{"id":14399,"date":"2019-06-11T09:40:39","date_gmt":"2019-06-11T07:40:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=14399"},"modified":"2019-06-11T09:40:39","modified_gmt":"2019-06-11T07:40:39","slug":"arbeit-muss-sich-lohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/arbeit-muss-sich-lohnen\/","title":{"rendered":"Arbeit muss sich lohnen"},"content":{"rendered":"<p>Die letzte gro\u00dfe Steuerreform ist knapp 20 Jahre her, damals entlasteten SPD und Gr\u00fcne die B\u00fcrger. Seitdem hat sich nicht viel getan: Inflation und Lohnwachstum haben dazu gef\u00fchrt, dass heute auch kleine Einkommen schon stark belastet werden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer aktuellen <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/Report\/PDF\/2019\/IW-Report_2019_Grenzsteuer.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie<\/a> untersucht, wen die Grenzabgabenbelastung besonders hart trifft.<\/p>\n<p>Die Tarifbesch\u00e4ftigten der IG Metall k\u00f6nnen seit Anfang des Jahres w\u00e4hlen: mehr Geld oder mehr freie Tage. Ihr Votum ist klar: Die Mehrheit der Arbeitnehmer m\u00f6chte lieber weniger arbeiten. Das kann am gesellschaftlichen Wandel liegen \u2013 allerdings d\u00fcrfte auch die sogenannte Grenzabgabenbelastung die Entscheidung beeinflusst haben. Die Grenzabgabenbelastung sagt aus, wie viel ein Arbeitnehmer von einer Lohnerh\u00f6hung abgeben muss. Das kann \u00fcber die H\u00e4lfte des zus\u00e4tzlichen Gehaltes sein.<\/p>\n<p>Ein Mindestlohn-Empf\u00e4nger mit einem monatlichen Bruttogehalt von 1.600 Euro hat nach allen Abgaben noch rund 1.200 Euro \u00fcbrig \u2013 gut ein Viertel seines Gehaltes muss er abgeben. Erh\u00f6ht der Arbeitgeber den Lohn um 100 Euro, muss der Mitarbeiter nun von dieser Erh\u00f6hung prozentual deutlich mehr abgeben als von seinem bisherigen Gehalt, ihm bleiben n\u00e4mlich gerade einmal 53 Euro. Ein Spitzenverdiener mit einem monatlichen Gehalt von 7.000 Euro h\u00e4tte von zus\u00e4tzlichen 100 Euro dagegen 56 Euro netto \u00fcbrig. &#8222;Sogar Menschen im unteren Einkommensbereich haben von Lohnerh\u00f6hungen kaum etwas, vor allem im Bereich des Mindestlohns und im \u00dcbergang von Mini- zu Midi-Jobs&#8220;, sagt Studienkoautor und IW-Steuerexperte Tobias Hentze. Inflation und Lohnwachstum haben in den vergangenen Jahren dazu gef\u00fchrt, dass heute f\u00fcr Singles mit niedrigem Einkommen die Grenzsteuerbelastung relativ schnell und steil ansteigt. Hinzu kommen die Sozialbeitr\u00e4ge. Auch Arbeitnehmer, die die Mini- und Midi-Job-Zonen verlassen, m\u00fcssen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel von ihrem erarbeiteten Geld an den Staat abgeben.<\/p>\n<p>&#8222;Viele glauben, dass die Belastung aus Steuern und Sozialabgaben mit dem Einkommen steigt&#8220;, sagt Hentze. &#8222;Das trifft nicht in jedem Fall zu.&#8220; Es ist Aufgabe der Politik, Haushalten mit kleinem oder durchschnittlichem Einkommen bei Lohnerh\u00f6hungen nicht zu viel wegzunehmen.&#8220; Vor allem Sprungstellen, die beispielsweise entstehen, wenn ein Arbeitnehmer von einem Mini- zu einem Midi-Job wechselt und dadurch mehr Sozialabgaben hat, m\u00fcssen abgemildert werden. Mit Blick auf den Fachkr\u00e4ftemangel sollten Lohnerh\u00f6hungen in den unteren und mittleren Einkommen nicht zum Nachteil werden \u2013 Arbeit muss sich f\u00fcr die Arbeitnehmer lohnen. Senkt die Politik also die Grenzabgabenbelastung, steigert sie den Anreiz, zu arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzte gro\u00dfe Steuerreform ist knapp 20 Jahre her, damals entlasteten SPD und Gr\u00fcne die B\u00fcrger. 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