{"id":16251,"date":"2019-11-04T12:10:34","date_gmt":"2019-11-04T11:10:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=16251"},"modified":"2019-11-04T12:12:09","modified_gmt":"2019-11-04T11:12:09","slug":"das-glas-ist-halb-voll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/das-glas-ist-halb-voll\/","title":{"rendered":"&#8222;Das Glas ist halb voll&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Es ist keine neue Erkenntnis: Die Transformation unserer Industrie und Arbeitsgesellschaft ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit. Dieser fundamentale Wandel wird in alle Lebensbereiche eingreifen. Und das nicht erst in 20 Jahren. Ganz im Gegenteil. Wir stecken schon mittendrin. Das schreibt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, in seinem Gastbeitrag im <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Die Mobilit\u00e4ts- und Energiewende beschleunigt den industriellen Wandel. Ob Stahl, Energieanlagenbau, Maschinenbau oder Automobilindustrie: Kaum eine Branche ist davon unber\u00fchrt. Gleichzeitig beschleunigt die Digitalisierung den Umbruch der Arbeitsabl\u00e4ufe in allen Branchen. Sie f\u00fchrt zu neuen Anforderungen. Sie f\u00fchrt aber auch zum Wegfall vieler T\u00e4tigkeiten und ganzer Berufe. Auch die Globalisierung und der demografische Wandel erfordern in allen Branchen neue L\u00f6sungen f\u00fcr Betriebe und Besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p>Zur Bew\u00e4ltigung dieser Herausforderungen braucht es eine grundlegende Verst\u00e4ndigung zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik \u00fcber Eckpunkte der Strategien und Ma\u00dfnahmen um die Besch\u00e4ftigten in den Ver\u00e4nderungsprozessen mitzunehmen und so die industrielle Zukunft in NRW zu sichern.<\/p>\n<p>Die bisherigen Initiativen der Landesregierung haben Ausgangspunkte hierf\u00fcr geschaffen. So finden sich zum Beispiel in der Initiative \u201eWirtschaft und Arbeit 4.0\u201c Aspekte von \u201emenschenw\u00fcrdiger Gestaltung der neuen Arbeitswelt\u201c wieder, das gewerkschaftliche Projekt Arbeit 2020 wird weitergef\u00fchrt oder das Finanzierungsvolumen des Bildungsschecks, der berufliche Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern f\u00f6rdert, wurde deutlich ausgeweitet. Das industriepolitische Leitbild der Landesregierung ist, auch wenn die Ausarbeitung lange gedauert hat, ein wichtiger Schritt nach vorne, weil damit ein klares Bekenntnis zur Industriepolitik als Grundlage f\u00fcr den sozialen und \u00f6kologischen Wandel und als Motor f\u00fcr die L\u00f6sung von gesellschaftlichen Herausforderungen abgegeben wird. Bei all dem wurde auch deutlich, dass die Landesregierung erkannt hat, dass Gewerkschaften, Tarifvertr\u00e4ge und Mitbestimmung Teile der L\u00f6sung sind.<\/p>\n<p>Das alles ist gut so und darum lautet meine Halbzeitbilanz der Industriepolitik der Landesregierung: Das Glas ist halb voll. Wichtige Weichen wurden gestellt. Jetzt muss der formulierte Anspruch umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr muss die Landesregierung zum Motor der sozial-\u00f6kologischen Transformation werden, sie muss aktiver steuern als bisher. Das gilt nicht nur f\u00fcr das Ruhrgebiet, wo mit der Ruhrkonferenz ein erster Impuls gesetzt wurde, sondern auch f\u00fcr das Rheinische Revier \u2013 eine intensivere Steuerung ist n\u00f6tig, damit Ergebnisse auch f\u00fcr die Menschen erzielt werden und die sozial-\u00f6kologische Transformation gelingt.<\/p>\n<p>So gibt es bei der Energiepolitik Verbesserungsbedarf. Das Industrieland NRW braucht eine zuverl\u00e4ssige Energieversorgung der energieintensiven Industrie zu wettbewerbsf\u00e4higen Preisen bei gleichzeitiger Klima- und Umweltvertr\u00e4glichkeit. Daf\u00fcr ist unter anderem der Ausbau Erneuerbarer Energien n\u00f6tig. Hier bekennt sich die Landesregierung zu Ausbauzielen, bremst aber mit dem Abstandserlass die Windkraft extrem ein. Nach Bundesrecht ist das Abstandsgebot f\u00fcr Windkraftanlagen auf 1.000 Meter festgelegt, mit Optionen der Abweichung auf einen geringeren Wert \u2013 soweit kommunal gewollt.<\/p>\n<p>NRW muss sich dem Bundesrecht anpassen, auch damit die Branche gerade in NRW wieder Aufwind bekommt.<\/p>\n<p>Zur aktiveren Steuerung geh\u00f6rt auch eine arbeitspolitische Transformationsagenda,<\/p>\n<ul>\n<li>die mit einer zukunftsweisenden Arbeitsgestaltungs- und Arbeitszeitpolitik Besch\u00e4ftigung sichert und Qualifizierung erm\u00f6glicht,<\/li>\n<li>die Instrumente entwickelt, die vor transformationsbedingten K\u00fcndigungen sch\u00fctzen,<\/li>\n<li>die daf\u00fcr sorgt, dass Besch\u00e4ftigte auch unter Bedingungen der Transformation selbstbestimmt arbeiten und leben k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konkret gilt es zum Beispiel die Betriebsr\u00e4te sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen bei der F\u00f6rderung von Weiterbildung zu unterst\u00fctzen. Sie haben dabei eine Schl\u00fcsselfunktion und brauchen \u00fcber die Unterrichtungsrechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz hinaus ein umfassendes Initiativ- und Mitbestimmungsrecht zur betrieblichen Qualifizierungsplanung und -umsetzung.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt bedarf es einer \u00f6ffentlichen Unterst\u00fctzung in Transformationssituationen. Die IG Metall fordert \u00f6ffentliche Beteiligungsfonds, insbesondere zur Sicherung von kleinen und mittleren Unternehmen, Beratungs- und Qualifizierungsfonds f\u00fcr Betriebsr\u00e4te, strukturpolitische Regionalfonds sowie die Etablierung breit aufgestellter Transformationsb\u00fcndnisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist keine neue Erkenntnis: Die Transformation unserer Industrie und Arbeitsgesellschaft ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit. 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