{"id":11537,"date":"2018-11-13T09:52:14","date_gmt":"2018-11-13T08:52:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=11537"},"modified":"2018-11-13T09:52:14","modified_gmt":"2018-11-13T08:52:14","slug":"sichere-trinkwasserversorgung-in-zeiten-des-klimawandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/sichere-trinkwasserversorgung-in-zeiten-des-klimawandels\/","title":{"rendered":"Sichere Trinkwasserversorgung in Zeiten des Klimawandels"},"content":{"rendered":"<p>Was kann die Region tun, damit auch unsere Kinder und Enkelkinder in einigen Jahrzehnten noch ausreichend Trinkwasser haben werden? K\u00f6nnten im Kreis Siegen-Wittgenstein ein oder zwei weitere Trinkwassertalsperren gebaut werden? Eventuell auch zur Energiegewinnung und f\u00fcr eine Sport- und Freizeitnutzung? Diese Fragen m\u00f6chte die Kreisverwaltung untersuchen lassen und schl\u00e4gt vor, im ersten Schritt eine Vorstudie f\u00fcr eine Machbarkeitsstudie f\u00fcr neue Talsperren vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt der Universit\u00e4t Siegen erstellen zu lassen.<\/p>\n<p>Zwei m\u00f6gliche Standorte sollen neu bewertet werden. Diese sind bereits im aktuellen Regionalplan von 2008 enthalten: die Truftetalsperre auf dem Gebiet der Stadt Bad Berleburg und die Elberndorftalsperre im Bereich der Gemeinde Erndtebr\u00fcck und der Stadt Hilchenbach. Der Ausschuss f\u00fcr Wirtschaft und Regionalentwicklung wird sich in seiner Sitzung am 21. November erstmals mit einer entsprechenden Vorlage der Kreisverwaltung besch\u00e4ftigen. \u201eDabei m\u00f6chte ich betonen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt \u00fcberhaupt keine Vorfestlegungen gibt\u201c, unterstreicht Landrat Andreas M\u00fcller: \u201eAlle Untersuchungen und \u00dcberlegungen sind v\u00f6llig ergebnisoffen.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Kreisverwaltung diese Frage gerade jetzt auf die Tagesordnung setzt, ist nicht zuletzt auch dem Rekordsommer 2018 zu verdanken. In Sachen D\u00fcrre und Anzahl der Sommer- und Hitzetage hat dieser sogar dem bisherigen Rekordsommer von 2003 den Rang abgelaufen. \u00dcber viele Monate hat es in weiten Teilen des Bundesgebietes wenig bis gar nicht geregnet. Im August waren 90 Prozent der Fl\u00e4che Deutschlands von einer D\u00fcrre betroffen. Die Trinkwasserversorgung war jedoch zum Gl\u00fcck jederzeit gesichert \u2013 auch bei uns in Siegen-Wittgenstein: Obernau- und Breitenbachtalsperre sind nach wie vor gut gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Doch nicht nur dieser Sommer macht deutlich: der Klimawandel hat eingesetzt und seine Auswirkungen sind Jahr f\u00fcr Jahr immer deutlicher zu sp\u00fcren. \u201eIn dieser Situation sind Politik und Verwaltung gefordert, fr\u00fchzeitig Konzepte zu entwickeln, um mittelfristig f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Folgen des Klimawandels gut aufgestellt zu sein\u201c, sagt der Landrat: \u201eW\u00fcrden wir mit solchen Planungen erst beginnen, wenn z.B. unsere Talsperren absehbar leer laufen, w\u00e4re es zu sp\u00e4t, um noch reagieren zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Deshalb schl\u00e4gt die Kreisverwaltung jetzt vor, sich erstmals wieder ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, ob weitere Trinkwassertalsperren in Siegen-Wittgenstein errichtet werden k\u00f6nnen.\u00a0\u201eDiese \u00dcberlegungen sind grunds\u00e4tzlich nicht neu\u201c, erl\u00e4utert der zust\u00e4ndige Bau- und Umweltdezernent Arno Wied: \u201eSchon 1931 hat man vor dem Hintergrund des Bev\u00f6lkerungswachstums und der aufstrebenden Wirtschaft erstmals intensiv \u00fcber Trinkwassertalsperren f\u00fcr die Region nachgedacht.\u201c Umgesetzt wurden die Pl\u00e4ne aber erst in der Nachkriegszeit. In den Jahren 1953 bis 1956 entstand die Breitenbachtalsperre. Nach den extrem trockenen Jahren 1957 und 1959 begannen die Planungen f\u00fcr die Obernautalsperre. Diese ging 1972 in Betrieb.<\/p>\n<p>Wenige Jahre sp\u00e4ter, 1979, wurde im \u201ePerspektivplan Wasserversorgung Siegen-Wittgenstein\u201c die Empfehlung ausgesprochen, eine dritte \u201en\u00f6rdliche Talsperre\u201c zu errichten. Damals wurden insgesamt 22 Standorte untersucht. Von denen befinden sich zwei noch heute im aktuellen Regionalplan: die Truftetalsperre und die Elberndorftalsperre.<\/p>\n<p>Der Anfang 2017 in Kraft getretene Landesentwicklungsplan NRW fordert nun dazu auf, die schutzbed\u00fcrftigen Einzugsbereiche solch m\u00f6glicher k\u00fcnftiger Trinkwassertalsperren zeichnerisch festzulegen und zu sichern. Da zudem aktuell der Teilplan des Regionalplanes der Bezirksregierung Arnsberg f\u00fcr das Gebiet des M\u00e4rkischen Kreises, des Kreises Olpe und des Kreises Siegen-Wittgenstein neu aufgestellt wird, ist aus Sicht der Kreisverwaltung im Moment genau der richtige Zeitpunkt, um sich mit der Frage von ein oder zwei weiteren Trinkwassertalsperren zu besch\u00e4ftigen. Im ersten Schritt schl\u00e4gt die Kreisverwaltung der Politik vor, eine Vorstudie in Auftrag zu geben, um die Aspekte herauszuarbeiten, die im zweiten Schritt in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden m\u00fcssen. Die Vorstudie k\u00f6nnte vom Institut Wasser und Umwelt am Lehrstuhl f\u00fcr Hydromechanik, Binnen- und K\u00fcstenwassserbau der Uni Siegen erstellt werden.<\/p>\n<p>In die Neubewertung der m\u00f6glichen Standorte wird dann auch deren Eignung zur Energieerzeugung und als Gew\u00e4sser f\u00fcr Erholungs-, Sport- und Freizeitzwecke gepr\u00fcft werden. Denn laut Landesentwicklungsplan sollten Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser nach M\u00f6glichkeiten auch diesen Zwecken dienen, wenn dem nicht erhebliche wasserwirtschaftliche oder naturschutzfachliche Belange entgegenstehen. Gerade die Fragen des Natur- und Umweltschutzes werden bei den anstehenden Pr\u00fcfungen eine wesentliche Rolle spielen, betont auch Arno Wied. \u201eEs ist ganz klar, dass der Bau von Talsperren auf jeden Fall mit Beeintr\u00e4chtigungen von Flora und Fauna verbunden w\u00e4re\u201c, sagt der zust\u00e4ndige Dezernent: \u201eDeshalb ist die Umsetzung ohnehin nur unter der Voraussetzung m\u00f6glich, dass zuvor eine FFH-Ausnahmepr\u00fcfung positiv abgeschlossen wurde.\u201c<\/p>\n<p>Auch Andreas M\u00fcller macht noch einmal deutlich: \u201eOb wir am Ende wirklich in ein paar Jahrzehnten eine dritte oder vierte Trinkwassertalsperre in Siegen-Wittgenstein haben werden, kann heute niemand verl\u00e4sslich vorhersagen. Aber vor dem Hintergrund des Klimawandels w\u00e4re es ein grober Fehler, nicht alle Optionen, die wir haben, ganz sorgf\u00e4ltig zu pr\u00fcfen!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was kann die Region tun, damit auch unsere Kinder und Enkelkinder in einigen Jahrzehnten noch ausreichend Trinkwasser haben werden? 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