{"id":18055,"date":"2020-03-24T11:24:25","date_gmt":"2020-03-24T10:24:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=18055"},"modified":"2020-03-24T11:24:25","modified_gmt":"2020-03-24T10:24:25","slug":"solidarisches-gesundheitssystems-bewaehrt-sich-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/solidarisches-gesundheitssystems-bewaehrt-sich-in-der-krise\/","title":{"rendered":"Solidarisches Gesundheitssystems bew\u00e4hrt sich in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als ein Zehntel der vorhandenen Ressourcen wird in Deutschland f\u00fcr die Gesundheitsversorgung aufgewendet. Wie wichtig eine gute Versorgung in einem \u00f6ffentlichen, solidarischen Gesundheitssystem ist, zeigt sich besonders angesichts der aktuellen Corona-Krise, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Claus Wendt, der an der Universit\u00e4t Siegen den Lehrstuhl f\u00fcr \u201eSoziologie der Gesundheit und des Gesundheitssystems\u201c innehat: \u201eWir haben in Deutschland \u00fcber viele Jahre hinweg eine hochwertige Gesundheitsversorgung aufgebaut, die uns allen unabh\u00e4ngig vom Einkommen die erforderlichen lebensrettenden Ma\u00dfnahmen bietet. Wir zahlen monatlich hohe Betr\u00e4ge in das System ein \u2013 damit wir dann, wenn wir auf Gesundheitsleistungen angewiesen sind, diese auch erhalten.\u201c Das hohe Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in das Gesundheitssystem und in die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sei in sozialwissenschaftlichen Umfragen wiederholt best\u00e4tigt worden, sagt Wendt. Gleichzeitig halte die Corona-Krise der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht einen Spiegel vor.<\/p>\n<p>\u201eDie Krise zeigt sehr deutlich, dass wir durch unser individuelles Verhalten das Gesundheitssystem unmittelbar entlasten k\u00f6nnen. Neben dem technischen Fortschritt und besseren Therapien ist dies die beste M\u00f6glichkeit, das System und diejenigen, die uns im Krankheitsfall versorgen, vor einer akuten \u00dcberlastung zu bewahren\u201c, betont Prof. Wendt. Die aktuelle, dynamische Entwicklung der Pandemie sei ein eindringlicher Beleg daf\u00fcr, dass in bestimmten Situationen eine solche \u00dcberlastung unseres Gesundheitssystems droht. Die vergangenen Tage sieht der Experte jedoch auch als positiven Beweis, dass wir unser Verhalten durchaus \u00e4ndern k\u00f6nnen: \u201eWir sind in der Lage, uns anzupassen. Einerseits, um unsere eigene Gesundheit zu sch\u00fctzen \u2013 aber auch aus Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber jenen, deren Gesundheit durch das Coronavirus besonders gef\u00e4hrdet ist. Das klappt bei gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung auch ohne Verbote oder drohende Strafen.\u201c<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass das Gesundheitssystem auch auf ein gesundheitsbewusstes Verhalten der B\u00fcrgerInnen angewiesen ist, gilt laut Wendt auch jenseits der aktuellen Extremsituation: \u201eEine weitere potenzielle \u00dcberlastung entsteht durch den demografischen Wandel. Die Zahl derjenigen, die wir aktuell als hohe Risikogruppen besonders sch\u00fctzen wollen, wird in Zukunft steigen. Diejenigen, die Beitr\u00e4ge und Steuern einzahlen, werden weniger\u201c, erkl\u00e4rt Wendt. In drei wichtigen Lebensbereichen sei unser Verhalten f\u00fcr die eigene Gesundheit \u2013 und damit auch f\u00fcr das Funktionieren unseres Gesundheitssystems \u2013 besonders relevant: Im Bereich der Ern\u00e4hrung, beim Thema Sport und Bewegung, sowie in einem gesunden beruflichen Umfeld.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir hier unser Verhalten \u00e4ndern, st\u00e4rken wir unser Immunsystem und k\u00f6nnen uns besser sch\u00fctzen \u2013 auch in der aktuellen Krise. Vorsorge sollte \u00fcber den Erwerb zus\u00e4tzlicher Toilettenpapierrollen hinausgehen\u201c, empfiehlt Wendt. Die aktuelle Situation vieler ArbeitnehmerInnen sieht er dabei auch als Chance f\u00fcr einen ges\u00fcnderen Alltag: So biete sich durch Homeoffice oder reduzierte Arbeitszeiten f\u00fcr viele die Gelegenheit, st\u00e4rker auf eine ausgewogene Ern\u00e4hrung zu achten, Fertigprodukte wegzulassen und stattdessen selbst mit frischen Zutaten zu kochen. Zugleich lobt Wendt, dass Spazierengehen und Joggen in Deutschland weiterhin erlaubt sind: \u201eDas ist f\u00fcr unsere Gesundheit besonders wichtig. Auch hier k\u00f6nnen sich durch den ver\u00e4nderten Alltag neue M\u00f6glichkeiten ergeben \u2013 ideal w\u00e4re, sich einmal pro Tag f\u00fcr mindestens 30 Minuten sportlich zu bet\u00e4tigen.\u201c Dies trage auch dazu bei, den Stress bei der Arbeit zu reduzieren, sagt Wendt: \u201eDas Bed\u00fcrfnis, w\u00e4hrend des Arbeitstages einen kurzen Spaziergang oder sogar eine Laufrunde einzulegen, d\u00fcrfte mit der Dauer der Heimarbeit steigen und wird hoffentlich fortgesetzt, wenn wir wieder zur Normalit\u00e4t \u00fcbergehen.\u201c<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Problem sieht Wendt in der gesundheitlichen Ungleichheit innerhalb der Bev\u00f6lkerung. Menschen mit geringerem Einkommen sind demnach h\u00e4ufiger krank und sterben etwa zehn Jahre fr\u00fcher, als diejenigen aus der obersten Einkommensgruppe. Der Grund sei in erster Linie das unterschiedliche Gesundheitsverhalten dieser Gruppen, konstatiert Wendt. Er sieht Kinderg\u00e4rten, Schulen, Universit\u00e4ten, Beh\u00f6rden, Organisationen und Unternehmen in der Pflicht, durch gesunde Ern\u00e4hrung, Bewegungsm\u00f6glichkeiten, gesundheitsf\u00f6rdernde Arbeitsbedingungen und Aufkl\u00e4rung einen Rahmen zu schaffen, der alle gesellschaftlichen Gruppen erreicht. \u201eAuch nach der Corona-Krise wird es notwendig sein, dass wir durch unser Verhalten das Gesundheitssystem entlasten. Nur dann werden die Gesundheitsleistungen f\u00fcr diejenigen ausreichen, die sie dringend ben\u00f6tigen\u201c, sagt Wendt.<\/p>\n<p>Bild und Infos: <a href=\"https:\/\/www.uni-siegen.de\/start\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit\u00e4t Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als ein Zehntel der vorhandenen Ressourcen wird in Deutschland f\u00fcr die Gesundheitsversorgung aufgewendet. 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