{"id":14636,"date":"2019-07-01T09:15:43","date_gmt":"2019-07-01T07:15:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=14636"},"modified":"2019-07-01T09:15:43","modified_gmt":"2019-07-01T07:15:43","slug":"nachfolge-zielgerichtet-planen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/nachfolge-zielgerichtet-planen-2\/","title":{"rendered":"\u201eNachfolge zielgerichtet planen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die geregelte \u00dcbergabe der F\u00fchrungsverantwortung ist f\u00fcr viele Firmen ein sensibler Vorgang. F\u00fcr jedes zehnte Unternehmen im heimischen Wirtschaftsraum mit einer Gesch\u00e4ftsleitung \u00fcber 65 Jahre ist kein Abnehmer des Staffelstabs in Sicht. Einen fachlichen Austausch hierzu bot die Veranstaltung \u201eNachfolge zielgerichtet planen \u2013 aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen geplaudert\u201c im Bernhard-Weiss-Saal der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK), in der Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region ihre Erfahrungen mit der Firmennachfolge schilderten.<\/p>\n<p>Sebastian Quast von der OTTO QUAST Bau AG in Siegen berichtete von einer Fehleinsch\u00e4tzung, die er h\u00e4ufig beobachte. Von au\u00dfen betrachtet, scheine es bisweilen so, als verlaufe der Eintritt bei einer famili\u00e4ren Unternehmensnachfolge automatisch und daher problemlos. \u201eViele Menschen nehmen gar nicht wahr, wie gewissenhaft und hinterfragend sich auch innerhalb einer Familie die potenziellen Nachfolger diesen Schritt \u00fcberlegen.\u201c Gerade weil der Weg derart vorgezeichnet wirke, mache sich die junge Generation die Entscheidung alles andere als leicht. Dabei verwies der 32-J\u00e4hrige auf seinen eigenen Werdegang. Bereits als Jugendlicher habe er sich im Unternehmen seines Vaters engagiert und als Ferienarbeiter viele Stunden auf Baustellen verbracht \u2013 eine wichtige und pr\u00e4gende Erfahrung, die ihm erste Eindr\u00fccke der Arbeitspraxis erm\u00f6glicht habe. Sein Entschluss, die Geschicke der Firma selbst leiten zu wollen, sei aber erst Jahre sp\u00e4ter gefallen, betonte Sebastian Quast. W\u00e4hrend seines Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens in Karlsruhe habe er immer mehr Interesse f\u00fcr die Welt des Bauens entwickelt und zudem wertvolles Know-how erworben, das f\u00fcr die F\u00fchrung eines mittelst\u00e4ndischen Betriebes unerl\u00e4sslich sei. Bew\u00e4hrt habe sich beim Generations\u00fcbergang, in einem festgelegten zeitlichen Ablauf die Zust\u00e4ndigkeiten nach Gesch\u00e4ftsfeldern zwischen ihm und seinem Vater aufzuteilen.<\/p>\n<p>Dass neben Leistungsbereitschaft und fundiertem Fachwissen noch ein weiterer wesentlicher Faktor eine Rolle spielt, unterstrich indes Silvia Bauer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der B+M Breitbach + M\u00fcller GmbH aus Erndtebr\u00fcck: \u201eMan sollte Leidenschaft f\u00fcr seinen Job haben. Es muss auch Spa\u00df machen. Das klingt banal, erweist sich aber im arbeitsintensiven und stressigen Alltag als ganz entscheidend.\u201c Wer die Verantwortung f\u00fcr das laufende Gesch\u00e4ft und die Mitarbeiter mehr als Ehre und Herausforderung denn als Last empfinde, k\u00f6nne ein Unternehmen erfolgreich f\u00fchren und weiterentwickeln. Silvia Bauer, die die Gesch\u00e4fte zurzeit noch gemeinsam mit ihrem Vater f\u00fchrt, zeigte diese Leidenschaft schon als kleines Kind. Auf die Frage nach ihrem Berufswunsch habe sie immer geantwortet: \u201eIch werde mal Chefin!\u201c<\/p>\n<p>Einen konsequenten Weg in die F\u00fchrungsriege hat auch Timm Bendinger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Hugo Roth GmbH in Wilnsdorf, eingeschlagen. Der Einstieg in die Entscheidungsebene sei ihm vor allem deshalb gelungen, weil er von Beginn an mit Tatendrang vorangegangen sei und dadurch auch die Belegschaft \u00fcberzeugt habe. Generell r\u00e4t er Unternehmensnachfolgern, sich zun\u00e4chst \u00fcber ein Studium oder eine ad\u00e4quate Ausbildung umfassende Kenntnisse anzueignen. Ratsam sei, Erfahrungen im Beruf zu sammeln und das Netzwerk im gesch\u00e4ftlichen Umfeld zu vergr\u00f6\u00dfern. Ihm pers\u00f6nlich habe auch das langj\u00e4hrige Engagement bei den Wirtschaftsjunioren S\u00fcdwestfalen geholfen. \u201eDer Austausch mit Gleichgesinnten schafft neue Impulse und hilft, den eigenen Horizont zu erweitern.\u201c F\u00fcr eine familieninterne Nachfolge empfahl Bendinger seinen Zuh\u00f6rern, private und dienstliche Angelegenheiten m\u00f6glichst zu trennen und etwaige Unstimmigkeiten stets intern zu beheben, um gegen\u00fcber der Belegschaft mit gemeinsamer Stimme aufzutreten.<\/p>\n<p>Welche Anforderungen mit dem Einstieg in ein fremdes Unternehmen einhergehen, schilderte Michael Hippe. Er leitet seit Anfang des Jahres die Copythek Ankele in Siegen. Eine aus seiner Sicht wegweisende Entscheidung geht bereits aus dem Namen seines Gesch\u00e4ftes hervor. Diesen hat er n\u00e4mlich bewusst vom fr\u00fcheren Inhaber \u00fcbernommen. Zwar m\u00fcsse der Anspruch immer darin bestehen, neue Akzente zu setzen und seine eigene Philosophie zu verfolgen. \u201eAber die Kunden verbinden die gewohnte Qualit\u00e4t des Services nat\u00fcrlich mit dem Namen meines Vorg\u00e4ngers. Deswegen kam eine \u00c4nderung f\u00fcr mich nicht in Frage.\u201c Den Prozess der \u00dcbergabe selbst hat der geb\u00fcrtige S\u00fcdafrikaner als sehr angenehm und reibungslos wahrgenommen: \u201eBeide Seiten waren gewillt, das Ganze so gut wie m\u00f6glich umzusetzen.\u201c Erleichtert habe den \u00dcbergang ein fester Plan f\u00fcr einen \u00dcbergangszeitraum, in dem man sich gegenseitig begleitet habe. Viel Kommunikation sei erfolgsentscheidend.<\/p>\n<p>Die mehr als 30 G\u00e4ste der von IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer moderierten Veranstaltung erfuhren, dass auch externe Hilfe bei der Nachfolge sehr wertvoll sein kann. Unterst\u00fctzung bieten zum Beispiel die ehrenamtlichen IHK-Mentoren. Einer von ihnen ist Sigurd Siebel. Er war unter anderem viele Jahre kaufm\u00e4nnischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in einem mittelst\u00e4ndischen Industrieunternehmen der Elektroindustrie. Seine fachliche Expertise und seine Tipps f\u00fcr eine gelingende \u00dcbergabe gibt er regelm\u00e4\u00dfig in kostenlosen Gespr\u00e4chen weiter. F\u00fcr besonders wichtig h\u00e4lt er, einen pr\u00e4zise formulierten Businessplan zu erarbeiten. Dieser erleichtere dem Senior den kontrollierten R\u00fcckzug und gebe seinem Nachfolger eine eminent wichtige Orientierung.<\/p>\n<p>Die Bedeutung einer klaren Struktur hob auch Dr. Hanni Koch, Prokuristin der VIA Beteiligung GmbH in Olpe, hervor. Sie ber\u00e4t Unternehmen im Hinblick auf deren strategische Ausrichtung und empfahl unter anderem, dass sich Inhaber zun\u00e4chst ausgiebig \u00fcber den Wert ihrer Firma informieren sollten, um nachhaltige und kluge Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen. Die VIA Beteiligung ist Spezialist f\u00fcr dauerhafte und wertschaffende Unternehmensbeteiligungen f\u00fcr den Mittelstand in S\u00fcdwestfalen. Hinter der Gesellschaft steht ein starker Kreis mittelst\u00e4ndischer Unternehmerfamilien in S\u00fcdwestfalen, deren Erfahrungen Betrieben ohne Nachfolge Wachstum und Zukunftsperspektiven in dem etablierten Unternehmensverbund erm\u00f6glichen. Immer wieder komme es auch vor, dass sich bei ihr interessierte m\u00f6gliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer meldeten, die wiederum Betriebe mit einer ungekl\u00e4rten Nachfolge suchten, um diese gemeinsam mit der VIA Beteiligung zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die Vortr\u00e4ge konnten die Teilnehmer im Dialog mit den Referenten Erfahrungen austauschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geregelte \u00dcbergabe der F\u00fchrungsverantwortung ist f\u00fcr viele Firmen ein sensibler Vorgang. 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