{"id":12260,"date":"2019-01-08T11:38:44","date_gmt":"2019-01-08T10:38:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=12260"},"modified":"2019-01-08T11:39:33","modified_gmt":"2019-01-08T10:39:33","slug":"es-geht-um-die-zukunft-unseres-kontinents","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/es-geht-um-die-zukunft-unseres-kontinents\/","title":{"rendered":"&#8222;Es geht um die Zukunft unseres Kontinents&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben in turbulenten Zeiten. Mitten im Spannungsfeld vieler weltpolitischer Krisenherde steht Europa vor einem ganz entscheidenden Jahr, so Arndt G. Kirchhoff, Pr\u00e4sident von unternehmer nrw und CEO der Kirchhoff Holding GmbH und Co. KG, im NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;. Da ist zun\u00e4chst der Brexit: K\u00e4me es, wie von vielen bef\u00fcrchtet, am 29. M\u00e4rz dieses Jahres zu einem \u201eharten\u201c EU-Austritt der Briten, w\u00fcrde dies unweigerlich dramatische Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Ungeachtet der selbst heute noch schwer zu beziffernden Kosten trifft uns Deutsche vor allem der Umstand, dass mit Gro\u00dfbritannien ein wichtiger Verb\u00fcndeter und verl\u00e4sslicher Partner die Europ\u00e4ische Union verl\u00e4sst, dessen Werteger\u00fcst und wirtschaftliche Grund\u00fcberzeugung zu Wettbewerb und Marktwirtschaft jener der Deutschen \u00e4hneln.<\/p>\n<p>Ungeachtet des politischen Desasters trifft der EU-Austritt der Briten Europa auch zu einem \u00f6konomisch ung\u00fcnstigen Zeitpunkt. Die Schulden- und Finanzkrise ist l\u00e4ngst nicht \u00fcberwunden, zu allem \u00dcberfluss schickt sich die neue Regierung Italiens an, mit einer Politik \u00fcberbordender Schuldenmacherei das Miteinander in der Union zus\u00e4tzlich auf eine harte Probe zu stellen. Hinzu kommen die Proteste in Frankreich gegen die notwendige Reformpolitik von Pr\u00e4sident Macron. Erwiese sich die Grande Nation als reformunf\u00e4hig, w\u00e4re dies nicht nur ein R\u00fcckschlag f\u00fcr die franz\u00f6sische, sondern auch f\u00fcr die europ\u00e4ische Wirtschaft insgesamt. Und was mich mit besonders gro\u00dfer Sorge erf\u00fcllt: Europagegner, Populisten und Extremisten haben in j\u00fcngerer Zeit in vielen L\u00e4ndern Europas \u2013 auch bei uns in Deutschland \u2013 enorm viel Zulauf erhalten.<\/p>\n<p>In dieser Gemengelage findet in diesem Jahr die Europawahl statt. Wenn am 26. Mai die Europ\u00e4er an die Wahlurne treten, dann f\u00e4llen sie eine Richtungsentscheidung. Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet hat v\u00f6llig recht, wenn er die B\u00fcrger Nordrhein-Westfalens dazu aufruft, die Europawahlen zu einem Referendum f\u00fcr Europa zu machen. Es geht um die Zukunft unseres Kontinents. Wir alle sollten uns in den n\u00e4chsten Monaten bewusst machen, was wir der europ\u00e4ischen Einigung zu verdanken haben. Denn Europa ist und bleibt das gr\u00f6\u00dfte Friedens- und Freiheitsprojekt des 20. und 21. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen: Auf Basis gemeinsamer Werte hatten sich die Mitgliedstaaten Europas \u00f6konomisch so eng miteinander verflochten, um kriegerische Auseinandersetzungen schlicht unm\u00f6glich zu machen. Gemeinsames Handeln in Wirtschaftsfragen hat einst national denkende Volkswirtschaften davon \u00fcberzeugt, dass ein Miteinander aller Industrienationen zu mehr Wohlstand f\u00fcr alle f\u00fchren wird. Diese wirtschaftliche Integration hat sich Schritt f\u00fcr Schritt zum weltweit gr\u00f6\u00dften Binnenmarkt f\u00fcr eine halbe Milliarde Menschen entwickelt, der ihnen den freien Verkehr f\u00fcr Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital gew\u00e4hrt. Wir als EU-B\u00fcrger k\u00f6nnen uns jetzt entscheiden, wohin wir reisen, wo wir leben, wo wir arbeiten oder wo wir studieren wollen. Welch unfassbares Geschenk!<\/p>\n<p>Um den gemeinsamen Markt noch sattelfester zu machen, haben wir Europ\u00e4er uns eine gemeinsame W\u00e4hrung gegeben. Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Euro eine stabile und sichere W\u00e4hrung geblieben. Er genie\u00dft auf den internationalen M\u00e4rkten und bei den Unternehmen gro\u00dfes Vertrauen. Welch kluge Entscheidung!<\/p>\n<p>F\u00fcr Nordrhein-Westfalen, seine Unternehmen und seine Besch\u00e4ftigten ist die Europ\u00e4ische Union die wichtigste Quelle des Wohlstands: Rund 65 Prozent aller Ausfuhren gehen in die L\u00e4nder der EU. Acht der zehn wichtigsten Ziell\u00e4nder f\u00fcr unsere Erzeugnisse liegen in der EU. Und: Nordrhein-Westfalen ist auch Deutschlands Spitzenreiter f\u00fcr EU-Einfuhren \u2013 fast ein Viertel aller bundesweiten EU-Importe finden ihr Ziel in NRW.<\/p>\n<p>Gerade wir m\u00fcssen also ein existenzielles Interesse an einer starken Europ\u00e4ischen Union haben. Machen wir uns nichts vor: Kein einziger Mitgliedstaat der Europ\u00e4ischen Union \u2013 auch Deutschland nicht \u2013 ist allein so gro\u00df und stark, um als Global Player im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein. Nur als einiges Europa haben wir die Chance, mit den f\u00fchrenden Wirtschaftsm\u00e4chten der Welt mitzuhalten, auch politisch auf Augenh\u00f6he wahrgenommen zu werden \u2013 und nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.<\/p>\n<p>Dies aber st\u00fcnde zu bef\u00fcrchten, k\u00e4me es nach der Europawahl zu einer R\u00fcckkehr zu nationalen Alleing\u00e4ngen und Protektionismus. Gerade deshalb erwarte ich von den demokratischen Parteien dieses Landes, f\u00fcr die Werte Europas einzustehen und massiv zu werben. Dieser F\u00fchrungsaufgabe ist so mancher Politiker in den letzten Jahren nicht gerecht geworden und hat bei unbequemen Entscheidungen die Verantwortung lieber auf Br\u00fcssel abgew\u00e4lzt. Dies mag ein Grund daf\u00fcr sein, dass sich immer mehr Menschen den Populisten im eigenen Land zuwenden und ihren tumben Parolen mehr trauen als einer an Fakten orientierten Politik. Viel zu wenig wird hinterfragt, ob diese nationalistischen Bewegungen tats\u00e4chlich zukunftsf\u00e4hige L\u00f6sungen anbieten.<\/p>\n<p>Umso mehr erwarte ich jetzt von einer verantwortungsvollen Politik, dass Europa wieder gro\u00df in den gro\u00dfen Themen gemacht wird und sich auf die Kernfragen einer gemeinsamen Zukunft besinnt: Sicherheit, Migration, Digitalisierung, Energie-Binnenmarkt, Klimawandel, europ\u00e4ische Verkehrspolitik, Wachstum und Besch\u00e4ftigung \u2013 das sind die gro\u00dfen Herausforderungen, deren Bew\u00e4ltigung heute und f\u00fcr die Zukunft der Europ\u00e4ischen Union wichtig sind.<\/p>\n<p>Ich bleibe dabei: Die europ\u00e4ische Idee ist eine Erfolgsgeschichte. Wir brauchen auch in Zukunft ein vereintes Europa. Es muss gelingen, das Vertrauen der Menschen in die Europ\u00e4ische Union wieder deutlich zu st\u00e4rken. Mehr denn je und dringender denn je m\u00fcssen wir als B\u00fcrger Europas jetzt an der Wahlurne beweisen, dass uns eine gemeinsame europ\u00e4ische Politik wichtig ist, die Sicherheit, Arbeitspl\u00e4tze und Wohlstand schafft. Und wir als Deutsche m\u00fcssen begreifen: Wohl keinem anderen Land w\u00fcrde ein weiteres Auseinandergehen Europas so sehr schaden wie uns!<\/p>\n<p>Arndt G. Kirchhoff ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der KIRCHHOFF Gruppe und CEO der KIRCHHOFF Holding GmbH &amp; Co. KG. Zudem ist er Pr\u00e4sident der Landesvereinigung der Unternehmensverb\u00e4nde NRW (unternehmer nrw) und des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie NRW (METALL NRW).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in turbulenten Zeiten. Mitten im Spannungsfeld vieler weltpolitischer Krisenherde steht Europa vor einem ganz entscheidenden Jahr, so Arndt G. 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