{"id":18835,"date":"2020-06-02T14:44:12","date_gmt":"2020-06-02T12:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=18835"},"modified":"2020-06-02T14:44:12","modified_gmt":"2020-06-02T12:44:12","slug":"grabenlose-technik-schuetzt-weltnaturerbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/grabenlose-technik-schuetzt-weltnaturerbe\/","title":{"rendered":"Grabenlose Technik sch\u00fctzt Weltnaturerbe"},"content":{"rendered":"<p>Dank grabenloser Technik flie\u00dft der elektrische Strom auf der nordfriesischen Insel Sylt bald nur noch unter der Erde. Um die Stromversorgung zu optimieren und mehr als 7 Kilometer 60.000-Volt-Freileitung abbauen zu k\u00f6nnen, hat die Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz) stolze 16,5 Millionen Euro investiert. F\u00fcr die neue unterirdische Versorgung wurde eine rund 800 Tonnen schwere und 15 km lange 110.000-Volt-Starkstromleitung vom Festland durch den Grund der Nordsee und von dort \u00fcber ein neues Hochspannungslandkabel bis zum Umspannwerk Keitum auf der Insel fortgef\u00fchrt. Die Verlegung der Schutzrohre f\u00fcr die Anbindung des Seekabels im Watt und f\u00fcr die Stromtrassen auf der Insel war ein Fall f\u00fcr die Nodig-Profis von Paasch Rohrleitungsbau, die daf\u00fcr haupts\u00e4chlich das HDD-Verfahren der TRACTO-TECHNIK GmbH &amp; Co. KG\u00a0einsetzten.<\/p>\n<p>Sylt ist die gr\u00f6\u00dfte der deutschen Nordseeinseln und nach R\u00fcgen, Usedom und Fehmarn die viertgr\u00f6\u00dfte Insel Deutschlands. Das schmale Eiland erstreckt sich in Nord-S\u00fcd-Richtung gelegen vor den K\u00fcsten Schleswig-Holsteins und D\u00e4nemarks. Knapp 18.000 Einwohner teilen sich eine Fl\u00e4che von 99 km<sup>2<\/sup>\u00a0mit durchschnittlich einer dreiviertel Million Urlaubern pro Jahr. Seine gro\u00dfe Beliebtheit als Reiseziel verdankt die Insel einem ganzj\u00e4hrig milden Klima, vierzig Kilometer wei\u00dfem Sandstrand mit hohen D\u00fcnen, markanten Kliffen und hervorragenden Wassersportm\u00f6glichkeiten, dem Wattenmeer und einem \u00fcber die Region hinaus bekannten, regen Nachtleben. Die H\u00e4lfte dieses typisch nordfriesischen Naturraums mit seiner artenreichen Flora und Fauna steht unter strengem Schutz. Zu den gesch\u00fctzten Gebieten geh\u00f6ren D\u00fcnen- und Heidelandschaften, Kliffs und Binnengew\u00e4sser und nat\u00fcrlich das Wattenmeer als Teil des gleichnamigen Nationalparks und des UNESCO-Weltnaturerbes.<\/p>\n<p>Dass die mehr als zwei Kilometer Leerrohrtrasse auf der Insel nicht in der offenen Bauweise verlegt werden konnten, ist leicht nachvollziehbar. So lag es nahe, dass die Firma Paasch die grabenlose Bauweise vorschlug, als diese Arbeiten im Herbst 2018 vergeben wurden. Die Rohrleitungsbauer aus Damendorf haben die NODIG-Technik getreu dem Firmenmotto \u201eWir l\u00f6sen das\u201c schon mehrmals erfolgreich in den sensiblen K\u00fcstenregionen von Nord- und Ostsee eingesetzt. Dazu geh\u00f6ren so spektakul\u00e4re Projekte wie die Erneuerung der kompletten Stromversorgung f\u00fcr die Hallig Nordstrandischmoor, die Neuverkabelung eines Leuchtturmes auf der Lotseninsel Schleim\u00fcnde oder der Anschluss eines neuen Pegelmessers an der Elb-K\u00fcste in Krautsand. Auch bei dem Sylter Projekt konnten sie den Auftraggeber von ihrer Professionalit\u00e4t und den wirtschaftlichen und \u00f6kologischen Vorteilen der grabenlosen Verlegetechniken \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Nachdem alle bau- und naturschutzrechtlichen Genehmigungen erteilt waren, konnten die Firma Paasch im Fr\u00fchsommer 2019 mit den Arbeiten auf der Insel im Ortsteil Keitum beginnen. Ihr Auftraggeber war die Firma Christophers, die das rund 800 Tonnen schwere Seekabel zwischen Festland und Insel im Auftrag der SH-Netz sp\u00e4ter mit einem riesigen Kabelpflug mit dem sch\u00f6nen Namen \u201eNessie\u201c verlegen w\u00fcrde. Um sicherzustellen, dass der gesch\u00fctzte Naturraum mit seinen Vogelbrutgebieten nicht gest\u00f6rt wird, wurden alle Arbeiten von einer Naturschutzgesellschaft begleitet und \u00fcberwacht.<\/p>\n<p>Die Trasse durch das sensible \u00d6kosystem f\u00fcr insgesamt 2.100 Meter Starkstromkabel war in mehrere Abschnitte unterteilt und hatte es in sich. Auf ihrem unterirdischen Weg von der \u00dcbergabestelle des Seekabels im Watt bis zum Umspannwerk Keitum kreuzte sie W\u00e4lder, Feuchtbiotope, Salzwiesen und den Hindenburgdamm, der\u00a0Sylt mit dem Festland\u00a0verbindet. Bis auf die Unterquerung des Bahndamms wurde alle Bohrungen im HDD-Verfahren durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Hindenburgdamm ist eine Lebensader der Insel und vor allem f\u00fcr den Tourismus wichtig. Anders als viele andere Nordseeinseln ist Sylt nicht autofrei und man erreicht das Eiland vom Festland mit dem PkW nur mit dem Autozug, der \u00fcber den Bahndamm nach Westerland f\u00e4hrt. Die Strecke ist hochfrequentiert. Ein roter und ein blauer Autozug pendeln in der Hochsaison t\u00e4glich bis zu 44 bzw. 26 Mal zwischen Festland und Insel und auch die Personenz\u00fcge nutzen diese Strecke tagt\u00e4glich. Um die Stabilit\u00e4t des Hindenburgdamms nicht zu gef\u00e4hrden, sollten die Leerrohre darunter nach Vorgabe der DB nicht im gesteuerten Bohrverfahren verlegt werden. Stattdessen sollte ein Stahlrohr DA 500 im Bohrpressverfahren \u00fcber die kurze Distanz von 60 m gerade unter dem Damm hindurchgepresst werden. Aus dem gleichen Grund verbleiben auch die alten Stromkabel, die nach der Inbetriebnahme des neuen Seekabels stillgelegt werden, im Hindenburgdamm.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der Trasse wurde jedoch im Horizontalsp\u00fclbohrverfahren mit einem GRUNDODRILL 18ACS durchgef\u00fchrt. Das steuerbare \u201aAll Condition System\u2018 mit rund 180 Tonnen Schub- und Zugkraft wurde speziell f\u00fcr komplexe und wechselnde Geologien entwickelt und war somit genau das richtige HDD-Ger\u00e4t f\u00fcr die Bohrungen in bzw. unter der gesch\u00fctzten Landschaft. Der heikelste Teil dabei war die Aufnahme des Seekabels. Daf\u00fcr war eine 150 m lange PE-Rohrleitung DA 355 mm vom Watt aus zu verlegen. An Land sollte das Starkstromkabel in drei Leitungen aufgeteilt werden, so dass ab diesem Punkt drei Leerrohre DA 160 mm von einem sogenannten Muffenschacht auseinzuziehen waren. In diesem Verbund wurden drei weitere Leerrohre DA 50 mm f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Aufnahme von Glasfaser- und Fernmeldekabeln \u00fcber 250 m L\u00e4nge bis zum Bahndamm verlegt. Hinter dem Bahndamm war das 6er-Rohrb\u00fcndel entlang bis zum Umspannwerk weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Paasch-Bohrcrew arbeitete sich stetig aber z\u00fcgig entlang der Trasse vor. Diese verlief von der Ingiwai-Wiese am Strand unter dem Bahndamm und der Kreisstra\u00dfe K117 hindurch bis zur Koogstra\u00dfe und von dort aus erneut unter der K117 hin\u00fcber zur einer Bushaltestelle und dann parallel zur Bahnstrecke unter einem Parkplatz bis hoch zum Umspannwerk Keitum. Diese etwas komplizierte Trassenf\u00fchrung mit zweimaliger Unterquerung der Kreisstra\u00dfe war notwendig, weil zuvor zwischen Bahndamm und Stra\u00dfe nicht genug Platz f\u00fcr die neuen Stromkabel war.<\/p>\n<p>Als erstes wurde im Mai 2019 das Rohrb\u00fcndel 3 x Da 160 SDR 11 + 3 x Da 50 \u00fcber eine Gesamtstrecke von 975 Metern in Abschnitten 125, 100,110, 150, 135, 95 110 und 90 m vom Umspannwerk parallel zu den Bahngleisen und unter dem Radweg bis zum Bahndamm verlegt. Dann folgte die 450 m lange Strecke vom Bahndamm bis zum Muffenschacht in Einzelbohrungen von 150, 160 und 140 Metern. Der GRUNDODRILL 18CAS und die erfahrenen Bohrprofis meisterten diese Aufgaben durchweg ohne Probleme. Schwierig sollte es erst zum Schluss werden.<\/p>\n<p>Die heikelste der HDD-Bohrungen nahm das achtk\u00f6pfige Team in den ersten Junitagen als letztes in Angriff: die Anlandungsbohrung d. h. die Verlegung des Leerohres DA 355 mm zur Aufnahme des Seekabels im Watt bis zum Muffenschacht. Hier war besondere Umsicht und pr\u00e4zises Timing geboten. Die Gezeiten lie\u00dfen das Arbeiten nur innerhalb bestimmter Zeitfenster zu und das Watt durfte in Teilen nicht betreten oder durch Fahrzeuge belastet werden. Die 150 m lange Pilotbohrung klappte innerhalb eines Tages reibungslos und zielgenau, doch beim Rohreinzug am folgenden Tag versank der Wattbagger, der das schwere PE-Rohr halten sollte, in dem weichen Untergrund und konnte nur unter M\u00fchen wieder geborgen werden. Die Arbeiten mussten einige Zeit pausieren und die Pl\u00e4ne neu \u00fcberdacht werden. So kam es, dass ein Tauchschiff die Aufgabe des Wattbaggers \u00fcbernahm, mit dessen Hilfe das 355mm-Rohr schlie\u00dflich eingezogen wurde.<\/p>\n<p>Als dann einige Zeit sp\u00e4ter das Rohrb\u00fcndel in nur einer Nacht unter dem Bahndamm durchgepresst wurde, war die neue Stromtrasse auf der Insel komplett. Im Oktober wurde dann das Seekabel mit dem Kabelflug \u201aNessie\u2018 vom Festland bis zur Inselk\u00fcste im Meeresgrund verlegt. Die Spezialmaschine ist ein etwa 18 Meter langes, \u00fcber zehn Meter breites, 91 Tonnen schweres Raupenfahrzeug mit einem Vibrations-Pflugschwert, mit dem das rund 15 Kilometer lange und 800 Tonnen schwere Seekabel zwischen Festland und Sylt zirka anderthalb Meter tief ins Watt \u201aeinger\u00fcttelt\u2018 wurde. Jetzt ist die Stromversorgung der Insel langfristig gesichert und die mehr als 60 Jahre alten Freileitungen k\u00f6nnen zur\u00fcckgebaut werden.<\/p>\n<p>Bild und Infos: <a href=\"https:\/\/www.tracto-technik.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">TRACTO-TECHNIK GmbH &amp; Co. KG<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank grabenloser Technik flie\u00dft der elektrische Strom auf der nordfriesischen Insel Sylt bald nur noch unter der Erde. 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