{"id":16370,"date":"2019-11-12T08:00:15","date_gmt":"2019-11-12T07:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=16370"},"modified":"2019-11-11T14:53:16","modified_gmt":"2019-11-11T13:53:16","slug":"herrschaft-auf-allen-relevanten-industrieebenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/herrschaft-auf-allen-relevanten-industrieebenen\/","title":{"rendered":"\u201eHerrschaft auf allen relevanten Industrieebenen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir m\u00fcssen Chinas Wirken differenziert betrachten\u201c, appellierte Prof. Dr. Markus Taube an seine interessierten Zuh\u00f6rer im Bernhard-Weiss-Saal der Industrie- und Handelskammer Siegen. Auf Einladung der IHK und der Gesellschaft f\u00fcr Deutsch-Chinesische Freundschaft Siegen e.V. referierte der renommierte Sinologe und Volkswirt \u00fcber die aktuellen Entwicklungen im Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den USA. In seinen Ausf\u00fchrungen pl\u00e4dierte er daf\u00fcr, die Geschehnisse sachlich zu analysieren. Zwar lasse sich das Handeln des Staatspr\u00e4sidenten Xi Jinping aus hergebrachter westlicher Perspektive nicht ohne kritische Anmerkungen bewerten. Dennoch m\u00fcsse man auf der anderen Seite auch festhalten, dass die politisch-\u00f6konomischen Aktivit\u00e4ten des Landes in den vergangenen vier Dekaden beeindruckende Resultate hervorgebracht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Als exportstarke Nation sei Deutschland in besonderem Ma\u00dfe von dem nunmehr fast 500 Tage w\u00e4hrenden Handelsstreit betroffen. Vor allem aber sorgten sich die Vereinigten Staaten um die Position als unangefochtener Treiber im Weltgeschehen. \u201eDie Geschichte der letzten 2000 Jahre zeigt, dass drei Viertel \u00e4hnlicher Konstellationen letztlich in milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen endeten\u201c, mahnte Markus Taube. Zweifelsfrei sei die Frage des Machtgef\u00fcges zwischen den USA und China die vorrangige strategische Richtungsweisung des 21. Jahrhunderts. Wer nun aber eine Prognose \u00fcber den Ausgang anstelle, liege ziemlich sicher falsch: \u201eEs ist zum jetzigen Zeitpunkt alles noch Kaffeesatzleserei.\u201c Fakt sei, dass die Volksrepublik durch das im Fachjargon \u201eNachholendes Wachstum\u201c genannte Vorgehen fr\u00fchere Defizite kompensiert habe. Dem Staat sei es gelungen, durch Akribie und ein \u00fcber viele Branchen hinweg klug durchdachtes Adaptieren funktionierender Technologie-, Arbeitsmarktordnungs- und Sozialsysteme zu einer wirtschaftlich pr\u00e4genden Kraft zu avancieren.<\/p>\n<p>Jetzt bed\u00fcrfe es f\u00fcr China aber einer grundlegenden Neuausrichtung, um weiterhin aufsteigen zu k\u00f6nnen. Die gr\u00f6\u00dfte Hoffnung der staatlichen F\u00fchrung bestehe in dem enormen Potenzial, das die Digitalisierung bereithalte. W\u00e4hrend die Entwicklung rund um die Industrie 4.0 und die K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) in Europa bisweilen mit Angst verfolgt werde, stelle der technologische Wandel aus Sicht Chinas vor allem eines dar: eine gigantische Chance, neue M\u00f6glichkeiten zu generieren und sich von der internationalen Konkurrenz abzuheben. China strebe danach, sp\u00e4testens im Jahr 2030 das globale KI-Zentrum zu sein. \u201eEtwa 15 Jahre sp\u00e4ter will das Land die komplette Herrschaft auf allen relevanten Industrieebenen innehaben\u201c, konstatierte Markus Taube. Der wichtigste Baustein, um im Kontext der Digitalisierung die gew\u00fcnschten Ma\u00dfst\u00e4be zu setzen, fehle der Volksrepublik jedoch: \u201eSie ist in der Halbleitertechnik mindestens zwei Generationen im R\u00fcckstand. Und genau an dieser Stelle kommt Donald Trump ins Spiel.\u201c Der US-Pr\u00e4sident ziele darauf ab, Chinas Wachstum durch die Exportverbote im Bereich der Chip-Technologie auszubremsen. Zu seinen konkreten Ma\u00dfnahmen z\u00e4hlten zudem neben den verh\u00e4ngten Z\u00f6llen auf Importe aus China und dem Technologie-Lieferstopp an Unternehmen aus der Volksrepublik beispielsweise restriktivere Genehmigungsprozesse f\u00fcr chinesische Direktinvestitionen in den USA. Auch Sekund\u00e4rsanktionen gegen Drittparteien im internationalen Handel, wie zum Beispiel deutsche Unternehmen, setze Trump bewusst ein. China wiederum leite Ausweichman\u00f6ver wie intensivierte Freihandelsabkommen mit anderen Staaten ein. Ferner initiiere die F\u00fchrung Vergeltungsma\u00dfnahmen, darunter formale WTO-Beschwerden und eine verst\u00e4rkte Exportf\u00f6rderung durch staatliche Agenturen. Informelle Gegenschl\u00e4ge wie erh\u00f6hte b\u00fcrokratische Hindernisse f\u00fcr US-Investoren oder die Torpedierung diplomatischer Initiativen bef\u00e4nden sich ebenfalls auf der Agenda. In jedem Fall werde China massive Anstrengungen zur St\u00e4rkung seiner nationalen Technologie-Kompetenz in Schl\u00fcsselindustrien vornehmen. Entscheidende Bedeutung werde dabei der Frage zukommen, ob sich das Land in Bezug auf die Halbleitertechnik von den USA emanzipieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Bild und Infos: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir m\u00fcssen Chinas Wirken differenziert betrachten\u201c, appellierte Prof. Dr. Markus Taube an seine interessierten Zuh\u00f6rer im Bernhard-Weiss-Saal der Industrie- und Handelskammer Siegen. 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