{"id":17015,"date":"2020-01-02T11:11:28","date_gmt":"2020-01-02T10:11:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=17015"},"modified":"2020-01-02T11:11:37","modified_gmt":"2020-01-02T10:11:37","slug":"metall-und-elektroindustrie-in-nrw-befindet-sich-in-unruhiger-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/metall-und-elektroindustrie-in-nrw-befindet-sich-in-unruhiger-see\/","title":{"rendered":"Metall- und Elektroindustrie in NRW befindet sich in unruhiger See"},"content":{"rendered":"<p>Bei den Unternehmen der nordrhein-westf\u00e4lischen Metall- und Elektroindustrie hat sich die Stimmung in der Beurteilung von wirtschaftlicher Lage und Erwartungen erneut weiter verschlechtert. Dies ist das Ergebnis einer am Montag in D\u00fcsseldorf vorgelegten aktuellen Konjunkturumfrage des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW) zum Jahreswechsel 2019\/2020, an der 517 Betriebe mit rund 170.000 Besch\u00e4ftigten des bedeutendsten Industriezweigs des Landes teilgenommen haben. Wie der Verband mitteilte, sind die Umfrageergebnisse Ausdruck einer weiter zunehmenden Unsicherheit in den Unternehmen. Die Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen befinde sich eindeutig in unruhiger See. Als exportorientierte Branche und Hersteller von Investitionsg\u00fctern seien die Unternehmen besonders von den Auswirkungen des wachsenden Protektionismus und der Unruhe auf den Weltm\u00e4rkten betroffen. Hinzu komme der bevorstehende EU-Austritt Gro\u00dfbritanniens, das einer der wichtigsten Handelspartner der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen ist.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident von METALL NRW, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete die Umfrage seines Verbandes als \u201edeutliches Warnsignal\u201c. In einigen Teilbranchen sei Kurzarbeit wieder an der Tagesordnung. Die gro\u00dfen Branchen st\u00fcnden durch die Bew\u00e4ltigung von Transformation und Digitalisierung vor enormen Herausforderungen. Mit Blick auf die im Fr\u00fchjahr anstehende Tarifrunde 2020 sagte Kirchhoff: \u201eNach Jahren teurer und zu komplexer Tarifvereinbarungen brauchen unsere Unternehmen jetzt einen mittelstandsvertr\u00e4glichen Abschluss.\u201c<\/p>\n<p>Angesichts der gegenw\u00e4rtigen politischen Debatte warb der NRW-Metallarbeitgeberpr\u00e4sident erneut f\u00fcr ein neues Grundempfinden f\u00fcr die Bedeutung der Industrie f\u00fcr Wohlstand und Arbeitspl\u00e4tze. Nur mit einem klaren Fokus auf Investitionen, Innovationen und Wettbewerbsf\u00e4higkeit k\u00f6nne das Land seinen Spitzenplatz unter den internationalen Industriestandorten sichern. Dennoch setze die Politik nach wie vor schwerpunktm\u00e4\u00dfig andere Priorit\u00e4ten. Weiterhin w\u00fcrden neue soziale Wohltaten gefordert und \u00f6kologische Prestigeprojekte umgesetzt. Die nach wie vor ungekl\u00e4rte Frage von Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit bei der Energiewende w\u00fcrde die Investitionsbereitschaft der Unternehmen an den heimischen Industrie-Standorten eher bremsen. \u201eZu viele Menschen in Deutschland glauben immer noch, dass unser Land unverwundbar ist\u201c, erkl\u00e4rte Kirchhoff. Erfolge beim Arbeitnehmer-, beim Verbraucher- oder beim Klimaschutz seien aber nur mit einer starken Industrie zu erreichen. \u201eEs w\u00e4re nicht schlecht, w\u00fcrde sich diese Erkenntnis auch wieder mehr in den K\u00f6pfen der Politiker festsetzen\u201c, sagte der NRW-Metallarbeitgeberpr\u00e4sident. Das Jahr 2020 sei ein guter Zeitpunkt f\u00fcr eine grundlegende wirtschaftspolitische Erneuerung im Land.<\/p>\n<p><strong>Die Ergebnisse der METALL-NRW-Umfrage im Einzelnen:<\/strong><\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftslage: Die aktuelle Wirtschaftslage bewertet die nordrhein-westf\u00e4lische M+E-Industrie so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr: Fast ein Drittel der befragten Unternehmen (33 Prozent) bezeichnet ihre gegenw\u00e4rtige Gesch\u00e4ftslage als \u201eschlecht\u201c (2018\/19: 9 Prozent). Nur noch ein F\u00fcnftel ist mit der aktuellen Lage \u201ezufrieden\u201c (21 Prozent), im Vorjahr war es noch fast die H\u00e4lfte der Betriebe (2018\/19: 48 Prozent).<\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftserwartungen: Bei den Gesch\u00e4ftsperspektiven f\u00fcr die n\u00e4chsten sechs Monate hat sich die Zahl der Pessimisten gegen\u00fcber dem Vorjahr weiter erh\u00f6ht. Fast ein Drittel (31 Prozent) erwartet r\u00fcckl\u00e4ufige Gesch\u00e4fte (2018\/19: 22 Prozent), nur 9 Prozent erwarten eine Besserung (2018\/19: 13 Prozent).<\/p>\n<p>Auftragslage: Im Jahr 2019 hat sich die Auftragslage insgesamt sp\u00fcrbar verschlechtert.<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Die Ordert\u00e4tigkeit aus dem Inland bezeichnen 37 Prozent der Betriebe als \u201eschlecht\u201c (2018\/19: 11 Prozent), demgegen\u00fcber nur noch 18 Prozent als \u201egut\u201c (2018\/19: 46 Prozent).<br \/>\n\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Die Nachfrage aus dem Ausland bewerten 38 Prozent der Betriebe als \u201eschlecht\u201c (2018\/19: 13 Prozent), dagegen nur noch 20 Prozent als \u201egut\u201c (2018\/19: 41 Prozent).<\/p>\n<p>Auftragserwartungen: F\u00fcr das erste Halbjahr 2020 rechnen die M+E-Unternehmen mit einer weiter nachlassenden Ordert\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Bei den Inlandsauftr\u00e4gen erwarten 30 Prozent eine Verschlechterung (2018\/19: 23 Prozent). An eine Verbesserung glauben derzeit nur 9 Prozent (2018\/19: 13 Prozent).<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Bei den Auslandsorders rechnen 27 Prozent in den kommenden sechs Monaten mit einer Verschlechterung (2018\/19: 22 Prozent). Eine Verbesserung erwarten lediglich 11 Prozent (2018\/19: 12 Prozent).<\/p>\n<p>Ertragslage: Nach der aktuellen Ertragslage gefragt, haben sich die Einsch\u00e4tzungen der Betriebe binnen eines Jahres komplett gedreht. W\u00e4hrend sich die Zahl der Betriebe, die ihre Ertr\u00e4ge als \u201egut\u201c bezeichnen, auf 14 Prozent halbiert hat (2018\/19: 30 Prozent), hat sich die Zahl der Unternehmen, die ihre Ertragslage als \u201eschlecht\u201c bewerten, auf 37 Prozent verdoppelt (2018\/19: 18 Prozent).<\/p>\n<p>Ertragserwartungen: Der Blick auf die Ertr\u00e4ge der n\u00e4chsten sechs Monate ist in der nordrhein-westf\u00e4lischen M+E-Industrie von weiterhin anhaltender Skepsis gepr\u00e4gt. Mit einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Ertragsentwicklung rechnen 29 Prozent (2018\/19: 22 Prozent), mit einer Verbesserung demgegen\u00fcber nur 12 Prozent (2018\/19: 17 Prozent).<\/p>\n<p>Investitionen: Bei den Investitionspl\u00e4nen der Unternehmen zeichnet sich f\u00fcr das kommende Jahr eine deutliche Zur\u00fcckhaltung ab.<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Im Inland wollen nur 14 Prozent der Betriebe ihre Investitionen ausweiten, im Vorjahr waren es noch 28 Prozent. Dagegen wollen \u00a032 Prozent der Firmen ihre Investitionen zur\u00fcckfahren (2018\/18: 18 Prozent).<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Im Ausland planen nur noch 10 Prozent mit zunehmenden Investitionen (2018\/19: 18 Prozent), demgegen\u00fcber beabsichtigen 26 Prozent (2018\/19: 13 Prozent), ihre Investitionen zu drosseln.<\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigung: Das zunehmend angespannte Gesch\u00e4ftsklima wirkt sich inzwischen auch erkennbar auf die Besch\u00e4ftigung aus.<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Neueinstellungen: W\u00e4hrend in den vergangenen sechs Monaten noch 23 Prozent der Betriebe Neueinstellungen meldeten, planen dies f\u00fcr das n\u00e4chste Halbjahr gerade einmal 11 Prozent. Vor einem Jahr lagen die Vergleichswerte noch bei 41 Prozent (2. Halbjahr 2018) und 22 Prozent (1. Halbjahr 2019).<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Besch\u00e4ftigungsabbau: In den vergangenen sechs Monaten haben 23 Prozent der Unternehmen Besch\u00e4ftigung abgebaut, f\u00fcr die n\u00e4chsten sechs Monate planen 27 Prozent mit einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Besch\u00e4ftigung. Vor Jahresfrist lagen die Vergleichswerte bei 8 Prozent (2. Halbjahr 2018) und 9 Prozent (1. Halbjahr 2019).<\/p>\n<p>\u00b7 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Kurzarbeit: Der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit lag in den vergangenen sechs Monaten bei 14 Prozent, f\u00fcr die n\u00e4chsten sechs Monate plant fast jeder f\u00fcnfte Betrieb (19 Prozent) mit Kurzarbeit. Vor einem Jahr meldeten lediglich 1 Prozent der Betriebe (2. Halbjahr 2018) sowie 3 Prozent (1. Halbjahr 2019) Kurzarbeit.<\/p>\n<p>Ausbildung: Als weitgehend stabil erweist sich indes die Ausbildungssituation in der nordrhein-westf\u00e4lischen Metall- und Elektroindustrie. Nach wie vor wollen deutlich mehr als zwei Drittel der Betriebe (71 Prozent) ihr hohes Engagement unver\u00e4ndert beibehalten (2018\/19: 74 Prozent). Demgegen\u00fcber planen neun Prozent der Betriebe eine Ausweitung ihrer Ausbildungsaktivit\u00e4ten (2018\/19: 18 Prozent). Ein F\u00fcnftel der Betriebe (20 Prozent) melden hingegen einen R\u00fcckgang von Ausbildungspl\u00e4tzen (2018\/19: 8 Prozent).<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/metall.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">METALL NRW<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den Unternehmen der nordrhein-westf\u00e4lischen Metall- und Elektroindustrie hat sich die Stimmung in der Beurteilung von wirtschaftlicher Lage und Erwartungen erneut weiter verschlechtert. 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