{"id":16960,"date":"2019-12-19T15:10:25","date_gmt":"2019-12-19T14:10:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=16960"},"modified":"2019-12-19T15:12:04","modified_gmt":"2019-12-19T14:12:04","slug":"infoveranstaltung-zur-umstrittenen-bonpflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/infoveranstaltung-zur-umstrittenen-bonpflicht\/","title":{"rendered":"Infoveranstaltung zur umstrittenen Bonpflicht"},"content":{"rendered":"<p>Seit Wochen wird \u00fcber die Einf\u00fchrung des neuen Gesetzes zur \u201eBonpflicht\u201c ab 1. Januar 2020 bundesweit heftig diskutiert. Die Kreishandwerkerschaft sorgte nun mit einer Infoveranstaltung mit Steuerberater und Rechtsanwalt Tobias Schmidt f\u00fcr Klarheit bei den Betrieben und erkl\u00e4rte, worauf es zu achten gilt. Zahlreiche Betriebe mit Ladenkasse folgten der Einladung in den Eintrachtsaal der Siegerlandhalle.<\/p>\n<p>Auch im heimischen Handwerk wird die Einf\u00fchrung der neuen Kassensicherungsverordnung und die damit verbundene Pflicht, einen Kassenzettel zu drucken, ab 1. Januar 2020 stark kritisiert. Insbesondere f\u00fcr das B\u00e4cker- und Fleischerhandwerk, aber auch f\u00fcr den Handel generell, hat diese neue gesetzliche Regelung massive Auswirkungen. Denn die Verpflichtung, bei jeder Transaktion einen Kassenbon zu drucken \u2013 ob die Kunden ihn m\u00f6chten oder nicht \u2013 ist nicht nur eine wirtschaftliche und zeitliche Belastung f\u00fcr die betroffenen Betriebe, sondern auch f\u00fcr die Umwelt. Das nimmt die Regierung \u2013 trotz vehementer Kritik \u2013 jedoch bewusst in Kauf und weist Ausnahmeregelungen kategorisch ab.<\/p>\n<p><strong>Betriebe m\u00fcssen sich auf Bonpflicht zum Jahresbeginn einstellen<\/strong><\/p>\n<p>Die Bonpflicht kommt also und die Finanzbeh\u00f6rden lassen sich von der berechtigten Kritik nicht beirren. Deshalb m\u00fcssen sich alle Betriebe, die eine elektronische Registrierkasse nutzen, auch die \u00c4nderungen zum Jahresbeginn einstellen. Wer die neuen gesetzlichen Regelungen ignoriert, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 25.000\u20ac Strafe geahndet wird. Wichtig ist also, sich auf diese unweigerlich kommende Neuerung vorzubereiten. Um keine formellen Fehler zu machen, die bei einer Betriebspr\u00fcfung zu Problemen f\u00fchren, m\u00fcssen alle Betriebe ihre Kassen beim Finanzamt bis zum 31.Januar 2020 an- bzw. bei Abschaltung abmelden. Au\u00dferdem seien die Kassenzettel, die k\u00fcnftig auch \u00a0jeder B\u00e4cker, Fleischer, Friseur oder auch Einzelh\u00e4ndler drucken muss, sehr umfangreich und glichen eher einer Rechnung. &#8222;Die aktuellen Kassensysteme sind wohl manipulationsanf\u00e4llig. Deshalb gibt es den Regierungsentwurf zur Einf\u00fchrung der Kassensicherungsverordnung, bereits seit 2016. Alle Kassen m\u00fcssen demnach mit einer technischen Sicherheitseinrichtung versehen werden. Damit sollen unerkannte L\u00f6schungen, \u00c4nderungen und somit F\u00e4lschungen im Kassensystem vermieden werden. Urspr\u00fcnglich sollten Kassen bis zum Beginn des neuen Jahres die neuen Vorschriften erf\u00fcllen, das Finanzministerium r\u00e4umte nun noch mehr Zeit bis Ende September 2020 ein. Die Bonpflicht gilt dennoch von Januar an\u201c, erkl\u00e4rt Steuerberater und Rechtsanwalt Tobias Schmidt die Hintergr\u00fcnde. Aber auch der Experte teilt die Kritik an dieser Gesetzesneuerung und zeigt Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr die fehlende Unterst\u00fctzung der Finanzbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p><strong>Keine Unterst\u00fctzung von Finanzbeh\u00f6rden \u2013 wichtige Formulare noch nicht verf\u00fcgbar<\/strong><\/p>\n<p>Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr die fehlende Unterst\u00fctzung der Finanzverwaltung herrscht auch beim heimischen Handwerk. Nach Aussage von Tobias Schmidt stehen die Formulare zur An- und Abmeldung der Kassen bis heute nicht bei den Finanz\u00e4mtern zur Verf\u00fcgung \u2013 gleichzeitig werden die Formalit\u00e4ten aber von den Beh\u00f6rden bis zum 31. Januar 2020 gefordert. Und auch die Vertreter der Handwerksbetriebe f\u00fchlen sich im Stich gelassen. \u201eWir haben die \u00f6rtlichen Finanz\u00e4mter Olpe und Siegen angefragt und gebeten f\u00fcr Fragen zum Thema bei unserer Infoveranstaltung zur Verf\u00fcgung zu stehen. Von beiden Beh\u00f6rden kamen Absagen.\u00a0\u00a0Die Oberfinanzdirektion M\u00fcnster und\u00a0auch das Landesfinanzministerium, die wir dann aufgrund\u00a0unserer Absagen angeschrieben hatten,\u00a0haben auf unsere Anfragen erst gar nicht reagiert. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zur Aussage der Landesregierung, dass der Mittelstand in Deutschland \u201eden Karren zieht\u201c und Hilfestellung der Ministerien und sonstigen \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden erwarten kann. Stattdessen werden wir einfach sitzen gelassen\u201c, \u00e4rgert sich J\u00fcrgen Ha\u00dfler, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd. Obermeister der heimischen B\u00e4cker-Innung Georg Sangermann wundert sich ebenso \u00fcber die befremdliche Aussage von \u00a0Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet, der nach eigenen Angaben von der Thematik \u00fcberhaupt nichts wisse bzw. nichts mitbekommen habe\u201c. Armin Laschet\u00a0 wurde bei der k\u00fcrzlichen Verleihung des Gro\u00dfen Stutenkerls an Ministerin Julia Kl\u00f6ckner in Dortmund von Repr\u00e4sentanten den B\u00e4ckerhandwerks \u2013 unter anderem Georg Sangermann als Landesinnungsmeister \u2013 pers\u00f6nlich auf das Thema angesprochen.<\/p>\n<p><strong>Betriebe \u00e4rgern sich \u00fcber Umweltbelastung und Generalverdacht<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMit der Einf\u00fchrung des neuen Gesetzes werden pauschal alle Betriebe unter Generalverdacht gestellt. Dabei werden ja aktuell auch schon alle Transaktionen im Kassensystem abgebildet\u201c, so Obermeister Georg Sangermann. Insbesondere im Lebensmittelhandwerk w\u00fcnschen viele Kunden keinen Kassenzettel, da dieser ohnehin im M\u00fcll landet. Ausdrucken m\u00fcssen die Betriebe diese aber trotzdem und dann aufwendig entsorgen. Denn: Kassenbons geh\u00f6ren nicht in den normalen Papierm\u00fcll, sondern sind aufgrund des Thermopapiers Sonderm\u00fcll, der auch dementsprechend entsorgt werden muss. Das stellt in Zeiten des Klimawandels und des unbedingt notwendigen Umweltschutzes eine erhebliche Belastung f\u00fcr eben diese dar. Mit der Menge der j\u00e4hrlich ausgedruckten Kassenbons k\u00f6nne man 43 Fu\u00dfballfelder abdecken. Hintereinander gelegt erg\u00e4ben sie eine L\u00e4nge von 2,2 Millionen Kilometern, das reiche aus, um den \u00c4quator 50 Mal mit Kassenbons zu umwickeln, schreibt die &#8222;Welt&#8220;. \u201eEs gibt wohl auch die M\u00f6glichkeit, den Kassenzettel elektronisch per Mail oder aufs Handy zu senden. Aber wie das dann wiederum in Bezug auf den Datenschutz aussieht, ist ein spannendes Thema\u201c, so Tobias Schmidt schmunzelnd.<\/p>\n<p>Bild und Infos: <a href=\"https:\/\/www.kh-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Wochen wird \u00fcber die Einf\u00fchrung des neuen Gesetzes zur \u201eBonpflicht\u201c ab 1. Januar 2020 bundesweit heftig diskutiert. 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