{"id":16076,"date":"2019-10-16T12:26:01","date_gmt":"2019-10-16T10:26:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=16076"},"modified":"2019-10-16T12:26:01","modified_gmt":"2019-10-16T10:26:01","slug":"azubi-ticket-mehr-strecken-und-hoeherer-takt-sind-voraussetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/azubi-ticket-mehr-strecken-und-hoeherer-takt-sind-voraussetzung\/","title":{"rendered":"Azubi-Ticket: \u201eMehr Strecken und h\u00f6herer Takt sind Voraussetzung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Ausbildungsbetriebe in der Region sehen einen Ausbau des \u00d6PNV-Angebotes als Voraussetzung f\u00fcr einen Erfolg des Azubitickets. Drei von vier Unternehmen sind der Auffassung, dass zun\u00e4chst das Streckenangebot ausgebaut werden muss. Dass der \u00d6PNV-Takt verdichtet werden muss, gaben in einer gemeinsamen Umfrage der IHK Siegen und Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd gar 80 % der 212 mitwirkenden Unternehmen an. \u201eHier schlagen die strukturellen Nachteile eines eher l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Wirtschaftsraumes durch. Was hilft ein preislich attraktives Angebot, wenn der Auszubildende nicht von A nach B kommt? Es l\u00e4uft ins Leere!\u201c, schlussfolgert J\u00fcrgen Ha\u00dfler. Der \u00a0Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd \u00a0stellte gemeinsam mit IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener und Klaus Fenster, Leiter des Gesch\u00e4ftsbereiches Berufliche Bildung bei der IHK, die Umfrageergebnisse der \u00d6ffentlichkeit vor.<\/p>\n<p>Zwar meldet fast jeder dritte Betrieb (32 %) ein hohes Interesse seiner Auszubildenden an dem neuen Angebot. Allerdings: Die Mehrheit der Auszubildenden (64 %) hat nach Einsch\u00e4tzung der Unternehmen ein nur geringes oder gar kein Interesse. Als Gr\u00fcnde hierf\u00fcr werden eine schlechte Erreichbarkeit sowie eine unzureichende zeitliche Abdeckung und lange Wartezeiten genannt. Mehr als ein Drittel der Betriebe (34 %) sch\u00e4tzt die eigene Erreichbarkeit mit dem \u00d6PNV als schlecht oder sehr schlecht ein. Ins Bild passt daher auch, dass die deutliche Mehrheit der Auszubildenden (72 %) mit dem eigenen Fahrzeug (Pkw, Moped, Mofa) zum Betriebsort gelangt, nur knapp 16 % der Betriebe geben an, dass hierf\u00fcr das bestehende \u00d6PNV-Angebot genutzt wird. 7 % greifen auf Mitfahrgelegenheiten zur\u00fcck, gerade einmal 1,4 % fahren mit dem Fahrrad zum Unternehmen.<\/p>\n<p>Mit dem Ticket alleine lasse sich die Grundhaltung junger Menschen, lieber mit dem eigenen Pkw zu fahren, vermutlich nur schwer ver\u00e4ndern, ist J\u00fcrgen Ha\u00dfler \u00fcberzeugt: \u201eDas Ticket und die mit ihm verbundenen Mehrwerte, wie etwa die landesweite G\u00fcltigkeit f\u00fcr einen geringen Aufpreis, kommen in unserem Wirtschaftsraum faktisch bei der Zielgruppe nicht an.\u201c Hierf\u00fcr fehle es an den grundlegenden Voraussetzungen. Und dies seien eben in erster Linie eine sp\u00fcrbar bessere r\u00e4umliche und zeitliche Anbindung des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes.<\/p>\n<p>Das Land NRW f\u00f6rdert das verbundweite Ticket in Westfalen 2019 und 2020 mit 6,5 Mio. \u20ac. Hinzu kommt eine F\u00f6rderung f\u00fcr das landesweit \u00a0g\u00fcltige \u00a0Zuschlagsticket \u201eNRWupgrade\u201c im selben Zeitraum in H\u00f6he von knapp 7 Mio. \u20ac. \u00c4rgerlich sei, dass in unserer Region nicht zun\u00e4chst die bestehenden Defizite in der Anbindung behoben w\u00fcrden. So werde der erste Schritt vor dem zweiten getan, erg\u00e4nzt Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDie \u00e4rgerliche Folge ist, dass so die Landesf\u00f6rderung f\u00fcr das Azubiticket weit \u00fcberwiegend in die Metropolen in Rhein und Ruhr flie\u00dft und der l\u00e4ndliche Raum mit Blick auf den Nutzen eher leer ausgeht.\u201c<\/p>\n<p>Dabei zeigen die Umfrageergebnisse, dass die heimischen Unternehmen f\u00fcr das Instrument durchaus aufgeschlossen sind. Eine Mehrheit der Betriebe (59 %) findet es sinnvoll, das Azubiticket sowohl in Ballungsr\u00e4umen als auch in l\u00e4ndlichen Regionen umzusetzen. 43 % der befragten Betriebe sind bereit, sich an den Kosten f\u00fcr das Ticket zu beteiligen. Sie verbinden damit nach eigenem Bekunden die Hoffnung, nicht nur die Mobilit\u00e4t der Auszubildenden, sondern auch die Attraktivit\u00e4t des eigenen Unternehmens in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung zu steigern. \u201eOffensichtlich st\u00f6\u00dft das Instrument auf wachsende Sympathie. Daf\u00fcr spricht auch, dass es jeder zweite Ausbildungsbetrieb f\u00fcr wahrscheinlich h\u00e4lt, dass sich durch das Azubiticket die Nutzung des \u00d6PNV erh\u00f6hen wird\u201c, erl\u00e4utert Klaus Fenster. Angesichts der unzureichenden Gegebenheiten vor Ort verwundere es nicht, dass die meisten Gesch\u00e4ftsleitungen (58 %) Zweifel hegten, ob ein Azubiticket Nachwuchskr\u00e4fte vom eigenen Unternehmen \u00fcberzeugen kann. Begr\u00fcndet wird dies unter anderem damit, dass Fahrtkosten f\u00fcr die jungen Menschen h\u00e4ufig keine gro\u00dfe Rolle bei der Entscheidung f\u00fcr oder gegen einen Betrieb spielten. Wichtiger sei beispielsweise die Ausbildungsqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenngleich sich die Ergebnisse bei Handwerksbetrieben und den Industrie-, Handel- und Dienstleistungsunternehmen in ihrer Grundtendenz nicht unterscheiden, weichen sie in ihrer Intensit\u00e4t teilweise voneinander ab. So wird die eigene Erreichbarkeit des jeweiligen Standortes nur von 30% der 44 befragten Handwerksbetriebe als schlecht oder sehr schlecht bewertet, bei den 168 befragten Mitgliedsunternehmen der IHK sind es immerhin 36 %. W\u00e4hrend bei IHK-Betrieben nur 13 % der Auszubildenden den \u00d6PNV f\u00fcr die Fahrt zur Ausbildungsst\u00e4tte nutzen, sind es bei den Handwerksbetrieben bereits 25 %. Nur bei einem Thema, gehen die Ergebnisse deutlicher auseinander: 66 % der Handwerksbetriebe sind bereit, sich an den Kosten f\u00fcr ein Azubiticket zu beteiligen. Bei den IHK-zugeh\u00f6rigen Betrieben sind es 37 %, was in etwa den Ergebnissen fr\u00fcherer IHK-Umfragen entspricht. Allerdings haben in der aktuellen Befragung rund ein Drittel der Befragten (32 %) offen gehalten, ob sie sich k\u00fcnftig an den Kosten beteiligen oder nicht. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eErfahrungsgem\u00e4\u00df zahlen viele dieser Betriebe den Auszubildenden bereits Fahrtkostenzusch\u00fcsse oder bieten andere Verg\u00fcnstigungen an, um etwa Belastungen der Auszubildenden durch Benzinkosten abzufedern.\u201c<\/p>\n<p>In diesen Unterschieden wird deutlich, dass sich viele Handwerksbetriebe in zentraler gelegenen Gebieten, etwa in Siedlungsbereichen oder in Siedlungsn\u00e4he, befinden. Dabei handelt es sich um Standorte, die im Zweifel bereits heute besser an den \u00d6PNV angebunden sind als peripher gelegene Industrie- und Gewerbegebiete. Trotzdem glaubt mehr als die H\u00e4lfte der Handwerksbetriebe nicht, dass das Ticket geeignet sei, Nachwuchskr\u00e4fte vom Unternehmen zu \u00fcberzeugen.<br \/>\n\u201eDie Skepsis \u00fcberwiegt\u201c, betont J\u00fcrgen Ha\u00dfler. \u201eWenn eine st\u00e4rkere Nutzung von Bus und Bahn politisch gewollt ist, f\u00fchrt der Weg zum Erfolg des Azubitickets im heimischen Wirtschaftsraum nur \u00fcber mehr Strecken und h\u00f6heren Takt. Bleibt der Ausbau aus, l\u00e4uft das Ticket Gefahr, ein dauerhaftes Schattendasein zu fristen. Die Chance w\u00e4re vertan!\u201c<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"http:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Ausbildungsbetriebe in der Region sehen einen Ausbau des \u00d6PNV-Angebotes als Voraussetzung f\u00fcr einen Erfolg des Azubitickets. 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