{"id":16740,"date":"2019-12-06T08:15:19","date_gmt":"2019-12-06T07:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=16740"},"modified":"2019-12-06T12:18:35","modified_gmt":"2019-12-06T11:18:35","slug":"inklusion-ist-keine-einbahnstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/inklusion-ist-keine-einbahnstrasse\/","title":{"rendered":"Inklusion ist keine Einbahnstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Petra Schneider ist seit 18 Jahren bei der <a href=\"https:\/\/www.siegenia.com\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SIEGENIA GRUPPE<\/a> in Wilnsdorf-Niederdielfen besch\u00e4ftigt. Sie arbeitet als Maschinenbedienerin in der Fertigung von Fensterbeschl\u00e4gen. Vor zwei Jahren ereilte sie ein Schicksalsschlag, der auch viele von uns h\u00e4tte treffen k\u00f6nnen. Sie erkrankte schwer und konnte dadurch l\u00e4ngere Zeit nicht mehr arbeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_16741\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion1-Presse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16741\" class=\"size-medium wp-image-16741\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion1-Presse-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion1-Presse-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion1-Presse-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion1-Presse.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16741\" class=\"wp-caption-text\">Petra Schneider ist nach einer schweren Erkrankung \u00fcber eine Eingliederungsma\u00dfnahme an ihren Arbeitsplatz zur\u00fcckgekehrt.<\/p><\/div>\n<p>Inzwischen\u00a0steht sie wieder an ihrem angestammten Arbeitsplatz. \u201eSeit Januar 2019 konnte ich durch eine Eingliederungsma\u00dfnahme meine T\u00e4tigkeit schrittweise wieder aufnehmen.\u201c Dabei habe sie durch ihre Kolleginnen und Kollegen sowie durch das Unternehmen sehr viel Unterst\u00fctzung erfahren. Aufgrund ihrer Erkrankung, die immer noch behandelt werden muss, ist sie inzwischen als schwerbehindert eingestuft. Ihr Arbeitsplatz wurde angepasst, sodass sie ihre Arbeit immer noch erledigen kann. \u00dcblicherweise wird in diesem Fertigungsbereich bei SIEGENIA im Schichtbetrieb gearbeitet, auch nachts. Das braucht Petra Schneider nicht: Das \u00fcbernehmen ihre Kolleginnen und Kollegen f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Der Arbeitsplatz von Florian Augustin hat sich ebenfalls ver\u00e4ndert. Der gelernte Werkzeugmechaniker und Industriemei\u00adster ist im Pr\u00fcfbereich von SIEGENIA t\u00e4tig und k\u00fcmmert sich unter anderem um die Qualit\u00e4ts- und Funktionspr\u00fcfungen von Fensterbeschl\u00e4gen. Dazu geh\u00f6ren Dauertests, Dichtheits- und Validierungspr\u00fcfungen. 2011 rettete ihm die Anwesenheit an seinem Arbeitsplatz praktisch das Leben. Florian Augustin litt an einem Aneurysma. Dabei handelte es sich um eine Schwachstelle an der Aorta, die pl\u00f6tzlich aufgerissen ist und zu einer anschlie\u00dfenden bleibenden Sch\u00e4digung f\u00fchrte. Eine akut lebensbedrohliche Situation: \u201eMeine\u00a0Kollegen haben gehandelt, erste Hilfe geleistet und sofort den Rettungsdienst verst\u00e4ndigt. Ohne ihr Eingreifen und spontanes Handeln w\u00e4re ich wom\u00f6glich heute nicht mehr hier.\u201c Sein Leben konnte gerettet werden, auch weil es bei SIEGENIA in allen Abteilungen qualifizierte Ersthelfer gibt, die regelm\u00e4\u00dfig geschult werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_16742\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion2-Presse-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16742\" class=\"size-medium wp-image-16742\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion2-Presse-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion2-Presse-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion2-Presse-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Siegenia-Inklusion2-Presse-1.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16742\" class=\"wp-caption-text\">Florian Augustin ist schwerbehindert und darf keine schweren Lasten heben. Deshalb hat das Unternehmen eine Hebehilfe angeschafft, mit der auch schwere T\u00fcren und Fenster auf die Pr\u00fcfst\u00e4nde gebracht werden k\u00f6nnen.<\/p><\/div>\n<p>Nach einem halben Jahr kehrte er \u00fcber eine Wiedereingliederungsma\u00dfnahme an seinen Arbeitsplatz zur\u00fcck. Florian Augustin ist heute schwerbehindert und darf beispielsweise keine schweren Lasten mehr heben. Deshalb hat das Unternehmen eine Hebehilfe angeschafft, mit der auch schwere T\u00fcren und Fenster auf die Pr\u00fcfst\u00e4nde gebracht werden k\u00f6nnen. Das ist nicht nur f\u00fcr ihn, sondern auch f\u00fcr seine Kollegen eine Erleichterung und verringert den Zeitaufwand bei der Pr\u00fcfungsvorbereitung.<\/p>\n<p>Diese Beispiele zeigen zweierlei: Zum einen sind die Ursachen einer Schwerbehinderung in den \u00fcberwiegenden F\u00e4llen die Folge von Erkrankungen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Wert 2017 bei ann\u00e4hernd 89 Prozent. \u00dcber 70 Prozent der Menschen mit einer Schwerbehinderung sind zudem qualifizierte Fachkr\u00e4fte, 17 Prozent sogar mit F\u00fchrungsverantwortung.<\/p>\n<p>Zum anderen f\u00f6rdern viele Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Siegen-Wittgenstein auch die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung, Gleichstellung oder schweren Erkrankung. Die SIEGENIA GRUPPE ist nur ein Beispiel, wenn auch ein bemerkenswertes. Das mittelst\u00e4ndische Familienunternehmen, das 2014 sein 100-j\u00e4hriges Bestehen feiern konnte, besch\u00e4ftigt in Wilnsdorf an zwei Produktionsstandorten rund 970 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 60 Auszubildende. Produziert werden dort Fensterbeschl\u00e4ge, L\u00fcftungsger\u00e4te und elektromechanische Antriebe f\u00fcr die Geb\u00e4udetechnik. Die Fertigung ist inzwischen stark automatisiert. Die Arbeitspl\u00e4tze sind modern und ergonomisch. Der Anteil von Menschen mit Behinderung in der Belegschaft liegt bei rund 5 Prozent. Am Standort Hermeskeil sind es knapp 6 Prozent und bei der KFV Karl Fliether GmbH &amp; Co. KG, einem Tochterunternehmen in Velbert, sogar \u00fcber zehn Prozent. Dar\u00fcber hinaus arbeitet SIEGENIA an allen drei Standorten mit betreuenden Werkst\u00e4tten zusammen und vergibt dorthin Montageauftr\u00e4ge. Die AWO Siegener Werkst\u00e4tten in Netphen-Deuz erhalten beispielsweise Montagearbeiten im sechsstelligen Bereich. Auch das schafft Besch\u00e4ftigung f\u00fcr Menschen mit einem Handicap.<\/p>\n<p>\u201eAuch wenn wir nat\u00fcrlich die Wirtschaftlichkeit immer im Auge behalten m\u00fcssen, sind wir trotzdem bestrebt, Menschen mit einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung eine Perspektive zu bieten\u201c, unterstreicht Hans-Georg K\u00e4mpfer, Personalleiter bei SIEGENIA. Dazu nutze man auch die Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten, die beispielsweise von der Agentur f\u00fcr Arbeit, dem Amt f\u00fcr Inklusion oder dem Arbeitsmedizinischen Zentrum angeboten werden.<\/p>\n<p>Dass das Unternehmen eine Menge tut, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung zu unterst\u00fctzen und ihnen den Arbeitsplatz zu erhalten, best\u00e4tigt auch Dirk Kubosch. Er ist Betriebsratsmitglied und Schwerbehindertenbeauftragter bei dem Familienunternehmen. \u201eDie Unterst\u00fctzung ist da, auch wenn es oft mit Aufwand verbunden ist.\u201c Gesch\u00e4ftsleitung und Personalverantwortliche h\u00e4tten stets ein offenes Ohr f\u00fcr die Belange der Schwerbehinderten.<\/p>\n<p>Im kommenden Jahr wartet eine weitere Herausforderung auf das Unternehmen. Eine Praktikantin mit einer 80-prozentigen Sehbehinderung wird ihre Arbeit aufnehmen. \u201eWir werden den Arbeitsplatz so herrichten, dass sie dort sehr gut arbeiten kann. Im kaufm\u00e4nnischen Bereich wird das ein Pilotprojekt werden\u201c, so Hans-Georg K\u00e4mpfer.<\/p>\n<p>Zum Hintergrund:<\/p>\n<p>Schwerbehindert nach dem Schwerbehindertenrecht ist ein Mensch, dessen Grad der Behinderung (GdB) mit hoher Wahrscheinlichkeit l\u00e4nger als sechs Monate wenigstens 50 Prozent betr\u00e4gt und der seinen Wohnsitz, gew\u00f6hnlichen Aufenthalt oder seine Besch\u00e4ftigung auf einem Arbeitsplatz rechtm\u00e4\u00dfig im Geltungsbereich des SGB IX (Sozialgesetzbuch IX: Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen) hat. Unternehmen mit durchschnittlich mindestens 20 Besch\u00e4ftigten sind gesetzlich verpflichtet, auf mindestens f\u00fcnf Prozent der Arbeitspl\u00e4tze Menschen mit Behinderung zu besch\u00e4ftigen. Kommt der Arbeitgeber der Besch\u00e4ftigungspflicht nicht nach, ist eine Ausgleichsabgabe zu zahlen. Sie kann bis zu 320 Euro pro Arbeitsplatz betragen.<\/p>\n<p>In den meisten F\u00e4llen, in denen Unternehmen die Ausgleichsabgabe zahlen, fehlt es nicht am Willen, Menschen mit einer Schwerbehinderung zu besch\u00e4ftigen. Gerade kleinere Unternehmen tun sich oft schwer damit, weil sie unsicher sind, was auf sie zukommt und wie sie mit den Schwerbehinderten umgehen sollen. \u201eEiner grundlegenden Bereitschaft, Menschen mit Behinderung einzustellen, steht eine weit verbreitete Unsicherheit gegen\u00fcber, wie man den besonderen Bed\u00fcrfnissen der potenziellen Mitarbeitenden im betrieblichen Alltag gerecht werden kann\u201c, sagt beispielsweise Christoph Metzler vom Kompetenzzentrum Fachkr\u00e4ftesicherung (Kofa) beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in K\u00f6ln. Gemeinsam mit der Aktion Mensch hat das Kofa deshalb einen Ratgeber erarbeitet, der Vorbehalte abbauen und Unternehmen Hilfestellungen an die Hand geben soll. Der Ratgeber kann im Internet unter der Adresse: <a href=\"https:\/\/www.kofa.de\/dossiers\/inklusion-gestalten\/wegweiser-inklusion-im-betrieb\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.kofa.de\/dossiers\/inklusion-gestalten\/wegweiser-inklusion-im-betrieb<\/a> heruntergeladen werden.<\/p>\n<p>Text und Bilder: Helmut Hofmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petra Schneider ist seit 18 Jahren bei der SIEGENIA GRUPPE in Wilnsdorf-Niederdielfen besch\u00e4ftigt. Sie arbeitet als Maschinenbedienerin in der Fertigung von Fensterbeschl\u00e4gen. 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