{"id":21315,"date":"2020-11-30T13:50:09","date_gmt":"2020-11-30T12:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=21315"},"modified":"2020-11-30T13:50:09","modified_gmt":"2020-11-30T12:50:09","slug":"mit-weiterbildung-stark-aus-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/mit-weiterbildung-stark-aus-der-krise\/","title":{"rendered":"Mit Weiterbildung stark aus der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Die Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie am Arbeitsmarkt sind deutlich sichtbar. Zum Beispiel bei der Arbeitslosigkeit, die rund 20 Prozent \u00fcber dem Vorjahr liegt. Dass die Arbeitslosenquote einmal um 1,3 Prozentpunkte einbrechen k\u00f6nnte \u2013 das hatten wir, das hatte ich mir nicht vorstellen k\u00f6nnen, so Torsten Withake, Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit in seinem Beitrag im <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Doch bietet der Arbeitsmarkt im Corona-Jahr auch die M\u00f6glichkeit f\u00fcr andere Beobachtungen. Seit Juli sinkt die Arbeitslosigkeit sp\u00fcrbar wieder. Von Monat zu Monat kr\u00e4ftiger als in den vorhergehenden Jahren. Ich will nicht sagen \u201eich war \u00fcberrascht\u201c, schlie\u00dflich gab es ja noch keine Erfahrung mit einer Pandemie. Doch beeindrucken mich die Energie, die Kraft, auch die Lust und die neuen Ideen, mit denen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nach dem Lockdown im Fr\u00fchjahr wieder angefangen haben zu wirtschaften \u2013 um schlie\u00dflich wieder neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu suchen. Das ist ein beeindruckendes Signal \u2013 von Resignation angesichts einer bedrohlichen Pandemie mit ungewissen Ausgang ist nichts zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Ein etwas k\u00fchlerer Blick auf den Arbeitsmarkt verr\u00e4t Weiteres: Unternehmen und Betriebe finden derzeit offenbar einfacher als in den vergangenen Jahren qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Engpass f\u00fcr Fachkr\u00e4fte spielt aktuell eine geringere Rolle, da einige Unternehmen aufgrund der Pandemie-Auswirkungen bew\u00e4hrtes und qualifiziertes Personal entlassen mussten. Diese sind jetzt sozusagen \u201eauf dem Markt\u201c.<\/p>\n<p>Damit ber\u00fchren wir einen Punkt, den wir schon seit Jahren im Blick haben: Die Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in NRW. Ein Perspektivwechsel, der mir als Arbeitsmarktexperten am Herzen liegt, verdeutlicht die Herausforderung eindringlich: Gut zwei Drittel der arbeitslos gemeldeten Menschen in NRW haben keine Qualifikation, die ausreicht, um wieder zur\u00fcck in eine sich schrittweise weiter modernisierende Arbeitswelt zu finden. Dar\u00fcber hinaus schlummert in den Betrieben noch vielfach Potential an fachlichem Know-how.<\/p>\n<p>Das kann auch Auswirkungen f\u00fcr die Wirtschaft in NRW haben: Sobald die schlimmsten Auswirkungen der Pandemie bew\u00e4ltigt sind, werden die starken, landesweiten Fachkr\u00e4fte-Engp\u00e4sse der vergangenen Jahre wiederkehren. Das kann sogar ein Risiko f\u00fcr die Wachstumsprozesse sein, die wir dringend brauchen, um die Folgen der Pandemie schnell wieder zu \u00fcberwinden. Zumal die Pandemie in vielen Arbeitsfeldern als beschleunigende Treiberin f\u00fcr technologische Transformationen wirkt.<\/p>\n<p>Deshalb ist f\u00fcr mich ausgemacht, dass es gerade jetzt wichtig wird, dass wir in die Weiterbildung investieren. Und zwar sowohl in die Qualifizierung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als auch der Menschen, die am Arbeitsmarkt eine neue Anstellung suchen. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, schlie\u00dflich haben wir angesichts der wiederkehrenden Einschr\u00e4nkungen im \u00f6ffentlichen Leben, die m\u00f6glicherweise noch l\u00e4nger unseren Alltag pr\u00e4gen werden, zun\u00e4chst ganz andere Sorgen.<\/p>\n<p>Doch worum geht es bei Weiterbildung? Die bei weitem umfangreichsten Ver\u00e4nderungen durch Strukturwandel und Digitalisierung f\u00fchren nicht zum Wegfall von Berufsbildern, sondern zu ihrem stark Wandel \u2013 ohne dass die Berufe wegfallen. Routinet\u00e4tigkeiten als Teile von Berufen fallen weg, neue T\u00e4tigkeiten kommen hinzu \u2013 und die erfordern von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern neue Qualifikationen, aber auch die Freude am lebenslangen Lernen. Der Wandel in den Berufen l\u00e4sst sich nur durch Weiterbildung auffangen; durch Weiterbildung und Qualifizierung in Unternehmen und Betrieben, und durch Qualifizierung arbeitsloser Menschen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist da auch noch die duale Ausbildung. Sie ist eine der tragenden S\u00e4ulen der Wirtschaft in NRW. Das war zuletzt wieder gut zu sp\u00fcren als es im Ausbildungskonsens NRW darum ging, gemeinsam den Corona-Einbruch am Ausbildungsmarkt zu verhindern. Andererseits nimmt nicht nur die technologische, sondern auch die demografische Entwicklung zunehmend Fahrt auf. Die steigende Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trifft vermehrt auf Fachkr\u00e4fte, die in den Ruhestand gehen und weniger Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die die Schulen verlassen. Und nicht zuletzt: Auch die Azubis von heute m\u00fcssen als Fachkr\u00e4fte von morgen dem Wandel begegnen. Nachfrage, Demografie, lebenslanges Lernen \u2013 das sind drei Argumente, warum die Weiterbildung einen \u00e4hnlichen Status erhalten sollte, wie ihn die duale Berufsausbildung schon immer hat.<\/p>\n<p>Ein zweiter Punkt sollte nicht unerw\u00e4hnt bleiben: Wir m\u00fcssen uns fragen, welche Qualifizierungen wir in Zukunft ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Um eine neue Kultur der Weiterbildung anzusto\u00dfen, hat der Gesetzgeber in den vergangenen zwei Jahren einige arbeitsmarktpolitische T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter k\u00f6nnen besonders davon profitieren, sich unterst\u00fctzen und f\u00f6rdern lassen. In diesen Zusammenhang geh\u00f6rt auch die M\u00f6glichkeit, zuvor arbeitslose Menschen anzustellen und im Unternehmen zu qualifizieren.<\/p>\n<p>Gute Arbeitsmarktpolitik muss auf Nachfrage reagieren. Welche Qualifizierungen wir in Zukunft ben\u00f6tigen, um aktiv langfristige Transformationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft aufzugreifen, ist nat\u00fcrlich zun\u00e4chst einmal eine gemeinsame Hausaufgabe der Arbeitsagenturen, Jobcentern und der Bildungsanbieter. Doch ohne die Arbeitgeberseite geht es nicht. Wohin die Reise geht, welche Qualifizierungen jetzt und in Zukunft gebraucht werden, das sind Fragen, die nur gemeinsam beantwortet werden k\u00f6nnen. Wie man diesen Dialog gestalten kann, erproben wir derzeit in zwei Regionen in NRW. Auch dieser Austausch geh\u00f6rt zu einer neuen Kultur der Weiterbildung, die es uns erm\u00f6glicht, langfristig wirtschaftlich stark zu bleiben, weil wir \u00fcber die qualifizierten K\u00f6pfe verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Ich habe zu Beginn von der Entschlossenheit, dem Mut und den neuen Ideen vieler Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gesprochen, die jetzt, in der Pandemie, besonders sichtbar geworden sind. Ich bin \u00fcberzeugt, dass zu diesen Neuanf\u00e4ngen auch die gelebte Kultur von Qualifizierung und Weiterbildung geh\u00f6ren wird. Es ist jetzt die Zeit, sich mit ihr auseinanderzusetzen, damit wir st\u00e4rker aus der aktuellen Krise hervorgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie am Arbeitsmarkt sind deutlich sichtbar. Zum Beispiel bei der Arbeitslosigkeit, die rund 20 Prozent \u00fcber dem Vorjahr liegt. 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