{"id":17519,"date":"2020-02-13T15:03:54","date_gmt":"2020-02-13T14:03:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=17519"},"modified":"2020-02-13T15:03:54","modified_gmt":"2020-02-13T14:03:54","slug":"talfahrt-gestoppt-unsicherheiten-bleiben-weiterhin-hoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/talfahrt-gestoppt-unsicherheiten-bleiben-weiterhin-hoch\/","title":{"rendered":"Talfahrt gestoppt, Unsicherheiten bleiben weiterhin hoch"},"content":{"rendered":"<p>\u201eErstmals seit zwei Jahren verbessert sich das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft wieder. Das ist erfreulich. Dennoch ist Entwarnung nicht angesagt. Auch das Jahr 2020 wird f\u00fcr die Wirtschaft herausfordernd. Die au\u00dfenwirtschaftlichen Belastungen bleiben f\u00fcr unsere exportorientierten Unternehmen weiterhin hoch.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich Anfang des Jahres 547 Unternehmen mit mehr als 42.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Der IHK-Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus der Beurteilung der Gesch\u00e4ftslage und der Gesch\u00e4ftserwartungen \u2013 steigt um 7 Punkte auf einen Wert von 106. Er erreicht somit genau den langfristigen Mittelwert der letzten 20 Jahre. Der Anstieg ist vorrangig durch die besseren Gesch\u00e4ftserwartungen der Unternehmen zu begr\u00fcnden. 19 % der befragten Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten bessere Gesch\u00e4fte, eine Steigerung um sechs Prozentpunkte. 25 % gehen von schlechteren Gesch\u00e4ften aus, vier Prozentpunkte weniger als bei der Herbstumfrage. Die Lagebeurteilung hat sich ebenfalls leicht verbessert: Mehr als ein Drittel der hiesigen Unternehmen bewertet ihre Gesch\u00e4ftslage als gut, etwa die H\u00e4lfte als befriedigend. Der Anteil negativer Lagemeldungen stagniert bei 16 %. Felix G. Hensel: \u201eOb der Boden erreicht ist, k\u00f6nnen wir nicht seri\u00f6s voraussagen. Die globalen Krisenherde werden nicht weniger. Immer noch sind die pessimistischen Zukunftsaussichten leicht in der \u00dcberzahl. Die positivere Einsch\u00e4tzung der Auftragseing\u00e4nge n\u00e4hrt die Hoffnung auf bessere Gesch\u00e4fte.\u201c Erstmals seit zwei Jahren haben sich die Auftragseing\u00e4nge in der gesamten Wirtschaft des IHK-Bezirkes wieder positiver entwickelt. 69 % geben steigende und gleich bleibende Auftragseing\u00e4nge an, 31 % fallende. Im Herbst lag das Verh\u00e4ltnis noch bei 59 % zu 41 %.<\/p>\n<p>IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eWir sind optimistisch, aber immer noch vorsichtig. Die Konjunkturrisiken bleiben weiterhin beachtlich. Trumps Politik mit fast 1.300 Handelsbarrieren rund um den Globus zeigt Wirkung. Dies trifft die heimische Wirtschaft aus zwei Gr\u00fcnden besonders hart. Zun\u00e4chst wird jeder zweite Euro im Ausland verdient. Zudem stellen unsere Unternehmen vor allem Investitions-, nicht aber Konsumg\u00fcter her\u201c. Hinzu k\u00e4men neue Risiken, die bei Abschluss der IHK-Umfrage Mitte Januar noch gar nicht bekannt gewesen seien. \u201eDass das Corona-Virus das Zeug hat, die weltweiten Produktionsstr\u00f6me und Lieferketten kr\u00e4ftig durchzusch\u00fctteln, best\u00e4tigen mittlerweile immer mehr Fachleute. Je st\u00e4rker die wirtschaftliche Verflechtung, desto gr\u00f6\u00dfer die damit verbundenen Risiken. Wir sch\u00e4tzen, dass heimische Firmen allein 2018 Waren im Wert \u00fcber 550 Mio. \u20ac nach China exportierten, das Importvolumen d\u00fcrfte bei rund 1 Mrd. \u20ac gelegen haben. Man kann sich bei solchen Werten an drei Fingern ausrechnen, welches Verletzungspotenzial dieses Virus f\u00fcr die heimische Wirtschaft besitzt\u201c, betont Klaus Gr\u00e4bener.<\/p>\n<p>Nach zwei Jahren des R\u00fcckganges steigen in der heimischen Industrie wieder die Umfrageergebnissen zur aktuellen Gesch\u00e4ftslage und zu den Gesch\u00e4ftserwartungen. 32 % der Industrieunternehmen geben eine gute Gesch\u00e4ftslage an, eine Steigerung um 5 Prozentpunkte gegen\u00fcber der Herbstumfrage. Etwa ein F\u00fcnftel bewertet ihre Gesch\u00e4ftslage weiterhin als schlecht. Noch etwas positiver ist die Entwicklung der Gesch\u00e4ftserwartung. 22 % rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Gesch\u00e4ften, eine Steigerung um 9 Prozentpunkte. Nahezu die H\u00e4lfte der Betriebe gehen von gleich bleibenden Gesch\u00e4ften aus (-6 Prozentpunkte) und 29 % bef\u00fcrchten schlechtere Gesch\u00e4fte (-3 Prozentpunkte). Klaus Gr\u00e4bener: \u201eAuch wenn sich die Stimmung zum Jahreswechsel aufgehellt hat, bleibt f\u00fcr die Industrie die Situation weiterhin angespannt. Die Auftragseing\u00e4nge entwickelten sich in den letzten Monaten zwar positiver, die pessimistischen Meldungen haben aber bei unseren Industrieunternehmen weiterhin die Oberhand. Die in weiten Teilen der Industrie seit Monaten sinkenden Auftragseing\u00e4nge machen sich nun langsam bei der Auslastung bemerkbar, diese ist dennoch weiterhin auf einem guten Niveau.\u201c 75 % der Unternehmen geben einen Auslastungsgrad von \u00fcber 70 % an. Vor einem Jahr waren es noch 9 von 10 Unternehmen. Die Spitzenauslastung von \u00fcber 85 % sank ebenfalls. Gaben vor einem Jahr noch \u00fcber die H\u00e4lfte der Industrieunternehmen die Spitzenauslastung an, sind es nunmehr \u201enur\u201c noch 35 %. Jeweils 74 % der Industrieunternehmen rechnen mit steigenden bzw. gleich hohen Investitionen und Besch\u00e4ftigtenzahlen, das sei noch ein zufriedenstellendes Niveau, betonte Felix G. Hensel.<\/p>\n<p>Die Lage im Baugewerbe ist weiterhin sehr gut. Die Lagebeurteilung steigt um sechs Prozentpunkte. 71 % der befragten Baubetriebe geben eine gute Lage an, kein Unternehmen eine schlechte. 82 % der Bauunternehmen sind zu \u00fcber 70 % ausgelastet. Stephan H\u00e4ger, Leiter des IHK-Referats Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eDer Boom am Bau setzt sich weiter fort. 9 von 10 Unternehmen melden uns steigende bzw. gleichbleibend hohe Auftragseing\u00e4nge. Eine weitere Steigerung um fast 17 Prozentpunkte gegen\u00fcber der Herbstumfrage.\u201c Problematisch ist jedoch der akute Fachkr\u00e4ftemangel. F\u00fcr 79 % der Bauunternehmen ist dies das gr\u00f6\u00dfte Risiko f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens.<\/p>\n<p>Dank des guten Konsumklimas ist die Lagebeurteilung im Einzelhandel weiterhin auf einem hohen guten Niveau. 94 % der Einzelh\u00e4ndler beurteilen ihre Lage als gut oder befriedigend, nur 6 % als schlecht. 46 % der Einzelh\u00e4ndler konnten ihre Ums\u00e4tze erh\u00f6hen. Eine Steigerung um 7 Prozentpunkte gegen\u00fcber der Herbstumfrage. Stephan H\u00e4ger: \u201eNach vorl\u00e4ufigen Berechnungen stieg der Umsatz 2019 um fast 3 % gegen\u00fcber dem Vorjahr, das ist der st\u00e4rkste Anstieg seit 2015. Wachstumstreiber bleibt der Onlinehandel. Die zuletzt verhaltenen Konjunkturdaten und die starke Konkurrenz aus dem Internet dr\u00fcckten allerdings zum Jahreswechsel die Stimmung.\u201c<\/p>\n<p>Trotz der sinkenden Lageeinsch\u00e4tzung verbessert sich die Stimmung der Gro\u00dfh\u00e4ndler gegen\u00fcber der Herbstumfrage leicht. Verantwortlich f\u00fcr die bessere Stimmung sind die positiveren Gesch\u00e4ftserwartungen. 17 % erwarten in den kommenden Monaten bessere Gesch\u00e4fte, eine Steigerung um 4 Prozentpunkte. 25 % bef\u00fcrchten schlechtere Gesch\u00e4fte, 8 Prozentpunkte weniger als im Herbst.<\/p>\n<p>In der Dienstleistungsbranche ist die Lagebeurteilung weiterhin gut. 43 % berichten von einer guten Gesch\u00e4ftslage, 44 % von einer befriedigenden und 13 % von einer schlechten. Auch im Gastgewerbe f\u00e4llt die Lagebeurteilung positiv aus. Nahezu jedes zweite Unternehmen gibt eine gute Gesch\u00e4ftslage an, nur 5 % eine schlechte.<\/p>\n<p>Der Arbeitsmarkt pr\u00e4sentierte sich 2019 \u00e4u\u00dferst robust. Etwa 179.000 Menschen waren im IHK-Bezirk sozialversicherungspflichtig besch\u00e4ftigt. Zugleich lag die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt bei 4,1 %. In den Industriebetrieben mit 50 und mehr Mitarbeitern waren im November mehr als 56.000 Menschen besch\u00e4ftigt. Dass sind 0,6 % mehr als vor einem Jahr. Felix G. Hensel: \u201eAuch wenn zuletzt die Anzeigen zu Kurzarbeit gestiegen sind und die Zahl der offenen Stellen zur\u00fcckgegangen ist, blicken wir auf ein insgesamt erfolgreiches Jahr am Arbeitsmarkt zur\u00fcck. Noch nie gingen in unserer Region mehr Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Besch\u00e4ftigung nach wie im Jahresdurchschnitt 2019. In der Industrie waren so viele Menschen angestellt, wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre.\u201c<\/p>\n<p>Text: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a>, Foto: Carsten Schmale<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eErstmals seit zwei Jahren verbessert sich das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft wieder. Das ist erfreulich. Dennoch ist Entwarnung nicht angesagt. 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