{"id":13590,"date":"2019-04-12T12:21:19","date_gmt":"2019-04-12T10:21:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13590"},"modified":"2019-04-12T12:22:14","modified_gmt":"2019-04-12T10:22:14","slug":"betriebsnachfolge-wichtiges-thema-im-handwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/betriebsnachfolge-wichtiges-thema-im-handwerk\/","title":{"rendered":"Betriebsnachfolge &#8211; wichtiges Thema im Handwerk"},"content":{"rendered":"<p>Zu einem \u201eNachfolgefr\u00fchst\u00fcck\u201c im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft in Siegen hatte die Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer S\u00fcdwestfalen eingeladen. Rund 80 Interessierte aus unterschiedlichen Gewerken waren der Einladung gefolgt, um sich bei einem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck umfassend zum Thema Betriebsnachfolge zu informieren.<\/p>\n<p>Besonders im Handwerk ist es heutzutage oft schwer, einen Nachfolger f\u00fcr einen Betrieb zu finden. Und selbst wenn ein Nachfolger gefunden wurde, so stellen sich die Inhaber oft die Frage, wie man eine Betriebs\u00fcbergabe denn wohl am besten gestalten kann. Schlie\u00dflich kommt es auf viele betriebswirtschaftliche, steuer- und arbeitsrechtliche sowie teilweise erbschaftsrechtliche Aspekte an. Fachgebiete, mit denen die meisten Anwesenden im Regelfall nur wenig vertraut sind. An dieser Stelle setzt das \u201eNachfolgefr\u00fchst\u00fcck\u201c der Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd an. In drei interessanten Fachvortr\u00e4gen gaben Experten Antworten auf die wichtigsten Fragestellungen rund um das Thema Nachfolge im Handwerksbetrieb. Kreishandwerksmeister Frank Clemens, der selber den Dachdeckerbetrieb seines Vaters \u00fcbernommen hat, wei\u00df aus eigener Erfahrung, was zu regeln ist und wie wichtig es ist, sich fr\u00fchzeitig Gedanken zu machen: \u201eDie Frage ist zun\u00e4chst: Wer soll\u00b4s machen? Das war fr\u00fcher einfacher, denn meistens \u00fcbernahm das \u00e4lteste Kind den Betrieb. Aber die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Das ist auch gut so. Es stellt uns in Bezug auf die Betriebsnachfolge aber vor neue Herausforderungen. W\u00e4hrend es fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndlich war, den elterlichen Betrieb weiter zu f\u00fchren, so gehen heute die jungen Menschen vielmehr den eigenen Interessen und W\u00fcnschen nach und schlagen oft einen anderen beruflichen Weg ein. Wenn aber doch jemand gefunden wurde, der den Betrieb \u00fcbernimmt, dann muss man sich damit besch\u00e4ftigen, was \u00fcberhaupt alles zu beachten ist. Daf\u00fcr haben wir heute die richtigen Fachleute da, die Ihnen einen \u00dcberblick geben und Ihnen weiterhelfen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><b>Anzahl der zu \u00fcbergebenden Betriebe steigt \u2013 Interessentenzahl sinkt\u00a0 \u00a0<\/b><\/p>\n<p>Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen ist ungebrochen und damit gleichbleibend hoch. Ca. 30 Prozent der derzeitigen Betriebsinhaber seien bereits \u00fcber 55 Jahre alt. Das l\u00e4sst erahnen, dass in den n\u00e4chsten Jahren eine Vielzahl von Betrieben zur \u00dcbernahme bereitsteht und einen Nachfolger sucht. Prinzipiell rosige Aussichten f\u00fcr junge Handwerksmeister. Dem entgegen stehe jedoch, dass sich die Zahl der Meisterpr\u00fcfungen in den letzten 20 Jahren halbiert habe und immer weniger junge Menschen selbstst\u00e4ndig sein m\u00f6chten. So beschreibt Uwe Hackler, Betriebsberater der Handwerkskammer S\u00fcdwestfalen mit Beratungsstelle in Olpe, die derzeitige Ausgangssituation im Hinblick auf die \u00dcbergabe von Betrieben an die n\u00e4chste Generation. Er macht deutlich: \u201eWeniger als 50 Prozent finden den Nachfolger in der Familie, rund 30 Prozent der Betriebe werden an Mitarbeiter \u00fcbergeben und 20 Prozent werden an Fremde verkauft oder schlie\u00dfen.\u201c Ausgangslage f\u00fcr alle weiteren \u00dcberlegungen seien zun\u00e4chst die W\u00fcnsche des Inhabers: Wie ist die pers\u00f6nliche Ausgangssituation? Wie soll die Versorgung im Alter geregelt sein? Wie sieht meine Lebensplanung nach dem Ruhestand aus und wie kann ich diese finanzieren? Wie stelle ich mir meinen Nachfolger vor und welche F\u00e4higkeiten sollte er mitbringen?<\/p>\n<p><b>Emotionale Schiene ist wichtiger Faktor bei der \u00dcbergabe<\/b><\/p>\n<p>Hinzu kommt ein weiterer wesentlicher Faktor: die Emotion. \u201eDie emotionale Schiene ist ein sehr wichtiger Punkt. Immerhin sind die Betriebe oftmals das Lebenswerk des Inhabers. Deshalb muss man sich auch ehrlich die Frage stellen: Bin ich bereits loszulassen?\u201c, wei\u00df der Experte. Denn Loslassen sei eine wichtige Grundvoraussetzung f\u00fcr die \u00dcbergabe des Betriebs \u2013 insbesondere in der eigenen Familie. Ebenso gab Uwe Hackler Antworten auf die Fragen: Wie ermittle ich den Wert meines Betriebs? Wo finde ich einen Nachfolger, wenn niemand aus der Familie \u00fcbernehmen m\u00f6chte? Ist mein Betrieb als Verkaufsobjekt \u00fcberhaupt interessant und worauf kommt es dabei an? In Bezug auf die Nachfolgeregelung gibt es mehrere Gestaltungsm\u00f6glichkeiten: Schenkung, Beteiligung, Verpachtung und Verkauf sind die G\u00e4ngigsten, die Uwe Hackler n\u00e4her erl\u00e4utert hat. \u201eWichtig ist dabei immer: Alles muss ehrlich, klar und sauber geregelt sein, damit kein Streit entsteht\u201c, so der erfahrene Betriebsberater, der nach eigenen Angaben etwa 80 \u00dcbernehmer und \u00dcbergeber im Jahr begleitet. F\u00fcr die Anwesenden, die sich allesamt mit dem Thema der Nachfolge im eigenen Betrieb besch\u00e4ftigen, hatte er folgende Tipps: \u201eKl\u00e4ren Sie Ihre Einkommensverh\u00e4ltnisse und bereiten Sie Ihren Betrieb rechtzeitig auf eine \u00dcbernahme vor. Suchen Sie fr\u00fchzeitig nach einem geeigneten Nachfolger und treffen Sie eine sinnvolle Erbregelung.\u201c Au\u00dferdem machte er Hoffnung: \u201eDem Handwerk geht es sehr gut. Es bietet damit gute Chancen f\u00fcr potenzielle Nachfolger.\u201c<br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<p><b>Gewusst wie: Steuerrechtliche Kniffe kennen und nutzen<\/b><\/p>\n<p>Um \u00fcber steuerrechtliche Regelungen in Bezug auf Betriebsnachfolge zu informieren, war Almut Schleifenbaum vor Ort. In ihrer Kanzlei in Siegen bietet die versierte Steuerberaterin Nachfolge- und \u00dcbergabeberatung an, um den Prozess m\u00f6glichst steuerg\u00fcnstig zu gestalten. \u201eEs ist sinnvoll, ab 55 Jahren \u00fcber die Betriebsnachfolge nachzudenken. Ab diesem Zeitpunkt kann man im Regelfall auch Freibetr\u00e4ge nutzen. Was es zu beachten gilt und was wie versteuert werden muss, regelt \u00a716 EstG. Aus steuerrechtlicher Sicht ist immer der Betrieb als Objekt, der Zeitpunkt der \u00dcbergabe, die Liquidit\u00e4t und das \u00fcberf\u00fchrbare Nettoverm\u00f6gen von Bedeutung\u201c, erkl\u00e4rt die Fachfrau. Au\u00dferdem sei besonders wichtig, dass man Privat- und Betriebsverm\u00f6gen klar voneinander abgrenze. Das bed\u00fcrfe oft einer besonderen Inventur, da sich im Laufe der Jahre das gesch\u00e4ftliche mit dem privaten Verm\u00f6gen in vielen F\u00e4llen verflechte. Almut Schleifenbaum machte den Anwesenden anhand eines anschaulichen Beispiels klar, welcher Wert beispielsweise bei einem Verkauf des Betriebs versteuert werden muss. Auch die Schenkungssteuer nahm die Expertin in den Blick und erl\u00e4uterte die Freibetr\u00e4ge, die abh\u00e4ngig vom Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis gestaffelt sind. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcsse man aber jeden Betrieb individuell anschauen, um die passende und steuerlich m\u00f6glichst g\u00fcnstigste L\u00f6sung zu finden. \u201eEin Steuerberater ist aber immer nur einer von vielen wichtigen Playern, die beim Thema Nachfolge um Rat gefragt werden sollten\u201c, r\u00e4t Almut Schleifenbaum abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p><b>Arbeitsrecht bei Betriebs\u00fcbernahme<\/b><\/p>\n<p>Dass eine Betriebs\u00fcbergabe immer auch mit arbeitsrechtlichen Verpflichtungen, Gew\u00e4hrleistungsfragen und sozialversicherungsrechtlichen Haftungsfragen verbunden ist, machte J\u00fcrgen Ha\u00dfler in seinem kurzen Vortrag klar. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd wei\u00df, worauf zu achten ist: \u201eWer einen Betrieb \u00fcbernimmt, muss auch die Mitarbeiter komplett \u00fcbernehmen \u2013 und zwar so, wie sie sind. Aber Mitarbeiter, die ich \u00fcbernehme, sind ja heutzutage eigentlich Sch\u00e4tze\u201c, so J\u00fcrgen Ha\u00dfler, der damit auch auf die Schwierigkeit, geeignete Mitarbeiter im Handwerk zu finden, hinwies. Wichtig sei, dass Inhaber eine solch komplexe Angelegenheit wie die Betriebsnachfolge, nicht ohne Rat und Tat von Fachleuten zu regeln versuchen. Denn hier sei Expertenwissen gefragt, damit alles reibungslos und ohne \u00c4rger \u00fcber die B\u00fchne gehe.<\/p>\n<p><b>Handwerksorganisationen helfen bei Nachfolgeregelungen<\/b><\/p>\n<p>Mit dem Thema Betriebsnachfolge stehen die Unternehmen deshalb nicht alleine da. Sowohl die Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd als auch die Handwerkskammer S\u00fcdwestfalen bieten umfassende Beratung und Begleitung beim \u00dcbernahmeprozess \u2013 grunds\u00e4tzlich sogar kostenfrei. Dabei f\u00fchren die Fachleute ganz individuelle Beratungsgespr\u00e4che, analysieren die Lage des einzelnen Betriebs, Ermitteln den Wert und helfen bei der Suche nach einem passenden Nachfolger. \u201eWir haben heute einen guten thematischen Rundumschlag geboten, um Ihnen einen \u00dcberblick bei diesem umfangreichen Thema der Betriebsnachfolge zu geben. Die Nachwuchssorgen im Handwerk machen sich auch im Hinblick auf die Nachfolge in den Unternehmen bemerkbar. Leider wollen auch immer weniger Betriebe ausbilden. Ich rate Ihnen: Schmei\u00dfen Sie sich auch hier ins Zeug, denn das Handwerk brummt und lebt. Wenn man f\u00fcr sein Handwerk einsteht, wird man auch Erfolg haben\u201c, fasste Reiner Gerhard, Vize-Pr\u00e4sident der Handwerkskammer S\u00fcdwestfalen und Ehrenobermeister der Friseur-Innung Westfalen-S\u00fcd, die Themen abschlie\u00dfend zusammen. Im Anschluss gab es die Gelegenheit zum pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch mit allen Fachreferenten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu einem \u201eNachfolgefr\u00fchst\u00fcck\u201c im Haus der Siegerl\u00e4nder Wirtschaft in Siegen hatte die Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer S\u00fcdwestfalen eingeladen. 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