{"id":17180,"date":"2020-01-20T09:13:17","date_gmt":"2020-01-20T08:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=17180"},"modified":"2020-01-20T09:13:17","modified_gmt":"2020-01-20T08:13:17","slug":"unternehmen-leidet-unter-eingeschraenkten-transportmoeglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/unternehmen-leidet-unter-eingeschraenkten-transportmoeglichkeiten\/","title":{"rendered":"Unternehmen leidet unter eingeschr\u00e4nkten Transportm\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer neuen Rohrbiegepresse setzt die Gr\u00e4bener Maschinentechnik GmbH &amp; Co. KG mit Sitz in Netphen-Werthenbach Ma\u00dfst\u00e4be. \u201eMa\u00dfgebend ist dabei die enorme Presskraft von mehreren tausend Tonnen, die n\u00f6tig sind, um dickwandige Rohre mit gleichzeitig kleinem Durchmesser herzustellen\u201c, betont Fabian Kapp, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei Graebener Maschinentechnik. Einsatzort f\u00fcr die Anlage wird die Erndtebr\u00fccker Eisenwerk GmbH &amp; Co. KG sein. Die Zahlen beeindrucken: Rund 1.100 t bringt die Presse auf die Waage. Die vier Bauteile, Ober- und Untertraverse mit je einem Ober- und Unterteil, sind ca. 16 Meter lang, 3,50 Meter breit und 2,50 Meter hoch. Jedes dieser Teile wiegt zwischen 115 und 130 t.<\/p>\n<p>Die familiengef\u00fchrte Gr\u00e4bener Maschinentechnik GmbH &amp; Co. KG geh\u00f6rt mit ihren Biegemaschinen seit vielen Jahren zu den Weltmarktf\u00fchrern in der Gro\u00dfrohr-, Windturm- und Beh\u00e4lterfertigung. Fabian Kapp: \u201eWir sind in der Lage, h\u00f6chst leistungsf\u00e4hige und gleichzeitig sehr gro\u00dfe und schwere Anlagen zu konstruieren und zu fertigen. Das ist ein Wettbewerbsvorteil, den wir der verf\u00fcgbaren Ingenieurskunst und dem Engagement unserer rund 80 Mitarbeiter verdanken. F\u00fcr dieses Know-how ist Graebener Maschinentechnik vielen Kunden auf dem Weltmarkt ein Begriff.\u201c<\/p>\n<p>Die aktuelle Lage der Stra\u00dfen in Deutschland ist vielen Unternehmen jedoch ein enormes Hindernis. Auch Graebener Maschinentechnik hat regelm\u00e4\u00dfig unter den eingeschr\u00e4nkten Transportm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Schwerlasttransporte zu leiden und sp\u00fcrbare Verbesserungen der Stra\u00dfen sehen die Werthenbacher bis heute nicht \u2013 trotz anderslautender politischer Erkl\u00e4rungen. Das zeige auch der Transport der aktuellen Presse, betont Fabian Kapp. Die Bauteile wurden demnach in Aschersleben in Sachsen-Anhalt geschwei\u00dft und dort f\u00fcr die Reise nach Gelsenkirchen auf die Elbe verladen. Im Ruhrgebiet angekommen, wurde der Transport mit Schwertransporten auf der Stra\u00dfe fortgesetzt. Weit kam man dabei nicht: \u201eAm Stadtrand von Gelsenkirchen wartete die erste nicht vorhergesehene Baustelle. Diese h\u00e4tte es eigentlich nicht mehr geben d\u00fcrfen, aber aus einem unersichtlichen Grund dauerte die Bauma\u00dfnahme zwei Wochen l\u00e4nger als geplant. Hierdurch mussten Transport und Montage erst einmal verschoben werden\u201c, erl\u00e4utert Fabian Kapp. Mit zeitlicher Verz\u00f6gerung gelangten die gigantischen Bauteile dann nach Bad Laasphe, wo sie derzeit bei der Fa. Jung Gro\u00dfmechanik mechanisch bearbeitet werden, bevor sie anschlie\u00dfend weiter nach Erndtebr\u00fcck gefahren werden.<\/p>\n<p>Ein weiteres Bauteil ging sp\u00e4ter in Aschersleben zeitlich versetzt auf die Reise. Zu diesem Zeitpunkt f\u00fchrte die Elbe jedoch zu wenig Wasser, so dass die Verladung an den Mittellandkanal verlegt werden musste. Fabian Kapp: \u201eWenn auch der niedrige Wasserstand f\u00fcr die Wintermonate sehr untypisch war, so geh\u00f6ren derartige unvorhergesehene Situationen f\u00fcr die Speditionen zum Alltagsgesch\u00e4ft und lassen sich unter \u201eh\u00f6herer Naturgewalt\u201c verbuchen. F\u00fcr richtig \u00c4rger sorgen dagegen die Zust\u00e4nde auf den Stra\u00dfen. Vor allem die maroden Br\u00fccken bereiten uns t\u00e4gliches Kopfzerbrechen. Sie k\u00f6nnen h\u00e4ufig schwere Lasten nicht mehr tragen und sind daher f\u00fcr Schwertransporte gesperrt.\u201c<\/p>\n<p>Seit neun Jahren werde an einer verl\u00e4sslichen Schwerlastroute von Gelsenkirchen ins Siegerland geplant und eine entsprechende Strecke hierf\u00fcr \u201eert\u00fcchtigt\u201c. Trotzdem m\u00fcssen Br\u00fcckenstatiken immer wieder aufs Neue nachgerechnet werden, was die Transportkosten in die H\u00f6he treibe. Eine Transportgenehmigungsanfrage eines 176 Tonnen schweren Bauteils wurde von der Genehmigungsbeh\u00f6rde abgelehnt. Die Ablehnung wurde damit begr\u00fcndet, dass f\u00fcr den Antrag mit der Route von Gelsenkirchen nach Erndtebr\u00fcck zun\u00e4chst die Statik von insgesamt 18 Br\u00fcckenbauwerke h\u00e4tte nachgepr\u00fcft werden m\u00fcssen. Und das auf der angeblich f\u00fcr 299-Tonnen-Transporte freigegebenen Schwerlastroute. Allein durch die statischen Berechnungen w\u00e4ren so Mehrkosten in H\u00f6he von ca. 60.000 EUR pro Transport entstanden. Mehrkosten, mit denen weder das Unternehmen Graebener Maschinentechnik noch deren Kunden kalkulieren k\u00f6nnen. \u201e2003 dagegen\u201c, so Fabian Kapp, \u201ewar ein Transport mit Maschinenteilen von 180 Tonnen ins Siegerland noch relativ unkompliziert durchf\u00fchrbar.\u201c<\/p>\n<p>L\u00e4ngst jedoch werden die schlechten Transportbedingungen auf den Stra\u00dfen schon bei der Konstruktion der Anlagen ber\u00fccksichtigt. \u201eW\u00e4ren die Verkehrswege in einem leistungsf\u00e4higen Zustand, der einem Industrieland wie Deutschland gerecht w\u00fcrde, h\u00e4tten wir die Maschine sehr viel kosteng\u00fcnstiger konstruieren und bauen k\u00f6nnen\u201c, unterstreicht Fabian Kapp.<\/p>\n<p>Wenn neue Maschinen mittlerweile also die Handschrift unserer kaputten Stra\u00dfen tr\u00fcgen, sei dies bezeichnend f\u00fcr den Zustand des Industriestandortes, betont IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener. \u201e14.000 Genehmigungsantr\u00e4ge f\u00fcr Gro\u00dfraum- und Schwertransporte werden allein in den Kreisverwaltungen Siegen-Wittgenstein und Olpe Jahr f\u00fcr Jahr bearbeitet. Betroffen sind enorme Wertsch\u00f6pfungsketten mit gesch\u00e4tzten 10.000 Besch\u00e4ftigten in unserer Region. Dies alles wird durch die jahrelange Vernachl\u00e4ssigung unserer Stra\u00dfen aufs Spiel gesetzt!\u201c Dabei sei der Zustand der Br\u00fccken und Stra\u00dfen nur ein Teil des Problems. Hinzu komme eine v\u00f6llig aus den Fugen laufende B\u00fcrokratie. Die IHK setze sich gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) f\u00fcr mehr politischen Druck ein, damit Unternehmen entlastet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6re auch, auf die in Teilen grotesken Zust\u00e4nde aufmerksam zu machen, zeigt IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer auf. Einen Schwertransport zu beantragen, sei eine \u201eWissenschaft f\u00fcr sich\u201c geworden. Damit die Polizei sich wieder um ihre eigentliche Arbeit k\u00fcmmern k\u00f6nne, habe der Gesetzgeber die private Begleitung von Schwertransporten erm\u00f6glicht, jedoch zu einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohen Preis: \u201eWenn f\u00fcr Genehmigungen ganze Road Books erstellt werden m\u00fcssen, wenn Speditionen Grafiker einstellen, um Schleppkurven f\u00fcr die Genehmigungsbeh\u00f6rden zu visualisieren, wenn Strecken im Vorfeld mit Drohnen abgeflogen werden m\u00fcssen, wenn Speditionen gezielt Routen um ganze Bundesl\u00e4nder herum planen, weil dort andernfalls zehn Wochen auf eine Genehmigung gewartet werden m\u00fcsste und der Kunde bis dahin den Auftrag storniert h\u00e4tte, dann l\u00e4uft etwas v\u00f6llig falsch.\u201c<\/p>\n<p>Unternehmensleitung und IHK-Vertreter sind sich einig, dass ein st\u00e4rkeres Engagement der Politik dringend ben\u00f6tigt werde, um die Rahmenbedingungen f\u00fcr Schwertransporte sp\u00fcrbar zu verbessern. Im digitalen Zeitalter m\u00fcsste eine verl\u00e4ssliche, aktuelle und jederzeit abrufbare digitale Datengrundlage f\u00fcr die Planung der Transporte so selbstverst\u00e4ndlich sein wie ein Navi. Dies w\u00fcrde auch die Genehmigungsbeh\u00f6rden nachhaltig entlasten und die Genehmigungsdauern deutlich verk\u00fcrzen. Wo das st\u00e4ndige Nachrechnen von Bauwerken zur Auflage werde, stiegen die Kosten ins Uferlose und verschlechterten die Marktsituation der betroffenen Unternehmen entscheidend.<\/p>\n<p>Bis die in die Jahre gekommenen Autobahnen wieder verl\u00e4sslich Schwertransporten zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden, m\u00fcssten in jedem Bundesland Schwerlastrouten eingerichtet werden, die aneinander ankn\u00fcpften. Fabian Kapp: \u201eWir wollen auch in Zukunft unsere Kunden mit Spitzenqualit\u00e4t zufriedenstellen. Eine leistungsf\u00e4hige Verkehrsinfrastruktur und ein zeitgem\u00e4\u00dfes, entb\u00fcrokratisiertes Genehmigungsverfahren sind hierf\u00fcr unbedingt erforderlich. Beides sehen wird heute noch in weiter Ferne. Hier hoffen wir auf die notwendige politische Unterst\u00fctzung.\u201c<\/p>\n<p>Bild und Infos: <a href=\"https:\/\/www.graebener.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gr\u00e4bener Maschinentechnik GmbH &amp; Co. KG<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer neuen Rohrbiegepresse setzt die Gr\u00e4bener Maschinentechnik GmbH &amp; Co. 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