{"id":21910,"date":"2021-01-19T12:42:30","date_gmt":"2021-01-19T11:42:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=21910"},"modified":"2021-01-19T12:42:30","modified_gmt":"2021-01-19T11:42:30","slug":"ein-virtueller-coach-fuers-smarte-altern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ein-virtueller-coach-fuers-smarte-altern\/","title":{"rendered":"Ein virtueller Coach f\u00fcrs smarte Altern\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t Siegen entwickelt zusammen mit 11 europ\u00e4ischen und 11 japanischen Partnern einen virtuellen Assistenten f\u00fcr das smarte Altern in den eigenen vier W\u00e4nden. Im e-VITA-Projekt entsteht ein intelligenter Assistent, den \u00e4ltere Menschen ganz individuell zu Hause nutzen k\u00f6nnen \u2013 ma\u00dfgeschneidert auf die eigene Wohnumgebung und auf pers\u00f6nliche W\u00fcnsche und Vorstellungen. \u201eUnser Ziel ist es, \u00e4ltere Menschen zu erm\u00e4chtigen, selbstst\u00e4ndig und aktiv zu bleiben, ihre t\u00e4glichen Aktivit\u00e4ten zu managen und ihr Wohlbefinden zu verbessern\u201c, erkl\u00e4rt Professor Dr. Marc Hassenzahl, Dekan der Fakult\u00e4t III der Universit\u00e4t Siegen. Die Schwerpunkte bei der Entwicklung des virtuellen Coaches liegen in den Bereichen Mobilit\u00e4t, soziale Interaktion, Freizeit, Kognition, k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t, Stimmung und Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Aufgabe der Siegener ForscherInnen wird es sein, nutzergerechte Sprachinteraktion und die Gestalt des Assistenten in sogenannten Praxislaboren zusammen mit den Nutzenden zu gestalten \u2013 also einen vertrauensw\u00fcrdigen Assistenten zu erschaffen, der speziell auf die \u00e4ltere Zielgruppe ausgerichtet ist. Dazu m\u00f6chte die Uni unter anderem mit den Kommunen und Sozialverb\u00e4nden in Siegen-Wittgenstein kooperieren, damit das System auch mit deren Sozialen Diensten und Aktivit\u00e4ten verkn\u00fcpft werden kann. Der Coach wird \u00fcber nat\u00fcrliche Sprachinteraktion gesteuert. Dies hat zwei Ziele: Zum einen k\u00f6nnen sich Mensch und Coach dadurch unterhalten und besser verstehen. Zum anderen soll der Coach Vertrauen schaffen und gleichzeitig durch die Gespr\u00e4che datenschutzkonform Informationen geben. Dazu kommen Frage-Antwort-Funktionen aus Wissensgraphen wie Wikipedia und Datensets aus verschiedenen Sensoren zum Einsatz. So wertet das System zum Beispiel die Daten von smarten Haushaltsger\u00e4ten aus und kann bei Bedarf auch gesundheitsrelevante Ger\u00e4te wie Blutdruckmessger\u00e4te oder Fitnessarmb\u00e4nder ankoppeln. Basierend auf all diesen Informationen soll der Coach personalisierte Empfehlungen f\u00fcr die \u00e4lteren Menschen in den verschiedenen Sprachen der beteiligten L\u00e4nder geben. Zum Beispiel k\u00f6nnte der Coach daran erinnern, sich regelm\u00e4\u00dfig zu bewegen oder spazieren zu gehen, aus der Bibel vorlesen oder kulturelle Veranstaltung empfehlen \u2013 ganz nach Bedarf. Er k\u00f6nnte auch dabei unterst\u00fctzen, einfacher mit Familie oder Freunden zu chatten, sich ges\u00fcnder zu ern\u00e4hren oder sich mit den Kommunen und in den Quartieren zu vernetzen.<\/p>\n<p>Welche Funktionen und Aufgaben der Coach konkret \u00fcbernehmen soll und welche Gestalt er annehmen soll, wird im Laufe des Projekts gemeinsam mit den \u00e4lteren Menschen festgelegt. \u201eEntscheidend f\u00fcr das Projekt ist, dass die NutzerInnen die Technologien akzeptieren. Das k\u00f6nnen wir nur erreichen, wenn wir die NutzerInnen selbst zum Mittelpunkt des Designs und der Entwicklung machen\u201c, sagt Elisa Irlandese, Projekt-Beauftragte der Europ\u00e4ischen Kommission. Dem stimmt auch Dr. Rainer Wieching zu. Er ist der Gesamt-Projektleiter von e-VITA und Experte im Bereich Aktives Altern, Gesundes Leben und Soziale Robotik.<\/p>\n<p>Soll sich der virtuelle Coach dezent im Hintergrund halten oder immer pr\u00e4sent sein? Welche Funktionen sind sinnvoll, welche st\u00f6rend oder sogar hinderlich? Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus \u2013 schlie\u00dflich m\u00f6chte nicht jeder all seine Daten preisgeben. \u201eWir konzipieren f\u00fcrs echte Leben und f\u00fcr echte Menschen, nicht f\u00fcr das Labor\u201c, betont Dr. Matthias Laschke. \u201eDie Technologien, die wir im Projekt entwickeln, sollen nicht nur praktisch und pragmatisch sein, sondern auch die individuellen Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen \u2013 zum Beispiel Sicherheit und Autonomie \u2013 und Spa\u00df machen\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Die WissenschaftlerInnen stellen den \u00e4lteren NutzerInnen sp\u00e4ter ein Unterst\u00fctzungssystem bereit, um das virtuelle Coaching-System zu erlernen und zu nutzen und eigenst\u00e4ndig ihre Daten zu verwalten. Erprobt und ausgewertet werden soll der Coach in Frankreich, Deutschland, Italien und Japan. Das Angebot soll mittelfristig in ganz Europa und Japan genutzt werden k\u00f6nnen, was durch eine internationale Anwendungsstudie unterlegt wird und gegebenenfalls weitere Finanzierungsrunden und Studien erm\u00f6glicht. \u201eS\u00fcdwestfalen ist eine l\u00e4ndlich gepr\u00e4gte Region mit sinkender Zahl an Haus\u00e4rzten und steigender Zahl an \u00e4lteren Menschen. Diese demografische und strukturelle Entwicklung trifft auf viele l\u00e4ndliche Regionen in der EU und auch in Japan zu\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Volker Wulf die Kooperation und den Nutzen des Coaches. Wulf ist Prorektor f\u00fcr Digitales und Regionales und Professor f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der Universit\u00e4t Siegen.<\/p>\n<p>Projektpartner in Deutschland sind unter anderem das Fraunhofer Institut IAIS, der Di\u00f6zesan Caritasverband des Erzbistums K\u00f6ln, sowie weitere Partner aus Europa, unter anderem der \u00f6ffentliche Krankenhausverbund von Paris, das Nationale Italienische Institut f\u00fcr Altersforschung und die AGE Plattform Europa, die sich europaweit f\u00fcr die Belange der Alternden Gesellschaft einsetzt. Projektpartner in Japan sind unter anderem die TOHOKU Universit\u00e4t und das Nationale Institut f\u00fcr Gerontologie und Geriatrie (NCGG) sowie das Nationale Institut f\u00fcr fortgeschrittene industrielle Wissenschaft und Technologie (AIST). Die Uni Siegen fungiert als EU-Koordinator des Projekts. Eine erste online Konferenz mit allen Partnern sowie Vertretern der EU-Kommission und dem Japanischen Wissenschaftsministerium fand zum Start der Forschung im Januar statt. Finanziert wird das auf drei Jahre angesetzte Projekt durch das EU-Rahmenprogramm f\u00fcr Forschung und Innovation Horizont 2020 und durch \u00f6ffentliche Finanzierung aus Japan mit insgesamt vier Millionen Euro in der EU plus vier Millionen Euro in Japan. Die Universit\u00e4t Siegen erh\u00e4lt davon etwa 750.000 Euro.<\/p>\n<p>Text und Foto: <a href=\"http:\/\/www.uni-siegen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Universit\u00e4t Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4t Siegen entwickelt zusammen mit 11 europ\u00e4ischen und 11 japanischen Partnern einen virtuellen Assistenten f\u00fcr das smarte Altern in den eigenen vier W\u00e4nden. 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