{"id":22112,"date":"2021-02-03T13:56:13","date_gmt":"2021-02-03T12:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=22112"},"modified":"2021-02-03T13:56:13","modified_gmt":"2021-02-03T12:56:13","slug":"ohne-wirklichen-schwung-ins-zweite-corona-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ohne-wirklichen-schwung-ins-zweite-corona-jahr\/","title":{"rendered":"\u201eOhne wirklichen Schwung ins zweite Corona-Jahr!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer konjunkturelle Aufholprozess der letzten Monate ist nahezu zum Erliegen gekommen. Die zweite Infektionswelle und der harte Lockdown sind f\u00fcr viele Unternehmen ein harter R\u00fcckschlag. Die Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung ist zun\u00e4chst verflogen, die Unsicherheit w\u00e4chst wieder. Die Pandemie hat die Wirtschaft weiter im W\u00fcrgegriff.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der im Januar durchgef\u00fchrten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 572 Unternehmen mit mehr als 40.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung &#8211; steigt um 8 Punkte auf einen Wert von 100, bleibt jedoch deutlich unter dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (105). Der Lagesaldo verbessert sich um 12 Punkte. Die negativen und positiven Einsch\u00e4tzungen halten sich die Waage. Die Erwartungen sind ebenfalls etwas optimistischer als im Herbst. Der Saldowert steigt um 5 Punkte.<\/p>\n<p>Felix G. Hensel: \u201eSelten zuvor war die wirtschaftliche Situation innerhalb der und zwischen den Branchen derart unterschiedlich. In der Industrie, dem Gro\u00dfhandel und bei den Dienstleistern l\u00e4uft es besser als in den vergangenen Monaten. Die insgesamt ordentlichen Werte in Teilen der Industrie machen zwar Mut. In den Lockdown-geplagten Wirtschaftsbereichen, dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel sowie der Kultur- und Event-Branche, ist die Stimmung indessen \u00e4u\u00dferst gereizt, ja fast schon d\u00fcster. Sorge bereitet uns die weiterhin angespannte Finanzlage. Bei einigen Unternehmen ist ein qu\u00e4lendes Sterben auf Raten zu bef\u00fcrchten.\u201c 28 % der Unternehmen berichten von einem R\u00fcckgang ihres Eigenkapitals, 18 % haben mit Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen zu k\u00e4mpfen. Problematisch zudem: Im Vergleich zum Herbst hat sich die Finanzlage der Unternehmen nicht verbessert.<\/p>\n<p>Derzeit wollen 14 % der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe ihr Personal aufstocken, 25 % planen einen Personalabbau. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDas ist besser als im Herbst, aber alles andere als gut. Auch die Investitionsneigung ist \u00fcbersichtlich. 28 % gehen von geringeren Investitionen aus, nur 20 % wollen mehr investieren. Das macht uns schon sehr nachdenklich. Gut, dass zumindest in Teilen der Industrie die positiven Meldungen wieder auf dem Vormarsch sind.\u201c Der Lagesaldo steigt um 30 Punkte. 29 % der Firmen beurteilen ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut, 24 % als schlecht. Im Herbst meldeten noch 41 % eine schlechte Gesch\u00e4ftslage. 28 % der Industrieunternehmen sehen optimistisch in die Zukunft, 20 % sind pessimistisch. Im Vergleich hierzu blickten im Herbst noch 31 % der Unternehmen sorgenvoll auf die kommenden Monate. Die heimische Industrie arbeitet sich weiter aus der Krise heraus, ist jedoch noch deutlich vom Vorkrisenniveau entfernt. Hinzu kommt: Jedes vierte industrielle Unternehmen befindet sich weiterhin in schwierigem Fahrwasser.<\/p>\n<p>Insbesondere bei den Unternehmen der Metallerzeugung und des Maschinen- und Anlagenbaus \u00fcberwiegen die negativen Lageeinsch\u00e4tzungen. Das sei f\u00fcr unsere Region problematisch, da diese beiden Wirtschaftszweige mit einem Umsatzanteil von 40 % und einem Besch\u00e4ftigtenanteil von 34 % zu den Schl\u00fcsselbranchen der heimischen Industrie z\u00e4hlen, verdeutlicht Klaus Gr\u00e4bener. \u201eDort, wo bei uns vor allem die Musik spielt, muss es bald wieder besser werden; ansonsten kann man sich an drei Fingern ausrechnen, was das f\u00fcr den Wirtschaftsstandort und die Besch\u00e4ftigung bedeutet. Wer meint, mit Kurzarbeit allein lie\u00dfe sich das Problem gewisserma\u00dfen aussitzen, hat den Ernst der Lage nicht hinreichend erfasst.\u201c<\/p>\n<p>Mut mache jedoch, dass auch in diesen Industriezweigen der Optimismus auf zuk\u00fcnftig bessere Gesch\u00e4fte \u00fcberwiege und die Auftragseing\u00e4nge wieder anz\u00f6gen. IHK-Konjunkturexperte Stephan H\u00e4ger: \u201eJedes vierte Industrieunternehmen meldet derzeit einen hohen Auftragsbestand. Im Herbst war es nur jedes Achte. Die Exporterwartungen steigen deutlich. Mit Blick auf das k\u00fcnftige Exportgesch\u00e4ft zeigt sich die Industrie erleichtert \u00fcber das in letzter Sekunde geschlossene Brexit-Abkommen, auch wenn der Handel noch nicht ohne Reibungsverluste verl\u00e4uft. Zudem w\u00e4chst nach dem Regierungswechsel in den USA die Hoffnung auf mehr Verl\u00e4sslichkeit bei den internationalen Handelsbeziehungen.\u201c<\/p>\n<p>Der Bausektor kommt weiterhin au\u00dferordentlich gut durch die Corona-Krise. Knapp 98 % der befragten Baubetriebe geben eine gute oder befriedigende Gesch\u00e4ftslage an, nur etwa 2 % eine schlechte. Felix G. Hensel: \u201eVor allem im Wohnungsbau l\u00e4uft es gut. Die Auslastung ist bei den meisten Unternehmen sehr ordentlich. Aber auch hier gilt: Die B\u00e4ume wachsen nicht in den Himmel. Die Auftragspolster sind in Teilen nicht mehr so stark ausgepr\u00e4gt. Auch kommen nicht alle Bausparten gleicherma\u00dfen gut durch die Krise. Insbesondere dem Wirtschaftsbau macht die negative Investitionsbereitschaft der Unternehmen zu schaffen.\u201c Nur noch 40 % der Baubetriebe berichten von einem hohen Auftragsbestand. Daher \u00fcberwiegen die pessimistischen Zukunftsaussichten. 34 % erwarten in den kommenden Monaten schlechtere Gesch\u00e4fte, 8 % bessere. Zwei F\u00fcnftel rechnen mit einem Umsatzr\u00fcckgang.<\/p>\n<p>Der seit Anfang November geltende Lockdown hat den Einzelhandel und das Gastgewerbe in der umsatzst\u00e4rksten Phase des Jahres massiv getroffen. Die Lageeinsch\u00e4tzungen st\u00fcrzen auf historische Tiefstst\u00e4nde. Zwei Drittel der Einzelh\u00e4ndler bewerten ihre Lage als schlecht. Im Gastgewerbe sind es sogar neun von zehn Unternehmen. Stephan H\u00e4ger: \u201eDie Stimmung sowohl im Einzelhandel als auch im Gastgewerbe ist in weiten Teilen perspektivlos und resignativ. Etlichen H\u00e4ndlern, Dienstleistern und Gastronomen fehlt eine staatliche Exit-Strategie aus dem Lockdown.\u201c Allerdings sehen auch 21 % der H\u00e4ndler ihre Gesch\u00e4ftslage als befriedigend an und 12 % berichten von guten Gesch\u00e4ften. Dabei z\u00e4hlen insbesondere der Onlinehandel, aber auch der Einzelhandel mit Lebensmitteln oder Drogeriewaren zu den Gewinnern. Der station\u00e4re Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen oder Lederwaren, der die innerst\u00e4dtischen Einkaufstandorte in besonderem Ma\u00dfe pr\u00e4gt, leidet dagegen erheblich. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eStaatliche Hilfen, die nicht ankommen, verdienen ihren Namen nicht. Ank\u00fcndigungen, denen keine Taten folgen, l\u00f6sen kein Problem, steigern jedoch das Frustpotenzial. Schlie\u00dflich berichten jeder zweite Gastronom und jeder dritte Einzelh\u00e4ndler von Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen. Einen Eigenkapitalr\u00fcckgang melden 61 % der Gastronomen und 42 % der Einzelh\u00e4ndler. Mehr muss man eigentlich nicht mehr dazu sagen.\u201c<\/p>\n<p>Die Stimmung im Gro\u00dfhandel verharrt in etwa auf dem Herbstniveau. W\u00e4hrend die Lagebeurteilung steigt, tr\u00fcben sich die Zukunftserwartungen ein. 36 % der Gro\u00dfh\u00e4ndler bewerten ihre Lage als gut, 21 % als schlecht. Insbesondere der produktionsnahe Gro\u00dfhandel bewertet seine Lage deutlich besser als im Herbst. Der Saldowert steigt dort um 20 Punkte. Beim konsumnahen Gro\u00dfhandel steigt der Lagesaldo um 7 Punkte. Bei den Erwartungen \u00fcberwiegen im Vergleich zum Herbst die pessimistischen Einsch\u00e4tzungen. Stephan H\u00e4ger: \u201eEtwa 40 % der Gro\u00dfh\u00e4ndler gehen in den kommenden Monaten von schlechteren Gesch\u00e4ften aus. W\u00e4hrend beim konsumnahen Gro\u00dfhandel die Gesch\u00e4ftserwartungen deutlich positiv sind, \u00fcberwiegen beim produktionsnahen Gro\u00dfhandel die negativen Einsch\u00e4tzungen.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Dienstleistungsbranche tritt seit dem Herbst auf der Stelle. 28 % der Unternehmen melden eine gute Gesch\u00e4ftslage, 32 % eine schlechte. Der Lagesaldo sinkt leicht um 3 Punkte. Bei den Erwartungen \u00fcberwiegen erstmals seit fast zwei Jahren wieder die optimistischen Einsch\u00e4tzungen. 30 % gehen von zuk\u00fcnftig besseren Gesch\u00e4ften aus, 26 % von schlechteren. Insgesamt ist der Aufholprozess der Dienstleister zum Stillstand gekommen. Insbesondere die Lageeinsch\u00e4tzung ist noch deutlich vom Vorkrisenniveau entfernt. Positiv ist, dass zwei von f\u00fcnf Dienstleistern wieder mit steigenden Ums\u00e4tzen rechnen.<\/p>\n<p>Grafik und Info: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer konjunkturelle Aufholprozess der letzten Monate ist nahezu zum Erliegen gekommen. 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