\/p>\n<p>Schnell und flexibel musste reagiert werden: Als Schulen und Lehrwerkst\u00e4tten im ersten Lockdown geschlossen wurden, hat das Ausbilderteam der EJOT Lernwerkstatt gemeinsam mit dem Cornelsen-Verlag innerhalb von einigen Tagen die Onlineplattform \u201eeCademy\u201c installiert. Jeder Auszubildende hat einen eigenen Zugang und findet dort anhand der Schulpl\u00e4ne und des Curriculums Lerneinheiten. Genutzt werden kann in dieser Lernplattform auch ein Mathetraining oder ein Training zur Pr\u00fcfungsvorbereitung. Die Ausbilder k\u00f6nnen individuelle Lernpakete zuweisen und digitale Hausaufgaben geben. Im Tagesablauf sieht das dann so aus, dass in der EJOT Lernwerkstatt Auszubildende in kleinen Gruppen im Praxisbetrieb unter Corona-Vorgaben betreut werden und gleichzeitig eine Gruppe im Homeschooling.<\/p>\n<p>Eine Lernplattform einzurichten ist das eine, die praktische Umsetzung mit den Auszubildenden ist eine ungleich gr\u00f6\u00dfere Herausforderung: \u201eDas ist eine Mammutaufgabe,\u201c betont Helmut Zacharias, Leiter der Lernwerkstatt am Standort Herrenwiese in Bad Berleburg. Die Auszubildenden m\u00fcssen im Homeschooling zu einer Struktur finden oder sind ungl\u00fccklich, weil sie es nicht hinbekommen. Einfach mal ein paar Aufgaben verteilen und sagen, macht das heute mal \u2013 damit ist es bei weitem nicht getan.<\/p>\n<p>\u201eWir haben schnell das Early-Bird-Meeting eingef\u00fchrt, eine Videokonferenz \u00fcber Microsoft TEAMS: Digitaler Arbeitsbeginn morgens um 8 Uhr. Neuigkeiten aus dem Unternehmen und Informationen zu Corona wurden in \u201eJugendsprache\u201c \u00fcbersetzt und weitergegeben. Die allgemeine Nachrichtenlage wird ebenso er\u00f6rtert wie ein Corona-Tagesthema, das bearbeitet werden muss. Am n\u00e4chsten Morgen h\u00e4lt ein Azubi dazu einen Kurzvortrag. Dabei geht es auch darum, die jungen Leute beim Thema Corona f\u00fcr Fake-News zu sensibilisieren. Durchgesprochen wird auch der Unterrichtsstoff aus der Berufsschule. \u201eAn den Tagen, wo keine Berufsschule war, haben wir den Auszubildenden Lernpakete \u00fcber unsere Lernplattform bereitgestellt,\u201c so Helmut Zacharias. Und am Ende des Meetings steht immer ein kurzes virtuelles Spiel. \u201eDas ist wichtig, um auch etwas Menschliches, etwas Spa\u00df in die Kommunikation zu bringen,\u201c so Zacharias. Das hat erst einmal recht gut funktioniert.<\/p>\n<p>Schnell hat sich jedoch herausgestellt, das Early-Bird-Meeting reicht nicht aus. Die Betreuungsintensit\u00e4t ist viel zu gering: \u201eMittlerweile machen wir ein weiteres Meeting zum Ende des Arbeitstages und optional auch mittags,\u201c sagt Ausbilder Lukas Brune. Und Fragen k\u00f6nnen den ganzen Tag \u00fcber gestellt werden.<\/p>\n<p>Die Disziplin ist im Laufe des Jahres sehr gut geworden: Kamera an, Mikrofon aus, alle sitzen p\u00fcnktlich am Computer. Aber auch da gab es technische H\u00fcrden: Nicht jeder Azubi hat zu Hause einen Computer oder einen Laptop, sondern versucht vergeblich mit dem Smartphone auf der Lernplattform zu arbeiten. Nicht \u00fcberall existieren tragf\u00e4hige Internetverbindungen oder nicht jeder PC hat eine Kamera oder ein Mikrofon. Die komplette Kommunikation l\u00e4uft \u00fcber private Endger\u00e4te. Es kommt auch vor, dass sich der EJOT Azubi zu Hause im Homeschooling mit seinen drei Geschwistern einen PC teilen muss und kein eigenes Zimmer zum Bearbeiten der Aufgaben hat. \u201eDas sind Punkte, die wir zun\u00e4chst gar nicht auf dem Schirm hatten,\u201c sagt Andreas Kurth. Hier ist es notwendig, permanent hinterher zu sein, dass alle mitkommen und die Schw\u00e4cheren nicht auf der Strecke bleiben.<\/p>\n<p>Apropos Kommunikation: Eine Erkenntnis aus der Corona-Pandemie ist die Notwendigkeit, die Auszubildenden auf einer digitalen Plattform des Unternehmens einzubinden. \u201eHier gibt es bereits konkrete Planungen f\u00fcr die schnelle Umsetzung,\u201c gibt Andreas Fey, bei EJOT zust\u00e4ndig f\u00fcr Digitalisierungsprojekte, zu erkennen. Die Krise ist auch hier ein wichtiger Impuls und Beschleuniger f\u00fcr Ver\u00e4nderungen,\u201c betont Fey.<\/p>\n<p>Mittlerweile haben die Auszubildenden den Ernst der Lage erkannt. Nach anderthalb Jahren steht f\u00fcr die meisten bereits der erste Teil der Abschlusspr\u00fcfung an, dessen Ergebnis zu 40 Prozent in die Abschlussnote einflie\u00dft. Zu Hause am PC ausruhen, ist nicht angesagt. Die Eigenverantwortung ist gewachsen. Das best\u00e4tigt auch Patrick Herms, der kurz vor Abschluss seiner Ausbildung zum Informatikkaufmann steht. Seit einem Jahr arbeitet er in enger Abstimmung mit seinen Ausbildern fast durchgehend im Homeoffice und kommt ganz gut damit klar. Und die Abschlusspr\u00fcfung? \u201eDie wird anspruchsvoll,\u201c sagt der 23-J\u00e4hrige voller Respekt. Beim Homeschooling mit seiner Berufsschule sieht er durchaus noch Luft nach oben: \u201eMorgens um 7.30 Uhr zum Schulbeginn ohne Arbeitsaufgabe an die Arbeit zu gehen, erfordert schon sehr viel Flexibilit\u00e4t,\u201c sagt er vielsagend.<\/p>\n<p>\u201eBei aller Flexibilit\u00e4t, digitale Tools k\u00f6nnen Pr\u00e4senz, wie wir sie kennen und sch\u00e4tzen, nicht vollst\u00e4ndig ersetzen,\u201c betont Andreas Kurth. Das gilt auch f\u00fcr die Berufsorientierung. Seit einem Jahr k\u00f6nnen keine Praktika im Unternehmen durchgef\u00fchrt werden. Dieses Bauchgef\u00fchl, was f\u00fcr den Bewerber wichtig ist und f\u00fcr das Unternehmen auch, dieses Bauchgef\u00fchl fehlt: Gef\u00e4llt es mir dort? Wie sind die Arbeitskollegen? Wie sieht es da aus? Aber vor allen Dingen fehlt das Selbermachen im Praktikum. Einem kompletten Jahrgang ist damit die M\u00f6glichkeit einer praxisorientierten Berufsorientierung genommen. \u201eWir haben ein so umfangreiches Ma\u00dfnahmenprogramm von Praktika, Berufsfelderkundungstagen, Potenzialanalysen, Girls Day, freiwillige Praktika in den Ferien, Tag der Ausbildung, Messen oder Ausbildungsbotschafter in den Schulen &#8211; alles ist weggefallen,\u201c so Kurth weiter. Das k\u00f6nnen Zeitungsanzeigen und Social-Media-Kan\u00e4le nicht ersetzen. \u201eDieses \u201akomm zu uns und wir bieten dir drei Wochen ein tolles Programm, nehmen dich an die Hand und erkl\u00e4ren dir mit Herzblut, was wir hier machen\u2018, das fehlt auch uns.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Dualen Studenten lernen mit der neuen Situation umzugehen. \u201eGro\u00dfe Flexibilit\u00e4t, h\u00f6here Eigenst\u00e4ndigkeit und durchaus auch Vorteile,\u201c wie Maschinenbaustudent Moritz Kuhly es auf den Punkt bringt. Vorlesungen sind jederzeit im Internet abrufbar. Die Fahrt zur Uni entf\u00e4llt, das bringt Zeitgewinn. Un\u00fcbersichtlich wird es freilich, wenn jeder Professor und Dozent seine Studienunterlagen auf einer anderen Plattform platziert. \u201eDaf\u00fcr habe ich mir eine Excel-Tabelle angelegt, um nicht vollends den \u00dcberblick zu verlieren.\u201c Und die Online-Klausuren, die haben es zum Teil in sich: 60 Aufgaben in 60 Minuten und keinesfalls nur Multiple-Choice-Fragen. \u201eDa l\u00e4uft die Uhr gnadenlos,\u201c lacht Kuhly. Das letzte Mal war er im September an der Uni. Keine Erstsemesterfeier, kein Bier in der Kneipe mit den Kommilitonen. Das fehlt uns allen.<\/p>\n<p>Text und Foto:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ejot.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EJOT Holding GmbH &amp; Co. KG<\/a> \/ Andreas Wolf<\/p>\n<p><em>Ausbildung ist wichtig, auch in Pandemiezeiten. Viele Unternehmen in unserer Region sehen das genauso. Schlie\u00dflich ben\u00f6tigen sie auch in Zukunft qualifizierte Fachkr\u00e4fte. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Ausbildung durch die Einschr\u00e4nkungen der Pandemie deutlich ver\u00e4ndert. Gleiches betrifft auch die Jugendlichen, die an einer gewerblich-technischen oder kaufm\u00e4nnischen Ausbildung interessiert sind. Praktika k\u00f6nnen nicht mehr stattfinden. Die Ausbildungsmessen in Bad Berleburg, Siegen und Olpe werden in diesem Jahr nur virtuell durchgef\u00fchrt. <\/em><\/p>\n<p><em>Vor diesem Hintergrund m\u00f6chten wir unter der \u00dcberschrift &#8222;Gute Beispiele f\u00fcr Ausbildung in der Pandemie&#8220; \u00fcber gelungene Modelle und L\u00f6sungen berichten und damit einen Beitrag leisten, um jungen Menschen eine Ausbildung in der heimischen Industrie n\u00e4her zu bringen und die Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern zu unterst\u00fctzen. Wenn Sie solche guten Beispiele kennen oder im Unternehmen umsetzen, w\u00e4ren wir f\u00fcr eine entsprechende Information dankbar. Schicken Sie einfach eine Nachricht an: <a href=\"mailto:redaktion@arbeitgeberverbaende.de\">redaktion@arbeitgeberverbaende.de<\/a><\/em><\/p>\n<p>Vielen Dank<\/p>\n<p><i>Ihre Redaktion von Wirtschaft regional<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berufsschule wird geschlossen. Die \u00fcberbetrieblichen Lehrwerkst\u00e4tten und Universit\u00e4ten ebenfalls. Im Unternehmen ist \u00fcber mehrere Monate Kurzarbeit, viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Homeoffice. 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