{"id":1918,"date":"2014-05-05T15:12:00","date_gmt":"2014-05-05T13:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=1918"},"modified":"2014-05-05T15:12:00","modified_gmt":"2014-05-05T13:12:00","slug":"mindestlohn-gut-gemeint-schlecht-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/mindestlohn-gut-gemeint-schlecht-gemacht\/","title":{"rendered":"Mindestlohn: Gut gemeint, schlecht gemacht"},"content":{"rendered":"<p>74 Prozent der regionalen Industrie- und Handelsunternehmen werden zuk\u00fcnftig keine Praktika-Pl\u00e4tze f\u00fcr Studierende und Sch\u00fcler mehr anbieten, die l\u00e4nger als sechs Wochen dauern, sollte der von der Bundesregierung beschlossene Gesetzentwurf zum Mindestlohn unver\u00e4ndert bleiben. Zudem f\u00e4nden es 55 Prozent der Betriebe besser, den Mindestlohn nicht an irgendein Alter, sondern an die Voraussetzung einer betrieblichen Lehre zu kn\u00fcpfen. In diesem Fall w\u00fcrden nur diejenigen Personen Anspruch auf den Mindestlohn bekommen, die \u00fcber eine abgeschlossene betriebliche Erstausbildung verf\u00fcgen. Dies sind die beiden wesentlichen Ergebnisse einer IHK-Blitzumfrage zum vorliegenden Gesetzentwurf zum Mindestlohn, an der sich 157 Personalchefs und Ausbildungsleiter regionaler Unternehmen beteiligten. Dar\u00fcber hinaus \u00e4u\u00dferten 21 Prozent der Befragten die Bef\u00fcrchtung, die Bereitschaft junger Menschen, eine Lehre anzustreben, d\u00fcrfte bei Einf\u00fchrung des Mindestlohns r\u00fcckl\u00e4ufig sein. 73 Prozent der Befragten waren der Auffassung, die von der Bundesregierung vorgeschlagene Regelung, Langzeitarbeitslose f\u00fcr die Dauer von 6 Monaten von der Mindestlohnregelung auszunehmen, werde die Bereitschaft zur Einstellung von Langzeitarbeitslosen nicht negativ beeinflussen. Jeder 5. Befragte vertrat hier die gegenteilige Meinung.<\/p>\n<p>IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Franz J. Mockenhaupt sieht sich durch die Ergebnisse der Blitzumfrage darin best\u00e4rkt, im laufenden Gesetzgebungsverfahren f\u00fcr zus\u00e4tzliche \u00c4nderungen einzutreten: \u201eWir fordern, dass alle freiwilligen Praktika bis zu einer Dauer von sechs Monaten vom Mindestlohn ausgespart werden. Zudem sollte \u00fcberlegt werden, die Zahlung des Mindestlohns an die Voraussetzung einer abgeschlossenen betrieblichen Erstausbildung zu kn\u00fcpfen. Jedenfalls sollten junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs vom Mindestlohn ausgenommen werden.\u201c Im Durchschnitt seien junge Menschen heute 19 Jahre alt, wenn sie eine betriebliche Erstausbildung durchliefen. Das im Gesetzentwurf vorgesehene Mindestalter von 18 Jahren k\u00f6nne bei bestimmten Personengruppen dazu f\u00fchren, dass sie in der Tendenz eher ungelernte T\u00e4tigkeiten f\u00fcr 8,50 Euro anstrebten, statt eine betriebliche Erstausbildung zu beginnen. Franz J. Mockenhaupt: \u201eIm Ergebnis d\u00fcrfte damit die Neigung, keine betriebliche Lehre zu beginnen, gerade bei denjenigen Personengruppen am st\u00e4rksten zu Buche schlagen, die eine betriebliche Erstausbildung am n\u00f6tigsten h\u00e4tten. Das sehen wir mit gro\u00dfer Sorge.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem bisherigen Gesetzentwurf sollen lediglich Pflichtpraktika, die im Rahmen von Schul-, Studien- oder Ausbildungsordnungen vorgesehen sind, sowie freiwillige Praktika von bis zu sechs Wochen Dauer, die zur Orientierung f\u00fcr eine Berufsausbildung oder f\u00fcr die Aufnahme eines Studiums dienen, nicht unter den Mindestlohn fallen. Alle freiwilligen Praktika von mehr als sechsw\u00f6chiger Dauer, die junge Leute begleitend zu einer Ausbildung oder einem Studium absolvieren, sind dem gegen\u00fcber zuk\u00fcnftig mit dem Mindestlohn zu verg\u00fcten. IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eLeidtragende dieser neuen Regelung werden vor allem die jungen Leute selbst sein. Gerade Absolventen einer rein schulischen Ausbildung oder eher praxisferner Studieng\u00e4nge verwehrt man durch den Mindestlohn f\u00fcr freiwillige Praktika wichtige Einblicke in die berufliche Praxis. Was das f\u00fcr diesen Personenkreis bedeutet, kann sich jeder an drei Fingern ausrechnen.\u201c Schafften diese Personen den Einstieg in eine Besch\u00e4ftigung nicht, m\u00fcssten sie mit erheblichen \u00f6ffentlichen Mitteln nachgeschult werden. Daher w\u00e4re die Ausweitung der Dauer von mindestlohnfreien Orientierungspraktika auf sechs Monate eine deutliche Verbesserung der aktuell geplanten Regelung, die vor allem im Interesse der jungen Leute selbst l\u00e4ge. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eAuch wir wissen, dass der Mindestlohn politisch gewollt ist und kommen wird. Die gro\u00dfe Koalition w\u00e4re aus Sicht der IHK jedoch gut beraten, die Regelungen so zu konfigurieren, dass am Ende die H\u00fcrden zur Aufnahme von betrieblicher Erstausbildung und regul\u00e4rer Besch\u00e4ftigung m\u00f6glichst niedrig sind.\u201c<\/p>\n<p>IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Franz J. Mockenhaupt hat in einem Schreiben an die vier Bundestagsabgeordneten Willi Brase (SPD), Volkmar Klein (CDU), Dr. Matthias Heister (CDU) sowie Petra Crone (SPD) eindringlich darauf hingewiesen, dass der Gesetzentwurf aus Sicht der regionalen Wirtschaft nachgebessert werden m\u00fcsse. Er forderte sie nachdr\u00fccklich dazu auf, sich im laufenden Gesetzgebungsverfahren mit den von der IHK vorgebrachten Argumenten konstruktiv zu befassen und sich f\u00fcr weiter gefasste Ausnahmeregelungen einzusetzen: \u201eZahlreiche der in dem Entwurf enthaltenen Mindestlohn-Regelungen sind zwar gut gemeint, aus unserer Sicht jedoch schlecht gemacht. Hier zu weiteren Verbesserungen zu kommen, liegt im Interesse der regionalen Wirtschaft. Das sollten unsere Abgeordneten im Hinterkopf haben, wenn sie \u00fcber den Gesetzentwurf abstimmen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>74 Prozent der regionalen Industrie- und Handelsunternehmen werden zuk\u00fcnftig keine Praktika-Pl\u00e4tze f\u00fcr Studierende und Sch\u00fcler mehr anbieten, die l\u00e4nger als sechs Wochen dauern, sollte der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuell"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1918"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1919,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1918\/revisions\/1919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}