{"id":18747,"date":"2020-05-25T14:07:11","date_gmt":"2020-05-25T12:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=18747"},"modified":"2020-05-25T14:07:11","modified_gmt":"2020-05-25T12:07:11","slug":"ihk-konjunkturklimaindex-stuerzt-auf-historisches-tief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ihk-konjunkturklimaindex-stuerzt-auf-historisches-tief\/","title":{"rendered":"IHK-Konjunkturklimaindex st\u00fcrzt auf historisches Tief"},"content":{"rendered":"<p>\u201eNie zuvor brach das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft so drastisch ein wie in den letzten Wochen. Die Corona-Pandemie belastet die heimische Wirtschaft stark. Die Stimmung ist au\u00dferordentlich eingetr\u00fcbt. Verstetigt sich dieser Trend, sollten wir uns auch auf Insolvenzen einstellen. So d\u00fcster sah es noch nie aus.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich 604 Unternehmen mit mehr als 42.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Der IHK-Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartungen \u2013 f\u00e4llt um 41 Punkte auf einen historischen Tiefstwert von 65 Punkten. Nur 17 % der Unternehmen berichten von guten Gesch\u00e4ften. Eine schlechte Gesch\u00e4ftslage vermelden hingegen 48 % der Firmen. Die Erwartungen sind ebenfalls \u00e4u\u00dferst pessimistisch. 54 % der befragten Unternehmen gehen von schlechteren Gesch\u00e4ften in den kommenden Monaten aus, mehr als doppelt so viele wie zu Jahresbeginn. Nur 15 % blicken optimistisch in die Zukunft und erwarten besser gef\u00fcllte Gesch\u00e4ftsb\u00fccher.<\/p>\n<p>Felix G. Hensel: \u201eIn allen Branchen fallen die Werte beinahe ins Bodenlose. Die einzige Ausnahme bildet noch die Bauwirtschaft. Wir sehen einen dramatischen Einbruch von Angebot und Nachfrage, der sich in beinahe allen Teilen der Erde vollzieht. Von einer Weltwirtschaftskrise zu sprechen, ist mittlerweile nicht mehr \u00fcbertrieben.\u201c Die heimische Wirtschaft habe in der Vergangenheit au\u00dferordentlich vom Export profitiert. Dass dies auch mit Risiken verbunden sei, werde jetzt deutlich. Dennoch helfe eine negative Grundstimmung nicht weiter. Wichtig sei deshalb, dass nicht nur bei uns die Einschr\u00e4nkungen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck weiter gelockert werden, sondern auch bei unseren Handelspartnern. Nur so k\u00f6nne man wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zur\u00fcckkehren. Felix G. Hensel: \u201eDie Krise ist nur zu \u00fcberwinden, wenn es kurzfristig gelingt, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Wir brauchen jetzt Ma\u00dfnahmen, die schnell wirken. Dazu geh\u00f6ren eine grundlegende Steuerreform, verbesserte M\u00f6glichkeiten degressiv ausgestalteter Abschreibungen, deutlich weniger B\u00fcrokratie und flexiblere Arbeitszeitvorschriften.\u201c<\/p>\n<p>Durch die Corona-Pandemie rechnen acht von zehn Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe mit einem R\u00fcckgang ihrer Ums\u00e4tze f\u00fcr das Gesamtjahr 2020. In der heimischen Industrie ist der Anteil, der von einem Umsatzr\u00fcckgang ausgeht, sogar noch etwas h\u00f6her (87 %). Die Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge schlagen sich auch bei der Personalplanung nieder. Deutlich mehr als ein Drittel (41 %) der Unternehmen sieht sich gezwungen, Personal abzubauen. In der Industrie ist es sogar fast jedes zweite Unternehmen. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDie an der Umfrage beteiligten Industrieunternehmen besch\u00e4ftigen aktuell etwa 30.000 Menschen. Wenn davon die H\u00e4lfte Personal abbauen will, wird das Besch\u00e4ftigungsniveau sinken und die Arbeitslosigkeit steigen. Unsere Unternehmen werden mit weniger Mitarbeitern aus der Krise herauskommen, als sie hineingingen. Die Zeit der Besch\u00e4ftigungsrekorde ist zun\u00e4chst einmal vorbei.\u201c<\/p>\n<p>Dabei sei das Ende der Krise noch nicht abzusehen. Sehr viele Entscheidungstr\u00e4ger in den Unternehmen gingen davon aus, dass Corona \u201eganze Arbeit\u201c verrichte und man es noch sehr lange mit Einschr\u00e4nkungen zu tun haben werde. Je l\u00e4nger die Krise jedoch andauere, desto schlechter sei sie mit Kurzarbeit allein zu bek\u00e4mpfen. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eKurzarbeit ist gut, wenn es nach kurzer Zeit wieder viel Arbeit gibt. Sie ist jedoch kein Instrument f\u00fcr l\u00e4ngere Krisenverl\u00e4ufe, die mit weniger Besch\u00e4ftigung einhergehen. In solchen F\u00e4llen schl\u00e4gt die Stunde der Qualifizierung. Deswegen war es ein entscheidender Webfehler, dass bei der k\u00fcrzlich beschlossenen Kurzarbeiterregelung eine klare Qualifizierungsverpflichtung fehlt.\u201c Nur so k\u00f6nne den Menschen, die vom Strukturwandel betroffen sind, eine belastbare Perspektive geboten und zugleich der herrschenden Unsicherheit zumindest partiell begegnet werden.<\/p>\n<p>Gemeinsam formulieren Hensel und Gr\u00e4bener daher eine klare Erwartung an die politischen Entscheidungstr\u00e4ger: \u201eUm der Wirtschaft schnellstm\u00f6glich den Weg aus der Krise zu ebnen, sind nicht staatliche Ausgaben zur Konsumf\u00f6rderung, sondern strukturell wirksame Investitionen in Schulen, Hochschulen und betriebliche Aus- und Weiterbildung, aber auch in neue Technologien das Gebot der Stunde. Wer staatliches Geld allein in den Konsum steckt, konserviert bestehende Strukturen. Das wird auf Dauer nicht helfen!\u201c Die IHK-Vertreter z\u00e4hlen zu den geeigneten Ma\u00dfnahmen ausdr\u00fccklich auch Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und schnelles Internet. Auch die \u00fcberf\u00e4llige Entlastung bei den Strompreisen unterst\u00fctze die Betriebe. Dabei dr\u00e4nge die Zeit, denn die Konjunkturumfrage zeigt auch: Jedes zweite Industrieunternehmen plant, die Investitionen zu senken. Der Indikator der Investitionsaktivit\u00e4t f\u00e4llt um 33 Punkte auf einen Wert von -39. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eKeine Investitionen, keine Perspektive. Was das f\u00fcr den Standort bedeutet, l\u00e4sst sich leicht ausmalen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Kommunen ohnehin mit erheblichen Haushaltsverschlechterungen rechnen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Nach leicht aufgehellter Stimmung zum Jahresbeginn st\u00fcrzen die Lagebeurteilung und die Gesch\u00e4ftserwartungen in der Industrie auf den niedrigsten jemals gemessenen Indexwert (62) ab. Aktuell geben 15 % der Industrieunternehmen eine gute Gesch\u00e4ftslage an. Etwa die H\u00e4lfte bewertet ihre Gesch\u00e4ftslage als schlecht. Ebenfalls d\u00fcster fallen die Erwartungen an die kommenden Monate aus. Nur 16 % blicken optimistisch in die Zukunft. Mehr als die H\u00e4lfte (57 %) erwartet schlechtere Gesch\u00e4fte. Besonders negativ fallen die Ergebnisse im stark von der Automobilzulieferindustrie gepr\u00e4gten Kreis Olpe aus. Felix G. Hensel: \u201eMehrere Wochen standen die B\u00e4nder der gro\u00dfen Autohersteller still. Der Autoabsatz national und international ist eingebrochen. Die j\u00fcngsten Absatzzahlen zeigen die folgenschwere Situation in der Autobranche. Die Industrieums\u00e4tze im Kreis Olpe sind bereits in den ersten drei Monaten um 6 % eingebrochen, noch bevor die Corona-Pandemie mit ihrer Wucht bei uns einschlug. Best\u00e4tigt sich dieser Trend, haben wir allen Grund zur Sorge.\u201c<\/p>\n<p>Die Auftragseing\u00e4nge in der gesamten Industrie im IHK-Bezirk gehen deutlich zur\u00fcck. Der Saldowert der Inlandsauftr\u00e4ge f\u00e4llt um 31 Prozentpunkte und der der Auslandsauftr\u00e4ge gar um 55 Prozentpunkte. Die Auftragsb\u00fccher in weiten Teilen der Industrie haben sich dramatisch geleert. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eNie zuvor berichteten so viele Industrieunternehmen von fallenden Auftragseing\u00e4ngen. Die globale Corona-Krise mit weltweiten Produktionsschlie\u00dfungen und Einschr\u00e4nkungen im Grenzverkehr belastet unseren Export erheblich. Acht von zehn Industrieunternehmen melden zum Teil deutlich sinkende Auslandsauftr\u00e4ge.\u201c Die drastisch gesunkene Nachfrage und die unterbrochenen Lieferketten machen sich deutlich bei der Produktionsauslastung der Industrie bemerkbar. 48 % geben einen Auslastungsgrad von \u00fcber 70 % an. Im Januar waren es noch drei Viertel der Unternehmen. Die Spitzenauslastung von \u00fcber 85 % sinkt ebenfalls. Gab im Januar noch mehr als ein Drittel der Industrieunternehmen diese Spitzenauslastung an, sind es nunmehr nur noch 20 %.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen auf die Baukonjunktur sind aktuell noch vergleichsweise gering. 43 % der befragten Baubetriebe geben eine gute Lage an, 7 % eine schlechte. Neun von zehn Bauunternehmen sind zu \u00fcber 70 % ausgelastet. Stephan H\u00e4ger, Leiter des IHK-Referats Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eNoch ist die Lage im Baugewerbe zufriedenstellend. Die Baustellen laufen weitgehend im Normalbetrieb. Aber: Unsicherheiten \u00fcber nachgelagerte Auswirkungen der Corona-Krise dr\u00fccken auch hier die Stimmung.\u201c 43 % der Baubetriebe rechnen in den kommenden Monaten mit schlechteren Gesch\u00e4ften, eine Steigerung von 36 Prozentpunkten gegen\u00fcber der letzten Umfrage.<\/p>\n<p>Die gute Kauflaune der Verbraucher war in der Vergangenheit eine wichtige St\u00fctze der Konjunktur. Das Konsumklima sank jedoch j\u00fcngst auf einen historischen Tiefststand. 65 % der regionalen Einzelh\u00e4ndler berichten von einem zur\u00fcckhaltenden Kaufverhalten der Kundschaft, nur 18 % von einem kauffreudigen. Zudem musste ein Gro\u00dfteil der Einzelh\u00e4ndler durch den Lockdown herbe Umsatzverluste hinnehmen. Stephan H\u00e4ger: \u201eDie Angst vor Arbeitsplatzverlust und Kurzarbeit dr\u00fcckt auf die Stimmung der Verbraucher. Die Corona-Pandemie d\u00fcrfte die Kauflaune noch l\u00e4ngere Zeit beeinflussen.\u201c Bei mehr als einem Drittel der Einzelh\u00e4ndler ist der t\u00e4gliche Umsatz, verglichen zur Vorkrisenzeit, um mehr als 25 % gesunken, bei etwa 10 % sogar um bis 75 %. Aktuell beurteilt aber noch die Mehrheit der Einzelh\u00e4ndler (53 %) ihre Lage als gut oder befriedigend.<\/p>\n<p>Auch im Gro\u00dfhandel zeigt die Stimmung nach unten. W\u00e4hrend 16 % der Gro\u00dfh\u00e4ndler aus Siegen-Wittgenstein und Olpe ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage mit gut bewerten (14 Prozentpunkte weniger als zum Jahresanfang), beurteilen 49 % sie als schlecht (Steigerung von 27 Prozentpunkten). Die erwartete Gesch\u00e4ftslage ist ebenfalls pessimistisch. 19 % erwarten besser Gesch\u00e4fte und 51 % schlechtere.<\/p>\n<p>In der Dienstleistungsbranche, insbesondere beim Gastgewerbe und in der Reisebranche, ist die Konjunkturstimmung auf einem Tiefpunkt. 9 von 10 Unternehmen aus dem Gastgewerbe bewerten ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als schlecht. Zum Jahreswechsel waren es gerade einmal 5 %. 46 % rechnen pandemiebedingt f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2020 mit einem Umsatzr\u00fcckgang von mehr als 50 %.<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNie zuvor brach das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft so drastisch ein wie in den letzten Wochen. Die Corona-Pandemie belastet die heimische Wirtschaft stark. 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