{"id":2250,"date":"2014-12-01T12:11:32","date_gmt":"2014-12-01T11:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=2250"},"modified":"2014-12-01T12:11:32","modified_gmt":"2014-12-01T11:11:32","slug":"was-die-welt-zusammenhaelt-ejot-produziert-spezialschrauben-mit-integrierter-anwendungstechnik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/was-die-welt-zusammenhaelt-ejot-produziert-spezialschrauben-mit-integrierter-anwendungstechnik\/","title":{"rendered":"Was die Welt zusammenh\u00e4lt: EJOT produziert Spezialschrauben mit integrierter Anwendungstechnik"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2251\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2251\" class=\"size-medium wp-image-2251\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-1-300x200.jpg\" alt=\"Im Bild die Qualit\u00e4tskontrolle direkt an der Maschine in der Schraubenfertigung der EJOT GmbH\u2008&amp;\u2008Co. KG. (Foto: Gesamtmetall\/Pit Junker)\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-1-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-1.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2251\" class=\"wp-caption-text\">Im Bild die Qualit\u00e4tskontrolle direkt an der Maschine in der Schraubenfertigung der EJOT GmbH\u2008&amp;\u2008Co. KG. (Foto: Gesamtmetall\/Pit Junker)<\/p><\/div>\n<p>Auf den ersten Blick sieht die Schraube aus wie eine ganz normale Schraube. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich auch dem Laien eine Besonderheit: Die Spitze ist glatt und rund, das eigentliche Gewinde f\u00e4ngt erst mehrere Millimeter sp\u00e4ter an. Flow-Drill-Schraube, abgek\u00fcrzt FDS, nennt sich das Teil, das von der Firma EJOT entwickelt wurde. Dahinter verbirgt sich eine Technologie, die das Zeug dazu hat, die Karosserie-Verschraubung im Fahrzeugbau zu revolutionieren. Werden beispielsweise mit der FDS-Verschraubung zwei Aluminiumteile verbunden, muss an den entsprechenden Stellen nicht mehr wie bisher vorgebohrt werden. Zudem verhindert die Technologie weitestgehend, dass sich beim Eindrehen der Schraube zwischen den Aluminiumteilen ein Spalt bildet.<\/p>\n<p>Damit das funktioniert, kommen spezielle Roboter zum Einsatz, die, vereinfacht gesagt, die Schrauben mit gro\u00dfem Druck und hoher Umdrehungsgeschwindigkeit eindrehen. Die Aluteile werden dadurch an der je\u00adweiligen Stelle rotgl\u00fchend und weich, so dass der Schraubenkopf sie durchdringen kann. Erst danach formt sich die FDS-Schraube ihr eigenes Muttergewinde, ohne dass Metallsp\u00e4ne anfallen. Zum Einsatz kommt diese Technologie bisher vor allem im Fahrzeugleichtbau. So wird beispielsweise die Aluminium-Karosserie des Audi A8 von rund 800 FDS-Schrauben sicher und zuverl\u00e4ssig zusammengehalten. Mit solchen und anderen Spezialschrauben hat sich die EJOT GmbH &amp; Co. KG aus Bad Berleburg l\u00e4ngst zu einem weltweiten Technologie- und Marktf\u00fchrer in diesem Segment entwickelt.<\/p>\n<div id=\"attachment_2252\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2252\" class=\"size-medium wp-image-2252\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-4-300x200.jpg\" alt=\"EJOT-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Winfried Schwarz neben der Aluminium-Karosserie eines Audi R8. (Foto: Gesamtmetall\/Pit Junker)\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2252\" class=\"wp-caption-text\">EJOT-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Winfried Schwarz neben der Aluminium-Karosserie eines Audi R8. (Foto: Gesamtmetall\/Pit Junker)<\/p><\/div>\n<p>Mit einfachen Baumarktschrauben ha\u00adben die Produkte nichts zu tun. \u201eWir verkaufen Schrauben mit einer Anwendungstechnik\u201c, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Winfried Schwarz. \u201eUnsere Au\u00dfendienstmitarbeiter sind Ingenie\u00adure, die in den Entwicklungsabteilungen unserer Kunden zu Hause sind.\u201c Vor allem im Automotive-Bereich ginge es fast nur noch um Spezialanfertigungen, so genannte \u201eZei\u00adchnungsteile\u201c. EJOT-Schrauben k\u00e4men bei fast allen europ\u00e4ischen Automobilherstellern zum Einsatz. Sie w\u00fcrden in Sitzen, Wandverkleidungen, der Karosserie und im Motorraum verbaut. \u00dcber sechs Milliarden Schrauben in rund 10.000 Varianten produziert das Unternehmen heute pro Jahr.<\/p>\n<p>Begonnen hatte es 1922 eher beschaulich: Adolf B\u00f6hl gr\u00fcndete damals eine Nagelproduktion als zweites Standbein neben der Landwirtschaft. Der Betrieb entwickelte sich in den ersten Jahren behutsam. Doch B\u00f6hl holte sich Fachwissen aus dem nahegelegenen Lennetal, der Wiege der deutschen Schraubenindustrie. Statt N\u00e4gel wurden sp\u00e4ter so\u00adgenannte Nagelschrauben mit einem Rillengewinde produziert, die in der Kisten- und Pa\u00adletten-Fertigung verwendet wurden. 1960 \u00fcbernahm B\u00f6hls Neffe Hans Werner Kocherscheidt, Rechtsanwalt und Notar mit eigener Praxis in Bad Berleburg, das Unternehmen, damals mit 60 Mitarbeitern. Schritt f\u00fcr Schritt verstand es Kocherscheidt, dem Unternehmen mit vorausschauenden Investitionen Geltung auf dem Markt zu verschaffen. Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter leitet sein Sohn Christian F. Kocherscheidt seit einigen Jahren die EJOT-Gruppe. Er hat insbesondere die weitere Internationalisierung ausgebaut und vorangetrieben. Heute ist EJOT mit Produktionsst\u00e4tten und Vertriebsb\u00fcros in \u00fcber 30 L\u00e4ndern auf dem Weltmarkt vertreten.<\/p>\n<p>Einen wichtigen technologischen Entwicklungsschritt in der Firmengeschichte markiert das Jahr 1977. Der Ingenieur Hermann Gro\u00dfberndt, heute noch als \u201eSchraubenpapst\u201c bekannt, erfand die PT-Schraube (Plastic Thread). Es war die erste Schraube, die sich, \u00e4hnlich wie bei Holzschrauben, direkt selbstfurchend in Kunststoff eindrehen lie\u00df. \u201eBis dahin\u201c, so Schwarz, \u201ewusste niemand, wie der richtige Steigungswinkel einer solchen Schraube sein musste.\u201c Um das herauszufinden, seien Tausende von Tests n\u00f6\u00adtig gewesen. \u201eDas war damals allerdings dann auch eine geradezu revolution\u00e4re Erfindung und bedeutete den Durchbruch f\u00fcr das Unternehmen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_2253\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2253\" class=\"size-medium wp-image-2253\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-2-300x200.jpg\" alt=\"Das Ausgangsmaterial ist Draht, der in  Spezialmaschinen unter anderem zu Schrauben und Bol\u00adzen umgeformt wird. (Foto: Gesamtmetall\/Pit Junker)\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-2-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/6-2014-EJOT-2.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2253\" class=\"wp-caption-text\">Das Ausgangsmaterial ist Draht, der in Spezialmaschinen unter anderem zu Schrauben und Bol\u00adzen umgeformt wird. (Foto: Gesamtmetall\/Pit Junker)<\/p><\/div>\n<p>\u00dcberhaupt sind Forschen, Entwickeln und Testen bei EJOT mehr als nur Tagesgesch\u00e4ft. Das zeigt schon allein die Besetzung der F+E-Abteilung. Der Chef ist ein habilitierter Physiker und neben zahlreichen Spezialisten aus dem Metallbereich gibt es auch einen Chemiker, der sich vor allem um die Beschichtungen k\u00fcmmert. Kein Wunder also, dass bis heute Hunderte von Patenten eingereicht wurden. EJOT setzt die Patente jedoch nicht alle selber um. Ein f\u00fcr die Firma wirtschaftlich nicht uninteressanter Teil wird an Lizenznehmer vergeben. So stammt beispielsweise das Patent f\u00fcr die Schrauben im iPad aus Bad Berleburg, hergestellt werden die winzigen Spezialschrauben allerdings von einem Lizenznehmer.<\/p>\n<p>Das Wittgensteiner Unternehmen ist jedoch mehr als nur ein Schraubenhersteller. \u201eWir sind ein Spezialist f\u00fcr Verbindungs- und Umformtechnik\u201c, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Schwarz. So hat sich EJOT auch auf die Verbindungstechnik f\u00fcr W\u00e4rme-D\u00e4mm-Verbundsysteme im Baubereich spezialisiert und ist in diesem Segment mittlerweile europ\u00e4ischer Marktf\u00fchrer. Als ein weiteres Standbein entwickelten die Verantwortlichen bereits in den 1970er Jahren die Verarbeitung von Kunststoff in Verbindung mit Metallstanzteilen f\u00fcr den Motorenbereich und Scheinwerfer-Verstellsysteme. Rund 40 Prozent der Gesamtproduktion flie\u00dfen heute in den Automotiv-Bereich, 45 Prozent in die Baubranche. Der Rest findet sich unter anderem in Haushaltsger\u00e4ten.<\/p>\n<p>Das Ausgangsmaterial aller Metallteile ist \u00fcbrigens Draht bis zu einem Durchmesser von 18 Millimetern. Die g\u00e4ngigsten Durchmesser liegen je\u00addoch zwischen vier und acht Millimetern. \u201eWir machen aus dem Draht alles, was sich nicht wehrt, kalt umgeformt zu werden\u201c, meint Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Schwarz scherzhaft. In Spezialmaschinen wird der Draht in atemberaubender Ge\u00adschwindigkeit in bis zu sieben Arbeitsschritten abgelenkt und mehrfach gestaucht. \u201eDiese Umformprozesse sind hoch komplex\u201c, sagt Schwarz, \u201eund wir m\u00fcssen immer berechnen, wie der Stahl reagiert, was noch geht und wo die Grenzen sind.\u201c Extrem kompliziert wird es dann, wenn eine Schraube aus zwei unterschiedlichen Stahlsorten besteht.<\/p>\n<p>Dies war j\u00fcngst der Fall bei einem ganz besonderen Auftrag: EJOT sollte f\u00fcr die neue Schutzh\u00fclle des Katastrophen-Reaktors in Tschernobyl selbsteinziehende Schrau\u00adben entwickeln, die die Metallplatten der H\u00fclle zuverl\u00e4ssig an das Ger\u00fcst be\u00adfestigen. Dieser Schraubentyp, Super Saphir Bohrschraube ge\u00adnannt, ist ein Zwitter aus Bohrer und Schraube und be\u00adsteht entsprechend aus zwei St\u00e4hlen mit unterschiedlichem Verhalten. Insgesamt f\u00fcnf Millionen dieser Schrauben sind mittlerweile in Tschernobyl verbaut. \u201eDiese Materialverbindung zuverl\u00e4ssig hinzubekommen\u201c, sagt Schwarz, \u201eist Hightech und hat mit den be\u00adkannten Bohrschrauben nicht das Geringste zu tun.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick sieht die Schraube aus wie eine ganz normale Schraube. 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