{"id":21241,"date":"2020-11-23T15:46:41","date_gmt":"2020-11-23T14:46:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=21241"},"modified":"2020-11-23T15:46:41","modified_gmt":"2020-11-23T14:46:41","slug":"deutliche-umsatzrueckgaenge-weniger-nachfrage-sinkende-investitionen-und-zu-viel-buerokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/deutliche-umsatzrueckgaenge-weniger-nachfrage-sinkende-investitionen-und-zu-viel-buerokratie\/","title":{"rendered":"Deutliche Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge, weniger Nachfrage, sinkende Investitionen und zu viel B\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie meisten heimischen Unternehmen werden das laufende Gesch\u00e4ftsjahr mit einem zum Teil dicken Minus abschlie\u00dfen. Etwa ein Drittel der Firmen beziffert seine Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge auf mehr als 25 % gegen\u00fcber dem Vorjahr. Besonders stark leiden Unternehmen der Reisewirtschaft, des Gastgewerbes sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft.\u201c Mit diesen Worten fasst IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel ein wesentliches Ergebnis der aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zusammen, an der sich 679 Unternehmen aus der Region beteiligten. Die Corona-Pandemie f\u00fchre bei einem Gro\u00dfteil der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe zu einer geringeren Nachfrage nach Produkten und Dienstleitungen. Felix G. Hensel: \u201eEtwa 71 % der Industrieunternehmen aus unserer Region melden einen Nachfrager\u00fcckgang aufgrund der Corona-Pandemie. Auch wenn der Industrieumsatz zuletzt zulegen konnte, liegen wir in den ersten neun Monaten 12,5 % unter dem Ergebnis des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr entspricht das einem satten R\u00fcckgang von rund 2 Mrd. \u20ac. Aber: Nicht alle Unternehmen leiden unter der Krise. Jeder vierte Betrieb aus dem Baugewerbe und der Gesundheitswirtschaft rechnet mit einer Umsatzsteigerung in diesem Jahr.\u201c Weitere gro\u00dfe Herausforderungen, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen, sind zum einen die steigende Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die erkrankt sind oder sich in Quarant\u00e4ne befinden, und zum anderen die Stornierung von Auftr\u00e4gen. Jeweils etwa 24 % der Unternehmen machen dies geltend.<\/p>\n<p><strong>Investitionen werden verschoben bzw. gestrichen<\/strong><br \/>\nGro\u00dfe Sorgen bereitet der IHK die r\u00fcckl\u00e4ufige Investitionsbereitschaft, die auch die neue Umfrage best\u00e4tigte. Um den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begegnen, senken die Unternehmen Kosten, wo immer dies geht. Zugleich schieben sie ihre Investitionen auf die lange Bank. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDas ist mehr als beunruhigend. Investitionen dr\u00fccken Zukunftszuversicht aus. Diese Zuversicht scheint Teilen der Wirtschaft in der andauernden Krise abhanden zu kommen. Anders ist nicht zu erkl\u00e4ren, dass allein in der heimischen Industrie 55 % der Unternehmen geplante Investitionen verschieben oder ganz streichen.\u201c Zwei F\u00fcnftel setzen auf Rationalisierung und nutzen so Einsparpotenziale aus. Gleichzeitig ist die Corona-Pandemie Anlass f\u00fcr etwa 28 % der Unternehmen, verst\u00e4rkt die Digitalisierung sowie die Online-Pr\u00e4senz und Online-Kundenbindung auszubauen.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrokratieabbau dringend notwendig<\/strong><br \/>\nAuf die Frage, welche politischen Ma\u00dfnahmen notwendig seien, um die Wirtschaft zu st\u00fctzen, gibt die deutliche Mehrheit der Unternehmen (62 %) an, dass die B\u00fcrokratiebelastung zur\u00fcckgeschraubt werden m\u00fcsse. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDer Staat steht hier vor einer doppelten Herausforderung. Auf der einen Seite soll er die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfspaketen wieder zum Laufen bringen, auf der anderen Seite darf dies keinen Rattenschwanz an B\u00fcrokratie nach sich ziehen. Die Unternehmen vermissen offenbar an vielen Stellen schnelleres und effizienteres Handeln. Was nutzen im Juni beschlossene \u00dcberbr\u00fcckungshilfen von 25 Mrd. \u20ac, von denen bis Oktober gerade einmal 1,5 Mrd. \u20ac verausgabt wurden? Hier w\u00e4ren weniger, jedoch deutlich einfacher zu durchschauende Programmstrukturen zielf\u00fchrender. Gerade jetzt darf doch nicht weitere Belastung das Gebot der Stunde sein.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr etwa ein Drittel der Unternehmen sind dar\u00fcber hinaus wettbewerbsf\u00e4hige Energiepreise eine wichtige politische Ma\u00dfnahme. IHK-Konjunkturexperte Stephan H\u00e4ger: \u201eF\u00fcr jeden zweiten Betrieb aus der Industrie und der Verkehrswirtschaft ist dies von gro\u00dfer Bedeutung. Die Energiewende hat widerspr\u00fcchlich ausgestaltete und gr\u00f6\u00dftenteils intransparente Programmstrukturen hervorgebracht und zugleich ein Preisniveau ausgel\u00f6st, das in Europa seinesgleichen sucht.\u201c Aber auch verbesserte Abschreibungsm\u00f6glichkeiten (28 %) und eine Ausweitung des steuerlichen Verlustr\u00fccktrages (25 %) sollten nach dem Willen der befragten Unternehmen auf die politische Agenda gesetzt werden, um die Wirtschaft zu unterst\u00fctzen. Etwa 40 % der vom Teil-Lockdown betroffenen Branchen, vor allem Gastgewerbe, Reisewirtschaft sowie Kultur- und Kreativwirtschaft, fordern zudem ein Nachsteuern bei den finanziellen Hilfsma\u00dfnahmen und ein weiteres Konjunkturprogramm ein. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDie notwendigen Hilfsprogramme m\u00fcssen zielgenau, transparent und einfach gehalten sein. Es kann doch nicht sein, dass allein die Frage, ob jemand antragsberechtigt ist oder nicht, schon zu komplex ist. Hier werden wir weiter gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Druck machen, damit nicht noch mehr Firmen hilflos im Dickicht des F\u00f6rderdschungels umherirren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Finanzlage in gro\u00dfen Teilen noch solide<\/strong><br \/>\nF\u00fcr fast die H\u00e4lfte der Betriebe hat die Corona-Pandemie noch keine negativen Auswirkungen auf die Finanzlage. Jedoch geben auch etwa 37 % einen Eigenkapitalr\u00fcckgang und etwa 22 % Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse an. Felix G. Hensel: \u201eUnsere zumeist familiengef\u00fchrten mittelst\u00e4ndischen Unternehmen sind in gro\u00dfen Teilen immer noch finanziell gut aufgestellt und konnten daher verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sicher durch die Corona-Krise navigieren. Aber: Im Reisegewerbe, im Gastgewerbe sowie in der Kultur- und Kreativwirtschaft droht zahlreichen Unternehmen mehr als nur eine finanzielle Schieflage.\u201c Etwa 59 % der Unternehmen aus diesen Branchen melden einen R\u00fcckgang des Eigenkapitals und etwa 37 % Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse. Etwa 18 % sprechen sogar von einer drohenden Insolvenz. Stephan H\u00e4ger: \u201eDer November-Lockdown hat die Unternehmen dieser bereits zuvor stark gebeutelten Branchen ins Mark getroffen. Wenn fast jedem F\u00fcnften die Insolvenz droht, wird deutlich, wie viele bereits jetzt am Abgrund stehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kurzarbeit weit verbreitet<\/strong><br \/>\n39 % der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, nehmen staatliche Unterst\u00fctzung in Anspruch. Mit 70 % ist der Anteil in der Reisewirtschaft, im Gastgewerbe sowie in der Kultur- und Kreativwirtschaft besonders stark ausgepr\u00e4gt. Wenig staatliche Hilfe nehmen das Baugewerbe sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleister in Anspruch. Vor allem im Einzelhandel, im Gro\u00dfhandel und in der Industrie machen die Betriebe nach wie vor vom Instrument der Kurzarbeit rege Gebrauch.<\/p>\n<p>Info: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie meisten heimischen Unternehmen werden das laufende Gesch\u00e4ftsjahr mit einem zum Teil dicken Minus abschlie\u00dfen. 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