{"id":12117,"date":"2018-12-19T08:18:54","date_gmt":"2018-12-19T07:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=12117"},"modified":"2018-12-18T15:21:32","modified_gmt":"2018-12-18T14:21:32","slug":"keine-strohfeuer-entfachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/keine-strohfeuer-entfachen\/","title":{"rendered":"\u201eKeine Strohfeuer entfachen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit Freude betrachtete IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel, wie die Mitglieder der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Siegen in dem gut 100 Seiten starken, druckfrischen \u201eZentrumsmonitor 2018 f\u00fcr die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe\u201c bl\u00e4tterten: \u201eMit dieser richtungsweisenden Studie haben wir nun eine strukturpolitisch f\u00fcr die gesamte Region bedeutende Handreichung, aus der wir in den kommenden zwei, drei Jahren Honig f\u00fcr den Handel in unseren Zentren saugen k\u00f6nnen.\u201c Wie die Studie bzw. deren Auswertung zu lesen sind, das erl\u00e4uterte Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein dem \u201eParlament der Wirtschaft\u201c. Ihre Strategie-beratung hatte die Studie verfasst. Die IHK finanzierte die Studie gemeinsam mit den Sparkassen und Volksbanken in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. \u201eDaf\u00fcr noch einmal ganz herzlichen Dank\u201c, betonte Felix G. Hensel gegen\u00fcber den anwesenden Vertretern der heimischen Kreditwirtschaft, \u201edas ist nicht selbstverst\u00e4ndlich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJedes der 23 untersuchten Zentren im Kammerbezirk der IHK Siegen ist individuell\u201c, fasste Hanna Schramm-Klein die Ergebnisse zusammen. \u201eIn jedem dieser Zentren ist das Kaufverhalten der Kunden unterschiedlich. Und jedes von ihnen kann in irgendeinem Bereich als Benchmark f\u00fcr diese Region stehen.\u201c So gebe es beispielsweise in Kirchhundem oder in Siegen-Mitte nahezu gleich gro\u00dfe Gruppen stark onlineaffiner Markenk\u00e4ufer, onlineaffiner Standardk\u00e4ufer, serviceorientierter Markenk\u00e4ufer und onlineaverser Regionalk\u00e4ufer, w\u00e4hrend in Wenden und Freudenberg die onlineaffinen K\u00e4ufer deutlich in der \u00dcberzahl seien. Aus diesen unter gut 4600 Kunden erhobenen Daten k\u00f6nne man ableiten, dass sich das Kaufverhalten zwischen Stadt und Land quasi nicht unterscheide, erl\u00e4uterte sie. \u201eDie Landbev\u00f6lkerung ist sogar noch einen Tick onlineaffiner als die Stadtbev\u00f6lkerung in einer ohnehin eher als l\u00e4ndlich zu bezeichnenden Region.\u201c Und so d\u00fcrfe sich das einzige Oberzentrum der Region auch nicht mit anderen St\u00e4dten der Region messen, sondern mit nahen Oberzentren wie K\u00f6ln, Dortmund oder Frankfurt.<\/p>\n<p>Das Kaufverhalten an sich werde sich in den kommenden Jahren weiter stark ver\u00e4ndern, prognostizierte die Professorin. Die Zahl der online-, vor allem die der smartphoneaffinen Kunden nehme dabei stetig zu. Und: \u201eDie j\u00fcngeren Generationen sind kritischer, wenn es darum geht, das Zentren- und insbesondere das Einzelhandelsangebot zu beurteilen.\u201c Warum? \u201eDas Internet bietet einen breiten und gro\u00dfen Zugang zum Angebot in nahezu allen Kategorien. Es weist die h\u00f6chste Zentralit\u00e4t auf. Zumindest teilweise werden K\u00e4ufe ins Netz verlagert, weil es Dinge vor Ort nicht gibt.\u201c Ausnahmen seien Produkte des l\u00e4ngerfristigen Bedarfs. Diese kaufe man nicht nur im Internet, sondern h\u00e4ufig auch in einem anderen, attraktiveren Zentrum. Auch hier sei der dominierende Einkaufsgrund nicht zwingend ein Mangel an Attraktivit\u00e4t vor Ort, sondern die Produktvielfalt. Hanna Schramm-Klein: \u201eDas ist eine Bedrohung f\u00fcr einzelne Branchen, z.B. die Reiseb\u00fcrobranche.\u201c<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Defizite h\u00e4tten die Kunden indes im Bereich der Mode ausgemacht. \u201eL\u00e4sst sich das durch die Ansiedlung der gro\u00dfen Ketten kompensieren?\u201c, erkundigte sich Hendrik Enders. Die Professorin sch\u00fcttelte den Kopf: Die Frage sei schwierig zu beantworten, da man es mit einem durchaus schizophrenen Konsumentenverhalten zu tun habe. \u201eErst rufen sie nach den gro\u00dfen Ketten, und dann hei\u00dft es: \u201aHier gibt es auch nichts Individuelles!\u2018\u201c #<\/p>\n<p>Als typisch f\u00fcr diese Region habe sich herausgestellt, dass alle Aspekte, die mit dem Auto zu tun haben, hoch bewertet werden. Dennoch: \u201eErreichbarkeit, Sicherheit und Sauberkeit sind die wichtigsten Kriterien\u201c, z\u00e4hlte Hanna Schramm-Klein auf. \u201eWenn das nicht erf\u00fcllt ist, haben die St\u00e4dte gro\u00dfe Probleme.\u201c Dennoch seien nicht diese Faktoren pr\u00e4gend f\u00fcr die Zentren, sondern vor allem Attraktivit\u00e4t und Lebendigkeit.<\/p>\n<p>Mit einem Irrglauben r\u00e4umte Prof. Schramm-Klein abschlie\u00dfend noch auf: \u201eWir bekommen oft zu h\u00f6ren, dass die Gastronomie der neue Handel in den Zentren sei. Das wird durch die Studie nicht belegt. Die Menschen kaufen nach wie vor gern in den Zentren und kommen wegen des Einzelhandelsangebots.\u201c<\/p>\n<p>Was also ist zu tun, um einem Zentrum einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen? \u201eDie Attraktivit\u00e4t des Zentrenumfelds und des Angebots st\u00e4rken, um die Kunden m\u00f6glichst davon abzuhalten, in anderen Zentren einzukaufen\u201c, res\u00fcmierte sie. \u201eDas hat aber keinen Einfluss darauf, dass die Kunden online kaufen. Die Attraktivit\u00e4t der Zentren verhindert lediglich eine Abwanderung der Kunden in ein anderes Zentrum.\u201c Ihre Empfehlung: Da es \u201esehr, sehr lange\u201c dauere, bis \u00c4nderungen in den Kommunen bei den Kunden ank\u00e4men, m\u00fcssten die St\u00e4dte und Gemeinden schon heute die Ergebnisse der Studie in Aktionen umsetzen. Und damit seien nicht \u201ekleine Strohfeuer an vielen Stellen\u201c gemeint. Um den Kommunen im Kammerbezirk dabei unter die Arme zu greifen, beschloss die Vollversammlung, im kommenden Jahr weitere 40.000 Euro f\u00fcr einzelhandelsrelevante Projekte bereitzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Freude betrachtete IHK-Pr\u00e4sident Felix G. 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