{"id":14116,"date":"2019-05-21T14:26:15","date_gmt":"2019-05-21T12:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=14116"},"modified":"2019-05-21T14:26:15","modified_gmt":"2019-05-21T12:26:15","slug":"was-europa-fuer-die-nrw-wirtschaft-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/was-europa-fuer-die-nrw-wirtschaft-bedeutet\/","title":{"rendered":"Was Europa f\u00fcr die NRW-Wirtschaft bedeutet"},"content":{"rendered":"<p>Die kommende Europawahl ist die spannendste, die es bislang gab. Das liegt aber leider nicht in erster Linie daran, dass unterschiedliche Zukunftskonzepte gegeneinander antreten und die Parteien konstruktiv \u00fcber die Ausrichtung einer gemeinsamen Finanz-, Wirtschafts-, Forschungs-, Au\u00dfen- und Klima-\/Energiepolitik streiten. Der Grund f\u00fcr die Spannung liegt vor allem darin, dass sich alle fragen, wie viele Europagegner k\u00fcnftig im Europaparlament sitzen \u2013 mit dem erkl\u00e4rten Ziel, die EU von innen zu schw\u00e4chen., unterstreicht Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister f\u00fcr Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, im NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Entwicklung bek\u00fcmmert mich als Anh\u00e4nger der europ\u00e4ischen Idee, die unserem Kontinent eine nie zuvor dagewesene Friedens- und Wohlstandsperiode gebracht hat. Sie besorgt mich aber auch als Wirtschaftsminister eines Bundeslandes, das wie kaum eine andere Region in Europa vom Binnenmarkt profitiert. Der freie Handel und der freie Warenverkehr sind mit einem politisch starken, einigen Europa untrennbar verbunden. Es w\u00e4re naiv zu glauben, dass man Wirtschaftsbeziehungen von anderen politischen Fragen in Europa einfach abkoppeln kann. Diese Erkenntnis d\u00e4mmert derzeit auch den Briten.<\/p>\n<p><strong>Zwei Drittel der industriellen Exportg\u00fcter gehen in die EU<\/strong><\/p>\n<p>Nordrhein-Westfalen w\u00e4re ohne die Europ\u00e4ische Union und ihren Binnenmarkt nicht da, wo es heute steht. Unsere Industrie verdient fast jeden zweiten Euro im Ausland. Von ihren Exporten gehen nahezu zwei Drittel in ein EU-Land. Die Bedeutung des Binnenmarkts f\u00fcr das produzierende Gewerbe in Nordrhein-Westfalen nimmt sogar noch zu. 2012 hatte die EU f\u00fcr die NRW-Industrie im Exportgesch\u00e4ft einen Anteil von 61,9 Prozent, inzwischen sind es 65,7 Prozent. \u00c4hnlich wichtig ist der EU-Binnenmarkt f\u00fcr den Export von Dienstleistungen. Der Grad an internationaler Verflechtung unserer Unternehmen w\u00e4chst best\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Diese Verflechtung w\u00e4re ohne ein einiges Europa zwar nicht unm\u00f6glich. Aber der Binnenmarkt macht den internationalen Handel einfacher, schneller und ertragreicher. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat k\u00fcrzlich berechnet, dass jeder Deutsche durchschnittlich 1.046 Euro seines j\u00e4hrlichen Einkommens dem EU-Binnenmarkt zu verdanken hat. Auf 18,6 Milliarden Euro belaufen sich allein die Einkommensgewinne in Nordrhein-Westfalen. Insbesondere die Regierungsbezirke K\u00f6ln (1.172 Euro) und D\u00fcsseldorf (1.143 Euro) liegen bei den Pro-Kopf-Einkommensgewinnen deutlich \u00fcber Bundesdurchschnitt. Mit anderen Worten: Der freie Warenverkehr macht uns wohlhabender, Nationalismus und Protektionismus machen uns \u00e4rmer.<\/p>\n<p><strong>Der EU-Binnenmarkt macht den Kuchen gr\u00f6\u00dfer \u2013 f\u00fcr alle<\/strong><\/p>\n<p>Welches Ergebnis mich in der Studie besonders gefreut hat, ist der Befund, dass alle gewinnen. Zwar profitieren industrie- und exportstarke Regionen wie Nordrhein-Westfalen besonders vom Binnenmarkt, ein sattes Plus verzeichnen jedoch auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Und auf europ\u00e4ischer Ebene profitieren Luxemburg und die Niederlande zwar erheblich st\u00e4rker als Bulgarien und Rum\u00e4nien, doch trotzdem sind am Ende alle Gewinner. Europa macht den Kuchen insgesamt gr\u00f6\u00dfer, und deshalb bekommt jeder ein gr\u00f6\u00dferes St\u00fcck, als er ohne vereintes Europa bek\u00e4me.<\/p>\n<p>Gemeinsam sind wir Europ\u00e4er st\u00e4rker als jeder f\u00fcr sich allein. Wer glaubt, Deutschland sei in einer so privilegierten Position, dass Einzeldeals besser f\u00fcr uns w\u00e4ren, als gemeinsam eine starke Verhandlungsposition zu schaffen, dem sei ein Blick nach Gro\u00dfbritannien empfohlen. Die britische Wirtschaft verliert schon an Bedeutung, da ist der Brexit noch gar nicht vollzogen. Die nordrhein-westf\u00e4lischen Exporte ins Vereinigte K\u00f6nigreich sanken im vergangenen Jahr um 15,6 Prozent. Allein die Aussicht auf Einschr\u00e4nkung des zollfreien Warenverkehrs sorgt neben der Pfundschw\u00e4che f\u00fcr eine Eintr\u00fcbung der Wirtschaftsbeziehungen.<\/p>\n<p>Ironischerweise haben einige der Regionen in Gro\u00dfbritannien, die am st\u00e4rksten vom Binnenmarkt profitieren, am deutlichsten f\u00fcr einen Austritt aus der EU votiert. Dieses Abstimmungsverhalten l\u00e4sst sich auf verschiedene Arten interpretieren. Eines allerdings l\u00e4sst sich festhalten: Wer in einer volkswirtschaftlichen Betrachtung zu dem Schluss kommt, sein eigenes Land zahle unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel in EU-Kassen ein, sollte sich zugleich sehr gut anschauen, wie stark sein Land vom Binnenmarkt profitiert.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftlicher Erfolg als Grundvoraussetzung<\/strong><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist Europa mehr als freier Dienstleistungs- und Warenverkehr. So wie sich Wohlstand nicht nur an makro\u00f6konomischen Kennziffern misst, deren Pro-Kopf-Durchschnittswerte ja auch nur ein Hilfsmittel sind, um ihre Bedeutung etwas greifbarer zu machen. Doch der ber\u00fchmt gewordene Satz \u201eIt\u2019s the economy, stupid!\u201c aus Bill Clintons Wahlkampf ist nach wie vor g\u00fcltig. Ohne wirtschaftlichen Erfolg wird es schwer, all unsere anderen gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern.<\/p>\n<p>Deshalb erhoffe ich mir von den Europawahlen ein starkes Zeichen f\u00fcr unsere heimische Wirtschaft, dass der gr\u00f6\u00dfte Absatzmarkt f\u00fcr ihre Exportg\u00fcter stabil und verl\u00e4sslich bleibt. Und ein Zeichen an die Welt, dass Europa sich dar\u00fcber bewusst ist: Seine Kraft steigt weltweit mit seiner Einigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kommende Europawahl ist die spannendste, die es bislang gab. 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