{"id":13486,"date":"2019-04-05T14:23:02","date_gmt":"2019-04-05T12:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13486"},"modified":"2019-04-05T14:23:02","modified_gmt":"2019-04-05T12:23:02","slug":"doppelausstieg-aus-kohle-und-atomenergie-birgt-grosse-risiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/doppelausstieg-aus-kohle-und-atomenergie-birgt-grosse-risiken\/","title":{"rendered":"\u201eDoppelausstieg aus Kohle- und Atomenergie birgt gro\u00dfe Risiken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die gro\u00dfe Mehrheit der heimischen Industriebetriebe (76 Prozent) h\u00e4lt die Pl\u00e4ne der Kohlekommission f\u00fcr unrealistisch, nach der Atomkraft jetzt auch noch aus der Kohleverstromung auszusteigen. Deutlich mehr als die H\u00e4lfte des verarbeitenden Gewerbes (58 Prozent) sieht in den Pl\u00e4nen zudem ein gro\u00dfes oder sehr gro\u00dfes Risiko. Das zeigt eine aktuelle, repr\u00e4sentative Befragung der heimischen Industrieunternehmen zur Energiepolitik der Bundesregierung durch die Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK). \u201eDie Industrie ist in Siegen-Wittgenstein und Olpe seit jeher Garant f\u00fcr Besch\u00e4ftigung und Wohlstand. Gerade die bei uns stark vertretenen Branchen im verarbeitenden Gewerbe, hier insbesondere die Gie\u00dfereien sowie energieintensive Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, werden die Folgen des Doppelausstiegs absehbar deutlich zu sp\u00fcren bekommen\u201c, kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der Umfrage, an der sich 267 Unternehmen beteiligten.<\/p>\n<p>Die Antworten verdeutlichen, dass sich die Sorgen vor allem auf weiter steigende Stromkosten (59 Prozent) und die Gef\u00e4hrdung der Netzstabilit\u00e4t und Versorgungssicherheit (42 Prozent) richten. Weiter bef\u00fcrchtet knapp jedes dritte Unternehmen (31 Prozent), dass der zeitliche Rahmen des Kohleausstiegs (bis 2038 bzw. 2035) bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Atomenergie zu knapp bemessen sei. 34 Prozent der Befragten benennen zudem die Abh\u00e4ngigkeit vom Ausland durch wachsende Stromimporte sowie die Verlagerung von Emissionen als Risiko.<\/p>\n<p>Die Umfrage liefert auch Antworten auf die Frage, wie die Unternehmen die Auswirkungen der Energiewende insgesamt auf die eigene Wettbewerbsf\u00e4higkeit bewerten. Jeder zweite Industriebetrieb geht demnach davon aus, dass sich die Energiewende negativ oder sehr negativ auf die eigene Wettbewerbsf\u00e4higkeit auswirkt. Nur 6 Prozent der Befragten beurteilen die Auswirkungen positiv. Immerhin 43 Prozent sch\u00e4tzen die Auswirkungen auf ihr Unternehmen als neutral ein. Wenngleich sich die Betriebe offenkundig auf die neuen Anforderungen im Zuge der Energiewende einstellen, erwarten sie mit Blick auf die eigene Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u00fcberwiegend negative Folgen.<\/p>\n<p>Befragt nach den konkreten Auswirkungen der Energiewende auf das eigene Unternehmen, rechnen drei von vier Unternehmen (76 Prozent) mit weiter steigenden Stromkosten. Felix G. Hensel: \u201eHier liegt eine Achillesferse f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Die deutsche Industrie zahlt schon heute so viel f\u00fcr Strom wie keine andere in Europa. Die un\u00fcbersichtliche Zusammensetzung der Strompreise aus Netzentgelten und diversen staatlichen Steuern und Abgaben macht es nicht besser.\u201c<\/p>\n<p>Fast jedes zweite Unternehmen (45 Prozent) bef\u00fcrchtet f\u00fcr die eigene Produktion Probleme mit der Versorgungssicherheit. 27 Prozent der befragten Unternehmen gehen gar von eigenen Investitionen, etwa in Notstromaggregate, aus, um die eigene Versorgungssicherheit dauerhaft zu gew\u00e4hrleisten. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eImmer mehr Produktionsanlagen werden durch elektronische Systeme gesteuert. Spannungs- und Frequenzschwankungen k\u00f6nnen leicht zu Produktionsausf\u00e4llen oder schlimmstenfalls zu Maschinensch\u00e4den f\u00fchren. Der steigende Anteil volatiler Energiequellen am Energiemix versch\u00e4rft das Problem tendenziell.\u201c 38 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sie zus\u00e4tzliche Ma\u00dfnahmen zur Energieeffizienz ergreifen m\u00fcssen. Eine Verlagerung der Produktionskapazit\u00e4ten oder Drosselung der Produktion im Inland fassen 14 Prozent bzw. 11 Prozent der Unternehmen als Folge der Energiewende ins Auge. \u201eAuch diese Werte sollten allen Verantwortlichen in der Politik eine Mahnung sein. Wenn jedes siebte Industrieunternehmen \u00fcber die Verlagerung von Produktionskapazit\u00e4ten ins Ausland nachdenkt, kann man nicht einfach zur Tagesordnung \u00fcbergehen. Wer industrielle Besch\u00e4ftigung vor Ort sichern will, muss das auf dem Bildschirm haben\u201c, erkl\u00e4rt Klaus Gr\u00e4bener weiter.<\/p>\n<p>Die Umfrageergebnisse zeigen zudem deutlich die Erwartungen der heimischen Industrie an die Politik.<\/p>\n<ul>\n<li>65 Prozent der Befragten fordern, den Netzausbau zu beschleunigen. Felix G. Hensel: \u201eVon den 7700 km an neuen oder ausgebauten Stromtrassen sind erst rund 1750 km genehmigt und gerade einmal 1000 km gebaut. Geht dies in diesem Schneckentempo weiter, d\u00fcrfte sich die Energiewende f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit vieler Betriebe und ihrer Besch\u00e4ftigten zu einem gravierenden Problem auswachsen! Dabei steigen die Risiken des Doppelausstiegs aus Atomenergie und Kohlestrom, je l\u00e4nger der Netzausbau dauert.\u201c 40 Prozent der Unternehmen fordern daher auch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.<\/li>\n<li>Die Steuern und Abgaben auf den Strompreis zu reduzieren, fordert jedes zweite Unternehmen (51 Prozent). Dazu geh\u00f6rt aus Sicht der IHK auch eine gr\u00f6\u00dfere Transparenz in der Zusammensetzung des Strompreises.<\/li>\n<li>41 Prozent der befragten Betriebe finden, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien st\u00e4rker vorangetrieben werden sollte. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDas spricht zum einen f\u00fcr die Unvoreingenommenheit und Offenheit der heimischen Industrie gegen\u00fcber den erneuerbaren Energien, zum anderen geht hiermit die Erwartung einher, dass Politik m\u00f6gliche Risiken weitgehend eind\u00e4mmt. Mehr als ein Drittel der Unternehmen (36 Prozent) fordert daher, die Energieversorgung besser zu koordinieren und abzustimmen. Die Betriebe w\u00fcnschen sich mehr Verl\u00e4sslichkeit.\u201c<\/li>\n<li>Genau deshalb sollten aus Sicht der IHK vereinbarte Zeitpl\u00e4ne \u00fcberdacht werden. Denn: Fast ein Drittel der Unternehmen (32 Prozent) fordert, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verl\u00e4ngern. 26 Prozent halten dies auch bei den Laufzeiten f\u00fcr die Kohlekraftwerke f\u00fcr erforderlich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Felix G. Hensel und Klaus Gr\u00e4bener sehen in der Energiewende eine sehr komplexe gesamtgesellschaftliche Aufgabe: \u201eEs ist unrealistisch, die Energieversorgung einer weltweit derart verflochtenen Volkswirtschaft wie der deutschen gewisserma\u00dfen auf Knopfdruck umstellen zu wollen. Das braucht mehr Zeit \u2013 vor allem, um angesichts der schrittweisen R\u00fcckf\u00fchrung von Atomkraft und Kohleverstromung auch weiterhin eine grundlastsichere Energieversorgung zu gew\u00e4hrleisten.\u201c Etliche Betriebe h\u00e4tten bereits ihre Produktionen m\u00f6glichst energiesparend und klimaschonend ausgerichtet. Nur mit der gesamten Wirtschaft seien die ambitionierten energiepolitischen Ziele zu stemmen, nicht aber gegen sie. \u201eDeshalb m\u00fcssen die mit den Vorschl\u00e4gen der Kohlekommission verbundenen Risiken st\u00e4rker die gesellschaftspolitische Debatte bestimmen. Wenn wir durch eine zu einseitige Fokussierung auf die Klimaziele unsere industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit verlieren, ist auf lange Sicht weder dem Klima in der Welt noch den Menschen vor Ort gedient\u201c, verdeutlichen Hensel und Gr\u00e4bener abschlie\u00dfend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gro\u00dfe Mehrheit der heimischen Industriebetriebe (76 Prozent) h\u00e4lt die Pl\u00e4ne der Kohlekommission f\u00fcr unrealistisch, nach der Atomkraft jetzt auch noch aus der Kohleverstromung auszusteigen&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":13495,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-13486","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-regionale-wirtschaft"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_2260-bearbeitet_WEB.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13486"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13497,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13486\/revisions\/13497"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}