{"id":13988,"date":"2019-05-15T14:49:59","date_gmt":"2019-05-15T12:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13988"},"modified":"2019-05-15T14:52:14","modified_gmt":"2019-05-15T12:52:14","slug":"auf-die-herausforderungen-der-zukunft-gibt-es-nur-eine-antwort-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/auf-die-herausforderungen-der-zukunft-gibt-es-nur-eine-antwort-europa\/","title":{"rendered":"\u201eAuf die Herausforderungen der Zukunft gibt es nur eine Antwort: Europa\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWenn wir dieses Europa versemmeln, dann h\u00e4tten wir Anspruch auf den Titel der d\u00e4mlichsten Generation, die jemals in Europa gelebt hat\u201c. Das war eine klare Aussage von Professor Dr. Norbert Lammert gestern Abend im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft in Siegen. Auf Einladung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein sprach der ehemalige Pr\u00e4sident des deutschen Bundestages und jetzige Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung zu dem Thema: \u201eZwischen Brexit, Fl\u00fcchtlingskrise und Populismus \u2013 europ\u00e4ische Herausforderungen im 21. Jahrhundert\u201c. Wenige Tage vor der Wahl zum europ\u00e4ischen Parlament am 26. Mai 2019 machte er deutlich, dass der Zusammenschluss der europ\u00e4ischen Nationalstaaten zu einer Gemeinschaft vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen \u00a0Entwicklungen alternativlos sei. \u201eWer heute glaubt, die Herausforderungen der globalisierten Welt nationalstaatlich l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, der m\u00f6ge sich bitte bei mir melden. Ich habe bisher noch niemanden gefunden.\u201c Auch unter den \u00a0fast 300 Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft fand sich niemand.<\/p>\n<div id=\"attachment_13991\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/VV-Lammert2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13991\" class=\"size-medium wp-image-13991\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/VV-Lammert2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/VV-Lammert2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/VV-Lammert2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/VV-Lammert2.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13991\" class=\"wp-caption-text\">Dipl.-Ing. J\u00f6rg Dienenthal, Vorsitzender der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, dankte Norbert Lammert f\u00fcr seinen eindrucksvollen Vortrag.<\/p><\/div>\n<p>Historisch gesehen hat sich Europa nie in einer besseren Verfassung befunden als heute. In allen Mitgliedsstaaten der Europ\u00e4ischen Union gibt es demokratisch gew\u00e4hlte Parlamente. Die Zustimmung der Menschen zu Europa ist hoch. Gleichzeitig befindet sich die Europ\u00e4ische Union aktuell in ihrer miserabelsten Lage. Globalisierung und Digitalisierung und die damit verbundenen schnellen Ver\u00e4nderungen haben dazu gef\u00fchrt, dass viele Menschen zunehmend verunsichert sind. Der zunehmende Populismus ist eine Reaktion auf diese Ver\u00e4nderungen. Das ist eine Entwicklung, die derzeit in aller Welt stattfindet. \u201eWer h\u00e4tte beispielsweise vor zehn Jahren gedacht, dass heute ein Populist an der Spitze der Vereinigten Staaten von Amerika steht und mit seine Devise \u201aAmerica first\u2018 die bekannte Welt grundlegend ver\u00e4ndert\u201c, so Norbert Lammert.<\/p>\n<p>In Italien, einem Gr\u00fcndungsmitglied der Europ\u00e4ischen Union, ist die Europaskepsis inzwischen ebenfalls Kernelement der Politik. \u201eWir stellen unsere eigene Zust\u00e4ndigkeit wieder her und l\u00f6sen damit unsere Probleme\u201c, so lautet nicht nur dort die Devise der Populisten. Aber das ist ein Trugschluss, denn nach Ansicht von Norbert Lammert entziehen Globalisierung und Digitalisierung den Nationalstaaten die Grundlage ihrer eigenen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. \u201eImmer mehr Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind auf diese Weise nicht mehr regelbar.\u201c Lammert nannte in diesem Zusammenhang beispielsweise die Migration, den Klimawandel, den internationalen Terrorismus oder die Steuerung der internationalen Finanzm\u00e4rkte. \u201eMitte der 90er Jahre war das weltweite Sozialprodukt etwa achtmal so gro\u00df wie das Finanzprodukt. Heute ist das Sozialprodukt viermal so gro\u00df wie damals, das Finanzprodukt aber zweihundertmal so gro\u00df.\u201c Die virtuelle Wirtschaft ist inzwischen ebenfalls zehnmal so gro\u00df, wie die Realwirtschaft. \u201eWelcher Nationalstaat w\u00e4re noch in der Lage, das zu regeln oder zu kontrollieren\u201c, so Lammert.<\/p>\n<p>Auf diese Herausforderungen gibt es nur eine Antwort und die lautet \u201eEuropa\u201c. Selbst die Briten werden nach ihrem Austritt aus der Europ\u00e4ischen Union, wenn er denn tats\u00e4chlich stattfindet, feststellen m\u00fcssen, dass sie dann nur noch eine mittelgro\u00dfe Insel in der Nordsee sind. Davon ist Norbert Lammert \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>\u201eSolange wir um unsere Freiheit gek\u00e4mpft haben, wussten wir, was wir wollten. Jetzt sind wir frei und wissen es nicht mehr.\u201c Dieses Zitat von V\u00e1clav Havel, des ehemaligen Staatspr\u00e4sidenten der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 erster Staatspr\u00e4sident der Tschechischen Republik, beschreibt nach Ansicht von Norbert Lammert sehr gut den aktuellen Zustand der Europ\u00e4ischen Union. Deshalb findet er auch einen Vorschlag von Jean-Claude Juncker, dem amtierenden Pr\u00e4sidenten der Europ\u00e4ischen Kommission, sehr sympathisch. \u201eUm den Menschen vor Augen zu f\u00fchren, was sie an Europa haben, hatte Juncker vor einigen Jahren die Idee, die EU eine Woche lang in den Zustand vor der Einigung zur\u00fcck zu versetzen.\u201c Nat\u00fcrlich ist das so nicht m\u00f6glich, aber es w\u00fcrde den Menschen sehr eindrucksvoll klar machen, was sie an Europa haben, so Lammert.<\/p>\n<p>\u201eWir selber haben es in der Hand. Wir sind die Ersten, die \u00fcber das Schicksal Europas selber entscheiden k\u00f6nnen. Wir sind verantwortlich, was mit Europa geschieht. Wir sind die Herren und Damen \u00fcber unsere eigene Zukunft.\u201c Deshalb appellierte Norbert Lammert auch an die zahlreichen Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer: \u201eGehen Sie am 26. Mai zur Wahl und geben Sie Europa Ihre Stimme.\u201c<\/p>\n<p>Diesem Aufruf hatte sich Dipl.- Ing. J\u00f6rg Dienenthal, Vorsitzender der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, bereits in seiner Begr\u00fc\u00dfung angeschlossen. \u201eEuropa ist das Beste, was uns Deutschen insbesondere passiert ist. Der gemeinsame Markt sorgt f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung, Arbeit und Wohlstand. Wir k\u00f6nnen innerhalb der EU frei reisen, wir k\u00f6nnen selber bestimmen, wo wir leben und arbeiten wollen und wir k\u00f6nnen bereits in vielen L\u00e4ndern mit einer gemeinsamen W\u00e4hrung bezahlen. Alles das sind Errungenschaften, die f\u00fcr viele Menschen in Europa inzwischen selbstverst\u00e4ndlich sind, aber \u00fcber viele Jahrhunderte von Konflikten und Auseinandersetzungen in Europa kaum vorstellbar waren. Deshalb auch unsere Bitte: Gehen Sie zur Wahl.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn wir dieses Europa versemmeln, dann h\u00e4tten wir Anspruch auf den Titel der d\u00e4mlichsten Generation, die jemals in Europa gelebt hat\u201c. 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