{"id":1244,"date":"2013-02-27T16:17:20","date_gmt":"2013-02-27T15:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=1244"},"modified":"2013-02-27T16:17:20","modified_gmt":"2013-02-27T15:17:20","slug":"unternehmensruf-und-betriebsklima-wichtiger-als-verguetung-und-firmengroesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/unternehmensruf-und-betriebsklima-wichtiger-als-verguetung-und-firmengroesse\/","title":{"rendered":"Unternehmensruf und Betriebsklima wichtiger als Verg\u00fctung und Firmengr\u00f6\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Lehrstellenmarkt kehrt sich um. Schon in wenigen Jahren werden sich die jungen Schulabg\u00e4nger ihre Ausbildungsunternehmen aussuchen. Die Firmen m\u00fcssen sich also noch intensiver mit den Schulabsolventen besch\u00e4ftigen, wenn sie ihren Fachkr\u00e4ftenachwuchs auch in Zukunft sicher rekrutieren wollen.\u201c Dies stellte IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Franz J. Mockenhaupt bei der Vorstellung einer breit angelegten Studie fest, die sich mit den Erwartungen junger Schulabg\u00e4nger an ihre Wunsch-Ausbildungsbetriebe befasst.<\/p>\n<p>In den vergangenen drei Monaten befragte die Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) knapp 2000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler danach, welche Merkmale ihrer zuk\u00fcnftigen Arbeitgeber f\u00fcr sie wichtig sind, auf was sie bei der Auswahl ihrer Ausbildungsbetriebe achten und wie sie sich \u00fcber die Unternehmen informieren. Durch die Studie solle die betriebliche Kenntnis \u00fcber die Jugendlichen von heute deutlich verbreitert werden. Man habe aus dem Befund der Befragung zugleich Handreichungen f\u00fcr die Ausbildungsbetriebe erarbeitet, wie die Firmen bei den jungen Leuten besonders gut \u201cpunkten\u201c k\u00f6nnten. Franz J. Mockenhaupt: \u201eDie Unternehmen m\u00fcssen sich heute auf junge Leute einstellen, die vielfach anders sind als die Generation vor ihnen. Sie m\u00fcssen diese jungen Menschen umwerben, sich mit ihnen auseinandersetzen und sich auf sie einlassen. Wie sie dies tun k\u00f6nnen, wird in unserer Erhebung an zahlreichen Beispielen verdeutlicht.\u201c Die IHK wende sich mit der Studie in erster Linie an die Ausbildungsunternehmen, aber auch an Firmen, die dies noch werden wollten. Die Schrift k\u00f6nne jedoch auch f\u00fcr die allgemein bildenden Schulen bei deren Aktivit\u00e4ten im Themenfeld \u201e\u00dcbergang Schule\/Beruf\u201c neue Impulse vermitteln.<\/p>\n<p>F\u00fcr 89 Prozent der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ist der Unternehmensruf bei der Wahl des Ausbildungsunternehmens entscheidend. Noch bedeutsamer sch\u00e4tzen die jungen Menschen das Betriebsklima ein (94 Prozent) \u2013 ein erstaunlich hoher Wert. Aus den Befragungsergebnissen geht eindeutig hervor, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf alle mit dem allgemeinen Betriebsklima zusammenh\u00e4ngenden weichen Faktoren, also vor allem auf den Umgang des Unternehmens mit seinen Auszubildenden und den ihnen entgegengebrachten Respekt, gr\u00f6\u00dften Wert legen. Einen \u00e4hnlich hohen Stellenwert nimmt die vermutete Ausbildungsqualit\u00e4t aus Sicht der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein. Je eher die Schulabsolventen den Eindruck haben, in dem relevanten Unternehmen eine Top-Ausbildung zu durchlaufen und gut auf die Pr\u00fcfungen vorbereitet zu werden, desto eher kommen diese Unternehmen f\u00fcr sie in Betracht. Der Unternehmensruf und das \u201eKlima\u201c werden damit deutlich wichtiger eingesch\u00e4tzt als etwa die Identifikation mit den Firmenprodukten (66 Prozent) oder dem Bekanntheitsgrad des Unternehmens (55 Prozent). Wenig bedeutsam aus Sicht der jungen Menschen ist, ob das Unternehmen im Umweltschutz oder bei sozialen Projekten engagiert ist (40 Prozent). F\u00fcr 88 Prozent der Jugendlichen ist es jedoch wichtig oder sehr wichtig, dass sie vor der Ausbildung ein Praktikum in dem relevanten Unternehmen durchlaufen k\u00f6nnen. F\u00fcr \u00fcber drei Viertel der Jugendlichen ist es sehr wichtig, dass der Betrieb schon w\u00e4hrend der Ausbildung die weitere Karriere gemeinsam mit ihnen plant. Es erstaunt demgegen\u00fcber, wie die jungen Leute die Ausbildungsverg\u00fctungen einsch\u00e4tzen. IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eF\u00fcr 73 Prozent ist die Verg\u00fctung wichtig oder sehr wichtig. Dies ist zwar ein hoher Wert, es gibt jedoch etliche bedeutsamere Aspekte aus Sicht der Jugendlichen. Mit Geld allein ist es jedenfalls nicht getan. Wenn das Klima nicht stimmt, k\u00f6nnen Unternehmen junge Menschen auch mit noch so hohen Verg\u00fctungen nicht mehr so einfach begeistern wie in fr\u00fcheren Jahren.\u201c<\/p>\n<p>Interessant sind aus Sicht der IHK auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Den Sch\u00fclerinnen sind die weichen Faktoren \u201eUmgang mit Mitarbeitern und Auszubildenden\u201c, \u201eF\u00fchrung mit Respekt und Menschlichkeit\u201c, \u201eBetriebsklima\u201c, \u201eTeamgeist\u201c etc. deutlich wichtiger als den Sch\u00fclern. Letztere sch\u00e4tzen die harten Faktoren wie die Ausbildungsqualit\u00e4t oder die beruflichen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten als sp\u00fcrbar bedeutsamer ein als die jungen Frauen. Auch bei der Frage nach dem harten Faktor \u201eAusbildungsverg\u00fctung\u201c geben Sch\u00fcler h\u00f6here Anspr\u00fcche an als Sch\u00fclerinnen \u2013 ein wichtiger Hinweis f\u00fcr Firmen, die \u00fcberwiegend in Berufen ausbilden, in denen entweder ausschlie\u00dflich junge Frauen oder aber junge M\u00e4nner ihre Lehre durchlaufen.<\/p>\n<p>Differenzen zwischen den Geschlechtern treten auch beim Informationsverhalten zutage. Fast alle Informationsquellen in Bezug auf die Ausbildungsplatzwahl sind den weiblichen Sch\u00fclern wichtiger als den m\u00e4nnlichen. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eM\u00e4dchen recherchieren offenbar eher mehr im Internet, vor allem \u00fcber dortige Lehrstellenb\u00f6rsen, finden Praktika wichtiger, fragen eher die Agentur f\u00fcr Arbeit, lesen mehr Zeitungsanzeigen und sch\u00e4tzen Ausbildungs- und Berufsmessen sowie den pers\u00f6nlichen Kontakt zum Ausbildungsbetrieb h\u00f6her ein als die Jungen.\u201c<\/p>\n<p>Ein weiteres erstaunliches Ergebnis: Die \u201eFacebook-Generation\u201c setzt nach wie vor auf \u201etradierte\u201c Informationsbeschaffungskan\u00e4le. Unternehmen, die sich den jungen Menschen zuwenden, sind daher aus Sicht der IHK gut beraten, vor allem \u00fcber eine aussagef\u00e4hige und adressatengerechte Homepage zu verf\u00fcgen und m\u00f6glichst umfangreiche Chancen f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Kontaktaufnahme zu bieten; etwa \u00fcber zielgerichtete Praktika. Franz J. Mockenhaupt: \u201eDer Ausbau und die Pflege des eigenen Internetauftritts sind von wesentlicher Bedeutung. Die Homepage ist als erstes betriebliches Aush\u00e4ngeschild anzusehen, das die Jugendlichen begeistern oder vergraulen kann. Demgegen\u00fcber sollten die Unternehmen deutlich weniger Ressourcen verwenden, um etwa \u00fcber Twitter, Facebook oder XING entsprechende Informationen anzubieten, zumindest derzeit noch.\u201c Zudem m\u00fcsse die eigene Ausbildung als Element einer umfassend verstandenen betrieblichen Personalarbeit begriffen werden, die eigenverantwortliches Handeln und die Wertsch\u00e4tzung in den Mittelpunkt des Ausbildungsalltages stelle. Wer dies beherzige, habe auch im demografischen Wandel gute M\u00f6glichkeiten, zuk\u00fcnftig junge Leute f\u00fcr den eigenen Betrieb zu begeistern.<\/p>\n<p>Die IHK stellte in der Befragung ebenfalls schulformspezifische Unterschiede fest. Danach sch\u00e4tzen Hauptsch\u00fcler vor allem eine gute Ausbildungsstruktur und einen sicheren Arbeitsplatz nach der Ausbildung (94 Prozent). Besonders wichtig ist ihnen zudem ein Praktikum vor der Ausbildung (92 Prozent). Die Praktika sind f\u00fcr sie als Informationsquelle zur Ausbildungswahl wichtiger als die Homepage. Die Ausbildungsverg\u00fctung ist f\u00fcr knapp drei Viertel von ihnen ein wichtiger oder sehr wichtiger Faktor. Bei der konkreten Verg\u00fctungsh\u00f6he ist die Mehrheit aber eher bescheiden. Demgegen\u00fcber legen die Realsch\u00fcler gr\u00f6\u00dften Wert auf die Arbeitsbedingungen (98 Prozent). Die Ausbildungsstruktur und der sichere Arbeitsplatz nach der erfolgreichen Ausbildung haben bei ihnen einen \u00e4hnlich hohen Stellenwert wie bei den Hauptsch\u00fclern. Beim Gesamtvergleich der Faktoren geben die Realsch\u00fcler im Vergleich zu den Hauptsch\u00fclern in der Tendenz h\u00f6here Werte bei den beruflichen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten an. Auch die Ausbildungsqualit\u00e4t sch\u00e4tzen sie als wichtiger ein. Bei den Gymnasiasten ist das Betriebsklima das Top-Kriterium. 100 Prozent von ihnen sch\u00e4tzen dies als wichtig oder sehr wichtig ein. Mehr geht nicht. Auch in punkto eigenverantwortliches Arbeiten sind ihre Anspr\u00fcche deutlich h\u00f6her als bei den Sch\u00fclern anderer Schulformen. Demgegen\u00fcber spielen Praktika vor der Ausbildung und der sichere Arbeitsplatz nach der erfolgten Lehre keine wesentliche Rolle. Je h\u00f6her die Vorbildung der Sch\u00fcler, desto st\u00e4rker sind die Anspr\u00fcche an die beruflichen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten und die Ausbildungsqualit\u00e4t ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Insgesamt sind nach den IHK-Erkenntnissen die weichen Faktoren wie F\u00fchrungskultur, Betriebsklima und Wohlf\u00fchlfaktoren f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Auszubildenden im direkten Vergleich wesentlicher als die harten Faktoren wie die berufliche Entwicklung, die Ausbildungsqualit\u00e4t, die Verg\u00fctung oder die Arbeitsbedingungen. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDer Spa\u00dffaktor ist bedeutsamer als in fr\u00fcheren Zeiten. Spa\u00df bedeutet in diesem Zusammenhang allerdings nicht, dass die Jugendlichen nicht arbeiten wollen. Ganz im Gegenteil. Doch sie erwarten, dass die Arbeit abwechslungsreich ist und in einem angenehmen Miteinander stattfindet. Dies sollten die Unternehmen sowohl bei der Ansprache der Nachwuchskr\u00e4fte als auch bei der konkreten Gestaltung von Arbeits- und Ausbildungspl\u00e4tzen in besonderer Weise ber\u00fccksichtigen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ihk-siegen.de\/fileadmin\/Geschaeftsfelder\/Ueber_uns\/Presse\/Publikationen\/103-Broschuere-Schulabsolventen.pdf\" target=\"_blank\">Brosch\u00fcre zur Umfrage<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Lehrstellenmarkt kehrt sich um. Schon in wenigen Jahren werden sich die jungen Schulabg\u00e4nger ihre Ausbildungsunternehmen aussuchen. 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