{"id":13217,"date":"2019-03-20T08:13:38","date_gmt":"2019-03-20T07:13:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=13217"},"modified":"2019-03-20T14:35:19","modified_gmt":"2019-03-20T13:35:19","slug":"leo-ante-portas-wie-it-tieren-und-menschen-hilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/leo-ante-portas-wie-it-tieren-und-menschen-hilft\/","title":{"rendered":"Leo ante portas: Wie IT Tieren und Menschen hilft"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein Viehhalter im Okavango-Delta eine SMS bekommt, in der ein L\u00f6we abgebildet ist, muss er schnell seine Rinder in Sicherheit bringen. Denn ein Rudel L\u00f6wen ist im Anmarsch. Etwa 1.200 L\u00f6wen leben in der Region in Botswana, rund 70 Tiere an der n\u00f6rdlichen Grenze direkt am Rande des UNESCO-Weltnaturerbes. Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren L\u00f6wen erschossen oder vergiftet, weil sie die frei umherlaufenden Rinder der Einheimischen angriffen und auch eine Gefahr f\u00fcr die Menschen darstellten. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch deutlich entspannt, heute werden in der Region nur noch sehr selten L\u00f6wen get\u00f6tet. Grund ist ein einzigartiges L\u00f6wen-Warnsystem, das WissenschaftlerInnen der Universit\u00e4t Siegen in den vergangenen zwei Jahren zusammen mit ForscherInnen der Naturschutzorganisation \u201eCLAWS Conservancy\u201c entwickelt haben.<\/p>\n<p>Das System warnt Viehhalter rechtzeitig, wenn L\u00f6wen den Rindern zu nahekommen. Auf diese Weise sch\u00fctzt es neben den Rindern auch die L\u00f6wen selbst, erkl\u00e4rt Dr. Helmut Hauptmeier von der \u201eiSchool\u201c (School of Media and Information) der Universit\u00e4t Siegen \u201eUnser System konnte daf\u00fcr sorgen, dass die Einheimischen den L\u00f6wen gegen\u00fcber positiver eingestellt sind. Es mildert den Konflikt ab, sodass Menschen und L\u00f6wen friedlich miteinander leben k\u00f6nnen\u201c, freut sich Hauptmeier.<\/p>\n<p>Seit es die Warn-SMS gibt, wurden etwa 50 Prozent weniger Rinder von den L\u00f6wen get\u00f6tet. Zuvor waren in eineinhalb Jahren\u00a0mehr als 220 F\u00e4lle gez\u00e4hlt worden, in denen L\u00f6wen freilaufende Rinder angegriffen hatten. Damit das System funktioniert, haben Biologen der \u201eCLAWS Conservancy\u201c L\u00f6wen-Rudel mit GPS-Sendern ausgestattet. Anhand der Daten der Tiere k\u00f6nnen die WissenschaftlerInnen eine kritische Linie festlegen, entlang derer Begegnungen zwischen L\u00f6wen und Rindern wahrscheinlich sind. N\u00e4hert sich ein L\u00f6we diesem virtuellen Zaun, dem so genannten Geofence, wird automatisch eine SMS verschickt.<\/p>\n<p>Anfangs musste ein Forscher der \u201eCLAWS Conservancy\u201c noch die GPS-Daten abrufen und den genauen Ort auf einer Karte bestimmen. \u201eDas war oft mitten in der Nacht der Fall\u201c, erkl\u00e4rt Konstantin Aal, Wirtschaftsinformatiker der Uni Siegen. Dann musste ein \u00dcbersetzer geweckt werden, damit die Viehhalter angerufen werden konnten. \u201eDas war auf Dauer viel zu umst\u00e4ndlich. Deshalb haben wir das System zusammen mit den DorfbewohnerInnen weiterentwickelt\u201c, sagt Aal. Jetzt sendet das System die SMS automatisch direkt an die betroffenen Viehhalter.<\/p>\n<div id=\"attachment_13218\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loewe_web_sms.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13218\" class=\"wp-image-13218 size-medium\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loewe_web_sms-300x254.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loewe_web_sms-300x254.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loewe_web_sms-768x651.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/loewe_web_sms.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13218\" class=\"wp-caption-text\">Die Viehz\u00fcchter werden in Landessprache gewarnt.<\/p><\/div>\n<p>Die Nachrichten beinhalten eine Warnung in der Landessprache Setswanisch \u2013 und es ist ein L\u00f6we abgebildet. \u201eWichtig war, dass die SMS in mehreren Formaten und Designs zur Verf\u00fcgung stehen, da unser Alarmsystem unterschiedliche Empf\u00e4nger hat, darunter auch Menschen, die weder lesen noch schreiben k\u00f6nnen\u201c, sagt L\u00f6wenforscher Dr. Florian Weise von der CLAWS Conservancy. 120 Viehhalter bekommen die SMS mittlerweile, etwa 30 bis 40 Kurznachrichten werden pro Monat verschickt. Wo genau sich die L\u00f6wen befinden, wird darin aber nicht mitgeteilt \u201eWir wollen nicht, dass sie angegriffen werden\u201c, erkl\u00e4rt Konstantin Aal. \u201eWenn ein Viehhalter eine SMS bekommt, wei\u00df er aber, dass seine Rinder gef\u00e4hrdet sind.\u201c<\/p>\n<p>In dem Projekt geht es aber nicht nur darum, den DorfbewohnerInnen technisch zu helfen. In Workshops zeigen die ForscherInnen ihnen auch, wie man Gatter so baut, dass die L\u00f6wen sie nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem m\u00f6chten sie ein neues Konzept des Rinderh\u00fctens vermitteln, bei dem mehrere Herden zusammengeschlossen werden und abwechselnd ein Hirte dabei ist, der im Notfall auch angreifende L\u00f6wen verscheuchen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Damit das Warnsystem auch wirklich vor allen L\u00f6wen warnen kann, sollen k\u00fcnftig noch mehr Tiere einen GPS-Sender bekommen. Die Biologen der \u201eCLAWS Conservancy\u201c sind daf\u00fcr zust\u00e4ndig. Dazu wird jeweils ein Tier eines Rudels bet\u00e4ubt und bekommt ein Halsband mit einem integrierten GPS-Sender umgelegt. Alle zwei Stunden sendet der \u00fcber Satellit ein Signal, das verr\u00e4t, wo sich die L\u00f6wen gerade aufhalten. \u201eDie GPS-Halsb\u00e4nder st\u00f6ren die L\u00f6wen nicht. Wenn die Batterie nach etwa drei Jahren leer ist, fallen die Halsb\u00e4nder einfach ab\u201c, erkl\u00e4rt Hauptmeier.<\/p>\n<p>Das Warnsystem soll in Zukunft nicht nur f\u00fcr die L\u00f6wen in Botswana genutzt werden. Die ForscherInnen der Uni Siegen haben mit den WissenschaftlerInnen der CLAWS Conservancy schon Ideen f\u00fcr weitere Anwendungen entwickelt: Die Technik k\u00f6nnte etwa zum Schutz von W\u00f6lfen im amerikanischen Westen eingesetzt werden oder f\u00fcr den tasmanischen Teufel, einen Raubbeutler, der heute nur noch in Tasmanien vorkommt. \u00dcber ihre Arbeit im Okovango-Delta haben die WissenschaftlerInnen jetzt einen Artikel in der internationalen Fachzeitschrift \u201eFrontiers in Ecology and Evolution\u201c ver\u00f6ffentlicht:<br \/>\n<a class=\" cd_intlink\" href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/articles\/10.3389\/fevo.2018.00242\/full\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.frontiersin.org\/articles\/10.3389\/fevo.2018.00242\/full<\/a><\/p>\n<p><em>Text: Sonja Riedel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Viehhalter im Okavango-Delta eine SMS bekommt, in der ein L\u00f6we abgebildet ist, muss er schnell seine Rinder in Sicherheit bringen. 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