{"id":15074,"date":"2019-08-05T11:31:29","date_gmt":"2019-08-05T09:31:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=15074"},"modified":"2019-08-05T11:31:29","modified_gmt":"2019-08-05T09:31:29","slug":"von-der-sieg-bis-ans-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/von-der-sieg-bis-ans-meer\/","title":{"rendered":"Von der Sieg bis ans Meer"},"content":{"rendered":"<p>Dank \u201eFridays for Future\u201c ist die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit f\u00fcr den Klimawandel so gro\u00df, wie noch nie. Das Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universit\u00e4t Siegen besch\u00e4ftigt sich seit seiner Gr\u00fcndung vor 25 Jahren mit den Folgen des Klimawandels. Studien zum globalen Meeresspiegelanstieg geh\u00f6ren ebenso dazu, wie die Erforschung von Extremereignissen wie Starkregen oder Sturmfluten sowie Projekte zum K\u00fcsten- und Hochwasserschutz. \u201eF\u00fcr uns Wasserbauer ist der Klimaschutz elementar wichtig. Es macht Mut, dass die Jugend das Thema erkannt hat und sich so vehement daf\u00fcr einsetzt\u201c, sagt Prof. Dr. J\u00fcrgen Jensen, unter dessen Leitung sich das fwu zu einem international renommierten Forschungsinstitut entwickelt hat. Kein anderes deutsches Institut wird im j\u00fcngsten Bericht des Weltklimarats IPCC so h\u00e4ufig zitiert, wie das Siegener fwu. Jensen und seine KollegInnen haben ihre Forschungsergebnisse au\u00dferdem in zahlreichen internationalen Fachzeitschriften wie dem Magazin \u201eNature\u201c publiziert.<\/p>\n<p>\u201eDas Besondere an unserer Forschungsarbeit ist die sehr enge Verbindung der Natur- mit den Ingenieurwissenschaften\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Jensen. \u201eSie m\u00fcssen ein Ph\u00e4nomen wie den Meeresspiegelanstieg zun\u00e4chst physikalisch und naturwissenschaftlich verstehen, um sinnvolle Schutzma\u00dfnahmen zu entwickeln. Bei Letzterem sind dann in erster Linie die Ingenieurwissenschaften gefragt.\u201c Wie muss zum Beispiel ein Deich gebaut sein, damit er auch in 100 Jahren noch sicher vor Sturmfluten sch\u00fctzt? Am fwu geht es in der Regel um sehr praktische Fragestellungen, die eng mit den Menschen verbunden sind. \u201eDas Ziel unserer Arbeit ist eine sichere zivile Gesellschaft \u2013 auch wenn sich die \u00e4u\u00dferen Bedingungen durch den Klimawandel ver\u00e4ndern\u201c, sagt Jensen.<\/p>\n<p>Nach dem Hochwasser in Sachsen im Sommer 2002 haben die Siegener WissenschaftlerInnen beispielsweise ein Konzept entwickelt, um die \u00dcberflutungssicherheit der s\u00fcdlich von Dresden gelegenen Talsperre Malter wiederherzustellen, die damals aufgrund der Wassermassen fast \u00fcbergelaufen war. Im Siegener Wasserbaulabor entstand ein Modell der Talsperre mit einer Hochwasser-Entlastungsanlage, die mit einer weltweit einzigartigen Hochwassertrennung funktioniert und die nun auch so gebaut werden soll. Ein anderes Projekt f\u00fchrte Jensen und sein Team nach Vietnam: Zusammen mit KollegInnen aus Deutschland und Vietnam entwickelten die ForscherInnen Ma\u00dfnahmen, um die s\u00fcdvietnamesische K\u00fcste vor Sturmfluten und \u00dcberschwemmungen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Neben nationalen und internationalen Projekten ist das fwu aber auch in der Region aktiv. So haben die WissenschaftlerInnen in Siegen das Projekt \u201eSiegen zu neuen Ufern\u201c mit der Freilegung der Sieg und der Neugestaltung des Siegufers begleitet. \u201eDarauf bin ich wirklich stolz, weil das Projekt ganz direkt den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern zu Gute kommt. Jedes Mal, wenn ich an der Sieg bin, freue ich mich, das mit auf den Weg gebracht zu haben\u201c, sagt Jensen. Ein weiteres lokales Forschungsprojekt, das aktuell noch l\u00e4uft, besch\u00e4ftigt sich mit der Simulation von Starkniederschl\u00e4gen im Stadtgebiet Siegen. Welche Folgen k\u00f6nnten sie haben und wie k\u00f6nnen Menschen und Geb\u00e4ude sowie Infrastruktur sinnvoll gesch\u00fctzt werden?<\/p>\n<p>Sechs WissenschaftlerInnen haben bisher schon am fwu promoviert, weitere Doktorarbeiten sind in Arbeit. Alle Ehemaligen haben Leitungsfunktionen in der Wirtschaft oder Professuren an anderen Universit\u00e4ten erhalten \u2013 in Deutschland, aber auch in den USA und Australien. \u201eAls Mentor verfolgen zu d\u00fcrfen, wie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine so tolle berufliche Entwicklung vollziehen, das ist wirklich sch\u00f6n\u201c, sagt Prof. Jensen. Zum 25j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Instituts kamen viele der Ehemaligen noch einmal an die Uni Siegen, um von ihrem Werdegang und ihrer aktuellen (Forschungs-)Arbeit zu berichten. Im Rahmen eines Sommerfestes gab es au\u00dferdem ausreichend Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch. Auch der Klimaschutz war bei der Jubil\u00e4umsfeier Thema: Den Festvortrag hielt der bekannte deutsche Klimaforscher und Meteorologe Hans von Storch. In seinem spannenden Beitrag setzte er sich kritisch mit dem Klima als Querschnittsthema von Natur\u2010, Ingenieur\u2010 und Sozialwissenschaften auseinander.<\/p>\n<p>\u201eDer Hochwasser- und K\u00fcstenschutz ist vor dem Hintergrund des Klimawandels eine Herkulesaufgabe, die uns weiterhin intensiv besch\u00e4ftigen wird\u201c, sagt Prof. Jensen. Mittel- und langfristig werde es nur in wenigen, hochindustriellen L\u00e4ndern gelingen, Menschen und K\u00fcsten wirksam vor Hochwasser und \u00dcberflutungen zu sch\u00fctzen. In zahlreichen Regionen wie den tiefliegenden Bereichen im Pazifik gebe es aktuell schon gro\u00dfe Probleme, mahnt Jensen: \u201eDie Wissenschaft ist hier in besonderem Ma\u00dfe gefordert, eine verantwortungsbewusste und gute \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu betreiben, damit das Thema von der Politik wirklich ernst genommen und sinnvoll umgesetzt wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank \u201eFridays for Future\u201c ist die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit f\u00fcr den Klimawandel so gro\u00df, wie noch nie. 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