{"id":13612,"date":"2019-04-16T10:32:47","date_gmt":"2019-04-16T08:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13612"},"modified":"2019-04-16T10:32:47","modified_gmt":"2019-04-16T08:32:47","slug":"wie-sieht-die-zukunft-des-geldes-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wie-sieht-die-zukunft-des-geldes-aus\/","title":{"rendered":"Wie sieht die Zukunft des Geldes aus?"},"content":{"rendered":"<p>An der Supermarkt-Kasse wird nicht mehr das Portemonnaie gez\u00fcckt, sondern das Smartphone. Per Bezahl-App wird die Rechnung beglichen \u2013 kein Kramen nach Scheinen, Groschen oder Karten, kein Kontrollieren und Verstauen von Wechselgeld. Das Zahlen per Smartphone ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Auch sonst werden unsere Finanzm\u00e4rkte immer digitaler \u2013 und damit schneller. Doch was bedeutet das f\u00fcr die Zukunft des Geldes und der M\u00e4rkte? Wird das Bargeld irgendwann komplett verschwinden? Welche neuen Infrastrukturen des Geldes brauchen wir? Beim \u201eMoneyLab\u201c im Museum f\u00fcr Gegenwartskunst und auf dem Campus Unteres Schloss haben WissenschaftlerInnen, K\u00fcnstlerInnen und AktivistInnen \u00fcber diese und \u00e4hnliche Fragen diskutiert. Es handelte sich um eine gemeinsame Tagung des Sonderforschungsbereichs (SFB) \u201eMedien der Kooperation\u201c der Universit\u00e4t Siegen und des Institute of Network Cultures aus Amsterdam.<\/p>\n<p>Dr. Sebastian Gie\u00dfmann ist Nachwuchsgruppenleiter am Sonderforschungsbereich und besch\u00e4ftigt sich seit vielen Jahren mit Geld\u00a0als Medium und dem Bezahlen als Medienpraktik. Beides habe sich durch die zunehmende Digitalisierung ver\u00e4ndert, sagt Gie\u00dfmann: \u201eBezahlen ist heute nicht mehr nur der Tausch von Geld gegen eine bestimmte Ware, sondern durch die neuen Bezahltechniken geht es pl\u00f6tzlich auch dabei um digitale Medienkompetenz.\u201c Bei der Abwicklung digitaler Bezahlvorg\u00e4nge werden Daten erhoben und abgespeichert. Geld werde damit immer mehr zu einem sozialen Medium, es existiere vor allem in Form einer vernetzten Buchhaltung, erkl\u00e4rt Gie\u00dfmann: \u201eDas ist der gro\u00dfe Unterschied zum Bargeld. Scheine und M\u00fcnzen liefern in unserer digitalen Welt ein Ma\u00df an Anonymit\u00e4t, das ansonsten immer mehr verloren geht. Deshalb glaube ich auch nicht, dass das Bargeld in n\u00e4herer Zukunft komplett verschwinden wird.\u201c<\/p>\n<p>Hinzu komme insbesondere in Deutschland eine relativ ausgepr\u00e4gte Skepsis gegen\u00fcber digitalen Bezahlsystemen: \u201eBargeld verf\u00fcgt \u00fcber offensichtliche Sicherheitsmerkmale, die jeder selbst optisch und haptisch \u00fcberpr\u00fcfen kann. Eine solche Pr\u00fcfm\u00f6glichkeit bieten Apps hingegen nicht, hier ist ein gr\u00f6\u00dferer Vertrauensvorschuss gefragt\u201c, sagt Gie\u00dfmann. In anderen L\u00e4ndern sei man grunds\u00e4tzlich offener \u2013 das habe sich zum Beispiel auch bei der Etablierung der Kreditkarte als Zahlungsmittel gezeigt. In den USA wurde die Massen-Kreditkarte bereits in den 60er Jahren eingef\u00fchrt. Der Digitalisierungsprozess der Bezahlinfrastrukturen habe schon damals begonnen und sich seitdem fortlaufend entwickelt, betont Gie\u00dfmann: \u201eIch wundere mich immer, wie in Deutschland \u00fcber Digitalisierung gesprochen wird. Als h\u00e4tte das gerade eben erst angefangen.\u201c<\/p>\n<p>Auch an den B\u00f6rsen haben sich moderne Handelstechniken wie der Hochfrequenzhandel mit automatisch generierten Verkaufsauftr\u00e4gen etabliert. Das macht Abl\u00e4ufe schneller, birgt aber auch Risiken: Durch automatisierte Vorg\u00e4nge k\u00f6nnen an den M\u00e4rkten rapide Abw\u00e4rtsbewegungen entstehen, die nicht zu stoppen sind und zu so genannten \u201eFlash-Crashs\u201c f\u00fchren. Umso bedeutsamer sind die zugrundeliegenden Algorithmen, die die Finanzm\u00e4rkte steuern \u2013 sie wurden beim MoneyLab durch die Chicagoer Soziologin Karin Knorr-Cetina eingeordnet.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ging es bei der Tagung um vernetzte digitale Medien und M\u00f6glichkeiten der Kommerzialisierung, die sich daraus ergeben: Social Media-Plattformen wie Instagram oder Tumblr erm\u00f6glichen es NutzerInnen, mit Beitr\u00e4gen Geld zu verdienen. Welche Strategien erfolgreiche InfluencerInnen dazu anwenden, erl\u00e4uterte Social Media-Forscherin Dr. Crystal Abidin. Entscheidend sei ein Mix aus besonderen F\u00e4higkeiten oder Eigenschaften, Exklusivit\u00e4t \u2013 aber auch Allt\u00e4glichkeit, erkl\u00e4rte Abidin. So zeichnen sich erfolgreiche InfluencerInnen einerseits durch Attraktivit\u00e4t, gro\u00dfen Reichtum oder ein bestimmtes Talent aus. Gleichzeitig erm\u00f6glichen sie es ihren Followern, durch regelm\u00e4\u00dfige posts an ihrem \u2013 vermeintlichen \u2013 Alltag teilzuhaben. Welche Art von Inhalten InfluencerInnen dabei erstellen, welche Kommerzialisierungsstrategien sie nutzen und wie sie die Algorithmen der jeweiligen Plattformen zu ihren Gunsten optimieren, erforscht Abidin in Australien, S\u00fcdostasien und Europa.<\/p>\n<p>Beim MoneyLab handelt es sich um eine j\u00e4hrliche Veranstaltung, die 2019 zum ersten Mal in Siegen stattgefunden hat. Vorherige Veranstaltungsorte waren neben Amsterdam unter anderem London und Buffalo. Im Herbst 2019 wird das Moneylab erneut in Amsterdam stattfinden. Weitere Infos unter\u00a0<a class=\" cd_intlink\" href=\"http:\/\/networkcultures.org\/moneylab\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/networkcultures.org\/moneylab\/<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Supermarkt-Kasse wird nicht mehr das Portemonnaie gez\u00fcckt, sondern das Smartphone. 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