{"id":16905,"date":"2019-12-17T10:28:08","date_gmt":"2019-12-17T09:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=16905"},"modified":"2019-12-17T10:28:08","modified_gmt":"2019-12-17T09:28:08","slug":"die-maer-von-der-stetig-steigenden-vermoegensungleichheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/die-maer-von-der-stetig-steigenden-vermoegensungleichheit\/","title":{"rendered":"Die M\u00e4r von der stetig steigenden Verm\u00f6gensungleichheit"},"content":{"rendered":"<p>Glaubt man der \u00f6ffentlichen Debatte, nimmt die Verm\u00f6gensungleichheit in Deutschland seit Jahren ungebremst zu. Doch ein genauer Blick auf die Daten zeigt: Seit Beginn der 2000er Jahre ist sie nicht mehr gestiegen \u2013 und in den vergangenen Jahren ist sie sogar gesunken, wie eine neue <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/Kurzberichte\/PDF\/2019\/IW-Kurzbericht_2019_Vermoegensverteilung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie<\/a> des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.<\/p>\n<p>Knapp zwei Drittel der Bundesb\u00fcrger glaubten 2017, dass die Verm\u00f6gensungleichheit in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Zugleich werden in der \u00f6ffentlichen Debatte die Rufe nach einer Wiedereinf\u00fchrung der Verm\u00f6genssteuer lauter, um diesem vermeintlichen Trend entgegenzuwirken. J\u00fcngst hat sich die SPD aus Gerechtigkeitsgr\u00fcnden daf\u00fcr ausgesprochen. IW-Forscher haben nun Ergebnisse verschiedener Datens\u00e4tze analysiert, darunter Daten des sozio-oekonomischen Panels (SOEP), einer Langzeitbefragung von rund 30.000 Personen. Das Bild ist eindeutig: Seit Anfang der 2000er Jahre ist die Verm\u00f6gensungleichheit nicht gewachsen.<\/p>\n<p>Das belegt unter anderem die Entwicklung des Gini-Koeffizienten der individuellen Nettoverm\u00f6gen im SOEP. Dieses Ma\u00df f\u00fcr Ungleichheit hat sich seit Anfang der 2000er kaum ver\u00e4ndert. Seit 2002, also seit dem das SOEP Verm\u00f6gensdaten erfasst, schwankt der Gini-Koeffizient zwischen 0,78 und 0,80 Punkten. Nach einem Anstieg zwischen 2002 und 2007 ist er heute wieder auf das Niveau von 2002 gesunken. Zur Erkl\u00e4rung: Ein Gini-Koeffizient von 0 bedeutet, dass alle Haushalte das gleiche Nettoverm\u00f6gen besitzen, bei 1 besitzt einer alles. Je gr\u00f6\u00dfer also der Wert, desto h\u00f6her die Ungleichheit. Zum Nettoverm\u00f6gen z\u00e4hlen Finanzverm\u00f6gen wie Bargeld, Spareinlagen, Guthaben in Versicherungen und Aktien, aber auch Sachverm\u00f6gen wie H\u00e4user, Fahrzeuge und Grundst\u00fccke abz\u00fcglich aller Schulden. Vergleichbare Daten wie die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts deuten auf eine \u00e4hnliche Entwicklung hin wie das SOEP. Im Gegensatz zu den Einkommen sind die Verm\u00f6gen allerdings ungleicher verteilt: Das liegt unter anderem daran, dass Verm\u00f6gen erst sp\u00e4ter im Leben aufgebaut wird und somit stark vom Alter abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die Aussage, dass die Verm\u00f6gensungleichheit in Deutschland ungebremst zunehme, entbehrt somit einer empirischen Grundlage. &#8222;Durch die wiederholte Behauptung verfestigt sich das falsche Bild einer stetig steigenden Verm\u00f6gensungleichheit&#8220;, sagt Studienautor Maximilian Stockhausen. Dies k\u00f6nne unn\u00f6tige Sorgen in der Bev\u00f6lkerung wecken oder zu einer Neiddebatte und damit zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen. &#8222;Ein sinnvoller Grund f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung einer Verm\u00f6genssteuer, wie es die SPD momentan fordert, ist jedenfalls nicht erkennbar&#8220;, so Stockhausen.<\/p>\n<p>Grafik und Infos: <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IW K\u00f6ln<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubt man der \u00f6ffentlichen Debatte, nimmt die Verm\u00f6gensungleichheit in Deutschland seit Jahren ungebremst zu. 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