{"id":13390,"date":"2019-04-01T12:10:34","date_gmt":"2019-04-01T10:10:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13390"},"modified":"2019-04-01T12:10:34","modified_gmt":"2019-04-01T10:10:34","slug":"wir-brauchen-mehr-europa-nicht-weniger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wir-brauchen-mehr-europa-nicht-weniger\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Eines mal vorab: Wir bei der Firma WESCO zeigen Flagge f\u00fcr Europa. Seit einigen Wochen flattert die Europaflagge vor dem Eingang zum Stammsitz meines Unternehmens in Arnsberg. Es ist mir ein inneres Bed\u00fcrfnis, mich auch \u00f6ffentlich sichtbar zu einem starken und geeinten Europa zu bekennen. Ich gehe davon aus, dass in den n\u00e4chsten Wochen auch noch viele andere Betriebe in Nordrhein-Westfalen Europaflaggen hissen werden. Was mich besonders freut: Ich wei\u00df, dass viele unserer Mitarbeiter unser Bekenntnis f\u00fcr Europa gut finden. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Bei uns im Unternehmen wird ohnehin derzeit viel \u00fcber Europa gesprochen. Etwa dar\u00fcber, dass j\u00fcngst eine Million Briten auf die Stra\u00dfe gegangen sind, um gegen den Brexit zu demonstrieren, sagt Egbert Neuhaus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der M. Westermann &amp; Co. GmbH und Vorsitzender des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte im NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im <a href=\"https:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Es ist so wichtig, dass wir jetzt wieder mehr \u00fcber Europa diskutieren und sprechen. Und zwar positiv. Denn mit gro\u00dfer Sorge nehme ich wahr, dass in letzter Zeit Populisten und Europa-Gegner immer mehr Zulauf erhalten \u2013 nicht nur jenseits der Grenzen in unseren Partnerl\u00e4ndern, sondern auch bei uns in Deutschland. Wir erleben, dass der bevorstehende Austritt des Vereinigten K\u00f6nigreichs und zunehmender Nationalismus an den Fundamenten unseres Kontinents r\u00fctteln. Nicht wenige bef\u00fcrchten nach der Wahl ein Auseinanderbrechen Europas, sollten die Anti-Europ\u00e4er die Oberhand gewinnen. F\u00fcr mich steht eines fest: Wenn Europa zerbricht, wird es keine Gewinner, aber viele Verlierer geben. Dabei haben wir dem Vereinten Europa so viel zu verdanken. 70 Jahre Frieden, Freiheit, Wohlstand. Ist denn das schon so selbstverst\u00e4ndlich geworden, dass es scheinbar in Vergessenheit geraten ist?<\/p>\n<p>Na klar: Auch wir Unternehmen haben so manchen Kritikpunkt, wenn es um Europa geht. So manche Regelung erscheint uns unverst\u00e4ndlich, so mancher Aufwand \u00fcberfl\u00fcssig. Ja, die Europ\u00e4ische Union ist wahrlich nicht perfekt. Aber ganz ehrlich: Nirgendwo sehe ich auch nur im Ansatz eine seri\u00f6se Alternative, die besser als das Vereinte Europa eben f\u00fcr diese 70 Jahre Frieden, Freiheit und Wohlstand gesorgt h\u00e4tte. Deshalb sage ich: Es muss doch das Ziel sein, Europa noch besser zu machen und verlorenes Vertrauen zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Vielleicht m\u00fcssen wir uns alle auch mehr zur\u00fccknehmen, wenn wir Kritik an den europ\u00e4ischen Institutionen \u00fcben. Immer wieder steht der Vorwurf \u00fcberbordender B\u00fcrokratie im Raum. Manchmal ist etwas despektierlich von \u201eden Br\u00fcsseler B\u00fcrokraten\u201c die Rede. Nur mal so viel: Allein die Stadtverwaltungen von K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und Dortmund besch\u00e4ftigen zusammen mehr Mitarbeiter als die EU-Kommission. Lassen wir doch nur diesen Vergleich einmal kurz auf uns wirken. Ich finde, da relativiert sich wohl einiges.<\/p>\n<p>Und was die Kritik am angeblichen Reglementierungs-Monster in Br\u00fcssel angeht: Nicht selten wird in Berlin und auch in den Bundesl\u00e4ndern noch munter B\u00fcrokratie draufgesattelt. Auch Nordrhein-Westfalen macht da keine Ausnahme, wenn ich allein an die investitionsfeindlichen und den Aufbau von Arbeitspl\u00e4tzen gef\u00e4hrdenden Extra-Auflagen des Landesnaturschutz- und des Landeswassergesetzes denke. Hier sitzt der Urheber eindeutig in D\u00fcsseldorf, nicht in Br\u00fcssel!<\/p>\n<p>Gelegentlich habe ich den Eindruck, dass es sich so mancher Politiker hierzulande lieber leichtmacht und schnell mit dem Finger auf Br\u00fcssel zeigt \u2013 auch, um von eigenen Verfehlungen abzulenken. Das ist nicht nur unfair, sondern obendrein auch noch gef\u00e4hrlich. Dieses Verhalten spielt Europa-Gegnern in die H\u00e4nde. Also mehr Ehrlichkeit bitte!<\/p>\n<p>Ich finde, wir alle m\u00fcssen wieder mehr daf\u00fcr tun, die unbestrittenen Vorz\u00fcge des Vereinten Europas herauszustellen: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, kulturelle Vielfalt, die Freiheit offener Binnengrenzen ohne Kontrollen \u2013 wollen wir all dies allen Ernstes in Frage stellen? Und als Unternehmer, der sich f\u00fcr die Arbeitspl\u00e4tze seiner Mitarbeiter verantwortlich f\u00fchlt, f\u00fcge ich hinzu: Der Europ\u00e4ische Binnenmarkt sichert auch in meinem Unternehmen viele Arbeitspl\u00e4tze, weil die L\u00e4nder in der Europ\u00e4ischen Union zu unseren wichtigsten Absatzm\u00e4rkten z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die vier gro\u00dfen Freiheiten, n\u00e4mlich die Freiz\u00fcgigkeit von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen auf einem Markt von \u2013 Gro\u00dfbritannien noch eingerechnet \u2013 immer noch 500 Millionen Menschen, geh\u00f6ren zu den gro\u00dfartigsten wirtschaftspolitischen Weichenstellungen und Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Sie zu sichern ist eine Verpflichtung, der wir alle uns auch mit Blick auf unsere Kinder und Enkel verschreiben sollten. Ich m\u00f6chte jedenfalls nicht, dass sie wieder Schlagb\u00e4ume und Grenzkontrollen erleben m\u00fcssen. Deshalb sage ich: Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines mal vorab: Wir bei der Firma WESCO zeigen Flagge f\u00fcr Europa. 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