{"id":15611,"date":"2019-09-07T13:47:08","date_gmt":"2019-09-07T11:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=15611"},"modified":"2019-09-06T13:50:00","modified_gmt":"2019-09-06T11:50:00","slug":"neue-gruender-braucht-das-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/neue-gruender-braucht-das-land\/","title":{"rendered":"Neue Gr\u00fcnder braucht das Land"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 46 % der Unternehmensgr\u00fcnder bem\u00e4ngeln den \u201egro\u00dfen b\u00fcrokratischen Aufwand\u201c. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zum Gr\u00fcndungsklima in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW befragte 585 Unternehmensgr\u00fcnder in NRW, die im ersten Halbjahr 2018 mit ihrem eigenen Betrieb starteten, um zu erfahren, was sie anspornt, den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit zu wagen bzw. was sie davon abh\u00e4lt: In welchen Bereichen werden sie aktiv? Wie finanzieren sie ihre Gr\u00fcndung? Und erf\u00fcllen sich ihre Erwartungen? Eines der gr\u00f6\u00dften Hindernisse ist nach wie vor die B\u00fcrokratie. \u201eDas geht beim Start los und wird im Laufe des Unternehmerdaseins leider auch nicht besser\u201c, bem\u00e4ngelt Sabine Bechheim, Leiterin des Referats Gr\u00fcndung, Sicherung, Nachfolge bei der Industrie- und Handelskammer Siegen. \u201eBei allen Befragungen steht das Thema B\u00fcrokratieabbau f\u00fcr Unternehmer ganz oben auf der Agenda. Hier muss dringend etwas passieren, zumal die Angst, hier etwas falsch zu machen, potenzielle Unternehmensgr\u00fcndungen ausbremst.\u201c<\/p>\n<p>Obwohl oder weil sich die Wirtschaft in NRW in den vergangenen Jahren so gut entwickelt hat, wagen immer weniger Menschen den Sprung in die Selbstst\u00e4ndigkeit und gr\u00fcnden ein eigenes Unternehmen. Allein seit dem Jahr 2014 sank die Zahl der j\u00e4hrlichen Unternehmensgr\u00fcndungen von knapp 70.000 auf unter 60.000 im Jahr 2017. Das Problem wird versch\u00e4rft durch einen weiteren Effekt des demografischen Wandels: Die Generation der \u201eBabyboomer\u201c geht in Rente \u2013 und damit viele Inhaber von Familienunternehmen. Laut einer Studie von IHK NRW suchen in den n\u00e4chsten zehn Jahren rund 65.000 Familienunternehmen einen Nachfolger.<\/p>\n<p>\u201eWas wir auch sehen, ist, dass die Umsetzung sehr z\u00fcgig erfolgt\u201c, erg\u00e4nzt Bechheim. \u201e72 % brauchten f\u00fcr die Vorbereitungsphase weniger als sechs Monate. 16 % nahmen sich bis zu einem Jahr Zeit, 12 % brauchten mehr als ein Jahr zur Vorbereitung.\u201c Und es f\u00e4llt auf, dass sich nach wie vor nur wenige Gr\u00fcnder im Vorfeld beraten lassen. Nahmen im Jahr 2017 etwa 22 % der Befragten eine Gr\u00fcndungsberatung in Anspruch, waren es nun sogar nur noch 20 %.\u00a0 Die meisten der befragten Gr\u00fcnder starteten mit relativ wenig Kapital. Mehr als die H\u00e4lfte setzte weniger als 5000 \u20ac ein, 28 % bis zu 25.000 \u20ac, 10,5 % bis zu 100.000 \u20ac; 9,5 % investierten mehr als 100.000 \u20ac. Vier von f\u00fcnf Gr\u00fcndern setzen ausschlie\u00dflich auf eigenes Geld, nur 21 % nutzten zur Gr\u00fcndung Fremdkapital. 23 % der Befragten waren zudem die \u00f6ffentlichen Finanzierungshilfen nicht bekannt.<\/p>\n<p>Immerhin: 28 % der Befragten sehen keinerlei Schwierigkeiten bei der Unternehmensgr\u00fcndung. Das sind drei Prozentpunkte weniger als 2017. Und ein weiterer Wert ist im Vergleich zu 2017 schlechter geworden: die wirtschaftliche Situation der Gr\u00fcnder. Konnten sie damals nach einem knappen Jahr der Selbstst\u00e4ndigkeit zu 55 % mit ihren Einnahmen \u00fcber die Runden kommen, sind es nun nur noch 50 %. Bei 27 % wird dies in sp\u00e4testens einem halben Jahr der Fall sein (2017: 28,5 %); 22 % sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels.<\/p>\n<p>39 % der Befragten bescheinigen dem Land ein gutes oder gar sehr gutes Gr\u00fcnderklima, 2017 war es noch knapp die H\u00e4lfte. \u201eHier sieht man, dass die Ma\u00dfnahmen der Landesregierung wie das Gr\u00fcnderstipendium NRW zum Gr\u00fcndungszeitpunkt dieser Gruppe noch nicht gegriffen haben\u201c, erl\u00e4utert Sabine Bechheim diese Erkenntnis. \u201eInsofern wird es interessant zu sehen sein, wie sich das Gr\u00fcndungsklima in den kommenden beiden Jahren ver\u00e4ndern wird.\u201c Neu in der Studie 2019 war eine Befragung zum Thema Unternehmensnachfolge. Um zu ergr\u00fcnden, wie man eine Unternehmens\u00fcbernahme erleichtern k\u00f6nnte, wurden die Mitglieder der sogenannten Nachfolger-Clubs befragt, die die IHKs in NRW schon vor einiger Zeit gr\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Die erste Erkenntnis aus dieser Erhebung lautet: Derzeit ist der Kreis der Interessenten relativ eingeschr\u00e4nkt. Es handelt sich \u00fcberwiegend um M\u00e4nner im Alter zwischen 40 und 59 Jahren, die bereits \u00fcber eine hohe Berufserfahrung verf\u00fcgen und diese nun in einem eigenen Unternehmen einsetzen wollen, ohne deswegen mit einer Neugr\u00fcndung sozusagen bei null anfangen zu wollen. Knapp zwei Drittel der Befragten sind als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer t\u00e4tig. Um mehr Schwung in das Thema Unternehmensnachfolge zu bekommen, w\u00e4re es wichtig, weitere Interessenten zu aktivieren. An erster Stelle sind hier die Frauen anzusprechen, die sich bisher kaum mit einer \u00dcbernahme besch\u00e4ftigen. \u201eAber auch j\u00fcngere Fachkr\u00e4fte mit dem entsprechenden Know-how k\u00f6nnten einen fr\u00fchzeitigen Start in die Eigenst\u00e4ndigkeit wagen\u201c, erkl\u00e4rt Bechheim<em>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 46 % der Unternehmensgr\u00fcnder bem\u00e4ngeln den \u201egro\u00dfen b\u00fcrokratischen Aufwand\u201c. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zum Gr\u00fcndungsklima in Nordrhein-Westfalen. 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