{"id":18508,"date":"2020-05-05T12:11:25","date_gmt":"2020-05-05T10:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=18508"},"modified":"2020-05-05T12:11:25","modified_gmt":"2020-05-05T10:11:25","slug":"stichtag-6-mai-lockerungen-fuer-das-gastgewerbe-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/stichtag-6-mai-lockerungen-fuer-das-gastgewerbe-jetzt\/","title":{"rendered":"Stichtag 6. Mai \u2013 Lockerungen f\u00fcr das Gastgewerbe \u2013 jetzt"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben die falsche Gesch\u00e4ftsidee. Nicht grunds\u00e4tzlich. Aber momentan. Wir f\u00fchren Kneipen, Restaurants, Caf\u00e9s, Clubs, Hotels, Pensionen und versorgen Veranstaltungen, Schulen und Events. Wir sind immer da, wo Menschen zusammenkommen. H\u00e4ufig sind wir auch einfach der Grund, warum Menschen zusammenkommen. Wir sind Treffpunkt, zweites Wohn- und Schlafzimmer, wir bieten Diskussions-, Genussr\u00e4ume, wir lassen bei uns tanzen. Unsere Angebote sind analog, auf N\u00e4he und Miteinander ausgerichtet. In Zeiten der Corona-Krise ist genau das aber nicht nur unerw\u00fcnscht. Schlimmer. Es ist verboten, weil wir das Gegenteil von Mindestabstand sind. Das schreibt Bernd Niemeyer, Pr\u00e4sident der DEHOGA Nordrhein-Westfalen e.V., im aktuellen <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Das Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen und in fast allen Regionen und L\u00e4ndern Europas erlebt die schlimmste Zeit seit Ende des Krieges. Wir waren die Ersten, deren Betriebe geschlossen wurden und sind \u2013 nach jetzigem Stand der Dinge \u2013 die Letzten, die ihre T\u00fcren wieder \u00f6ffnen d\u00fcrfen. Die Kurzarbeiter-Quote in Nordrhein-Westfalen liegt nahe an 98 Prozent. Die Umsatzeinbu\u00dfen h\u00e4ufig \u00e4hnlich hoch. Abhol- und Lieferangebote lindern, aber l\u00f6sen das Problem genauso wenig wie Gesch\u00e4ftsreisende in den Hotels, die es fast nicht mehr gibt, weil der Gesch\u00e4ftsreiseverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist. Belegungsquoten von vielleicht 5% sind letal.<\/p>\n<p>Vor Corona arbeiteten in rund 51.000 Betrieben mehr als 400.000 Besch\u00e4ftigte in allen unseren St\u00e4dten und auf dem Land. Kurzfristig gehen wir davon aus, dass ein Drittel der Betriebe vor dem finalen Aus steht. Wer das in absolute Zahlen \u00fcbersetzt, kann schnell errechnen, dass mehr als 15.000 Betriebe und dementsprechend Besch\u00e4ftigte betroffen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nach der ersten Euphorie \u00fcber das z\u00fcgige Handeln unserer Regierungen in Bund und L\u00e4ndern stellen wir fest, dass die Wucht der Corona-Krise uns nicht nur in ein k\u00fcnstliches Koma versetzt hat, aus dem wir nach der Krise gest\u00e4rkt und zu allem bereit, erweckt werden k\u00f6nnten, sondern dass viele Restaurants, Caf\u00e9s, Kneipen, Hotels, Caterer und Clubs nicht mehr aus diesem Trauma aufwachen werden, wenn der Staat nicht mit zus\u00e4tzlichen Mitteln das Sonderopfer, das die Branche gerade f\u00fcr die Gesundheit der Gesellschaft erbringt, ausgleicht. Wir haben uns sehr gefreut, dass der reduzierte Mehrwertsteuersatz f\u00fcr Essen ab dem 1. Juli gelten wird, wissend, dass er denknotwendig Ums\u00e4tze voraussetzt, die wir gerade nicht haben. Es ist also der zweite vor dem ersten Schritt, perspektivisch allerdings ein ganz wichtiger. Denn nur mit einer deutlichen Erh\u00f6hung der Rendite im Gastgewerbe besteht \u00fcberhaupt eine Chance aufgebaute Verbindlichkeiten auch wieder abtragen zu k\u00f6nnen. Das Sonderopfer muss im ersten Schritt \u00fcber ein eigenes Rettungspaket ausgeglichen werden, solange Betriebskosten wie Pachten zum Beispiel keine Einnahmen gegen\u00fcberstehen. 9.000 Euro Soforthilfe f\u00fcr drei Monate helfen bedingt, selbst wenn der Pachtzins monatlich bei nur 2.000 bis 3.000 Euro liegen sollte. Genauso k\u00f6nnen es in D\u00fcsseldorf aber auch 12.000 Euro sein. Dass Gastronomen und Hoteliers als P\u00e4chter das \u201ePachtrisiko\u201c momentan noch allein tragen m\u00fcssen, ist zudem unbillig. Wenn eine Branche staatlich geschlossen wird, warum soll das Risiko f\u00fcr eine zu diesem Zweck verpachtete gewerbliche Immobilie allein der P\u00e4chter tragen? Das ist das Gegenteil von gerecht und bedarf einer gesetzlichen Regelung, die eine angemessene Risikoverteilung vorsieht.<\/p>\n<p>Die Lockerungen m\u00fcssen kommen. Am 6. Mai \u2013 beim n\u00e4chsten Treffen der Bund- und L\u00e4nderspitzen \u2013 muss ein Fahrplan vorgelegt werden. Auch f\u00fcr das Gastgewerbe. Was in den letzten Wochen an Lockdown-Ma\u00dfnahmen richtig gewesen ist \u2013 wir haben das nie in Frage gestellt \u2013 muss ab jetzt neu bestimmt werden. Mir scheinen einige Ma\u00dfnahmen wie die pauschale Schlie\u00dfung der Gastronomie nicht mehr verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Man kann uns zeitlich nicht immer weiter, lapidar verk\u00fcndet in einem Nebensatz auf einer Pressekonferenz, einfach nach hinten schieben. Wir erwarten von der Politik konkrete und realistische Parameter. Mindestabst\u00e4nde k\u00f6nnen wir umsetzen. Erh\u00f6hte Hygieneanforderungen? Unsere Unternehmer*innen und Mitarbeiter*innen sind \u201ehygieneerprobt\u201c, weil es zu unserem normalen t\u00e4glichen Tun geh\u00f6rt. Was bef\u00fcrchtet der Staat, wenn Restaurants, Caf\u00e9s und Hotels wieder \u00f6ffnen? Menschenmassen, die sich Ischgl-gleich in Bars oder auf Karnevalsveranstaltungen dr\u00e4ngeln? \u00dcberf\u00fcllte Restaurants und Hotels? Ich glaube, diese Bef\u00fcrchtungen sind unbegr\u00fcndet, weil sie nicht der allt\u00e4glichen Realit\u00e4t entsprechen. Aber was ist Realit\u00e4t? Der Restaurantbesuch mit der Familie, ein St\u00fcck Kuchen und Kaffee bei einem Ausflug, ein Getr\u00e4nk mit Freunden im Biergarten oder der Kneipe, das Einchecken der Familie im Hotel bei einem Wochenendtrip. Das war die Hundertausendfach ge\u00fcbte Realit\u00e4t im Gastgewerbe. Vor Corona.<\/p>\n<p>Und so wird es bleiben \u2013 nur mit weniger G\u00e4sten, wenn die Lockerungen kommen. Lockerungen mit Abstandsregelungen, erh\u00f6hten Hygiene- und Registrierungsanforderungen bedeuten in der Praxis unserer Betriebe erst einmal: Wegfall der H\u00e4lfte der Pl\u00e4tze, andere Atmosph\u00e4re, mehr personeller und organisatorischer Aufwand. Plus ge\u00e4ndertes G\u00e4steverhalten aufgrund von Unsicherheit und weniger Kaufkraft. Betriebswirtschaftlich \u00fcbersetzt: Die Umsatzausf\u00e4lle nach einer Lockerung werden nicht mehr zwischen 90 -100 Prozent liegen, sondern dann \u201enur noch\u201c zwischen 50 \u2013 80 Prozent, bei \u2013 wohlgemerkt \u2013 wieder h\u00f6heren Ausgaben. Unsere Gastronomen, Caterer und Hoteliers gehen davon aus, dass sie bei reduzierten Kosten trotzdem 70 Prozent ihrer bisherigen Ums\u00e4tze erwirtschaften m\u00fcssen, um den Betrieb erfolgreich hochfahren zu k\u00f6nnen. 70 Prozent? Wie soll das gehen?<\/p>\n<p>Diese Aussichten, wahrscheinlich f\u00fcr viele Monate, sind der Grund, warum ein Rettungspaket, was auch die Phase nach den Lockerungen ber\u00fccksichtigt, so wichtig ist.<\/p>\n<p>Aber warum sollte sich die Politik gerade f\u00fcr das Gastgewerbe mit einem eigenen Rettungspaket so stark machen? Sind andere Branchen nicht auch betroffen? Sind sie. Aber erstens ist die Betroffenheit der Tourismuswirtschaft, deren wichtigster Leistungstr\u00e4ger Gastronomie und Hotellerie sind, besonders ausgepr\u00e4gt. Daran gibt es keine ernsthaften Zweifel. Zweitens h\u00e4tte eine \u201eunterlassene Hilfeleistung\u201c die nachhaltige Zerst\u00f6rung der gastgewerblichen Struktur zur Folge. Viele ehemals kerngesunde Betriebe ringen ums \u00dcberleben. Der Verlust von mindestens 15.000 Betrieben in Stadt und Land wird unsere gastronomische Landschaft grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndern. Viele Betriebe, die heute noch das Stadtbild pr\u00e4gen, das soziale Miteinander in Stadt und Land bef\u00f6rdern, Arbeitspl\u00e4tze schaffen und Steuern zahlen, w\u00fcrden auf Nimmer-Wieder-Er\u00f6ffnet verschwinden. Es lohnt sich, f\u00fcr das Gastgewerbe zu k\u00e4mpfen, weil es nicht nur system- und jobrelevant, sondern auch lebens- und sozialrelevant ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben die falsche Gesch\u00e4ftsidee. Nicht grunds\u00e4tzlich. Aber momentan. Wir f\u00fchren Kneipen, Restaurants, Caf\u00e9s, Clubs, Hotels, Pensionen und versorgen Veranstaltungen, Schulen und Events. Wir sind&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18509,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[32,4,11],"tags":[],"class_list":["post-18508","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-infos","category-meinung","category-regionale-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Niemeyer_Bernd_600x400.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18508"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18510,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18508\/revisions\/18510"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}