{"id":13373,"date":"2019-04-01T08:30:50","date_gmt":"2019-04-01T06:30:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13373"},"modified":"2019-04-01T09:24:56","modified_gmt":"2019-04-01T07:24:56","slug":"keine-karriere-fuer-frauen-in-mint-berufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/keine-karriere-fuer-frauen-in-mint-berufen\/","title":{"rendered":"(K)eine Karriere f\u00fcr Frauen in MINT-Berufen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung wird vor allem im MINT-Bereich, also der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, f\u00fcr gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen sorgen und Fachkr\u00e4ften vielf\u00e4ltige Perspektiven bieten. Die Zahl der Besch\u00e4ftigten in diesem Bereich w\u00e4chst, doch junge Frauen sind mit einem Anteil von rund 16 Prozent unter den insgesamt 3,5 Millionen jungen MINT-Besch\u00e4ftigten immer noch stark unterrepr\u00e4sentiert (Stand 2016). Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr? Wie verlaufen ihre Karrieren? Und wie kann die aktuelle Situation m\u00f6glicherweise verbessert werden? Mit diesen und \u00e4hnlichen Fragen besch\u00e4ftigen sich seit 2017 WissenschaftlerInnen der Universit\u00e4t Siegen und des Instituts f\u00fcr Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) im Rahmen des vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung gef\u00f6rderten Forschungsprojekts <a href=\"http:\/\/www.mintdabei.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eMINTdabei\u201c<\/a>. Bei einem Projekttreffen mit VertreterInnen aus Forschung, Industrie und von Verb\u00e4nden am Campus Unteres Schloss wurden nun erste Ergebnisse der Untersuchungen vorgestellt und rege diskutiert.<\/p>\n<p>\u201eEs ist wichtig, das Thema in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen, jedes Gespr\u00e4ch leistet dazu einen Beitrag\u201c, sagte Juniorprofessorin und Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Ettl. Auch im Rahmen des Forschungsprojektes werden zahlreiche Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, denn es besteht vor allem aus zwei S\u00e4ulen: Auf der einen Seite wurden mittels qualitativer Interviews Gr\u00fcnderinnen, Unternehmerinnen und Angestellte zu ihren Karriereverl\u00e4ufen und den von ihnen wahrgenommenen H\u00fcrden und Herausforderungen, aber auch den Chancen im MINT-Bereich befragt. Auf der anderen Seite wurde eine quantitative Datenauswertung durchgef\u00fchrt, die die Besch\u00e4ftigungs- und Einkommenssituation von jungen Frauen in MINT-Berufen im Mittelstand untersuchte.<\/p>\n<p>Projektmitarbeiterin Julia Schnittker f\u00fchrte die insgesamt 72 qualitativen Interviews. Erste Erkenntnisse zeigen: Viele Frauen in MINT-Berufen haben den Eindruck, mehr leisten zu m\u00fcssen, als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Wenn sie sich erst einmal bewiesen haben, dann erfahren sie zwar Akzeptanz \u2013 aber auch Neid und Eifersucht. Eine der Befragten formulierte es folgenderma\u00dfen: \u201eWenn man immer sehr konziliant auftritt, dann ist das typisch Frau, weil man ein Weichei ist. Wenn man etwas h\u00e4rter auftritt oder mal seine Meinung kundtut, dann hat man Haare auf den Z\u00e4hnen. Also gilt es, den gesunden Mittelweg zu finden.\u201c<\/p>\n<p>Gest\u00fctzt werden diese Erkenntnisse auch durch die Ergebnisse der quantitativen Datenauswertung, die Dr. Rosemarie Kay vom IfM Bonn pr\u00e4sentierte. Mit Blick auf den nur geringf\u00fcgig steigenden Anteil von jungen Frauen in MINT-Berufen stellte die Wissenschaftlerin fest: \u201eFrauen holen in diesem Arbeitsmarktsegment nur sehr langsam auf.\u201c MINT-Besch\u00e4ftigte arbeiten vor allem im produzierenden Gewerbe, genau dort sind junge MINT-Frauen allerdings selten besch\u00e4ftigt. Sie sind eher im Dienstleistungssektor zu finden. Untersucht wurde auch, inwiefern die Arbeitsbedingungen einen Einfluss auf die Berufswahl haben k\u00f6nnen. Demnach arbeiten 36,4 Prozent aller jungen Frauen in sozialversicherungspflichtigen Berufen in Teilzeit, in MINT-Berufen sind es nur 20 Prozent. M\u00f6glicherweise ein Indiz f\u00fcr eine mangelnde Attraktivit\u00e4t durch mangelnde Flexibilit\u00e4t des Berufsfeldes. Was das Einkommen angeht, zeigen die Ergebnisse, dass die Einkommensl\u00fccke zwischen M\u00e4nnern und Frauen in MINT-Berufen geringer ist als in anderen Bereichen \u2013 allerdings weitet sich dieser sogenannte Gender-Pay-Gap mit steigender Betriebsgr\u00f6\u00dfe aus.<\/p>\n<p>Was diese und die weiteren Ergebnisse im Kern bedeuten, werden die Forscherinnen bis zum Projektabschluss im Fr\u00fchjahr 2020 analysieren. Aus den Interviews leitete Julia Schnittker aber bereits einige Handlungsempfehlungen ab: \u201eEs bedarf einer besseren Verteilung und Kommunikation von Unterst\u00fctzungsangeboten f\u00fcr Frauen im MINT-Bereich \u2013 auch in l\u00e4ndlichen Strukturen. Flexible Arbeitszeitmodelle m\u00fcssten etabliert werden und die Karriere- oder Berufsberatung sollte vielf\u00e4ltiger, spezifischer sowie geschlechtsneutraler werden.\u201c Ansonsten bleibe der Zufall bei der Entscheidung f\u00fcr einen MINT-Beruf ein zu gro\u00dfer Faktor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung wird vor allem im MINT-Bereich, also der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, f\u00fcr gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen sorgen und Fachkr\u00e4ften vielf\u00e4ltige Perspektiven bieten. 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