{"id":20539,"date":"2020-09-30T12:19:17","date_gmt":"2020-09-30T10:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=20539"},"modified":"2020-09-30T12:19:17","modified_gmt":"2020-09-30T10:19:17","slug":"lagebeschreibung-der-industrie-macht-weiterhin-sorgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/lagebeschreibung-der-industrie-macht-weiterhin-sorgen\/","title":{"rendered":"Lagebeschreibung der Industrie macht weiterhin Sorgen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie heimische Wirtschaft kehrt langsam wieder auf den Wachstumspfad zur\u00fcck. Die Stimmung ist deutlich besser als im Fr\u00fchjahr, obwohl die aktuelle Gesch\u00e4ftslage bei zahlreichen Unternehmen weiterhin angespannt bleibt, insbesondere in der Industrie. Aus dem Schneider sind wir daher noch lange nicht.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 543 Unternehmen mit mehr als 38.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten. Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung &#8211; steigt um 27 Punkte auf einen Wert von 92, bleibt aber weiter deutlich unter dem langfristigen Mittelwert der letzten 20 Jahre (106). Auch der Lagesaldo verbessert sich um 19 Punkte. Die negativen Einsch\u00e4tzungen \u00fcberwiegen aber weiterhin.<\/p>\n<p>23 % der Betriebe aus Siegen-Wittgenstein und Olpe berichten von guten Gesch\u00e4ften, 34 % von schlechten. Die Erwartungen sind jedoch insgesamt deutlich optimistischer als im Fr\u00fchjahr. 23% der Unternehmen blicken positiv in die Zukunft, 28 % sind pessimistisch. Der Saldowert steigt um 34 Punkte. Felix G. Hensel: \u201eDie Sommermonate brachten eine konjunkturelle Erholung bei uns und in zahlreichen L\u00e4ndern weltweit. Die Auftragseing\u00e4nge steigen, die Produktion nimmt langsam wieder Fahrt auf. Wir werden aber nicht von heute auf morgen aus dem Tal herauskommen. Es wird nach unserer Einsch\u00e4tzung sehr lange dauern, zumal die Risiken wie Corona oder Brexit auf der Tagesordnung bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Etwa die H\u00e4lfte der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe rechnet fr\u00fchestens ab dem zweiten Halbjahr 2021 mit einer R\u00fcckkehr zur normalen Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit. Jedes f\u00fcnfte Unternehmen sieht sogar erst das Jahr 2022 als realistisch an. Dieser Weg k\u00f6nnte sich f\u00fcr einige Firmen noch als sehr steinig erweisen. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDie pandemiebedingten Umsatzeinbu\u00dfen belasten die Liquidit\u00e4t etlicher Unternehmen. Zahlreiche Firmen werden im laufenden Gesch\u00e4ftsjahr rote, wenn nicht sogar tiefrote Zahlen schreiben. Wir werden mit Insolvenzen rechnen m\u00fcssen. Schlie\u00dflich berichten 18 % der regionalen Betriebe von Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen und ein Viertel von R\u00fcckg\u00e4ngen des Eigenkapitals.\u201c<\/p>\n<p>Die Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigungsentwicklung und die Investitionsneigung sind offenkundig. Derzeit gehen 33 % der Unternehmen von einer geringeren Mitarbeiterzahl aus &#8211; unwesentlich weniger als im Fr\u00fchjahr. Die Investitionsneigung verbessert sich ebenfalls nur marginal. 37 % der Unternehmen wollen weniger, nur \u00a0 \u00a014 % mehr investieren. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eNur wer an seine eigene Zukunft glaubt, der investiert auch. Sollte sich der vom Institut der deutschen Wirtschaft prognostizierte R\u00fcckgang der Investitionen um 20 % in diesem Jahr tats\u00e4chlich bewahrheiten, muss einen das doch sehr besorgen, vor allem mit Blick auf die heimische Industrie.\u201c Dort verbessert sich zwar \u2013 getragen von optimistischen Gesch\u00e4ftserwartungen \u2013 das Konjunkturklima, die Lageeinsch\u00e4tzung bleibt aber angespannt. 41 % der befragten Betriebe beurteilen ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als schlecht, nur 15 % als gut. Dagegen sind die Erwartungen positiver. 26 % der Industrieunternehmen sehen optimistisch in die Zukunft, 31 % sind pessimistisch.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Teile der heimischen Industrie befinden sich weiterhin in \u00e4u\u00dferst schwierigem Fahrwasser. Die Lage ist nur unwesentlich besser als im Fr\u00fchjahr. Die Ertr\u00e4ge haben sich bei mehr als der H\u00e4lfte der Industrieunternehmen im letzten halben Jahr zum Teil deutlich verschlechtert. IHK-Konjunkturexperte Stephan H\u00e4ger: \u201eBleibt dies so, haben wir ein Problem. Schlie\u00dflich ist beinahe jeder zweite sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigte direkt in den Industrieunternehmen oder in deren Umfeld t\u00e4tig. Gut, dass sich die Auftragsb\u00fccher zumindest in Teilen der Industrie langsam wieder f\u00fcllen.\u201c<\/p>\n<p>Die Auftragssalden f\u00fcr das In- und Ausland klettern zwar um mehr als 30 Punkte, bleiben aber deutlich im negativen Bereich. Jedes zweite Industrieunternehmen meldet sinkende Auslandsauftr\u00e4ge, nur 16 % steigende. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDer Export stottert nach wie vor deutlich vernehmbar. Das Auslandsgesch\u00e4ft war \u00fcber Jahre hinweg unser Wachstumsmotor, heute erweist es sich als Achillesferse. Bereits in den ersten sieben Monaten brachen die Auslandsums\u00e4tze der regionalen Industrieunternehmen um 19 % ein. Verfestigt sich dieser Trend, werden die Unternehmen am Ende des Jahres allein im Ausland etwa 1,3 Mrd. \u20ac weniger umsetzen als 2019. Eine gute wirtschaftliche Lage f\u00fchlt sich anders an.\u201c<\/p>\n<p>Der Bausektor kommt bisher nahezu unbeschadet durch die Corona-Krise. 63 % der befragten Baubetriebe geben eine gute Lage an, nur 8 % eine schlechte. Felix G. Hensel: \u201eDie Bauwirtschaft brummt weiter. Die Auslastung ist bei den meisten Unternehmen \u00e4u\u00dferst gut. 77 % geben eine Spitzenauslastung von \u00fcber 85 % an. Vermehrt wird jedoch von Auftragsr\u00fcckg\u00e4ngen der \u00f6ffentlichen Hand und der Wirtschaft berichtet. Die Unsicherheiten \u00fcber nachgelagerte Auswirkungen der Corona-Krise dr\u00fccken daher erheblich auf die Stimmung.\u201c 42 % der Baubetriebe erwarten in den kommenden Monaten schlechtere Gesch\u00e4fte, 8 % bessere. Ein Drittel rechnet f\u00fcr das kommende Jahr mit einem Umsatzr\u00fcckgang.<\/p>\n<p>Im Einzelhandel verbessern sich sowohl die Lageeinsch\u00e4tzung als auch die Erwartungen. 26 % berichten von einer guten Gesch\u00e4ftslage und 33 % von einer schlechten. Die Stimmung im Einzelhandel hellt sich auf. In den letzten beiden Monaten stiegen die Einzelhandelsums\u00e4tze und die Konsumstimmung kontinuierlich, allerdings mit erheblichen Unterschieden zwischen den Branchen. M\u00f6bel, Einrichtungsgegenst\u00e4nde, Fahrr\u00e4der und Outdoorartikel laufen gut, Schuhe und Bekleidung eher nicht. Stephan H\u00e4ger: \u201eDer eigentliche Corona-Gewinner ist ohnehin der Online-Handel. Die Freude am Einkaufen will sich bei den Innenstadtkunden offensichtlich nicht so recht einstellen. Man spart lieber, als das verf\u00fcgbare Einkommen auch auszugeben. Die Blockade in den K\u00f6pfen hat die kostspielige Mehrwertsteuersenkung jedenfalls nicht gel\u00f6st.\u201c<\/p>\n<p>Die Stimmung im Gro\u00dfhandel verbessert sich ebenfalls. Der Lagesaldo steigt um 37 Punkte. 29 % der Gro\u00dfh\u00e4ndler bewerten ihre Lage als gut, 24 % als schlecht. Bei den Erwartungen \u00fcberwiegen noch leicht die pessimistischen Einsch\u00e4tzungen. Der Saldowert der Gesch\u00e4ftserwartungen steigt um 30 Punkte aber ebenfalls deutlich.<\/p>\n<p>In der Dienstleistungsbranche hat sich gegen\u00fcber dem Fr\u00fchjahr die konjunkturelle Stimmung deutlich verbessert. 28 % der befragten Dienstleistungsunternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe melden eine gute Gesch\u00e4ftslage, 29 % eine schlechte. Der Lagesaldo steigt um 40 Punkte. Auch die Erwartungen sind wieder deutlich optimistischer. 21 % gehen von zuk\u00fcnftig besseren Gesch\u00e4ften aus, 23 % von schlechteren. Stephan H\u00e4ger: \u201eVor allem das Gastgewerbe blickt jedoch mit gro\u00dfer Sorge Richtung Herbst, wenn die Au\u00dfenbereiche nicht mehr so genutzt werden k\u00f6nnen, wie noch im Sommer. In zahlreichen Gastst\u00e4tten haben sich durch die Corona-Auflagen die Sitzpl\u00e4tze um bis zu 50 % reduziert.\u201c Zudem ist f\u00fcr viele problematisch, dass der Umsatz mit Gesch\u00e4ftsreisenden nahezu komplett eingebrochen ist. Auch Tagungen sind unter Corona-Regeln schwierig, gro\u00dfe Feiern oder Veranstaltungen unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Bild und Info: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie heimische Wirtschaft kehrt langsam wieder auf den Wachstumspfad zur\u00fcck. 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