{"id":19242,"date":"2020-06-25T10:52:39","date_gmt":"2020-06-25T08:52:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=19242"},"modified":"2020-06-25T10:55:49","modified_gmt":"2020-06-25T08:55:49","slug":"wall-center-zentrales-thema-bei-ihk-wirtschaftsgespraech-in-attendorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wall-center-zentrales-thema-bei-ihk-wirtschaftsgespraech-in-attendorn\/","title":{"rendered":"Wall-Center zentrales Thema beim IHK-Wirtschaftsgespr\u00e4ch in Attendorn"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir werden bei der Neukonzeption des Wall-Centers auf eine breite Beteiligung aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger setzen und hierf\u00fcr das richtige Format finden. Dies wird voraussichtlich in der zweiten Jahresh\u00e4lfte der Fall sein\u201c, erkl\u00e4rte B\u00fcrgermeister Christian Pospischil beim IHK-Wirtschaftsgespr\u00e4ch in Attendorn. Mehr als 80 Vertreter aus Wirtschaft und Politik waren in die Stadthalle gekommen, um sich mit der Stadtspitze zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen auszutauschen. Erwartungsgem\u00e4\u00df standen Handelsfragen und hier besonders die weitere Entwicklung des Wall-Centers im Mittelpunkt der Diskussion.<\/p>\n<p>Deutlich wurde der Wunsch einiger Anwesender, bei den weiteren Schritten auch Alternativen zu der derzeit verfolgten Ansiedlung eines gro\u00dffl\u00e4chigen Vollsortimenters, eines weiteren Drogeriemarktes sowie einer Apotheke und eines Textil-Discounters in den Blick zu nehmen und dabei auch das Gespr\u00e4ch mit m\u00f6glichen weiteren Investoren zu suchen. Dies umso mehr, als der B\u00fcrgermeister die Frage von Walter Viegener (Viega Holding GmbH &amp; Co. KG), ob verbindliche Absichtserkl\u00e4rungen gegen\u00fcber dem Investor getroffen wurden, mit einem klaren \u201eNein\u201c beantwortete. Die nachteiligen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das bisherige Beteiligungsverfahren und ein Grundst\u00fcckskauf im Plangebiet machen derzeit eine Neuplanung erforderlich. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eWenn die Planungen ohnehin auf \u201aNull\u2018 gesetzt werden und es keine Zusagen an den Investor gibt, w\u00e4re es doch zu kurz gesprungen, nur marginale \u00c4nderungen vorzunehmen. Ziel sollte sein, bestehende gesunde Strukturen nicht zu ersetzen, sondern zu erg\u00e4nzen.\u201c B\u00fcrgermeister Pospischil gab dazu zu bedenken, dass sich der jetzige Investor bei einem wettbewerbs\u00e4hnlichen Verfahren durchgesetzt habe und nicht ohne Weiteres Investoren, die sich gar nicht an diesem Verfahren beteiligt h\u00e4tten, vorgezogen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Maik Rosenberg (aquatherm GmbH) sind die zahlreichen Einwendungen im Zuge des Beteiligungsverfahrens ein Beleg daf\u00fcr, dass ganz viele Menschen offensichtlich bereit sind, sich in die \u00dcberlegungen einzubringen. \u201eDas ist ungemein wertvoll und ein echtes Pfund!\u201c Die Stadtverwaltung h\u00e4tte bei der Entwicklung der Innenstadt bislang stets gro\u00dfen Wert auf Beteiligung der Menschen gelegt. Hier sei vieles gut und richtig gemacht worden, lobte Rosenberg. \u201eMein gro\u00dfer Wunsch ist, dass diese Tradition hier fortgesetzt wird und bei solch weitreichenden Ansiedlungen wie dem Wall-Center die Interessen der Betroffenen aktiv aufgegriffen werden!\u201c<\/p>\n<p>Christian Pospischil zeigte Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Anliegen, verwies aber auch auf den bestehenden politischen Auftrag f\u00fcr die vorliegende Planung, hinter die man dann zur\u00fcck gehen m\u00fcsse. In einer sachlichen Diskussion hatte der B\u00fcrgermeister zuvor noch einmal die positive Entwicklung der Innenstadt in den vergangenen f\u00fcnf Jahren aufgezeigt. Die Stadt investiere weiter gro\u00dfe Betr\u00e4ge in die Innenstadt, um die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Einzelhandel zu verbessern. Dabei machte er deutlich, wie sich die Planungen f\u00fcr den Bereich Wasserstra\u00dfe und das Wall-Center aus Sicht der Stadtverwaltung in die Innenstadtentwicklung einf\u00fcgen. Mit der Ansiedlung gro\u00dffl\u00e4chigen Einzelhandels am Bahnhofsvorplatz wolle man Kaufkraftabfl\u00fcsse von rd. 15 Mio. \u20ac im Jahr allein in den Sortimenten Lebensmittel und Drogerieartikel verhindern. Die Lage im Zentralen Versorgungsbereich erlaube es den Besuchern zudem, den Weg in die Innenstadt anzutreten.<\/p>\n<p>Walter Viegener widersprach: \u201eDie Besucher des Wall-Centers werden ihren Kofferraum vollladen und wieder wegfahren, ganz sicher aber nicht in die Innenstadt gehen, um weiter einzukaufen. Das zarte Pfl\u00e4nzchen der Hoffnung des vielf\u00e4ltigen Einzelhandels in der Innenstadt wird gef\u00e4hrdet.\u201c Christian Springob (Nicolai-Apotheke) sah dies \u00e4hnlich: \u201eDer Kunde m\u00f6chte mit den im Wall-Center vorgesehenen Sortimenten schnell fertig werden und sich nicht noch Zeit zum Bummeln in der Innenstadt nehmen. Wir brauchen Sortimente, die im n\u00e4heren Umkreis niemand hat.\u201c B\u00fcrgermeister Pospischil verwies dagegen auf die bisherigen Erfahrungen mit der Ansiedlung des Allee-Centers, des Hanse-Hotels und des Kinos, die allesamt mehr Frequenz auch f\u00fcr den Bereich innerhalb der W\u00e4lle gebracht h\u00e4tten. Das Wall-Center liege noch n\u00e4her an der Innenstadt. Bez\u00fcglich der Sortimente seien zwar viele erg\u00e4nzende Angebote w\u00fcnschenswert. In der Realit\u00e4t k\u00f6nne man aber nur die Sortimente bedienen, f\u00fcr die es auch interessierte Anbieter gebe.<\/p>\n<p>Der Attendorner Wirtschaftspr\u00fcfer, Steuerberater, Rechtsanwalt und Notar Sascha Koch (HTR) bezweifelte, dass die vorgesehenen Sortimente im prognostizierten Ma\u00df Kaufkraft binden. Die gr\u00f6\u00dften Abfl\u00fcsse gebe es in den Randgebieten der Stadt. Von dort werde aber niemand f\u00fcr Produkte des t\u00e4glichen Bedarfs, die er auch an seinem bisher gewohnten Einkaufsort au\u00dferhalb des Stadtgebietes vorfinde, das Wall-Center besuchen. \u201eDie Verwaltung will mehr Auswahl bei bereits vorhandenen Sortimenten, um den Kaufkraftabfluss zu vermindern. Der Kunde nimmt aber den bequemsten Weg, um seinen t\u00e4glichen Lebensbedarf zu decken!\u201c<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Pospischil und Beigeordneter Graumann verwiesen demgegen\u00fcber auf die hohe Attraktivit\u00e4t der Attendorner Innenstadt, welche Besucher von weit her anlocke. Das Angebot mit nur je einem Anbieter im Bereich Vollsortimenter und Drogerieartikel sei jedoch so gering, dass viele Attendorner selbst zum Einkauf von Drogerieartikeln nach Olpe und Bamenohl auswichen. Attendorn m\u00fcsse auch beim Angebot von kurzfristigen Bedarfen nachlegen, um Frequenz in der Stadt zu erzeugen und nicht von den Nachbarkommunen abgeh\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n<p>Rainer Eiden (Atta Drogerie Willy Krapohl Nachf. KG) zeigte sich \u00fcberzeugt, dass das Wall-Center den erwarteten Umsatz mache. Allerdings zu gro\u00dfem Teil auf Kosten des bestehenden Einzelhandels. Leitend k\u00f6nne nicht sein, Gesch\u00e4ftsaufgaben in Kauf zu nehmen, weil die neuen, gro\u00dffl\u00e4chigen Gesch\u00e4fte dies ausgleichen k\u00f6nnten: \u201eLeerst\u00e4nde sind wahrscheinlich, zahlreiche Arbeitspl\u00e4tze in der Innenstadt gehen verloren, ein Handelssterben ist zu erwarten.\u201c Dagegen verwies B\u00fcrgermeister Pospischil darauf, dass der bestehende Handel vor allem durch Unt\u00e4tigkeit gef\u00e4hrdet werde. \u201eDer steigende Internet-Handel setzt den Handel vor Ort unter Druck. Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen wir uns anstrengen, dass mehr Kaufkraft vor Ort gebunden wird. Wenn durch eine breitere Auswahl mehr Menschen nach Attendorn gezogen werden, profitiert nicht nur das Wall-Center, sondern die ganze Stadt. Nat\u00fcrlich setzen wir daneben auch die F\u00f6rderung des inhabergef\u00fchrten Einzelhandels fort.\u201c<\/p>\n<p>Die IHK selbst sieht den Standort f\u00fcr gro\u00dffl\u00e4chigen Einzelhandel grunds\u00e4tzlich als geeignet, \u00e4u\u00dfert sich jedoch kritisch zu m\u00f6glichen Auswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel. IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer: \u201eInsbesondere die prognostizierten Umsatzumverteilungsquoten sind f\u00fcr uns gravierend, weil sie einer St\u00e4rkung des Zentralen Versorgungsbereiches entgegenwirken.\u201c B\u00fcrgermeister Pospischil erkl\u00e4rte demgegen\u00fcber, dass gar nicht prognostiziert worden sei, inwieweit mehr Kunden durch das Wall-Center in Attendorn einkaufen w\u00fcrden. So sei es bei der blo\u00df theoretischen Annahme geblieben, dass die Kaufkraft in Attendorn lediglich umverteilt w\u00fcrde. F\u00fcr die Rechtsanw\u00e4ltin und Notarin Hedwig Holthoff-Pfeiffer sind die Ausma\u00dfe der Umverteilung \u201egigantisch\u201c: \u201eWir sollten uns nicht mit Olpe messen, sondern den inhabergef\u00fchrten Einzelhandel st\u00e4rken!\u201c Baudezernent Graumann verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass im Innenstadtentwicklungskonzept von Anfang an das Ziel formuliert worden sei, gro\u00dffl\u00e4chigen Einzelhandel anzusiedeln. \u201eUnsere Stadt ist so eng bebaut, dass kaum eine M\u00f6glichkeit zur Ansiedlung von gro\u00dffl\u00e4chigem Einzelhandel besteht. Wenn wir die wenigen Chancen dazu nicht nutzen, schaden wir der Entwicklung der Stadt.\u201c<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend warb Klaus Gr\u00e4bener daf\u00fcr, die weiteren Schritte im Konsens zu unternehmen. \u201eJe st\u00e4rker kritische Stimmen eingebunden werden, desto breiter ist am Ende das Fundament. Es empfiehlt sich, die sichtbar ausgestreckten H\u00e4nde zu ergreifen und das Vorhaben gemeinsam und nicht im Konflikt zu entwickeln und hierf\u00fcr die Politik zu gewinnen.\u201c Schlie\u00dflich zeigten die ausgesprochen positiven Strukturdaten, dass Attendorn eine kerngesunde Stadt sei: \u201eBei Ums\u00e4tzen und Besch\u00e4ftigung spielt die Musik im Kreis Olpe vor allem in Attendorn\u201c, so Klaus Gr\u00e4bener. Entsprechend weise die Stadt das h\u00f6chste Gewerbesteueraufkommen im Kammerbezirk auf. W\u00e4hrend es beim Breitbandausbau, wenngleich langsam, in die richtige Richtung geht, bereitet vor allem das Thema Gewerbefl\u00e4chen in Attendorn gro\u00dfe Sorgen. Im Fokus steht dabei nach wie vor das 26 Hektar umfassende Industriegebiet Fernholte im Eckenbachtal. Nach Rechtsstreitigkeiten und langwierigen Arbeiten an einem neuen Bebauungsplan hat die Stadt einen Antrag auf eine neue wasserrechtliche Genehmigung beim Kreis Olpe gestellt und ist optimistisch, die Genehmigung in K\u00fcrze zu bekommen.<\/p>\n<p>Bild und Infos: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir werden bei der Neukonzeption des Wall-Centers auf eine breite Beteiligung aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger setzen und hierf\u00fcr das richtige Format finden. 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