{"id":20184,"date":"2020-09-01T13:53:44","date_gmt":"2020-09-01T11:53:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=20184"},"modified":"2020-09-01T13:53:44","modified_gmt":"2020-09-01T11:53:44","slug":"mehrwertsteuersenkung-verpufft-kauflaune-nach-wie-vor-getruebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/mehrwertsteuersenkung-verpufft-kauflaune-nach-wie-vor-getruebt\/","title":{"rendered":"Mehrwertsteuersenkung verpufft, Kauflaune nach wie vor getr\u00fcbt"},"content":{"rendered":"<p>\u201eZahlreiche H\u00e4ndler verzeichnen nach wie vor herbe Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge. Zwar steigt allm\u00e4hlich die Konsumstimmung wieder. Dennoch ist von regelrechter Freude am Einkauf nur wenig zu sp\u00fcren. Corona liegt wie Mehltau \u00fcber dem heimischen Handel. Die \u00e4u\u00dferst kostspielige sechsmonatige Mehrwertsteuersenkung \u00e4ndert aus Sicht des heimischen Handels hieran wenig. Das Milliarden-Steuergeschenk verpufft. Auch zus\u00e4tzliche verkaufsoffene Sonntage werden von einem Gro\u00dfteil der Einzelh\u00e4ndler derzeit nicht als konsumf\u00f6rdernd angesehen.\u201c Mit diesen Worten fasst IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener die Ergebnisse einer aktuellen Blitzumfrage zur Lage des lokalen Einzelhandels zusammen, an der sich 104 H\u00e4ndler aus Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Acht von zehn H\u00e4ndlern berichten von einer zum Teil deutlich gesunkenen Shoppingfreude der Konsumenten. Insbesondere der in vielen F\u00e4llen innenstadtpr\u00e4gende Mode-Einzelhandel hat damit zu k\u00e4mpfen. Nahezu jedes Einzelhandelsunternehmen dieser Branche berichtet von einer gesunkenen K\u00e4uferstimmung. Die Verunsicherung bei den Konsumenten ist nach wie vor \u00e4u\u00dferst gro\u00df. Auf der einen Seite befindet sich ein Teil der Arbeitnehmer weiterhin in Kurzarbeit oder hat Sorge um den Arbeitsplatz. Auf der anderen Seite ist die Angst vor Ansteckung nach wie vor erheblich. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eEs ist mehr als bezeichnend, dass 58 % der Einzelh\u00e4ndler nicht davon ausgehen, dass bei einer Lockerung der Corona-Schutzma\u00dfnahmen die Lust am Einkauf signifikant steigen wird. Corona muss offenbar erst aus den K\u00f6pfen, ehe der Geldbeutel wieder wie fr\u00fcher gewohnt in den Gesch\u00e4ften ge\u00f6ffnet wird.\u201c<\/p>\n<p>Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit (75 %) der Einzelh\u00e4ndler aus Siegen-Wittgenstein und Olpe sieht in der befristeten Senkung der Mehrwertsteuer keine wirksame Hilfe zur Belebung des Konsums. Nur 8 % bewerten sie positiv. IHK-Handelsreferent Marco Butz: \u201eDie sechsmonatige Mehrwertsteuersenkung entpuppt sich immer mehr als B\u00fcrokratiemonster. Der Aufwand f\u00fcr die H\u00e4ndler ist enorm, der Ertrag in den meisten F\u00e4llen aber sehr \u00fcbersichtlich. Zahlreiche H\u00e4ndler berichten uns von einem betriebswirtschaftlichen Totalausfall. F\u00fcr eine fl\u00e4chendeckende Belebung des Konsums ist sie einfach nicht geeignet.\u201c Nur einige wenige Einzelhandelsbranchen profitierten von dieser Ma\u00dfnahme. Bei gr\u00f6\u00dferen Anschaffungen wie K\u00fcchen wirke sie durchaus kauff\u00f6rdernd. So erlebe der Handel mit M\u00f6beln und Einrichtungsgegenst\u00e4nden einen regelrechten Boom. Bei niedrigpreisigen Produkten wie Mode, Schreib- und Spielwaren oder bei den t\u00e4glichen Konsumg\u00fctern spiele sie hingegen keine Rolle.<\/p>\n<p><strong>Zus\u00e4tzliche verkaufsoffene Sonntage wenig hilfreich<\/strong><br \/>\nUm den Konsum wieder anzukurbeln, sind zus\u00e4tzliche verkaufsoffene Sonntage ein hei\u00df diskutiertes Thema. Da coronabedingt auf absehbare Zeit keine Feste oder M\u00e4rkte stattfinden k\u00f6nnen, d\u00fcrfen sonntags auch keine Gesch\u00e4fte \u00f6ffnen. Die NRW-Landesregierung wollte daher Sonntags\u00f6ffnungen auch ohne Verbindung zu Festen oder M\u00e4rkten erlauben. Das Oberverwaltungsgericht hat dies in einem Eilverfahren jedoch untersagt. IHK-Konjunkturexperte Stephan H\u00e4ger: \u201eVerkaufsoffene Sonntage h\u00e4tten eine Chance auf zus\u00e4tzliche Ums\u00e4tze sein k\u00f6nnen, wenn die Konsumstimmung wieder merklich anz\u00f6ge. Dies ist f\u00fcr den Gro\u00dfteil der Unternehmen vor Ort offenbar jedoch nicht gegeben. Denn 61 % der Einzelh\u00e4ndler sehen in zus\u00e4tzlichen verkaufsoffenen Sonntagen keine geeignete Ma\u00dfnahme, um den Konsum anzukurbeln. Auch scheinen die Einzelh\u00e4ndler die permanenten juristischen Auseinandersetzungen um dieses Thema inzwischen leid zu sein.\u201c<\/p>\n<p><strong>Zweiter Shutdown w\u00fcrde zu zahlreichen Gesch\u00e4ftsaufgaben f\u00fchren<\/strong><br \/>\nDie derzeitige Lage im station\u00e4ren Einzelhandel in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe ist nach wie vor angespannt. Zugleich wird eine sehr gespaltene Gesamteinsch\u00e4tzung deutlich. Zwar berichtet etwa ein Drittel der H\u00e4ndler von kaum gesunkenen oder sogar gestiegenen Ums\u00e4tzen, bei ann\u00e4hernd einem Viertel sind aber der t\u00e4gliche Umsatz und die t\u00e4gliche Kundenzahl um mehr als 25 % gesunken. Etwa 10 % der Einzelh\u00e4ndler haben sogar nahezu keine Kunden oder keinen Umsatz. Marco Butz: \u201eDer Gro\u00dfteil des station\u00e4ren Einzelhandels sieht sich auf eine sehr harte Probe gestellt. Die durch den Shutdown verlorenen Ums\u00e4tze sind in den meisten F\u00e4llen nicht mehr aufzuholen. Die finanzielle Belastungsgrenze ist bei vielen H\u00e4ndlern erreicht. Ein zweiter Shutdown w\u00e4re bei mehr als einem Drittel der lokalen Einzelh\u00e4ndler existenzbedrohend.\u201c Fl\u00e4chendeckende Gesch\u00e4ftsschlie\u00dfungen und sich immer weiter leerende Innenst\u00e4dte w\u00e4ren die wahrscheinliche Folge.<\/p>\n<p><strong>Investitionen in Online-Pr\u00e4senz notwendig<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend der Online-Handel der gro\u00dfe Gewinner der Corona-Krise ist, z\u00e4hlt der rein station\u00e4r ausgerichtete Einzelhandel zumeist zu den Verlierern. Noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut sind auch die Einzelh\u00e4ndler durch die Krise gekommen, die die digitalen Wege aktiv nutzen. Stephan H\u00e4ger: \u201eIm Ausbau der Online-Pr\u00e4senz sehen die Unternehmen den gr\u00f6\u00dften Investitionsbedarf. Hierzu gibt es auch keine wirkliche Alternative, denn die fehlende Frequenz belastet die meisten H\u00e4ndler stark. \u00dcber die digitalen Kommunikationswege k\u00f6nnen sie mit ihren Kunden in Kontakt bleiben.\u201c 46 % wollten die Online-Pr\u00e4senz ausbauen, 21 % s\u00e4hen eine Investition in einen Online-Shop f\u00fcr dringend geboten und 20 % s\u00e4hen den gr\u00f6\u00dften Investitionsbedarf in der Anbindung an bestehende Online-Plattformen. Die Zukunft des Handels werde aber nicht nur im Digitalen gesehen. 42 % der Einzelh\u00e4ndler erachteten eine Investition in Ladengestaltung und Ambiente f\u00fcr \u00e4u\u00dferst wichtig. \u201eWir sehen als IHK die Befragungsergebnisse als Auftrag, mit zus\u00e4tzlichen Initiativen den heimischen Handel weiter zu unterst\u00fctzen, denn eines ist klar: Setzt ein regelrechtes Ladensterben ein, ver\u00f6den unsere Kernorte und zugleich sinkt die gesamte Standortqualit\u00e4t. Dann wird es f\u00fcr alle in der Wirtschaft noch schwerer, Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Region zu halten oder f\u00fcr unseren Land-strich zu begeistern.\u201c<\/p>\n<p>Info:<a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eZahlreiche H\u00e4ndler verzeichnen nach wie vor herbe Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge. Zwar steigt allm\u00e4hlich die Konsumstimmung wieder. 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