{"id":21935,"date":"2021-01-21T15:54:05","date_gmt":"2021-01-21T14:54:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=21935"},"modified":"2021-01-21T15:54:05","modified_gmt":"2021-01-21T14:54:05","slug":"metall-und-elektroindustrie-im-kreis-olpe-in-schwieriger-lage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/metall-und-elektroindustrie-im-kreis-olpe-in-schwieriger-lage\/","title":{"rendered":"Metall- und Elektroindustrie im Kreis Olpe in schwieriger Lage"},"content":{"rendered":"<p>In den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Region Olpe ist die Stimmung so schlecht wie seit der Finanzkrise 2008\/2009 nicht mehr. Dies ist das Ergebnis einer am Donnerstag in Olpe vorgelegten aktuellen Konjunkturumfrage der Fachgruppe Metall des Arbeitgeberverbandes Olpe zum Jahreswechsel 2020\/2021, an der jeder vierte Mitgliedsbetrieb mit insgesamt fast 6.000 Besch\u00e4ftigten und 320 Auszubildenden des Industriezweigs teilgenommen hat. Wie der Verband mitteilte, sind die Umfrageergebnisse Ausdruck einer gro\u00dfen Unsicherheit mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2021 im In- und Ausland. Die Metall- und Elektroindustrie in der Region befinde sich eindeutig in einer au\u00dfergew\u00f6hnlich schwierigen Lage. Die seit 2018 w\u00e4hrende Rezession in den M+E-Branchen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der transformationsbedingt enorme Ver\u00e4nderungsdruck setze die Unternehmen verst\u00e4rkt unter Druck.<\/p>\n<p>Der Vorsitzende des Verbandes, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete das Ergebnis der Umfrage seines Verbandes als \u201ebesorgniserregend\u201c. Die Meldungen aus den Unternehmen erinnerten stark an die dramatisch schlechten Werte der Finanzkrise 2008\/2009. Auch wenn das dritte Quartal des Jahres die Auswirkungen des wirtschaftlichen Einbruchs im ersten Halbjahr etwas gelindert habe, weise die Jahresbilanz der Metall- und Elektroindustrie vor allem pandemiebedingt ein dickes Minus aus. \u201eVon einer Normalisierung der Gesch\u00e4fte sind wir hier in der Region noch ein ordentliches St\u00fcck entfernt\u201c, betonte Kirchhoff. Es sei allerdings erfreulich, dass sich die sp\u00fcrbaren Einbr\u00fcche bei Auftr\u00e4gen, Produktion und Ums\u00e4tzen bisher noch vergleichsweise moderat auf die Besch\u00e4ftigung in der Region ausgewirkt habe. Dies sei dem enormen Kapitaleinsatz der Betriebe und der Ausweitung der Kurzarbeit zu verdanken.\u00a0 \u201eEine gro\u00dfartige Leistung, die allerdings zulasten von Ertr\u00e4gen und Investitionen gegangen ist\u201c, erkl\u00e4rte Kirchhoff.<\/p>\n<p>Umso wichtiger sei es jetzt, dass die M+E-Branchen von zus\u00e4tzlichen Lasten bei Arbeits- und Energiekosten verschont blieben. Auch die in Teilen der Politik gef\u00fchrte v\u00f6llig verfehlte Debatte \u00fcber Steuererh\u00f6hungen f\u00fcr die Unternehmen oder die Einf\u00fchrung einer Verm\u00f6gensteuer werde zur Unzeit gef\u00fchrt und gef\u00e4hrde die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zus\u00e4tzlich. Die Bedeutung der Industrie f\u00fcr den Wohlstand des Landes habe sich in dieser dramatischen Krisensituation einmal mehr gezeigt. Kirchhoff forderte die Politik auf, dringend notwendige Zukunftsinvestitionen in Digitalisierung und in eine sichere und bezahlbare Energieversorgung nicht aus den Augen zu verlieren. \u201eDeutschland darf seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit nicht aufs Spiel setzen\u201c, sagte Kirchhoff.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die bereits laufende Tarifrunde in der M+E-Industrie warnte Kirchhoff, der als NRW-Metallarbeitgeberpr\u00e4sident auch Verhandlungsf\u00fchrer von METALL NRW ist, die IG Metall davor, bei den Besch\u00e4ftigten eine falsche Erwartungshaltung zu wecken. Zwar habe die Gewerkschaft die Besch\u00e4ftigungssicherung in den Vordergrund ihrer Tarifforderung gestellt, doch w\u00fcrde eine auch nur ann\u00e4hernde Umsetzung des Forderungsvolumens von vier Prozent viele Arbeitspl\u00e4tze kosten. Die Unternehmen h\u00e4tten im Laufe des Jahres einen enormen finanziellen Kraftakt gestemmt, um m\u00f6glichst alle Besch\u00e4ftigten in Arbeit zu halten. Dieses Ziel sei zwar erreicht worden, doch sei diese Herkules-Aufgabe f\u00fcr die Betriebe nicht unbegrenzt durchzuhalten. Schlie\u00dflich h\u00e4tten fehlende Ums\u00e4tze im vergangenen Jahr zu einer massiven Aufzehrung von Eigenkapital und damit unternehmerischer Substanz gef\u00fchrt. \u201eEs muss alles vermieden werden, was die Arbeitskosten weiter erh\u00f6ht\u201c, so Kirchhoff abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Zu den Ergebnissen der Umfrage erkl\u00e4rte der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Walter Viegener, die aktuelle Gesch\u00e4ftslage in den Unternehmen habe sich gegen\u00fcber dem schon schwachen Vorjahr nochmals verschlechtert. Zwar seien die Aussagen der Konjunkturumfrage 2020\/ 2021 lediglich ein Stimmungsbild der Unternehmen, doch der Trend sei klar erkennbar. Nur knapp jedes vierte Unternehmen (Vorjahr: vier von zehn Unternehmen) bezeichne die aktuelle Gesch\u00e4ftslage als gut. Zwar erwarte fast jedes siebte Unternehmen in den kommenden sechs Monaten eine bessere Gesch\u00e4ftsentwicklung, doch werde diese Hoffnung durch die aktuelle Ertragslage \u00fcberschattet, die nahezu jedes vierte befragte Unternehmen als schlecht ansehe.<\/p>\n<p>Wie im Vorjahr plane gegenw\u00e4rtig jedes f\u00fcnfte Unternehmen, seine Inlandsinvestitionen zur\u00fcckzufahren. Ein positiveres Bild zeichneten die beabsichtigten Auslandsinvestitionen. Der Umfrage zufolge gingen drei Viertel der Unternehmen von gleichbleibenden und ein Viertel (Vorjahr: 31 Prozent) von verst\u00e4rkten Investitionen aus. \u201eWichtig w\u00e4re es, dass die Inlandsinvestitionen wieder anziehen\u201c, sagte Viegener. Hier m\u00fcsse auch der Staat endlich seine Hausaufgaben erledigen, etwa durch den dringend notwendigen Digitalisierungsschub insbesondere in den l\u00e4ndlichen Industrieregionen. Sp\u00e4testens die dramatischen Auswirkungen der Pandemie h\u00e4tten gezeigt, welche Bedeutung eine moderne digitale Infrastruktur f\u00fcr das Land habe.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Arbeitgeberverbandes Olpe, Stephan Stracke, betonte mit Blick auf die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, die Produktion in der M+E-Industrie NRW habe in den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 um 13,5 Prozent (Gesamtindustrie NRW: -8,5 Prozent) unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen. Am st\u00e4rksten betroffen sei die Branche \u201eHerstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen\u201c (- 25,7 Prozent) gewesen, gefolgt von der Gie\u00dfereibranche (-25 Prozent) und dem Maschinenbau (-11,6 Prozent). \u201eEin \u00e4hnlich bitteres Bild zeigt sich beim Gesamtumsatz, der einschl. Oktober um 11,8 Prozent gegen\u00fcber den Vorjahresmonaten eingebrochen ist\u201c, so Stracke.<\/p>\n<p>Info: <a href=\"https:\/\/www.agv-olpe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeitgeberverband f\u00fcr den Kreis Olpe e.V.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Region Olpe ist die Stimmung so schlecht wie seit der Finanzkrise 2008\/2009 nicht mehr. 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