{"id":14490,"date":"2019-06-18T11:33:32","date_gmt":"2019-06-18T09:33:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=14490"},"modified":"2019-06-18T12:19:22","modified_gmt":"2019-06-18T10:19:22","slug":"seilbahn-sympathisch-aber-unrealistisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/seilbahn-sympathisch-aber-unrealistisch\/","title":{"rendered":"\u201eSeilbahn sympathisch, aber unrealistisch\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine Mehrheit der Unternehmen in den Stadtgebieten Siegen und Kreuztal glaubt, dass eine Seilbahn im H\u00fcttental zur Entlastung des innerst\u00e4dtischen Verkehrs beitragen kann. Weitaus weniger wird hierf\u00fcr auf Bus und Bahn gesetzt. Fast jeder f\u00fcnfte Betrieb geht zudem davon aus, dass Fahrr\u00e4der und E-Bikes in Zukunft deutlich entlastend wirken k\u00f6nnten. Erheblich gehen die Meinungen dagegen in der Frage auseinander, ob das Seilbahnprojekt technisch und finanziell realisierbar ist. Das zeigt eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) unter 2.223 Unternehmen in Siegen und Kreuztal. Der R\u00fccklauf ist ungew\u00f6hnlich hoch: 622 Betriebe, fast 28 %, haben geantwortet. \u201eDie \u00fcberraschend hohen Zustimmungswerte f\u00fcr das Seilbahn-Vorhaben und den Ausbau der Rad- und Fu\u00dfwegenetze verdeutlichen: Weite Teile der Wirtschaft sind offenbar der Auffassung, dass die traditionellen Instrumente wie Bus und Bahn auf Strecke allein nicht in der Lage sind, den steigenden Verkehrsbewegungen gerecht zu werden. Es wird offenbar Zeit, die bisherige Ausrichtung des \u00d6PNV zu \u00fcberdenken, zumindest aber wirkungsvoll zu erg\u00e4nzen\u201c, bilanziert IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener die zentralen Aussagen der Befragung.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen zudem, dass der Anlass, \u00fcber eine Entlastung der Verkehrssituation nachzudenken, aus Sicht der Wirtschaft durchaus gegeben ist. Die Erreichbarkeit der Stadt Siegen mit PKW und LKW wird durchwachsen beurteilt: 33 % empfinden die Erreichbarkeit als \u201egut\u201c oder \u201esehr gut\u201c, mehr als die H\u00e4lfte der Betriebe (55 %) bewerten sie mit \u201ebefriedigend\u201c oder \u201eausreichend\u201c. 12 % finden die Erreichbarkeit \u201emangelhaft\u201c. Deutlich schlechter f\u00e4llt die Bewertung f\u00fcr die Erreichbarkeit mit dem \u00d6PNV aus: Nur 11 % bewerten sie als \u201egut\u201c oder \u201esehr gut\u201c, 50 % als \u201ebefriedigend\u201c oder \u201eausreichend\u201c, 28 % der befragten Betriebe verpassen der innerst\u00e4dtischen Erreichbarkeit mittels \u00d6PNV die Note \u201emangelhaft\u201c. IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer: \u201eDie permanente Diskussion der letzten Monate zur Qualit\u00e4t des Busverkehrs im Kernraum war sicher nicht f\u00f6rderlich f\u00fcr dessen Image. Hinzu kommt, dass die \u00d6PNV-Versorgung schon seit l\u00e4ngerem regelm\u00e4\u00dfig Ziel von Kritik ist. Beides schl\u00e4gt sich in diesem Ergebnis m\u00f6glicherweise nieder.\u201c<\/p>\n<p>Kann eine Seilbahn das Erreichbarkeitsdefizit eind\u00e4mmen helfen? 55 % der Unternehmen antworten hierauf mit \u201eja, voll und ganz\u201c oder \u201eja, teilweise\u201c. 42 % der Betriebe antworten mit \u201eeher nein\u201c oder \u201eeindeutig nein\u201c. Auch im direkten Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln Bus, Bahn oder Rad\/E-Bike, wird das gr\u00f6\u00dfte Potenzial in dem diskutierten Seilbahnprojekt (35 %) gesehen. Gerade einmal 26 % setzen perspektivisch auf den Busverkehr. Unerwartete 19 % halten das Rad bzw. E-Bike als das am ehesten geeignete Verkehrsmittel, wenn es um die Entlastung des innerst\u00e4dtischen Verkehrs geht. Dass die Bahn hierbei k\u00fcnftig die wichtigste Rolle spielt, glauben blo\u00df 11 % der Befragten. Hans-Peter Langer: \u201eEin Verkehrsprojekt, das in dieser Form noch nirgendwo in Deutschland gebaut wurde, genie\u00dft offensichtlich ein h\u00f6heres Vertrauen als Bus und Bahn, wenn es um die L\u00f6sung der st\u00e4dtischen Verkehrsprobleme geht. Das sollte allen Verantwortlichen zu denken geben. Weite Teile der Wirtschaft bringen damit zum Ausdruck, dass der \u00d6PNV in der heimischen Region in den n\u00e4chsten Jahren sein Gesicht ver\u00e4ndern sollte. Hier\u00fcber sollten wir unvoreingenommen diskutieren und herk\u00f6mmliche Denkmuster \u00fcberwinden. Es geht nicht um ein paar elektronische Anzeigetafeln mehr, sondern um eine langfristige Verschiebung der Grundstrukturen im \u00d6PNV.\u201c<\/p>\n<p>So positiv die Idee einer Seilbahn im H\u00fcttental bewertet wird, tr\u00fcbt sich das Bild in der Frage der Realisierbarkeit. Eine Mehrheit (53 %) sch\u00e4tzt die Pl\u00e4ne als \u201eeindeutig unrealistisch\u201c oder \u201eeher unrealistisch\u201c ein. 41 % bewerten sie als \u201eklar realistisch\u201c oder \u201eeher realistisch\u201c. Die Gruppe der Befragten ist geradezu \u201agespalten\u2018 in dieser Frage. Selbst Sympathisanten sind skeptisch. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eStand heute liegen nur wenige belastbare Aussagen zur Realisierbarkeit vor. Dies umso mehr, als man nicht seri\u00f6s \u00fcber Kosten diskutieren kann, wenn man nicht wei\u00df, auf welcher Strecke eine Seilbahn \u00fcberhaupt realisierbar w\u00e4re. Eine Machbarkeitsstudie k\u00f6nnte dazu beitragen, eine fundierte, faktenbasierte Orientierung zu liefern. Das Thema hat nicht nur einen hohen Gespr\u00e4chswert, sondern l\u00f6st ganz offensichtlich auch Emotionen unterschiedlichster Art aus. Selten erhielten wir bei einer von uns durchgef\u00fchrten Umfrage derart viele begleitende Kommentare.\u201c Die R\u00fcckmeldungen reichen von \u201eAprilscherz\u201c und \u201eHirngespinst\u201c bis zu \u201ereizvolles und machbares Projekt\u201c. Ein Unternehmen sieht in der Seilbahn einen \u201eL\u00f6sungsvorschlag mit Technologien der Vergangenheit f\u00fcr Probleme der Gegenwart und der Zukunft\u201c, ein weiteres lehnt eine Seilbahn nicht ab, schl\u00e4gt aber vor, zun\u00e4chst die \u201emaroden Stra\u00dfen in Angriff zu nehmen\u201c, wieder ein anderer Betrieb findet es dringlicher daf\u00fcr zu sorgen, \u201edass die Schwertransporte die Firmen erreichen\u201c. Eine ganze Reihe von Unternehmen w\u00fcnscht sich zudem mehr Informationen zu dem Seilbahnprojekt, um es besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. All das belegt nach Auffassung der IHK, welchen Nerv die Diskussion um die Verkehrsentlastung trifft.<\/p>\n<p>In den konkreten Handlungsempfehlungen an die Politik legen die Unternehmen einen differenzierten Blick an, der sich nicht auf den klassischen \u00d6PNV (Bus und Bahn) beschr\u00e4nkt, naturgem\u00e4\u00df jedoch auch nicht alleine auf das Seilbahnprojekt fokussiert. Vielmehr setzen die Betriebe auf ein ganzes Paket verkehrspolitischer Ma\u00dfnahmen. 48 % der Unternehmen meinen, das bestehende \u00d6PNV-Angebot sollte ausgebaut werden (mehr Buslinien und bessere Taktung). 42 % w\u00fcnschen sich, dass die Digitalisierung der Verkehrssteuerung (z.B. Ampelschaltung) vorangetrieben wird. 39 % sprechen sich f\u00fcr die Errichtung der Seilbahn aus, immerhin 38 % f\u00fcr einen Ausbau des Fu\u00df- und Radwegenetzes. Weit abgeschlagen landet der Ausbau von Park und Ride-Angeboten (14 %) und Carsharing-Angeboten (6 %). Klaus Gr\u00e4bener: \u201eEgal, was man von der Seilbahnidee h\u00e4lt: Die Umfrage verdeutlicht, dass wir uns neben dem Auto, dem Bus und der Bahn dringend auch unkonventionellen L\u00f6sungsans\u00e4tzen n\u00e4hern sollten. Dies umso mehr, als die Verkehrsprobleme im gesamten H\u00fcttental mit dem Umzug der Universit\u00e4t in die Innenstadt eher gr\u00f6\u00dfer als kleiner werden. Und deren L\u00f6sung traut man Bussen und Bahnen allein offenbar nicht zu. Der politische Handlungsbedarf ist aus unserer Sicht evident. Wir ben\u00f6tigen ein ganzes B\u00fcndel konzertierter Ma\u00dfnahmen, um das Ziel einer verkehrlichen Entlastung zu erreichen. Dabei darf es aus unserer Sicht keine Tabus geben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Mehrheit der Unternehmen in den Stadtgebieten Siegen und Kreuztal glaubt, dass eine Seilbahn im H\u00fcttental zur Entlastung des innerst\u00e4dtischen Verkehrs beitragen kann. Weitaus weniger&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14491,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,32,30,11],"tags":[],"class_list":["post-14490","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-infos","category-vermischtes","category-regionale-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/seilbahn.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14490"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14492,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14490\/revisions\/14492"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14491"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}