{"id":14483,"date":"2019-06-18T09:38:17","date_gmt":"2019-06-18T07:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=14483"},"modified":"2019-06-18T09:38:17","modified_gmt":"2019-06-18T07:38:17","slug":"kuenstliche-intelligenz-veraendert-die-arbeitswelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/kuenstliche-intelligenz-veraendert-die-arbeitswelt\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz ver\u00e4ndert die Arbeitswelt"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie zuk\u00fcnftige Arbeitswelt basiert auf der kraftvoller werdenden vernetzten und intelligenten Digitalisierung, Flexibilisierung und Individualisierung der Arbeit. K\u00fcnstliche Intelligenz beeinflusst die Arbeit vor allem in drei Wirkrichtungen: Sie hilft den Menschen bei der Arbeit, sie kann Menschen ersetzen und sie l\u00e4sst neue Gesch\u00e4ftsmodelle und Berufe entstehen,\u201c so Prof. Dr. Sascha Stowasser, Direktor des <a href=\"https:\/\/www.arbeitswissenschaft.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ifaa \u2013 Institut f\u00fcr angewandte Arbeitswissenschaft<\/a>, in seinem Impulsvortrag bei den Meseberger Zukunftsgespr\u00e4chen. \u201eDamit die Chancen des Einsatzes von K\u00fcnstlicher Intelligenz optimal genutzt werden und die wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Vorz\u00fcge f\u00fcr unser aller Wohlstand wirken, ist eine Grundsatzdebatte auf allen Ebenen entscheidend. Polarisierende Polemik n\u00fctzt an dieser Stelle nichts\u201c, fordert der Arbeitsforscher.<\/p>\n<p>Am 17.06.2019 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Zukunftsgespr\u00e4chen der Bundesregierung eingeladen. Bei der Diskussion von Regierung, Sozialpartnern und KI-Experten \u00fcber die Strategie der Bundesregierung zur K\u00fcnstlichen Intelligenz wirkten neben der Bundeskanzlerin mehr als die H\u00e4lfte des Bundeskabinetts sowie die Pr\u00e4sidenten von BDI, IHK, ZDH und die Vorsitzenden der Gewerkschaften DGB, IGM, ver.di, IG BCE und dbb mit. In seinem Vortrag erl\u00e4uterte der ifaa-Direktor Kernthesen zur K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt.<\/p>\n<p><strong>K\u00fcnstliche Intelligenz beeinflusst die Arbeit \u2013 75 Prozent der Arbeitspl\u00e4tze werden sich ver\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) bietet nicht nur allerhand Chancen f\u00fcr innovative Gesch\u00e4ftsmodelle in der deutschen Wirtschaft. Die Arbeitswelt in den Unternehmen erf\u00e4hrt ebenfalls umw\u00e4lzende Ver\u00e4nderungen. KI entwickelt die Arbeitswelt 4.0 zur Arbeitswelt 5.0. Steht die Arbeitswelt 4.0 im Fokus der vernetzten Digitalisierung und der Flexibilisierung von Arbeitsort, -zeit, -organisation sowie Handlungsfreiheit, so wird die Arbeitswelt 5.0 mit intelligenter Assistenz, lernenden Robotern und benutzeroptimierten Informationen bereichert. F\u00fcr die Besch\u00e4ftigten bedeutet der Einsatz von KI noch mehr Flexibilit\u00e4t, anspruchsvollere T\u00e4tigkeiten, individuell angepasste Informationen sowie Erleichterung bei monotonen geistigen Routinet\u00e4tigkeiten.<\/p>\n<p>Eigene Analysen zeigen, dass sich 75 Prozent der Arbeitspl\u00e4tze ver\u00e4ndern werden. KI wirkt in drei Richtungen: KI unterst\u00fctzt die Besch\u00e4ftigten bei der Arbeit, KI f\u00fchrt zur Automatisierung und ersetzt menschliche Arbeit sowie KI ist Quelle neuer Berufsbilder.<\/p>\n<p><strong>Auswirkung der KI auf die menschliche Besch\u00e4ftigung und Arbeitsprozesse<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitswissenschaft unterscheidet im groben zwei Arbeitsformen: k\u00f6rperliche und geistige Arbeit. Nach vorangegangen Bem\u00fchungen der k\u00f6rperlichen Entlastung in der Arbeitswelt zielt die KI auf geistige Entlastung der Besch\u00e4ftigten ab. Die psychischen und physiologischen Langfristwirkungen neuartiger Mensch-Maschine-Interaktionen und den einhergehenden Kompetenzverschiebungen sind unklar. KI kann im Arbeitsprozess sowohl Produktivit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit f\u00f6rdern als auch zum Treiber einer neuen Unternehmenskultur werden. Potenziale durch KI bestehen in einer neuen Arbeitsqualit\u00e4t, die zum Beispiel<\/p>\n<p>&#8211; Ressourcen effektiver einsetzt,<br \/>\n&#8211; die Selbstentfaltung und Gesundheitsressourcen f\u00f6rdert,<br \/>\n&#8211; die Prozesse umweltschonend gestaltet,<br \/>\n&#8211; gr\u00f6\u00dfere Transparenz herstellt oder<br \/>\n&#8211; die Menschen mit assistierenden Systemen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Mit der Einf\u00fchrung k\u00f6nnen aber auch unerw\u00fcnschte Folgen verbunden sein. Die KI kann<\/p>\n<ul>\n<li>als restriktiv und kontrollierend empfunden werden,<\/li>\n<li>durch fremdbestimmte Steuerung zu einem Verlust an Handlungsautonomie und -kompetenz f\u00fchren,<\/li>\n<li>zu geringerem Gestaltungsspielraum f\u00fchren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Da KI-Technologie das Potenzial haben, im Bereich der Wissensarbeit die Flut an arbeitsrelevanten Informationen zu reduzieren bzw. zu kanalisieren, sowie lernende Robotersysteme und KI-basierte Automatisierungsl\u00f6sungen stark beanspruchende k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeitanteile \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, besteht die Aussicht, dass Besch\u00e4ftigte in einer KI-gepr\u00e4gten Arbeitswelt tendenziell verminderte Belastungen erfahren werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Betrieblicher Einf\u00fchrungsprozess der KI<\/strong><\/p>\n<p>In betrieblichen Umsetzungsprojekten werden von den Besch\u00e4ftigten regelm\u00e4\u00dfig drei Kernbef\u00fcrchtungen ge\u00e4u\u00dfert:<\/p>\n<ul>\n<li>Angst vor Missbrauch pers\u00f6nlicher Daten (Datenschutz, Durchsichtigkeit der Person),<\/li>\n<li>Angst im Umgang mit Ki (Scheitern, &#8222;nicht qualifiziert sein&#8220;, KI als undurchsichtige Black-Box) sowie<\/li>\n<li>Angst vor Jobverlust<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als entscheidender Erfolgsfaktor bei der Einf\u00fchrung von KI ist demnach ein mitarbeiterorientierter Einf\u00fchrungsprozess mit einer intensiven Change-Diskussion des Managements und der Besch\u00e4ftigten vorzusehen. Dies umfasst<\/p>\n<ul>\n<li>das Aufzeigen der Vorteile und des Nutzens von KI;<\/li>\n<li>die Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs und Umsetzung dessen<\/li>\n<li>die Mitgestaltung der neuen Arbeitssysteme<\/li>\n<\/ul>\n<p>Experimentierr\u00e4ume und Pilotprojekte, die dann als Leuchtt\u00fcrme ausstrahlen, erweisen sich in der betrieblichen Praxis als zweckm\u00e4\u00dfig, um neue Technologien im Feld zu erproben und zu evaluieren sowie umfassende Bereitschaft zur Verwendung und Akzeptanz von KI- L\u00f6sungen zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Gesellschaftlicher Diskurs im Kontext von KI und Arbeit<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBei allem Optimismus k\u00f6nnen wir es mit der KI auch \u00fcbertreiben: Wenn wir die Arbeit in der digitalen Zukunft so gestalten, dass wir \u2013 die Menschen &#8211; nur noch Anh\u00e4ngsel von digitalen und intelligenten Systemen und Maschinen w\u00e4ren. Hier z\u00e4hle ich auf eine moralische und ethische Grundsatzdebatte, die einerseits die zahlreichen Vorteile der K\u00fcnstlichen Intelligenz, andererseits gesellschaftliche Werte und humane Aspekte ber\u00fccksichtigt,\u201c so Stowasser.<\/p>\n<p>Die arbeitspolitische Gestaltung beeinflusst wesentlich den Einsatzerfolg der KI im betrieblichen Kontext. Daher sind die sachliche Debatte und der Dialog \u00fcber Menschen und Arbeit im Kontext von KI mit allen Beteiligten (Unternehmen, Besch\u00e4ftigte, Politik und Sozialpartner) notwendig und einzufordern. Eine auf der sozialen Marktwirtschaft mit ethischen Grundwerten beruhende KI-Gesellschaft k\u00f6nnte internationaler Vorreiterstatus des KI-Einsatzes werden und als deutsches Vorbild f\u00fcr andere Nationen f\u00fcr verantwortungsvollen Umgang mit KI gelten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie zuk\u00fcnftige Arbeitswelt basiert auf der kraftvoller werdenden vernetzten und intelligenten Digitalisierung, Flexibilisierung und Individualisierung der Arbeit. 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